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    Was macht eine gute Verfilmung aus?

    Angeregt durch den Strang zu den "Buddenbrooks" und "Filme, die ich mir wünschen würde" frage ich:

    "Wann ist eine Verfilmung gelungen oder sehenswert"

    Ich schaue mir die Adaptionen der Bücher, die ich kenne und mag, meist an, obwohl ich mir selten oder nie wünsche, dass ein Lieblingsbuch von mir verfilmt wird. Aber die Neugier siegt meist doch, wenn ein interessanter Autor oder Regisseur sich daran wagt. Und zufrieden bin ich immer dann, wenn der Film selbstbewußt eine sehr eigene Version präsentiert und nicht so stark an der Vorlage klebt.

    Klee erwähnte "Frühstück bei Tiffany" im Strang nebenan. Der Film ist für mich ein gutes Beispiel: eigentlich ist er keine gelungene Adaption. Die Holly Golightly des Films ist eine ganz andere Person als die des Romans. Aber für sich betrachtet ist das doch ein sehr schöner und auch in sich stimmiger Film.

    Was meint ihr?
    asa nisi masa

  2. Inaktiver User

    AW: Was macht eine gute Verfilmung aus?

    Das sehe ich ähnlich wie du, Leeremick!

    Es gibt wenige Ausnahmen, wo für mich eine Vorstellung stimmig getroffen wurde, die ich selber so ähnlich hatte, z.b. bei Herr der Ringe. Da hat dann die Macht der Bilder auch über die notwenigen Einschnitte beim Drehbuch hinweg sehen lassen (war auch gut, dass ich das Buch vor 20 Jahren schon gelesen habe...).

    Heute erwarte ich, im Gegensatz zu früher, keine 1:1-Adaption eines Stoffes, im Gegenteil: das wäre für mich wie Fotorealismus in der Malerei: tolles Handwerk aber - wozu? Das wäre wohl eher nützlich für Leute, die das Buch gar nicht lesen wollen.

    Wenn es ein Film schafft, eine Buchvorlage zu einem eigenen Kunstwerk zu entwickeln, mit eigener Sprache, eigenen Bildern - das interessiert mich.

    Ich erwarte aus diesem Grund mit Spannung "Revolutionary Road", das Buch hat mich sehr beeindruckt, die Kritiken, die ich bisher gelesen habe, sind vielversprechend.....

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    AW: Was macht eine gute Verfilmung aus?

    Zitat Zitat von Leeremick Beitrag anzeigen
    "Wann ist eine Verfilmung gelungen oder sehenswert"

    Ich schaue mir die Adaptionen der Bücher, die ich kenne und mag, meist an, obwohl ich mir selten oder nie wünsche, dass ein Lieblingsbuch von mir verfilmt wird. Aber die Neugier siegt meist doch, wenn ein interessanter Autor oder Regisseur sich daran wagt. Und zufrieden bin ich immer dann, wenn der Film selbstbewußt eine sehr eigene Version präsentiert und nicht so stark an der Vorlage klebt.
    Früher haben mich - gemessen an der literarischen Vorlage - am meisten "Tod in Venedig" von Luchino Visconti und "Don't look now" von Nicolas Roeg überzeugt.

    Mein Mann und ich haben uns anlässlich des bevorstehenden 200. Geburtstag von Edgar Allen Poe über die Corman'schen Poe Verfilmungen unterhalten, von denen wir einige kennen. Allerdings ist es schon lange her, dass wir diese gesehen haben und so können wir nicht zweifelsfrei sagen, ob diese Verfilmungen unseren filmischen Ansprüchen von heute genügen würden. Damals mochten wir die Filme, aber das kann natürlich auch ausschließlich an den Geschichten Poes selbst gelegen haben.

    Unmittelbar ehe ich "Eyes wide shut" sah, las ich die Romanvorlage von Arthur Schnitzler. Da sagte mir schon die Erzählung nicht sonderlich zu und Kubrick hat für mich weit bessere Filme als den erwähnten gemacht.

    Bei "Barry Lyndon" von Kubrick, "Das Reich der Sonne" von Steven Spielberg und "Into the Wild" von Sean Penn habe ich es umgekehrt gemacht. Da hat mich der Film jeweils so beeindruckt, dass ich den Roman hinterher las. Sean Penn hat die Vorlage von Krakauer sehr gut mit eigenen Visionen dazu umgesetzt und Kubrick macht aus Thackerays "Barry Lyndon" ein absolutes Kunstwerk (er bleibt nicht genau am Text). J. G. Ballards Romanvorlage zu "Das Reich der Sonne" ist ungleich härter als der Film, aber Spielberg schafft es mit seiner individuellen Verfilmung dieser Geschichte einen Sog zu entwickeln, der sehr emotional ist. Genau das mag ich und deshalb liebe ich diesen Film.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Wenn es ein Film schafft, eine Buchvorlage zu einem eigenen Kunstwerk zu entwickeln, mit eigener Sprache, eigenen Bildern - das interessiert mich.
    Dieser Aussage möchte ich zustimmen. Es ist in meinen Augen überhaupt nicht wichtig, dass die Verfilmung eines Romans detailgetreu an der Vorlage bleibt. Wichtig ist, dass er mir eine Vision zum Thema bietet, die nur mit dem Medium Film möglich ist (sonst kann ich es ja beim Lesen belassen). Auch wenn sich der Film einer Romanvorlage bedient, sollte er etwas vollkommen eigenständiges sein.

    Film ist in meinem Sinne eine Kunstform und wenn der Regisseur nichts weiter macht, als dass er die Geschichte des entsprechenden Romans "bebildert" wird ein solcher Film für mich vermutlich nicht interessant sein. Der Regisseur muss ein Gespür für die Figuren in psychologischer Hinsicht entwickeln und die Schauspieler entsprechend in Szene setzen, eine interessante Dialogführung bieten und mit den schon erwähnten Visionen zum Thema etwas völlig eigenes schaffen.

    Anitra
    Mein Avatar zeigt Charlotte Gainsbourg.

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