Ich sitze gerade ziemlich frustriert herum, kann nicht schlafen, bin rundum genervt und habe das Gefühl, am liebsten alles hinschmeißen zu wollen... einerseits liegt es gerade an einem direkten Auslöser (habe mal wieder blöden Stress mit meiner Tochter), andererseits ist es so ein allgemeines Gefühl von "Leben, du kannst mich mal!"
Ich hadere gerade mit meinem Leben, dem, was ich gemacht, geschafft und vor allem auch nicht geschafft habe... manchmal habe ich das Gefühl, ich hätte mich in eine Aufgabe verrannt, die nicht "meins" war. Ich habe mich immer mehr hineingesteigert, habe immer mehr versucht, sie "perfekt" hinzubekommen, was natürlich nicht funktioniert hat. Was aber nur zu noch mehr Investitionen auf diesem Gebiet geführt hat und den Frust nur noch größer macht.
Und jetzt stehe ich an dem Punkt, wo ein Teil von mir sagt, jetzt ist es genug! Noch mehr von der gleichen Sache wird dich nicht glücklicher machen! Lass es gut sein! Ein anderer Teil ist aber verzweifelt, will nicht "aufgeben", hofft immer noch, das "Ziel" (welches ursprünglich gar nicht so bewusst mein Ziel war), doch noch erreichen zu können.
Und da stehe ich dazwischen, fühle mich gerade so gebeutelt, dass ich mein ganzes Leben "in die Tonne treten " könnte, mich dabei erwische, wie ich mich Phantasien hingebe, in denen ich ein paar Euro nehme, mir ein Ticket ans andere Ende der Welt besorge und einfach abhaue...
Natürlich werde ich nicht einfach abhauen (wahrscheinlich nicht), dafür bin ich dann doch zu pflichtbewusst. Aber dieser Zustand nervt mich ganz schön und mein Partner hat es auch nicht gerade einfach mit mir.
Ich frage mich, ist das eine typische Erscheinung in dem Alter? Begleiterscheinungen der Wechseljahre? Midlife Krise? Und vor allem, wie komme ich da heraus? Wie kann ich "loslassen"? Ich habe im Augenblick eher das Gefühl, "aufgeben " zu müssen, was wahrscheinlich auch den ganzen Frust verursacht![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 21
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06.06.2016, 01:00Inaktiver User
Loslassen - wie gelingt euch das?
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06.06.2016, 01:26
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
Was willst du denn loslassen, Daisy?
Den Perfektionismus oder ähnliches Getier?
Für mich bedeutet "Loslassen" mir dessen bewusst zu sein, was mich daran hindert, es zu tun, mir bewusst zu sein, was ich denn loslassen will ...
Ich habe neulich und vorhin einen Spruch gehört, der dir zwar im Moment nicht gross helfen wird, aber vielleicht doch nachdenkenswert ist ...
Eben gehört bei "Criminal Minds" und auch bei "Gottes Werk und Teufels Beitrag" ...
ist zwar aus dem Kontext, aber ich finde, es passt überall hin.
Er bringt es für mich auf den Punkt!
"Manchmal ist das Schwierigste nicht das Loslassen, sondern zu lernen,
von vorne anzufangen."
Nicole Sobon
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06.06.2016, 01:35
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
Ich glaube Du brauchst Zeit nur ganz allein fuer Dich, kannst Du vielleicht einen eine Reise nur fuer Dich unternehmen?
Du liest Dich einfach mit deinem Leben überfordert.Los lassen ist einer der besten Geschenke die man sich geben kann.
Mckenzie
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06.06.2016, 02:28Inaktiver User
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
Ich würde gerne meinen Wunsch nach einer "glücklichen Familie" loslassen.
Da ich einerseits davon ausgehe, dass sich die meisten Menschen so etwas wünschen, andererseits aber immer mehr den Eindruck habe, dass das für mich zu einer Art fixen Idee geworden ist, die sowohl mich als auch wahrscheinlich meine nächste Umgebung eher belastet, fällt mir das Loslassen dieses Wunsches schwer, aber gleichzeitig empfinde ich es als notwendig.
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06.06.2016, 08:54Inaktiver User
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
Was wünscht Du Dir von diesem Strang?
Hilfestellungen beim "Loslassen"? Anregungen, wie Du Dich selbst beruhigen, erden, entspannen kannst?
Das "große Ganze", der "Rumdumschlag" sind meist zu unförmig und groß. Wenn Du dort ansetzt, fühlst Du Dich u.U. wie Sisyphos, und gibst schnell auf. Umsetzbarer wird es, die aktuelle (!) Situation, das Greifbare in bewältigbare Projekte zu unterteilen, die Du tatsächlich angehen kannst.
Was könnte das konkret für Dich sein?
Was kannst DU verändern?
Klar ist: Du kannst andere, wie Deine Tochter beispielsweise, NICHT verändern. Die einzigen Stellschrauben, die Du bewegen kannst, liegen in Dir: In Deiner Herangehensweise an Themen, Deiner Selbstfürsorge, Deinem Konfliktmanagement beispielsweise.
Das ist vorbei, water under the bridge. Du kannst JETZT an der Vergangenheit nichts mehr ändern. Das ist eine der wichtigsten Lektionen beim Loslassen: Veränderbar ist einzig das Hier und Jetzt. Auf die Vergangenheit hast Du keinen Zugriff mehr, sie ist passiert und lässt sich nicht umschreiben. Die Zukunft ist ungewiss, noch nicht greif-, und deshalb auch nicht steuerbar.Ich hadere gerade mit meinem Leben, dem, was ich gemacht, geschafft und vor allem auch nicht geschafft habe... manchmal habe ich das Gefühl, ich hätte mich in eine Aufgabe verrannt, die nicht "meins" war. Ich habe mich immer mehr hineingesteigert, habe immer mehr versucht, sie "perfekt" hinzubekommen, was natürlich nicht funktioniert hat. Was aber nur zu noch mehr Investitionen auf diesem Gebiet geführt hat und den Frust nur noch größer macht.
Was Du jedoch konkret steuern und gestalten kannst, ist das Hier und Jetzt.
Eine gute Übung dafür ist, den Blick für die GUTEN Dinge zu schärfen, und diese bewusst aufzusuchen, wenn die Welt gerade schief in den Angeln hängt. Mir geht es oft so, dass die Besinnung auf das Gute, und sei es auch nur eine feine Tasse Tee auf einem tristen Krankenhausflur, eine kurze Zeitspanne des Durchatmens, ganz viel neue Kraft gibt. Ich erlaube mir dann, für diese Momente GANZ auf meiner "Teetasseninsel" zu sein, und dort Energie zu tanken. Das ist eine ganz konkrete Übung in Sachen Hier und Jetzt - keine Grübeleien, kein Problemgewälze, nur ich und meine Sinne: Geruch, Geschmack, Haptik. Kein Gedöns, sondern ein Moment der Ruhe.
Wie wäre es, wenn Du dieses Konglomerat in Einzelaspekte aufteiltest, die Du tatsächlich angehen und verändern kannst?Und jetzt stehe ich an dem Punkt, wo ein Teil von mir sagt, jetzt ist es genug! Noch mehr von der gleichen Sache wird dich nicht glücklicher machen! Lass es gut sein! Ein anderer Teil ist aber verzweifelt, will nicht "aufgeben", hofft immer noch, das "Ziel" (welches ursprünglich gar nicht so bewusst mein Ziel war), doch noch erreichen zu können.
Die Fixierung auf ein Ziel, das Du allein gar nicht verwirklichen kannst (die funktionierende, harmonische Familie), sorgt gleichzeitig dafür, dass Du Dir selbst Energie im Hier und Jetzt raubst. Du sabotierst Dich damit selbst. Mach Dir klar, dass Dein Ziel Anstrengungen aller Beteiligten braucht. Aber Du bist nicht alle. Du bist nur Du. Und zwar hier, jetzt.
Eine Reise zu unternehmen, um Luft zu holen, auf andere Gedanken zu kommen, einmal nur Zeit für DICH zu haben, ist meines Erachtens nicht gleichbedeutend damit, gleich das "ganze Leben in die Tonne zu treten". Es gibt nicht nur weiss und schwarz - das Leben ist bunt, und besteht aus vielen Zwischentönen.Und da stehe ich dazwischen, fühle mich gerade so gebeutelt, dass ich mein ganzes Leben "in die Tonne treten " könnte, mich dabei erwische, wie ich mich Phantasien hingebe, in denen ich ein paar Euro nehme, mir ein Ticket ans andere Ende der Welt besorge und einfach abhaue...
Wenn Dein Gefühl Dir also sagt, dass Du eine Auszeit für Dich allein brauchst: Was spricht dagegen, dieses Projekt zeitnah konkret werden zu lassen?
Ich fahre jedes Jahr für einige Tage "Ich-Zeit" nach Norwegen. Da bin ich in dieser Zeitspanne NUR für mich verantwortlich. Ich fahre auch nicht mit einer Freundin oder meinem Herzliebsten, und auch mein Hund bleibt in dieser Zeit daheim. Ich darf mich in dieser Zeitspanne nur auf mich besinnen. Ich kann aufstehen wann ich mag, kochen, oder auch nicht, lesen, wandern, Ausflüge unternehmen, oder einfach nur faul auf dem Balkon liegen und auf den Hafen schauen. Ich kann in mich hinein lauschen, nach_denken, Luft holen. Ich habe Zeit für alles, wonach mir gerade der Sinn steht.
Ich mache es mir schön, miete mir ein Appartment, das voll ausgestattet ist, so dass ich im Grunde an diesem Urlaubsort wie eine Einheimische leben kann. Ich steige aus dem Vertrauten ins Unbekannte, das ich mir erst erobern muss. Das fördert meine Selbst_Sicherheit ungemein, denn ich merke jedes Mal, wie gut ich in der Lage bin, mit Problemen, Hindernissen, Stolpersteinen, Unbekannten, Ängsten, die sich dadurch melden umzugehen, dass ich Wege finden und gehen kann.
Das gibt mir für meinen Alltag viel Kraft und Ruhe, denn mir wird dann wieder sehr bewusst, was ICH alles aus eigener Kraft schaffen kann.
Ist es der Sinn Deines Lebens, pflichtbewusst zu sein, und zwar 24/7/365? Versteh mich nicht falsch - ich halte Pflichtbewusstsein für eine gute Sache. Aber das ist sie nur da, wo sie wirklich angebracht ist. Wenn Pflichtbewusstsein dominiert, und es keinen Raum mehr gibt für Freiheit, Lebensfreude, Spass, Langeweile und Leere, Innehalten, dann läuft hier und jetzt etwas gewaltig schief.Natürlich werde ich nicht einfach abhauen (wahrscheinlich nicht), dafür bin ich dann doch zu pflichtbewusst. Aber dieser Zustand nervt mich ganz schön und mein Partner hat es auch nicht gerade einfach mit mir.
Ich halte mich nicht für einen "einfachen" Menschen, aber der will ich auch gar nicht sein. Wichtig ist nur, dass meine Lebensmenschen mich so lieben, wie ich bin. Und das tun sie. Wenn sie das nicht könnten, und verlangten, dass ich mich änderte, um in eine Weltbild zu passen, das meinem nicht entspricht, wären es die falschen Lebensmenschen.
Meine Erfahrung ist: Je klarer ich mich zeigte, desto eher finden sich auch Lebensmenschen ein. Natürlich erfordert es Mut, sich zu zeigen, und auch Konfliktfreude, denn es bedeutet, dass man für sich und seine Überzeugungen auch eintritt. Der erfreuliche Nebenaspekt ist aber auch, dass durch diese Auseinandersetzung mit sich selbst zum einen andere Menschen nicht mehr an ihren eigenen Bildern fest halten können, sondern sich mit dem tatsächlichen Sein auseinander setzen müssen, und zum anderen für mich das gleiche gilt. Das kann sehr schnell sehr frischen Wind in Beziehungen bringen.
Ich denke, dass die Wechseljahre, ähnlich der Pubertät, eine wichtige Funktion haben: Sie fordern uns auf, uns zu positionieren, Fragen zu stellen, unbequem zu sein, uns unseren Platz neu zu erobern. Das finde ich überhaupt nicht negativ, sondern begreife es als eine Chance, mir selbst und damit auch anderen neu zu begegnen. Ich erlebe mich selbst beispielsweise als noch klarer abgegrenzt, und das ist etwas Gutes, denn es führt gleichzeitig dazu, dass ich auch viel deutlicher spüre, wohin ich gehöre, was gut für mich ist, und was ich gehen lassen sollte.Ich frage mich, ist das eine typische Erscheinung in dem Alter? Begleiterscheinungen der Wechseljahre? Midlife Krise? Und vor allem, wie komme ich da heraus? Wie kann ich "loslassen"? Ich habe im Augenblick eher das Gefühl, "aufgeben " zu müssen, was wahrscheinlich auch den ganzen Frust verursacht
Natürlich führt das auch zu Verunsicherungen. Wandel ist immer mit Unsicherheiten verbunden. Aber ich vertraue darauf, dass ich auf meiner Lebensreise bislang viele Erfahrungen gesammelt habe, die mich befähigen, diesen Unsicherheiten zu begegnen.
Siehe oben: Mach Dir bewusst, was DU in der Hand hast, und was nicht. Beziehungen sind keine Einbahnstraßen, sie leben von der Dynamik des Wechselspiels, von Reziprozitäten. Die kannst Du nicht allein steuern.
Was also kannst, was möchtest DU tun, damit es Dir besser gent? Wenn Du gut für Dich sorgst, wirkt sich das immer auch auf Deine Beziehungen aus, denn Du begegnest anderen offener, geduldiger, loslassender, freier, entspannter.
Der Anfang liegt aber immer in Dir. Und in der Salami-Taktik
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06.06.2016, 10:52Inaktiver User
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Du sprichst einiges an, was mir zwar bewusst ist, wo ich aber das Gefühl habe, ich krieg es nicht hin

Ich WEIß, dass ich andere nicht ändern kann! Ich weiß auch, dass meine Sehnsucht nach einer "heilen Familie", wie ich sie mit mir herumtrage, wohl gar nicht erfüllbar ist. Ich weiß, dass ich mich irgendwie davon "befreien" sollte, aber ich weiß nicht WIE?? Ich merke nur, dass ich immer wieder in Fallen stolper, aus der unterschwelligen Hoffnung heraus, es würde vielleicht doch noch klappen, Dinge tue, die ich nicht um ihrer selbst Willen tue, sondern um dieses "große Ziel" zu erreichen, damit andere in ihrer Entwicklung eher behindere (auch mich selbst!) und dann, wenn ich sehe, das wird nichts, kommt der Frust. Ich würde tatsächlich gerne diesen Wunsch, diese Hoffnung loslassen, um DAS tun zu können, was möglich ist und mir auch gut tut.
Vielleicht nur ein Beispiel, wie ich mich von diesem Wunsch behindert fühle... ich habe mich vor Jahren an einen Mann gebunden, mit dem ich wenig Gemeinsamkeiten hatte, außer dass er Geborgenheit versprach und sehr geeignet schien für die Realisierung des (damals noch absolut unbewussten) Wunsches nach "Familienglück". Wir bekamen auch drei Kinder, er war der ideale "Versorger" etc. aber darüber hinaus hatten wir keine Gemeinsamkeiten und ich trennte mich nach einigen Jahren. Mein neuer Partner und ich haben all diese Gemeinsamkeiten, aber das Leben in einer Patchwork-Familie ist alles andere als "Familienglück". Ich habe viele Jahre lang an meinem Partner "herumgeschraubt", von ihm Anpassung und Toleranz verlangt, in der Hoffnung, das würde sich noch einstellen. Inzwischen sind zwei der "Hauptakteure" ausgezogen, wir haben ein gutes Verhältnis und nur die dritte ist noch daheim. Die ist aber in mancherlei Hinsicht ein "verwöhntes Nesthäckchen", dass auch sehr geschickt alle anderen Beteiligten für ihre Zwecke zu gewinnen weiß. Aber anstatt mich klar und deutlich abzugrenzen, von ihr "erwachsenes Verhalten" einzufordern (sie ist 18,5), bin ich bei dem geringsten Anzeichen davon, dass sich die erhoffte Harmonie einstellen könnte, sofort bereitwillig, alles dafür zu tun, das Kind (und teilweise die anderen "Kinder" auch... komischerweise gelingt mir nur mit meinem Sohn ein anderes, wesentlich stabileres und "gesünderes" Verhältnis) in den Fokus zu stellen und ihre Belange zu meinen zu machen, während ich andere Dinge (wie z.B. meine Partnerschaft, meine berufliche Erfüllung oder eigene Freundschaften) vollkommen vernachlässige. Und weil mein Partner und ich keine eigenen Kinder haben, habe ich das Gefühl, unsere Beziehung wäre nicht "vollwertig" und habe in manchen Momenten einen Anflug von Wahn, wir könnten es vielleicht doch noch versuchen...
Ich weiß, dass weder mein Partner noch meine Töchter etwas für MEIN Gefühl können, dass SIE es wahrscheinlich auch nicht beseitigen können (und ein weiteres Kind es wohl auch nicht könnte). Es ist "meins", mein Mangel, meine wunde Stelle. Aber anstatt dass es mit den Jahren besser wird, treibt es seltsame Blüten, ich werde immer mehr zur Glucke, wo ich loslassen sollte, wünsche mir weitere Kinder, wo ich mich endlich auf mehr Zeit und Freiräume freuen sollte... und da würde ich mir Tipps wünschen, wie "Loslassen" geht...
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06.06.2016, 10:58Inaktiver User
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
Denkst Du nicht selbst, dass das eine ins andere führt?
Du schreibst, Du verwandelst Dich in eine "Glucke", in jemanden, der die Belange anderer über die eigenen stellt, um das hehre Ziel, die Sehnsucht, zu erfüllen, und um die "Harmonie" mit allen Mitteln, sogar dem der Selbstaufgabe, zu halten. Woher kommt dieses Gefühl?
Gleichzeitig beschreibst Du ein Mangelgefühl, knüpfst das aber rein an das "nichterreichte" Ziel Familienglück. Also wiederum: woher kommt Deine Überzeugung, dass Du nur über Familienglück, über Harmonie, die mit Selbstverleugnung verknüpft ist, Erfüllung finden kannst?
Mangelgefühle entstehen häufig gerade dort, wo ein Mensch sich zu kurz gekommen sieht. Nur sorgst Du quasi selbst dafür, dass Du zu kurz kommst, während Du GLEICHZEITIG hoffst, andere mögen diesen Mangel ausgleichen.
Das geht nicht auf.
Wichtig fände ich, dass Du schaust, woher diese wunde Stelle "Familienglück ist die einzige Erfüllung" rührt, und wann Du gelernt hast, dass der Weg zu Harmonie und Glück über die Selbstverleugnung/sabotage führt.
Nur Du kannst diese Kreisläufe letztlich heilen und dafür sorgen, dass Du andere Strategien erlernst.
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06.06.2016, 11:11
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
Ich denke mal Daisymiller hat einfach den bri-Blues. Soll vorkommen
Und das every-bodies-darling sein wollen wird man mM nach nie ganzlich ablegen können.
Das mit der Tasse Tee genießen ist ein schönes Beispiel. Aber es gibt Krankenhausflure, da bekommst Du nur Aldi-Beutel und wenn Du Pech hast, nicht mal in der Schwarz-Tee-Ausführung. Da lobe ich mir dann Freunde, die sich kümmern!
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06.06.2016, 12:00Inaktiver User
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
Ich glaube, da gibt es zwei Ebenen... ich bin auf der einen Seite tatsächlich "zu kurz gekommen". Meine Mutter hat mich mit 1,5 Jahren bei meinen Großeltern zurückgelassen und mich erst mit 5 zu sich geholt, als sie mit meiner Schwester schwanger war. Meine Überlebensstrategie war Wut und Ablehnung jeglicher anderer Emotionen. In meiner Familie, zu der nach weiteren 5 Jahren noch ein Bruder dazukam, fühlte ich mich immer wie ein Fremdkörper. Die anderen hatten eine Beziehung zu meinen Eltern, an mich kam keiner heran. Meine erste "Beziehung", auf die ich mich ganz und gar einlassen konnte, war die zu meinem Sohn. Ich liebte ihn über alles und wollte alles "richtig" machen... aber dann bekam ich noch Zwillinge und war einfach überfordert (mit 25 drei Kinder, ein Haus bauen, einen Mann, der selbständig ist und wenigstens "moralische" Unterstützung braucht und daneben noch ein angefangenes Studium, das war auch ein bisschen viel auf einmal). Ich WUSSTE, wie besch... es ist, wenn man von den Eltern nicht die Aufmerksamkeit bekommt, WOLLTE auch auf gar keinen Fall, dass meine Kinder sich ungeliebt, abgeschoben fühlen und versuchte alles "richtig" zu machen, stellte meine ganzen Interessen zurück. Aber es gibt immer wieder Tage wie gestern, wo meine Tochter mir um die Ohren haut, ich würde mich gar nicht um sie kümmern (dabei hatte ich das ganze WE NICHTS anderes gemacht!). Und jetzt sitz ich hier, bin am Heulen, fühle mich so ausgelaugt und traurig :-(
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06.06.2016, 12:53Inaktiver User
AW: Loslassen - wie gelingt euch das?
daisymiller,
Dein Bericht gibt einige Hinweise, wo der Hase im Pfeffer liegen könnte. Jedoch: Das kannst Du meines Erachtens nicht über Beiträge in einem Forum auflösen. Ein therapeutischer Rahmen wäre diesbezüglich die erheblich zielführendere Route, aber natürlich entscheidest Du darüber, ob Du diesen Weg einschlagen möchtest oder nicht.
Wir können unsere Kindheit nicht ändern, und auch nicht die Schmerzen mindern, oder die Verletzungen tilgen, die wir dort erfahren haben. Vorbei ist vorbei, und nicht mehr greifbar.
Was wir aber tun können, ist: Neue Wege des Umgangs lernen. Frieden mit uns und auch mit unserer Vergangenheit schliessen. Dazu ist es auch wichtig, Gefühlen Raum geben, die vielleicht lange nicht sein durften. Im geschützten Therapie-Raum kann all das angegangen und integriert werden. Es braucht Zeit, keine Frage, aber wenn sich dann nach und nach neue Sichtweisen erschliessen und Türen öffnen, war es eine lohnende Arbeit.
Ich möchte Dir Mut machen, Dich selbst wichtig genug zu nehmen!
Du wirkst verletzlich und sehr traurig. Das macht Dich natürlich insbesondere dann sehr angreifbar, wenn andere Dich mit den Themen konfrontieren, die Dir selbst so weh getan haben, und vor denen Du andere gern bewahren würdest.
Alles, was Du aus Foren mitnehmen kannst, sind eher rationale Betrachtungen wie beispielsweise die Einsicht, dass Du andere Menschen weder ändern, noch sie vor Erfahrungen bewahren kannst - und darfst! Jeder ist primär für sein Wohl verantwortlich, und das gilt ab einem bestimmten Alter auch für Kinder. Diese müssen lernen, ihren eigenen Weg zu gehen, und es wäre falsch verstandene Hilfeleistung, und sogar missbräuchlich, ihnen das abnehmen zu wollen, und zwar auch dann, wenn diese (mittlerweile erwachsenen) Kinder das einfordern.
Entscheidend ist, dass die Einsichten, die Du kognitiv gewinnst, auch die Chance bekommen, emotional Raum einzunehmen, und zu Überzeugungen zu werden, die alte Glaubenssätze überschreiben.
Es geht darum, die Lebensthemen, die letztlich für Komplexkonstellationen stehen, aktiv anzuschauen und zu lernen, diese als handlungsfähiger Mensch aktiv anzugehen.
Dafür wäre der therapeutische Rahmen sehr hilfreich.
Ich wünsche Dir, dass Du auf Deinem Weg weiter kommst!


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