Wer kann mir schöne Zeilen über nette Nachbarschaftserlebnisse berichten? Welche Gespräche erfüllen Euch, welche Momente mit Euren Nachbarn machen Euch einfach nur glücklich. Wie sieht die ideale Nachbarschaft für jede Einzelne von Euch aus, die hier darüber berichten möchte. Danke schon mal und ich freue mich auf viele positive Nachbarschaftsgedanken.
Zur Erklärung meines Wunsches: Wie sicher jede von Euch, habe ich "gute" und "schlechte" Nachbarn, aber: Wenn ich das Wort Nachbar schon denke, kriege ich die Krise, das hat sich in den letzten 5 Jahren so aufgebaut. Und das ist mir zu negativ. Ich würde gerne etwas positive Gedanken dazu lesen, um den Gedanken an meine "geliebten Nachbarn" (die ich ja auch habe) mehr Gewicht verleihen zu können.
Danke , Eure BeeJay
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Thema: Auf gute Nachbarschaft
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11.09.2011, 10:58
Auf gute Nachbarschaft
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18.09.2011, 08:28
AW: Auf gute Nachbarschaft
Meine beste Freundin ist eine ehemalige Nachbarin und das kam so:
wir wohnten in einem 16-Parteien-Haus auf dem Lande, als dort eine junge Familie zuzog. Deren Sohn hatte das Alter meiner Tochter, unser zweites Kind war gerade unterwegs. Wir (als Eltern) haben uns relativ abgeschottet von den restlichen Bewohnern, also außer grüßen im Treppenhaus lief da nicht viel. Ich weiß heute, dass es mit der beginnenden psychischen Krankheit meines Mannes zusammenhing (Verfolgungswahn), er verlangte von mir ein adäquates Verhalten und ich ordnete mich widerspruchslos unter. Diese junge Frau aber sprach mich beharrlich an auf dem Spielplatz, auf dem Weg zum Kindergarten, verwickelte mich in Gespräche, lud mich zum Kaffee ein. Es war meinem Mann ein Dorn im Auge, aber er arbeitete ja täglich 8 Stunden...
Ungefähr zwei Jahre später wurde das Verhalten meines Mannes so offensichtlich krankhaft, dass er zwangseingeliefert wurde und 18 Monate in der Klinik blieb. In dieser Zeit stand E. oftmals an der Tür, eine Tüte Brötchen unterm Arm und lud sich quasi zum Abendessen ein. Die Kinder aßen, verdrückten sich ins Kinderzimmer, wir quatschten über Gott und die Welt. Irgendwann war der eine Nachmittag pro Woche eine Institution... Ich entdeckte in jener Zeit meinen eigenen Horizont, meine Freiheit - nicht mehr unterdrückt und fremdbestimmt - begann eine Teilzeitausbildung, arbeitete in Teilzeit, hängte eine Weiterbildung dran. Mein Mann genas soweit, dass er vorerst wieder arbeiten konnte, verlor dann seinen Arbeitsplatz und wurde berufsunfähig. Ich legte beruflich zu, stieg auf, verdiente genug, dass es für vier reichte. Die Kinder wurden unter unseren Augen erwachsen, unsere Haare grau, meine Ehe ging in die Brüche, ihre musste einige Erschütterungen erfahren... Das alles haben wir gemeinsam bewältigt in den letzten 16 Jahren. Der Gedankenaustausch findet heute nicht mehr wöchentlich sondern alles 2 bis 4 Wochen statt. Wir reservieren uns einen Abend fürs gemeinsame Lachen, Bedenkentragen, Stützen, Anregen.
Letztes WE saß ich mit einem Mann so gemütlich im Straßencafe. So fünfzig Tische im Park, die meisten besetzt, also eine gewisse Menschenmenge... Wer kommt mit einem Kaffeebecher um die Ecke? Meine Freundin und ihr Mann. Ich dachte noch: Bitte, lieber Gott, lass sie in die andere Richtung gehen... Immerhin kursieren in diesem Forum gewisse Witze über Frauen, die ihre beste Freundin zum ersten Date mitnehmen. Ich glaub, der liebe Gott war sehr beschäftigt in diesem Moment. Die beiden steuerten direkt auf uns zu, nahmen die Kurve (wir saßen an der Ecke), ihr Mann war schon vorbei, ich atmete auf, da sah sie mich doch noch...
Ich stellte die beiden dem Herrn, den ich selbst kaum kannte, vor und fragte dann, wo sie sich hinsetzen würden... Den Wink hat sie verstanden, gottseidank! Dem Herrn habe ich aber gleich danach erzählt, dass sie und ich alle paar Wochen eine feste Verabredung miteinander hätten. Das fand er dann ganz ok.
Am Abend rief ich dann E. an. Wir haben herzlich über das Erlebnis gelacht. Sie meinte, sie verstünde es schon, dass ich sie nicht dabei haben wollte, die Einzelheiten müssen bis zum Donnerstag Abend warten.
Grüßle,
HAlles im Leben hat seine Zeit: das Weinen und auch das Lachen.
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13.12.2012, 10:34
AW: Auf gute Nachbarschaft
Liebe H(äuptling
),
Das ist ja eine wuuunderschöne Geschichte, weil sie trotz aller Tiefen, die Du erlebt hast, so sehr positiv ist. Eigentlich passt Deine Antwort auch sehr schön in ein Freunde Forum, wo es darum geht, was eine gute Freundschaft ausmacht. Und was mir so ganz besonders gut gefallen hat, war, dass Du einen Überblick über Jahre hinweg gegeben hast. Das ist das Tolle am älter Werden, finde ich: Dass man immer mehr Dinge aus Jahren der Distanz betrachten und bewerten - bessergesagt wegstecken - kann. So nach dem Motto: "Das ist Schnee von gestern", oder "da ist Gras drüber gewachsen", aber die Freundschaft, die ist noch da. Wie schön! Ich wünsche Dir, dass es Dir weiterhin gut geht und dass Dir diese einzigartige Freundin erhalten bleibt.
Und ich muss mich entschuldigen, dass ich erst ein Jahr später auf Deine Geschichte reagiere
- vielleicht guckst Du ja mal wieder in dieses Forum und liest: Danke an Dich
und alles Liebe, BeeJay
Tja, so schön kann es mit Nachbarn sein. Je mehr man hat, desto eher ist jemand dabei, der einem passen kann. Ich habe erfahren: Nachbarn sind, gerade in kleinen Wohngebieten, oft auch Leute, die schrecklich neugierig ihre Nase ganz tief in meine Angelegenheiten stecken, ohne vor ihrer eigenen Tür zu kehren. Aber es gibt ja auch die "Guten". Wie schön, wenn daraus sogar Freunde werden. So weit - so gut, vielleicht ist das Thema hiermit ja auch schon erschöpft ... Ende des Threads...



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