Natürlich kann man Leid schwer vergleichen. Aber man kann versuchen, sich in das Leid anderer einzufühlen und somit ein Stück weit zu verstehen.

Meine Frau hatte (zwischen unserem 1. und 2. Kind) eine Fehlgeburt in der 9. SSW. Das hat uns sehr getroffen, die Trauerarbeit wurde aber durch den Umstand, daß wir durch eine genetische Untersuchung wußten, daß der Embryo an einer schweren Chromosomstörung litt und nur sehr bedingt lebensfähig war, erleichtert. Hier kann Wissen sehr helfen.

Die beste Freundin meiner Frau hatte vor 5 Jahren (etwa zeitgleich zur Geburt unseres 4. Kindes) eine Totgeburt. Ein Nabelschnurvorfall unter der Geburt (oder ein paar Stunden früher). Dieses traumatische Erlebnis beschäftigt unsere Freundin heute noch, die erste Zeit war unvorstellbar hart für sie. Vor allem, weil sie nicht wußte, ob sie etwas hätte tun können um es zu verhindern. Oder ob der Arzt eventuell zu nachlässig beim letzten CTG vor der Geburt war. Es dauerte fast zwei Jahre, bis sie (vor allem durch die Geburt ihrer Tochter) nicht mehr täglich trauerte. Trotzdem wird diese Wunde bleiben.

Daher denke ich schon, daß es einen Unterschied im Leid und in der nötigen Trauerarbeit gibt. Der Umgang damit ist aber individuell verschieden.

Liebe Grüße

Hans