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  1. Registriert seit
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    Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Ihr Lieben,

    ich weiß nicht so recht, ob ich hier richtig bin, finde aber kein passenderes Forum. Hier habe ich schon in ein paar Beiträge reingelesen und möchte Euch schonmal vorweg mein Mitgefühl und meinen tiefsten Respekt aussprechen. Ihr scheint mir allesamt sehr starke Frauen zu sein...

    Zu mir: Ich habe zwei wunderbare, gesunde Kinder und bin sehr glücklich darüber. Mein zweites Kind kam durch eine Insemination mit vorheriger hormoneller Stimulation zustande. Dabei entstanden zwei Schwangerschaften - eine "normale" in der Gebärmutter und gleichzeitig eine im Eileiter. Zehn Tage nachdem ich von der Schwangerschaft erfahren hatte, bekam ich plötzlich starke Schmerzen und Blutungen. Die Eileiter-SS wurde zum Glück schnell diagnostiziert und mitsamt dem Eileiter per Bauchspiegelung entfernt. Da es noch sehr früh war, mussten wir noch eine ganze Weile bangen, ob sich der Zwerg in der Gebärmutter normal entwickelt. Das tat er glücklicherweise und nach 34 komplizierten und instabilen Schwangerschaftswochen kam unser Söhnchen gesund und munter auf die Welt. Alles nochmal gutgegangen also...

    ...aber: Ich denke noch oft an dieses zweite Kind. Ich weiß, dass eine Eileiterschwangerschaft von vornherein keine Chance hat und sich daher - vermutlich - von einer Fehlgeburt auch emotional unterscheidet. Nach der Bauchspiegelung habe ich einen Tag lang sehr viel um diesen winzigen Zwilling geweint, das war nötig und auch sicher richtig. Mit der Freude und gleichzeitigen Sorge um unser Baby, sowohl vor als auch nach der Geburt, rückte er weiter in den Hintergrund. Nächste Woche jährt sich aber der Termin und die Gedanken an das winzige Geschwisterkind kommen wieder. Sie sind nicht jeden Tag da und bedrücken mich nicht sehr - der Alltag mit zwei Kindern und die Freude über die beiden haben einfach Vorrang - trotzdem habe ich das Bedürfnis, meinem verlorenen Kind einen Platz einzuräumen. Ich weiß aber nicht wie. Und ich weiß nicht, was der "Jahrestag" an Gefühlen und Gedanken mit sich bringen wird... aber ich möchte meines kleinen Kindchens irgendwie gedenken.

    Einige wenige Freundinnen, meine Familie und natürlich mein Partner kennen die Geschichte, ich spreche aber selten mit jemandem darüber. Mein Mann und ich möchten (zurzeit) nicht, dass unsere Kinder das wissen.
    Das gleichzeitige Auftreten von SS und Eileiter-SS ist extrem selten und ich kenne niemanden, der so etwas durchgemacht hat. Auch weiß ich in meinem Bekanntenkreis von niemandem, der einen Zwilling während der SS verloren hat. Daher mein Posting hier...

    Hat jemand Ähnliches erlebt? Welchen Platz hat das Kind in Eurem Leben? Welche Gefühle und Gedanken habt Ihr dazu? Wie kann ich für meine Trauer um den kleinen Zwilling einen Raum finden im Familienalltag?

    Danke vorab fürs Lesen und für Eure Gedanken.

  2. VIP Avatar von xanidae
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    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Das tut mir sehr leid für dich und für deine Familie.

    Meine Idee wäre, dass du deine Gefühle und Gedanken aufschreibst und diese in eine schöne Kiste/Schachtel legst. Irgendwann kannst du diese vielleicht dann nutzen, um deinen Kindern von dem Geschwister zu erzählen. Gibt es vielleicht ein Ultraschallbild?

    Meine Oma hatte mehrere Zwillingsschwangerschaften, von denen nur bei einer beide Kinder lebend geboren wurden und überlebten. Da in dieser Zeit kein Ultraschall o. ä. gemacht werden konnte, wurde dies immer erst bei Geburt festgestellt. Meine Oma ist damit sehr schlecht umgegangen und hat den überlebenden Kindern die Schuld gegeben. Aber in der Nachkriegszeit war man auch nicht so emphatisch.

    Vielleicht kannst du für dich noch ein Ritual finden oder ein Symbol. Für mich haben viele Verstorbene eine Art Verbindung zu Dingen. Z. B. wenn ich einen Raben sehe, dann denke ich an meinen Opa. Das ist natürlich leichter, wenn man die Verstorbenen gekannt hat, dennoch glaube ich dass es da sicherlich auch für dich etwas gibt, das eine tröstende Erinnerung hervorlocken kann.
    Was ich über's Leben weiß, weiß ich aus Stand by Me
    Ich hab' einen Hund der Cujo heißt, und mein Auto heißt Christine
    Wenn du schreiben kannst, dann schreibe,
    wenn du singen kannst, dann sing
    Und wenn du nicht mehr weiterweißt, frag
    Stephen King


    Thees Uhlmann "Danke für die Angst"

  3. Inaktiver User

    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Auf vielen Friedhöfen gibt es einen Platz für Sternenkinder, da können die Eltern einen kleinen Stein (kein Grabstein) dazulegen. Auf dem Stein steht dann eine ganz persönliche Botschaft, ein Wunsch, liebevoll persönlich gestaltet, bei manchen auch der Name, wie sie Kleinchen während der Schwangerschaft genannt haben. Am Jahrestag wird dann eine Blüte dazugelegt.

    Vielleicht wäre das auch etwas für dich und deinen Mann.

    Du könntest ihm auch einen Brief schreiben und dann immer, wenn dir danach ist, und wenn deine Kinder alt genug sind, können sie diese Briefe lesen. Für den Zwilling wird das wahrscheinlich eine besondere Bedeutung haben. Darin kannst du all deine Gefühle und Gedanken aufschreiben, die dich an dem Tag begleiten.

  4. Moderation
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    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Zum Thema Zwillinge kann ich nichts sagen, aber vielleicht könntest du dieses Jahr einfach am Jahrestag eine Kerze anzünden und dich künftig am Worldwide Candle Lighting beteiligen? Nach vier übers Jahr verteilten Fehlgeburten (und inzwischen einem gesunden Sohn) ist das für mich der Gedenktag für die verlorenen Schwangerschaften.

    Das Gefühl dieser schwer greifbaren Trauer nach einer frühen Fehlgeburt können sicher viele hier nachvollziehen.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  5. Inaktiver User

    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    hallo muthase,
    vielleicht mache ich mich jetzt sehr unbeliebt ,aber vielleicht helfen dir meine klaren worte auch,denn was du schreibst erinnert mich an eine geschichte einer früheren freundin und die endete nicht so gut.
    du hast eine künstliche befruchtung gehabt und dabei ist eine eileiterschwangerschaft entstanden,die bestimmt recht früh entdeckt und abgebrochen wurde.so habe ich deine worte verstanden.
    du machst dir dein eigenes leben ein bißchen schwer ,denn es dürfte sich dabei um mehrere eizellen handeln ,die eingesetzt wurden und nicht um "zwillinge im herkömmlichen sinne".auch das wort geschwisterkind und ein jährliches gedenken (wielange ist das her?) bzw. ein ritual daraus entwickeln zu wollen, erstaunte mich beim lesen.
    in der natur ist so ein embryo niemals lebensfähig und oft sind frauen schwanger und verlieren ihre kleinen embryonen ohne das sie es überhaupt merken.das sind ganz natürliche vorgänge ,die gehören mit zum leben dazu. früher sind viele frauen an eileiterschwangerschaften mit gestorben.aber es gibt kein embryo ,was da größer geworden wäre und überlebt hat.

    natürlich kann man mal denken,was wäre gewesen, wenn ich jetzt 2 gleichalterige kinder gehabt hätte ,aber im prinzip ist das wie du schon selbst sagst ,etwas komplett anderes als ein vielleicht lebensfähiges embryo ,was aus was für gründen auch immer tot geboren ist .
    bau bitte kein" trauerschloss" sondern erfreue dich an dem leben ,an deinen süßen 2 kindern und es ist auch nicht verwerflich ,diese geschichte loszulassen des lebens willen.

    alles liebe wünscht dir ryoshi

  6. Avatar von Marta-Agata
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    12.04.2013
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    12.758

    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Dass von einer Zwillingsschwangerschaft ein Embryo abgeht und das andere eine mehr oder weniger normale Schwangerschaft wird, habe ich schon öfter gehört. Eine Freundin von mir dachte, sie hätte ihr Kind verloren - da war dann aber noch eins.

    ES plus normale Schwangerschaft, da habe ich tatsächlich noch nie gehört, was aber nichts heißen muss.


    Ansonsten bin ich da etwas hin- und hergerissen. Einerseits möchte ich dir, Muthase, deine Gefühle nicht absprechen. Andererseits geht es mir wie ryoshi, dass ich finde, dass da heute doch etwas arg viel Hype darum gemacht wird, wenn es eine Fehlgeburt gibt. Und ich kann das auch nicht nachvollziehen, obwohl ich viel Erfahrung damit habe. Nur meine Spätfehlgeburt, nach der ich wirklich ein totes Kind im Arm hatte, habe ich betrauert - aber auch da habe ich kein Bedürfnis nach einem Erinnerungsort. Meine Frühfehlgeburten und Eileiterschwangerschaften sind bei mir unter "schiefgegangene Schwangerschaften" abgelegt.

  7. Inaktiver User

    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Ja, ich kann es dir nachfühlen. Ich bin selbst ein überlebender Zwilling, meine Schwester ist unter oder kurz nach der Geburt verstorben. Meine Mutter hatte keine Ahnung von der Zwillingsschwangerschaft, es gab ja damals (1962) noch keinen Ultraschall und die Schwangerschaft verlief bis zum Einsetzen der Geburt sechs Wochen vor dem errechneten Termin auch normal. Es war damals üblich, dass man bei Einsetzen der Wehen von der schnellen medizinischen Hilfe zur Geburt ins Krankenhaus abgeholt wurde. Leider wohnten meine Eltern recht abgelegen und der Krankenwagen fuhr sich auf den unbefestigten Wegen fest. Die zu Fuss heraneilende Hebamme rief dann noch die Feuerwehr, die dann auch kam. Ich kam in der Feuerwehr zur Welt, meine Schwester entweder auch noch dort oder schon im KH. Leider überlebte sie nicht.
    Ich denke oft daran, wie es gewesen wäre, eine gleichaltrige Schwester zu meinen 6 Brüdern gehabt zu haben.

    Mein zweites Kind wäre auch ein Drilling gewesen. Das kam aber auch erst unter der Geburt zum Vorschein.

    Davor hatte ich eine schwere Schwangerschaft mit vorzeitigen Wehen schon in der 22. Woche, teilweise schon eröffnetem Muttermund und Antikörpern gegen das Kind. 1981 geboren, war es mit den bildgebenden verfahren auch noch nicht so weit. Ich wurde zwar mehrmals geschallt, bekam aber nie eine erschöpfende Antwort ausser "es sähe komisch aus"
    Nach der Geburt meines Sohnes teilte man mir mit, dass die Plazenta dreigeteilt war und dass man vermute, die anderen beiden Kinder wären schon in einer sehr frühen Phase abgestorben. Was ja auch den schwierigen Verlauf der Schwangerschaft im Nachhinein erklärt. mein Körper war bestrebt, das tote Gewebe abzustossen, was dabei mit meinem Sohn passiert war ihm offensichtlich egal.
    Ich muss sagen, dass ich das lange verdrängt habe, ich hatte auch anderes zu tun, mit zwei kleinen Kindern, die noch knapp ein Jahr auseinander waren. Zumal dann noch mein Mann verunglückte.

  8. Moderation Avatar von Margali62
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    12.075

    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Bei uns gibt es eine kirchliche Veranstaltung, dort können Eltern / Verwandte von nicht lebensfähigen Frühgeburten, Fehlgeburten und Totgeburten trauern und Abschied nehmen. Gibt es so etwas in deiner Stadt? So ein Ort der Trauer hilft bestimmt, etwas besser über den traurigen Verlust hinweg zu kommen.
    Moderatorin im Forum

    Trennung und Scheidung,
    Kredite, Schulden und Privatinsolvenz,
    Über das Kennenlernen
    Reine Familiensache

  9. Inaktiver User

    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Hallo Muthase
    Ich bin vor 9 Jahren nach einer ICSI mit Zwillingen schwanger geworden, eins davon hat sich nicht weiterentwickelt, das andere hat sich normal entwickelt und mein wunderbarer Sohn ist mittlerweile 8 Jahre alt.

    Damals hat es mich zwar traurig gemacht dass ein Baby es nicht gepackt hat, aber die Freude über das wachsende Leben hat bei Weitem überwogen. Aber auch heute noch, 8 Jahre danach, lassen mich Zwillingsschwangerschaftsmeldungen nicht kalt und sehe ich auf der Strasse jedem Zwillingspärchen hinterher, ich habe noch 2 weitere Kinder bekommen, aber eben keine Zwillinge mehr und ich hätte sehr gerne Zwillinge gehabt, ich finde das ist etwas ganz Besonderes und es bleibt ein bisschen das Gefühl etwas nicht kennengelernt zu haben, wo man sich doch einige Wochen darauf gefreut und mental eingestellt hat.

    Mein Sohn weiss von seinem Zwillingsgeschwisterchen und jedes Mal an seinem Geburtstag zünden wir eine Kerze für seinen Zwilling an und auch im Alltag sprechen wir manchmal davon, ganz natürlich und locker, das war von Anfang an so und ist für ihn einfach nur total normal. Und das ist mir wichtig da dieses Kind ein Teil meiner und seiner Geschichte ist, sie während 8 Wochen Seite an Seite in meinem Bauch waren, und irgendwann werde ich ihm auch mal die ersten Ultraschallbildchen mit beiden zeigen.

    Ich finde es immer schwierig wenn es ein sogenanntes Familiengeheimnis gibt, etwas worüber nicht geredet wird, im Unterbewusstsein ist vieles bewusst und präsent und in der Wissenschaft findet das Phänomen eines verlorenen Zwillingsgeschwisterchens im Mutterleib heute immer mehr Beachtung, es ist mittlerweile erwiesen dass sich dadurch allerlei Symptome wie Verlustängste, unerklärlichen Schuldgefühle, Panik in engen Räumen, beim überlebenden Zwilling entwickeln können. Womit ich hier absolut nichts herbeibeschwören oder dramatisieren möchte. Aber ich finde es nur einfach so natürlich und normal mit den Kindern ihre ganze Lebensgeschichte zu teilen.

    Auch dass man um eine ELS nicht trauern darf, es nur ein nicht überlebensfähiger Embryo ist, sehe ich nicht so, ich habe ein paar Jahre nach der ZwillingsSS auch eine ELS gehabt, und auch um dieses Kind habe ich getrauert, als Frau hat man oft ganz früh einen Bezug zu dem sich entwickelnden Leben, es ist mit Hoffnungen und Träumen verbunden, es ist eben nicht nur ein Zellhaufen, und ich finde es sehr legitim darum zu trauern und es im Andenken zu behalten. Das heisst ja nicht dass die Trauer das Leben bestimmt oder allgegenwärtig ist, dass die Jahrestage zu schwarzen Trauertagen werden und die Gefühle immer intensiv bleiben oder einen immer wieder einholen, aber für mich sind alle meine 3 Sternenkinder ein Teil meiner Geschichte und sie teilen sich einen Platz in meinem Herzen und ich finde das normal und einfach nur ein Zeichen des Respekts an diese kleinen Seelchen.

    Wenn du um dein Kindchen trauern willst oder ihm gedenken willst, und ihm einen Platz in deinen Gedanken und deinem Herzen einräumen willst, dann tu es, warum nicht? Ich finde das sehr legitim


  10. Registriert seit
    21.09.2007
    Beiträge
    1.271

    AW: Verlust eines Zwillings während der Schwangerschaft

    Ich glaube auch ein ungeborenes Leben, möchte gerne einen Platz in der Familie.

    Ich denke, wenn du ihm diesen zugestehst und offener damit umgehst, wird es Dir leichter ums Herz.

    Alles Gute,
    Nena
    Das Leben ist kein Ponyhof

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