Thema geschlossen
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 20
  1. Inaktiver User

    Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Liebe Bri-Com-Mitglieder,

    nachdem ich mir gerade eine halbe Stunde die Finger wund geschrieben habe, bin ich auf eine falsche Taste gekommen und alles war weg

    Dann sollte es evtl. nicht die lange Version sein. Gut ich versuche mich kurzzufassen. Ich bin fast 35 und fühle mich bereits seit längerem, wie in einem falschen Leben. Zum Status Quo:

    1. Ich versuche mein jahrelang hinausgezögertes Studium zu beenden. BA-Arbeit ist erfolgreich bestanden und jetzt sitze ich die letzten zwei Hausarbeiten einfach aus. Mir fehlt jegliche Motivation irgendetwas zu machen.
    2. Ich bin hoch verschuldet: Studienkredit, Bafög, Kreditkarten, insgesamt ca. 25.000- 27.000 Euro Miese. Mich plagen Existenz- und Zukunftsängste. Frage mich selbst, wie ich je wieder auf die Beine kommen solle ohne den beschissenen Weg der Privatinsolvenz zu gehen.
    3. Ich habe die letzten 2-3 Jahre eine langjährige Freundin verloren, mit einer weiteren bin ich quasi zerstritten und neue Bekanntschaften haben sich relativ bald wieder verlaufen. Ich fühle mich sozial recht isoliert und ausgegrenzt. Die wenigen Kontakte, die ich noch habe, füllen mich zwischenmenschlich überhaupt nicht aus. Ich habe das Gefühl ich verbittere immer mehr. Oft denke ich die die mich kennenlernen, mögen mich nach einer Weile nicht mehr. Ein Teufelskreis.
    4. Meine Beziehung ist eigentlich keine. Wir sehen uns 1-2 Mal die Woche, manchmal garnicht. Wenn dann nur 1 bis max. 4 Stunden. Übernachtet wird garnicht mehr. Sex gibt es eher selten, weil sich nicht immer die Gelegenheit bietet. Er will eigentlich keine Beziehung und handelt dementsprechend egoistisch. D.h. er achtet meist nur auf seine Bedürfnisse, bestimmt wann und wie wir uns treffen. Er grenzt mich aus vielen Lebensbereichen aus und kann mir eigentlich nicht viel bieten an Zukunftsperspektiven (möchte nicht zusammenziehen, keine Kinder, nicht heiraten etc. pp.). Wir kennen uns schon sehr lange, waren im ersten Jahr sehr eng zusammen, zwischenzeitlich getrennt und dann Freunde, dann kam der Sex dazu und seit diesem Jahr sind wir offiziell wieder ein Paar. Naja... für mich fühlt es sich nicht so an.
    5. Meine Mutter übt Druck auf mich aus. Bereits seit dem ich mit der Abschlussarbeit angefangen habe. Sie vertraut nicht darauf, dass ich es schaffe. Das verkrafte ich kaum, fühlt sich an wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Meine Geschwister sind recht erfolgreich und so bin quasi zum schwarzen Schaf der Familie geworden.
    6. Ich bin unglücklich, fühle mich oft allein, habe bereits an Selbstmord gedacht, bin aber rational genug, um das nicht zu tun. Mit den vielen Baustellen fühle ich mich überfordert. Ich brauche einen starken Partner, der mein Freund nicht sein will. Ich brauche Freunde, die für mich da sind und mich so akzeptieren wie ich bin. Eine Therapie mache ich bereits, doch meine Therapeutin verweigert mir die Lösung meiner Probleme, so lange ich nicht mein Studium abgeschlossen habe. Alle sehen den Abschluss als Lösung für mein Dilemma. Ich denke nicht so, dafür bin ich zu zynisch/pessimistisch. Wer glaubt schon daran, dass einem direkt danach alles zufällt: Job, Mann, Freunde, Lebensplanung wird klarer hinsichtlich Kinder & Co.
    7. Ich weiß nicht wie ich überhaupt positiv in die Zukunft schauen kann. Obwohl ich nicht weiß, ob ich Kinder will, bekomme ich durch die Familiengründungen in meinem Umkreis ein seltsames Gefühl des Versagens. Ich habe ja nicht mal einen Mann mit dem ich mich daran versuchen könnte. Und was, wenn es darin resultiert, dass mir die Natur diese Entscheidung abnimmt....

    Ein Haufen Probleme und jetzt ist es doch recht lang geworden. Naja, wenn ihr Lust habt zu lesen, freue ich mich, wenn ihr Lust habt zu antworten, noch mehr.

    Danke
    milano
    Geändert von Inaktiver User (29.05.2014 um 00:37 Uhr)

  2. Avatar von Vivi23
    Registriert seit
    25.11.2005
    Beiträge
    3.301

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Viele Baustellen. Ein Patentezept habe ich jetzt auch nicht. Nur ein wenig Lebensweisheit. Geh es an, step by step.

    Was ist das am meisten Drückende?

  3. Avatar von Vivi23
    Registriert seit
    25.11.2005
    Beiträge
    3.301

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Und: was macht Dir Spass? Wo kannst Du ganz gelöst Du selbst sein?


  4. Registriert seit
    09.10.2007
    Beiträge
    376

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Ich kann Dich gut verstehen, manchmal stecke ich auch den Kopf in den Sand und hoffe, dass der Sturm über mich hinwegfegt. Was ich Dir aber sagen kann, ist, dass sobald Du aufstehst und etwas tust, Du Dich später fragen wirst, warum nicht gleich so!

    Deine Hausarbeiten sind, denke ich, Prio 1! Das ist jetzt überschaubar, planbar und umsetzbar. Und es wird Dir das Gefühl geben, etwas geschafft zu haben. Danach passiert, was passieren wird, ohne Abschluss im Studium verharrst Du nur auf der Stelle.

    Ohne Abschluss hast Du gar sehr schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt, mit Abschluss doch ganz gute.

    Vielleicht machst Du für Dich selbst Termine aus, zu denen Du die Arbeiten fertig haben musst. Ich kann auch nur mit Terminen arbeiten, mir selbst überlassen würde ich auch sehr schnell ins Trödeln verfallen. Und meiner Erfahrung nach ist Trödeln eine Todesspirale, aus der man nur schwer ausbrechen kann. Sobald Du aber damit anfängst wird es immer leichter.

    Ab besten wäre es, wenn Du jetzt das Brigitteforum verlässt und sofort Deine Hausarbeiten auf den Tisch legst und ANFÄNGST. Schreib uns in einer Woche, wie weit Du gekommen bist

  5. Avatar von Amelie63
    Registriert seit
    20.01.2011
    Beiträge
    8.544

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    hallo miki,

    beim Titel dachte ich spontan: klar, in den 30ern wollen sehr viele Menschen aus ihrem bisherigen Leben aussteigen und tun dies auch. Solche Phasen können zwar in jedem Lebensalter auftreten, in den 30ern sind die Veränderungen jedoch besonders häufig und auffallend, weil sie allermeist auch äußere Faktoren wie Änderungen in Beruf, Familie, Freundeskreis betreffen. Du bist also bei weitem nicht allein, auch wenns jetzt kein Trost ist.

    Viele Baustellen - da hilft i.d.R. eine Prioritätenliste ganz gut. Welche Baustellen lassen sich am leichtesten und zeitnah abarbeiten? Mir springt da deine Beziehung direkt ins Auge. Wenn du die beendest, dann wäre das, so wie du darüber schreibst, schonmal ein Energiegewinn, dem nichtmal ein Verlust gegenübersteht, oder?

    Dann sehe ich zwei Dinge, die sich gegenseitig blockieren: deine Mutter und dein Studium. Auch wenn ich nur allzugut aus meiner eigenen Geschichte heraus verstehe, wie eng und schmerzhaft Leistung und die Erwartung des Elternhauses miteinander verflochten sein können, bzw wie schwer die Rolle im eigenen Familiensystem wiegen kann, so sehe ich heute, dass ein Bildungsprozess deshalb nicht ohne Reifungsprozess auskommt, bei dem man lernt, zu sich zu kommen, zu sich zu stehen, die eigenen Prioritäten und Ziele zu erkennen und die Erreichung entsprechend zu strukturieren.

    Das könnte heissen, dass deine Motivation wieder käme, wenn du dich von dem Bild deiner Mutter über dich befreist,was allerdings auch ein Lebensthema sein kann. Da helfen dann nur kleine Schritte und viel Geduld und Liebe mit sich selbst. Aber dafür wäre z.B. die Therapie ein ganz hilfreicher Raum.

    Es könnte aber auch heissen, dass du merkst, dass du im falschen Fach bist oder zwar im richtigen Fach, aber in der "falschen" Abteilung. Es könnte z.B. sein, dass das wissenschaftliche Arbeiten gar nicht deins ist, und du lieber als Praktikerin in der selben Materie unterwegs wärst. (ich denke da grad an einen bestimmten Fall aus meinem Umfeld, kann gut sein, dass das jetzt gar nicht passt, verstehe es bitte einfach nur als Anschauungsbeispiel).

    Dann wäre es jetzt an der Zeit umzuswitchen und den Ausbildungsweg zu korrigieren. Dabei würdest du dich vermutlich auch von deiner Mutter ein großes Stück emanzipieren, da du so einen Bremsklotz dabei nicht berücksichtigen könntest.

    Die Schulden, tja, diese Last würde vermutlich "von selbst" besser planbar, je eher du deine eigene Spur findest, deine Energielöcher stopfst (z.B. Freund, Mutter) und so für dich eine neue Perspektive findest.

    Die Freunde: ich sehe diese Entwicklung als Begleiterscheinung dafür, dass du gerade (noch bzw nicht mehr) keinen Kurs hast. Wenn nichts (mehr) passt, dann passen auch die Freunde oft nicht (mehr).

    Auch wenn ich die Einsamkeit, von der du schreibst, sehr gut kenne - aber es gibt Phasen, durch die müssen wir tatsächlich allein durch, obwohl ganz viele Menschen diese Phasen haben. Aber du kannst dir alle professionelle Hilfe dazu nehmen, die du kriegen kannst (Studienberatung, Berufsberatung, sonstige Beratung, Therapie, Coaching usw)

    Evtl. gönnst du dir mal eine oder mehrere Stunden Coaching, um deine Baustellen zu sortieren und eine Strategie für dich zu entwickeln? Es gibt gerade in Unistädten auch günstigere Angebote für Studenten. Mir hat Coaching immer wieder gut geholfen, gerade auch ergänzend zur Therapie, weil die Vorgehensweise und Fragestellung einfach eine andere ist als z.B. in der Therapie.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
    Geändert von Amelie63 (29.05.2014 um 07:33 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Hallo zusammen,

    danke für das Lesen meines Themas und für die sehr aufschlussreichen Antworten! Ich habe mir erhofft, dass ich eine neue Perspektive auf meine eingefahrenen Denkweisen bekomme. Klar, einiges ist sehr unangenehm, z. B. mich von meinem Freund zu trennen, aber es hilft mir die Dinge etwas rationalisierter beschrieben zu bekommen.

    Ich kann im Moment nur sagen, dass ich um den Abschluss nicht herumkommen will und auch nicht kann. Der Weg war so weit, ich frag mich nur, ob ich zu faul oder zu eingefahren bin?
    Was das Fach angeht, war ich nie unglücklich über meine Wahl. Es hat mir geholfen Erfahrungen zu sammeln, die ohne diese Rückkoppelung nicht möglich gewesen wären. Ich habe bereits ein Lichtblick am Horizont, aber ich habe das Gefühl ich darf mich nicht richtig entfalten. Zunächst stehe ich mir mit den Hausarbeiten selbst im Weg. Ich darf nach der Meinung der anderen nichts anderes mehr machen, ausser am Schreibtisch sitzen und schreiben. Ich will schreiben, aber nicht wissenschaftlich. Nun gut, das Dilemma lässt nur eine Lösung zu nämlich das Werden im Machen. Oder so ähnlich.
    Dann kommen die finanziellen Abhängigkeiten. Kein Job, aber ein Haufen Verpflichtungen. Ich habe Angst, dass ich niemals aus diesem Schuldenloch rauskommen werde, mir dadurch viele Lebenswünsche nicht erfüllen kann, insbesondere nicht in den nächsten 5 bis 10 Jahren. Und das kommt für mich dem Versagen gleich. Mit Lebenswünsche meine ich 1) Sinn im Beruf zu finden, ohne immer von Existenzängsten geplagt zu sein oder einen Job machen zu müssen in dem ich mich wie eingekerkert fühle 2) eine Familie gründen zu können, ohne von der Hand in den Mund leben zu müssen 3) ich möchte einfach mal wieder Dinge unternehmen, die für andere selbstverständlich sind, dazu zählt Urlaub/Reisen. Ich bin fast das gesamte Studium nicht verreist oder habe einen tatsächlichen Erholungsurlaub gemacht. Ist das etwa ein Luxusproblem? 4) die Schulden machen mich unfrei und lassen mich meine vergangenen Entscheidungen bitterlich bereuen.

    Ansonsten ist es so, dass mein Gefühl aus einer Mischung von Gefühlen herrührt, die hochexplosiv zu sein scheinen. Ich erkenne mich selbst nicht wieder und frage mich oft, ob ich dieser einfältige, gehessige, missgünstige, dumme Mensch bin und niemals der freundliche, aufgeschlossene, positive Mensch war, der ich zu sein meinte. Versteht Ihr, was damit meine? Es fällt schwer diese komplexe vielschichtige Sache so darzustellen, dass ein ganzheitliches Bild entsteht. Im Grunde bin ich über meine Kaltherzigkeit enttäuscht, bei gleichzeitiger Unfähigkeit meine eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und so durchzusetzen, dass ich dahinter stehen kann. Dies betrifft meine Familie, meine Beziehungen, meine Freunde und mich selbst. Ich kann mich nur schwer abgrenzen, nehmen vieles zu persönlich, kann mich nicht durchsetzen und lasse mich relativ schnell entmutigen. Ich wünsche mir so sehr eine Mitte zu finden zwischen einem selbstbewussten, selbstsicheren Individuum und dem sozialen Wesen, das andere achtet, respektiert und liebt, wie sie sind.

    Das scheint mir angesichts der eingefahrenen Wege bei allem nahezu unmöglich.

    LG
    miki

  7. Avatar von Amelie63
    Registriert seit
    20.01.2011
    Beiträge
    8.544

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen,

    Ich darf nach der Meinung der anderen nichts anderes mehr machen, ausser am Schreibtisch sitzen und schreiben. Ich will schreiben, aber nicht wissenschaftlich. Nun gut, das Dilemma lässt nur eine Lösung zu nämlich das Werden im Machen. Oder so ähnlich.
    wieder die Meinungen "der anderen". Lass die mal weg. Was ist denn deine Meinung? Du willst diesen Abschluss, das ist ja schonmal geklärt. Was glaubst du denn, wie du den kriegst? Bist du sicher, dass du das nicht selbst hinzudenkst, dass man angeblich nichts anderes mehr machen darf? Ist natürlich nicht so. Gerade bei Stress und Anspannung ist es wichtig für die Entspannung und für andere Beschäftigungen zu sorgen. . Ist übrigens wie beim Sport: der Muskelaufbau passiert auch nicht beim Training, sondern hinterher in der sog. Regenerationsphase. Die brauchst du natürlich auch bei anderen Beschäftigungen, sonst brennst du aus. Wird auch im Beruf weiter ein Thema sein.

    Was du aber schon brauchst ist Disziplin und die Fähigkeit dich zu strukturieren. Hast du die grundsätzlich?

    Also überleg nochmal deinen Widerstand: worauf begründet der wirklich? Ist es Trotz gegen die "Anderen?" Gegen die Bevormundung? Gegen die Unterschätzung deiner Person (Mutter)?

    Und von welchem Zeitraum reden wir hier eigentlich? Wie lange bräuchtest du, um unter optimalen, aber realistische Umständen das Studium zu beenden? Wenn es nur noch ein paar Monate sind, dann würd ich alles andere hinten anstellen und mich nur drauf konzentrieren, was ich brauche, um ein gutes Arbeitsklima (ablenkungsarm, Dummgelalle ausgrenzend usw) zu haben.


    Ich habe Angst, dass ich niemals aus diesem Schuldenloch rauskommen werde, mir dadurch viele Lebenswünsche nicht erfüllen kann, insbesondere nicht in den nächsten 5 bis 10 Jahren. Und das kommt für mich dem Versagen gleich. Mit Lebenswünsche meine ich 1) Sinn im Beruf zu finden, ohne immer von Existenzängsten geplagt zu sein oder einen Job machen zu müssen in dem ich mich wie eingekerkert fühle 2) eine Familie gründen zu können, ohne von der Hand in den Mund leben zu müssen 3) ich möchte einfach mal wieder Dinge unternehmen, die für andere selbstverständlich sind, dazu zählt Urlaub/Reisen. Ich bin fast das gesamte Studium nicht verreist oder habe einen tatsächlichen Erholungsurlaub gemacht. Ist das etwa ein Luxusproblem? 4) die Schulden machen mich unfrei und lassen mich meine vergangenen Entscheidungen bitterlich bereuen.
    Kein Luxusproblem, du hast einfach die Schnauze voll und willst endlich für deine Mühen ernten. Kann ich gut verstehen.

    Aber wenn der Gipfel so weit und anstrengend erscheint, dann ist es besser den Blick direkt vor sich auf den Weg zu heften und kontinuierlich, wenn auch langsam, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Wenn du das machst, bis zur nächsten Wegmarke (Studiumabschluss), dann wirst du vll überrascht sein, wenn du dann den Blick zum Gipfel wieder hebst. Weil der gar nicht mehr so unerreichbar erscheint und viel von seinem Schrecken verloren hat.

    Ansonsten ist es so, dass mein Gefühl aus einer Mischung von Gefühlen herrührt, die hochexplosiv zu sein scheinen. Ich erkenne mich selbst nicht wieder und frage mich oft, ob ich dieser einfältige, gehessige, missgünstige, dumme Mensch bin und niemals der freundliche, aufgeschlossene, positive Mensch war, der ich zu sein meinte. Versteht Ihr, was damit meine? Es fällt schwer diese komplexe vielschichtige Sache so darzustellen, dass ein ganzheitliches Bild entsteht. Im Grunde bin ich über meine Kaltherzigkeit enttäuscht, bei gleichzeitiger Unfähigkeit meine eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und so durchzusetzen, dass ich dahinter stehen kann. Dies betrifft meine Familie, meine Beziehungen, meine Freunde und mich selbst. Ich kann mich nur schwer abgrenzen, nehmen vieles zu persönlich, kann mich nicht durchsetzen und lasse mich relativ schnell entmutigen. Ich wünsche mir so sehr eine Mitte zu finden zwischen einem selbstbewussten, selbstsicheren Individuum und dem sozialen Wesen, das andere achtet, respektiert und liebt, wie sie sind.

    Ich vermute, dass das auch "nur" die Folgen deiner Erschöpfung und Unzufriedenheit sind. Das wird sich enstsprechend auch wieder ändern, wenn du da durch bist. Ich glaube nicht, dass du dich deshalb jetzt sorgen musst. Es ist für das nächste Umfeld jedenfalls wichtig, dass die wissen, was mit dir los ist, um damit umgehen zu können, dass deine "Sozialverträglichkeit" gerade eingeschränkt ist.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

  8. Avatar von taggecko
    Registriert seit
    03.02.2007
    Beiträge
    2.110

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Wie schon gesagt, viele Baustellen, aber die vorrangige scheint mir die Beendigung des Studiums und das Finden eines Arbeitsplatzes zu sein.
    Evtl ist das ja dann auch mit einem Wohnortwechsel verbunden und Beziehung und Freundschaften sortieren sich dadurch neu.
    Und mit den Schulden wird davon abhängen was Du dann verdienst, wie die Laufzeiten von Studienkredit und Bafögrückzahlung sind ob eine Privatinsolvenz sinnvoll ist oder nicht.
    Je nach Branche ist das Einstiegsgehalt ha so 30.000 bis 35.000 Euro- wenn Du da Deinen jetzigen bescheidene. Lebensstil noch etwas beibehalten kannst, würdest Du sicher rasch von den Schulden runterkommen- und ne Woche Urlaub wäre auch noch drin.
    Das lange Studieren hört sich für mich ein bisschen nach einer Arbeitsstörung an - hast Du denn Probleme , Dich zu strukturieren ?
    Dann wäre von der Arbeit her etwas, wo Du Sachen abarbeiten musst und viel Struktur vorgegeben ist sicher sinnvoller , als etwas eher konzeptuelles
    Hängt natürlich auch vom Studienfach ab.

  9. Moderation
    Registriert seit
    09.09.2003
    Beiträge
    6.370

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Mir scheint, dass du sehr viel auf einen Haufen wirfst. Und dich darunter selbst gerade nicht wiederfindest. Es hilft nichts: Du wirst diesen Haufen Stück für Stück abtragen müssen. Echte Probleme von unechten trennen, leichte erstmal liegen lassen und schwere einzeln betrachten.

    Auf den ersten Blick scheinen mir zwei Hausarbeiten nicht viel. Die könnte man in je drei Wochen runterschreiben ... Aber ich habe schon öfter die Erfahrung gemacht, je länger die Leute studieren, desto höhere Erwartungen haben sie an sich selbst. Für eine Hausarbeit muss man ja gar nicht wissenschaftlich schreiben.

    Wenn du noch einen Funken Energie dafür in dir findest, dann nimm dir erst die eine, dann die andere vor und mach sie ohne große Ansprüche mit minimaler Seitenzahl fertig. Mut zur Lücke und hauptsache bestanden. Alle anderen Probleme sollen sich erstmal hinten anstellen.

    Wenn diese Energie im Moment nicht in dir drin ist, würde ich eine Pause machen. Vielleicht nur eine Woche oder zehn Tage. Für einen Urlaub braucht man nicht viel mehr Geld als für den Alltag: mach eine Wanderung, eine Radtour, fahr mit dem Bus zu irgendeiner Jugendherberge im Grünen und quartier dich ein paar Tage ein. Manchmal muss eine Auszeit einfach sein.

    Und danach hol dir Hilfe. Kennst du jemand, der sich mit Geld auskennt, mit dem du dich zusammensetzen und mal deine finanzielle Situation durchgehen kannst? Zur Not macht das auch einfach deine Hausbank. Für einen Menschen mit regulärem Einkommen sind 25k zwar viel Geld, aber kein unlösbares Problem.
    Dasselbe für die Unimisere. Bilde für die Hausarbeiten ein Team (es gibt doch genug Studenten mit dem gleichen Problem!) und macht die Arbeit zu zweit.

    Nicht selten ist es tatsächlich so: Wenn man irgendwo anfängt, fängt man auch an, sich zu ändern. Und wenn man sich selbst ändert, ändert sich die Welt um einen herum. Nicht alles wird sich in eitel Sonnenschein auflösen, aber zumindest wird alles anders werden. Und Veränderung ist gut in deiner Situation.

    Zuletzt: Ratschläge geben können hier viele. Den ersten Schritt für dich gehen kann niemand. Nicht dein Therapeut, nicht deine Mutter, nicht dein Freund und auch nicht die User hier. Das kann nur einer, nämlich du, und es ist dieser Schritt, der dich aus der Hilflosigkeit in die Selbstbestimmung führen wird.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"


  10. Registriert seit
    20.11.2011
    Beiträge
    12.172

    AW: Mitte 30 - Manchmal würde ich gerne aus meinem Leben aussteigen

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich kann im Moment nur sagen, dass ich um den Abschluss nicht herumkommen will und auch nicht kann. Der Weg war so weit, ich frag mich nur, ob ich zu faul oder zu eingefahren bin?
    drum herumkommen willst du nicht, das denke ich auch.
    drum herumkommen hieße ja, dass du weiterkommen willst, halt bloß ohne die zwei hausarbeiten.

    aber bei mir rufst du den eindruck hervor, dass du eigentlich gar nicht aus diesem studimodus raus willst und deshalb so blockiert bist.

    das studium beenden heißt ja, verantwortung für sich übernehmen, der wahrheit ins auge blicken zu müssen, was man auf dem arbeitsmarkt wert ist - ein leben aufbauen - erwachsen werden.

    das ist ja auch wirklich schwer! zumal mit den blöden schulden.

    an deiner stelle würde ich versuchen, jetzt nicht alle probleme auf einmal zu lösen. in deinen postings steht alles auf der agenda - das ist nicht alles auf einmal zu bewältigen, in keiner lebenssituation.
    mein rat wäre, behalt den freund, schieb die mutter nach hinten und mach erstmal den abschluss, um überhaupt handlungsfähig zu werden.

    handlungsfähig heißt auch, sich für oder gegen einen beruf entscheiden zu können, umziehen zu können, andere beziehungen einzugehen... aber halt danach.

    erstmal die dämlichen arbeiten schreiben.

Thema geschlossen
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •