Liebe Mittvierziger, unsere Erziehung und das Familienleben in den 60ern war ja sicher noch etwas anders als es heute der Fall ist. Ich wüsste gerne mal, wie Ihr die Unterschiede von damals zu heute empfindet? Macht Ihr es bei Euren eigenen Kindern ganz bewusst anders. Ich habe leider keine Kinder, daher kann ich hier nicht aus dem Erfahrungsschatz heraus berichten.
Auf jeden Fall war meine Erziehung Mitter der 60er sicher noch recht streng, zumindest als ich ein kleines Kind war, da gab es durchaus noch was auf den Hosenboden. Könnt Ihr Euren Eltern solche Dinge, sofern es sie bei Euch gab, verzeihen? Habt Ihr Verständnis für die Verhaltensweisen Eurer Eltern damals? Bei meinen Altersgenossinen damals war es recht ähnlich, teilweise sogar noch strenger.
Mir gelingt das Verständnis und das Verzeihen leider nur teilweise - an einigen Ungerechtigkeiten knabbere ich noch heute. Nicht, dass es mich täglich im Leben begleitet, aber ich hätte mir manches anders und verständnisvoller uns Kindern gegenüber gewünscht.
Später, in den Jugendjahren, waren meine Eltern eher locker drauf, auch heute haben wir ein erwachsenes Verhältnis miteinander. Wäre froh, von Euch Rückmeldung zu erhalten.
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07.02.2008, 20:10
Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
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07.02.2008, 20:28
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
Hallo Emma,
ich bin Jahrgang 1963, habe auch die Erinnerung, dass früher einige Sachen ohne Widerrede gemacht werden mussten, weil die Eltern es gesagt haben. Für mich war besonders die Pubertät (also 70er) sehr schwierig, ich wurde sehr kurz gehalten und durfte wenig. Ich bin mir sicher, dass ich dadurch einige "Startschwierigkeiten" im Vergleich zu anderen hatte, und bei einigen für mich extrem belastenden Situationen weiss ich noch wie heute, dass ich mir vorgenommen habe, es bei meinen eigenen Kindern anders zu machen.
Meine Kinder sind 9 und 11, und ich habe mich an meine Vorsätze gehalten. Die für mich damals schlimmste Zeit kommt ja noch, aber ich bin gut aufgestellt. Die Kinder haben sich bislang auch gut entwickelt, sie finden mich aber bestimmt nicht in jeder Lebenslage prima, ich möchte aber immer im Dialog mit ihnen stehen und sie ernst nehmen.
Mein Verhältnis zu meinen Eltern war damals eine Zeitlang sehr schwierig, ab Mitte/Ende Zwanzig entspannte es sich. Mittlerweile komme ich mit meiner Mutter gut zurecht (mein Vater lebt nicht mehr), und ich glaube, dass sie es damals wohl auch einfach nach bestem Wissen gemacht hat, es war ja noch nicht so üblich, sich auch mal selbst zu reflektieren.
Also, so gesehen habe ich es vergeben, aber nicht vergessen.
Gruß blaueshaus
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07.02.2008, 20:36Inaktiver User
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
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07.02.2008, 20:37
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
Danke, Blaueshaus, Du sprichst mir aus der Seele!
Genau, es wurde ganz sicher kaum reflektiert, das macht mich noch heute so wütend, dass vieles nie und nimmer hinterfragt wurde, oder dass darüber nachgedacht wurde, was dies oder jenes mit uns Kindern gemacht hat (zumindest habe ich das nie feststellen können).
Ob meine Eltern manchmal Selbstzweifel hatten?? Glaube ich nicht. Dabei sind meine Eltern keine schlicht strukturierten, sondern gebildete Menschen.....
Ich bin übrigens auch Jahrgang 1963
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07.02.2008, 20:51Inaktiver User
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
Hallo,
ich bin auch Jahrgang 1963 und kann mich blaueshaus nur anschließen. Bei mir kam noch hinzu, dass ich für damalige Zeiten schon recht "alte" Eltern hatte. Meine Mutter war bei meiner Geburt 38, mein Vater 40; da waren sie schon fast zehn Jahre verheiratet. Ich war das erste Kind und bekam 2 1/2 Jahre später noch eine Schwester. Heute ist das Kinderkriegen in dem Alter ja gang und gäbe. Von daher bin ich im Zweifel eher noch strenger erzogen worden als Ihr von Euren Eltern, die ja wahrscheinlich bei Eurer Geburt in den 20ern oder höchstens Anfang 30 waren. Ich hätte mit einer anderen Erziehung wahrscheinlich ein größeres Selbstbewusstsein gehabt - auch heute. Aber meine Eltern waren halt auch Kinder ihrer Zeit; sie waren eher einfache Leute und hatten außerdem persönlich mit schweren Schicksalsschlägen (Mutter mit 10 Jahren Halb- und mit knapp 12 Jahren Vollwaise, Vater 3 1/2 Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft) und Krankheiten zu kämpfen; das berücksichtige ich mit. Außerdem haben sie viel für mich getan; ich durfte als erste in der Familie Abitur machen und studieren. Dafür bin ich ihnen natürlich dankbar. Ich denke, sie haben mich nach bestem Wissen und Gewissen erzogen, wenngleich so manches natürlich falsch, zu streng (auch bei uns gab es "Senge") , aber teils auch zu behütend war. Meine Mutter lebt noch, mein Vater nicht mehr. Kinder habe ich leider auch keine, sodass ich nichts anders oder "besser" machen konnte.Geändert von Inaktiver User (07.02.2008 um 20:57 Uhr)
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07.02.2008, 20:58
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
Worüber ärgerst du dich denn heute noch? Ich habe zu meiner Mutter ein freundschaftliches Verhältnis, das aber davon geprägt ist, dass ich das mache, was ich für richtig halte. Sie hat das auch akzeptiert.
Mit Sicherheit wäre einiges anders gelaufen, wenn... andererseits bin ich sehr zufrieden, was ich aus meinem Leben gemacht habe, und dass ich immer noch versuche, mich weiterzuentwickeln.
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07.02.2008, 21:01
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
ELTERN haben in der Regel immer versucht es gut zu machen.
Auch wenns dann doch nicht so geklappt hat.
Wer da heute noch damit hadert, vergeuet sein Leben, als Opfer.
Es ist vorbei.
LEBEN IST JETZT
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07.02.2008, 21:03
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
Ärgern ist das falsche Wort. Ich würde sagen, es ist wie bei Dir: vergeben, aber nicht vergessen.
Keineswegs verkenne ich die guten und wunderbaren Seiten meiner Eltern. Es ist heute ein sehr liebevolles und respektvolles Verhältnis, und sie lassen mich auch ganz mein Ding machen, obwohl sie es sicher anders lieber hätten (würden das aber nie äußern).
Ich würde lediglich dem Kind, das ich damals war, und das so vieles nicht verstanden hat, eine andere Kinderzeit gewünscht haben und vielleicht hätte ich dann einen anderen Start ins Erwachsenenleben genommen - so wie Du das auch empfindest. Ist das verständlich ausgedrückt?
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07.02.2008, 21:07Inaktiver User
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
Ich habe auch ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter und hänge sehr an ihr, aber ich finde, sie hätte in meiner Kindheit und Jugend öfter etwas Anerkennendes zu mir bzw. über mich sagen können. Da ich eine gute Schülerin und auch sonst "pflegeleicht" war (meines Erachtens viel zu pflegeleicht), hätte sie dazu allen Grund gehabt. Aber das kam ihr kaum über die Lippen, eher kritisierte sie, manchmal auch herabsetzend. Auch heute fällt ihr Lob noch nicht leicht (eher äußert sie sich positiv über Außenstehende, meine Cousinen etc.). Sie ist ein Mensch, der schwer Gefühle zeigen kann, was wahrscheinlich auch mit ihrer Kindheit (s.o.) zusammenhängt. Ich meine aber, mit mehr Bestätigung und Ermutigung vonseiten meiner Mutter wäre es mir leichter gefallen (und würde es mir auch heute leichter fallen), selbstbewusst aufzutreten, sei es beruflich oder privat. Natürlich arbeite ich daran, es hat im Vergleich zu früher auch erhebliche Fortschritte gegeben, aber ich denke, es gibt viele, die in dieser Beziehung einfach bessere familiäre Rahmenbedingungen hatten. Die können sich dann auch eher im Beruf im Szene setzen und wirken wahrscheinlich auch auf Männer anziehender.
Zitat von blaueshaus
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07.02.2008, 21:13
AW: Wie war Eure Erziehung in den 60ern - könnt Ihr Euren Eltern alles verzeihen?
Ich würde lediglich dem Kind, das ich damals war, und das so vieles nicht verstanden hat, eine andere Kinderzeit gewünscht haben und vielleicht hätte ich dann einen anderen Start ins Erwachsenenleben genommen - so wie Du das auch empfindest. Ist das verständlich ausgedrückt?
Ja, das kann ich gut verstehen. Ich habe auch eine Zeitlang meiner nicht ausgelebten Jugend nachgeweint. Mittlerweile ist es aber so, wie es ist, und das "kleine blauehaus" gibt es so ja gar nicht mehr. Und, wie gesagt, ich habe den festen Vorsatz, mich meinen Kindern gegenüber nicht so zu verhalten.


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