Es ist wirklich so: für mich bedeutet das Verzichten auf etwas eine furchtbare Quälerei.
Also, das ist so: Ich bin deutlich übergewichtig und versuche, in kleinen Schritten etwas für mich zu tun. Vor ein paar Tagen habe ich mich entschlossen, fürs erste auf fett-triefende Kartoffelchips zu verzichten. Klar, das kann noch nicht alles sein, aber, wie gesagt, ich betreibe für mich die Politik der kleinen Schritte. Da ich auch ansonsten nicht allzuviel gemampft habe, habe ich ein klein wenig abgenommen.
Aber es ist eine furchtbare Quälerei, wirklich. Ich sehne mich so sehr nach Chips, daß nur beim Gedanken an sie mein Magen schon knurrt. Ich lechze wie verrückt, mal nach Chips mit Essig-Öl-Note, mal scharfe Chips, mal Chips mit Sauerrahm-Käse-Geschmack. Und, was vielleicht auch sehr wichtig ist: ich lechze danach, eine riesige Chipstüte leer zu mampfen. Ein paar Chips allein würden es bei mir nicht tun, wenn ich weiß, daß die angebrochene Tüte noch herumliegt.
Kann das denn richtig sein, wenn ich so giere und lechze?
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Ergebnis 1 bis 10 von 62
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08.02.2011, 23:09
Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
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08.02.2011, 23:18
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
hmmmm....gibt es da ein "richtig"? wenn du deines lebens nicht mehr froh bist, weil du nur CHIPS-CHIPS-CHIPS denken kannst. also lieber moppelig + ansonsten zufrieden? oder macht dich dein Moppel-Ich auch unglücklich? was überwiegt?
ich kenne dein prob ziemlich gut
: 2 ist schlimmer nach dem Genuss, sonst umgekehrt. Hilft dir jetzt ungemein, nicht wahr?
Aber wie lange verzichtest du schon? ich hab festgestellt, dass auch die Gier ihren Gipfel hat und das Verlangen dann nachlässt. In Belastungssituationen gelingt es mir aber eher selten, das auszuhalten. Die vormals aber unbezwingbare Lust auf Schoggi+Eis ist aber inzwischen völlig verschwunden. Vielleicht solltest du auch versuchen, eine Weile durchzuhalten
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08.02.2011, 23:21Inaktiver User
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
Oha, das sind eindeutig Entzugserscheinungen... hieß es nichtmal, man müsse die Tüte immer leer essen, weil die Geschmacksverstärker süchtig machen.

Mal im Ernst: Kann es sein, dass du nichts zu tun hast, als an die Chips zu denken?
Ich fürchte, du müsstest dich ablenken. Ich glaube schon, dass es richtig ist, sie nicht zu essen, du ärgerst dich hinterher vielleicht
Wär es nicht schön,morgen sagen zu können: Ich hab mich beherrscht?
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08.02.2011, 23:32
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
Ja, ich denke, es ist ganz wichtig zu wissen: mein Moppel-Ich macht mich auch nicht froh. Ich habe darüber hinaus auch das Gefühl, bereits körperliche Probleme zu haben - meine Atmung ist ziemlich schwer und kurz. Einige Bewegungen (Schuhe zubinden) kriege ich fast gar nicht mehr hin. Und was Klamotten betrifft - ohjeh, muß ich hier wirklich hinschreiben, wie gern ich enge Röcke und hübsche Blusen tragen würde?
Es stimmt leider, ich habe zuviel Zeit zum Nachdenken. Bin arbeitslos und habe deswegen echt Kummer.
Ich möchte noch darauf hinweisen, daß ich unter "Essen - Genuß oder Frust" noch ein Thema eröffnet habe. Es heißt: "Ich bin unentschlossen - soll ich abnehmen oder nicht?" Hier könnt Ihr sehr viel über mich erfahren.
Aber eins muß ich wirklich mal loswerden: dieses Forum ist toll, der Austausch mit Euch allen tut mir richtig gut!
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08.02.2011, 23:43
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
Kummer-Frust erzeugen unangenehme Spannung, mit Chips geht es dir vorübergehend besser.
Wie kommst du aus dieser Falle bzw. kannst du verhindern, dass du reintappst? Kann irgend etwas mittelfristig die Chips-Funktion übernehmen? Meine Erfahrung: Bewegung (im Moment leider nicht möglich): danach ist der Schweinehund beruhigt. Das muss gar kein powerprogramm sein: ein kurzer spaziergang, eine Runde Rad....reicht. ist erst mal sogar besser als "Abnehm-Sport", weil der wieder hungrig macht.
Vielleicht kannst du versuchen, der Chips-Attacke auf dem Verhandlungsweg zu begegnen: ja, ich gönne mir die chips, aber erst in eine Viertelstunde; vorher bügle ich noch die Wäsche. Vll. oder in einer späteren Runde verschiebst du die Grenze weiter und machst vorher eine Runde um den Block. Und dann hör ganz genau in dich rein: ob du sie dann immer noch so dringend brauchst. wenn nicht, hast du diese Runde gewonnen und kannst den Tag rot anstreichen (wirkich!)
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09.02.2011, 00:03
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
Kannst du Chips in kleinen Tüten (25 oder 40 Gramm) kaufen? Dann kannst du eine allemachen und gut ist.
Oder geht es um irgendetwas anderes und Chips sind nur ein "Träger"? Salz? Extreme Geschmacksreize? Kontrast zu etwas anderem, was du gegessen hast? Einfach Hunger?
Normalerweise würde ich sagen, man soll sich nichts versagen, sonst entwickelt man nur den Schmachter und das Unterbewußtsein kapiert nie, daß es auch morgen noch was zu Essen gibt. Aber eine 175g-Tüte Chips, das ist schon eine ausgewachsene Hauptmahlzeit... Hält es auch so lange vor? Sonst doch erst mal eine kleine Tüte nehmen.
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09.02.2011, 06:46
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
Hallo fotokatze,
ich würde Dir unbedingt raten, mal das Buch "Essen als Ersatz" von Geneen Roth zu lesen. Von ihr erscheint jetzt im Februar auch ein neues, was ich mir ganz sicher auch kaufen werde. Ich hab mich noch nie so gut verstanden gefühlt.
In ihren Augen ist es genau falsch, sich das, worauf man am meisten Hunger hat, zu versagen. Du merkst ja selbst, was passiert: Irgendwann siehst Du nur noch Chipstüten vor Deinem inneren Auge.
Was würde denn passieren, wenn Du Chips ist? Und zwar nur Chips? Sozusagen eine Chipsdiät, ohne den ganzen gesunden Kram (der ja auch Kalorien hat) als Kompensation. Roth hat das mal mit Schokoplätzchen durchgezogen, zwei Wochen lang. Am Schluss aß sie sogar den rohen Teig, weil sie Verlangen danach hatte. Und nach den zwei Wochen war sie mit den Schokoplätzchen durch und hatte Lust auf Salat. Ich fand das Experiment ganz und gar wunderbar. Sie schreibt, dass sie befürchtete, nie wieder aufhören zu können, wenn sie sich erst mal gestattet, zu essen, worauf sie Lust hat. Aber am Ende verloren all die Dinge, die sie sich ewig verboten hatte, ihren Reiz. Wenn man sich erlaubt, das zu essen, worauf man wirklich Hunger hat, dann verlieren diese Sachen tatsächlich irgendwann ihren Reiz. Ich hab das selbst auch festgestellt. Früher hätte ich nicht leben können, ohne Chips im Haus. Heute hab ich ab und an mal Chipsphasen, und dann brauch ich wochen- und monatelang keine mehr.
Probier doch einfach mal aus, was passiert, wenn Du eine Woche lang mehr oder weniger nur von Chips lebst. Im schlimmsten Fall nimmst Du noch was zu, aber ich bin sicher, die Gier lässt nach.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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09.02.2011, 07:52
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
Richtig, das ist mir auch schon mal passiert! Früher hatte ich nämlich dauernd Heißhunger und Gier nach Schokolade, überhaupt nach Süßem. Irgendwann habe ich sie gefuttert, so oft ich Lust auf sie hatte. Es hat zwar monatelang gedauert, aber ganz allmählich verschwand diese Schokoladengier von selbst. Heute esse ich sie ab und zu sehr gern, schaffe es aber problemlos und ohne Quälgefühl, z.B. bei einem Riegel zu bleiben.
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09.02.2011, 09:56
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
Definitiv. Wahrscheinlich gehört Fotokatze zu den Personen, die extrem auf diese Geschmacksverstärker und Aromen reagieren, ich übrigens auch. Ich bin wirklich die Disziplin in Person, aber wenn ich einmal zu den Chips gegriffen habe, dann war es vorbei. Ich konnte nicht wieder aufhören, bis die Tüte war. Es hat mich so genervt. Ich habe bei Gesellschaftspielabenden nie vor 22 Uhr in die Chipstüte gegriffen, weil ich wusste, dass ich danach nicht mehr aufhören konnte.
Nun, ich habe aufgehört. Ich hasse es fremdbestimmt zu werden. Chips kommen in meiner Ernährung nicht mehr vor. Gut so, ich vermisse sie auch nicht. Ich bin mir aber absolut sicher, dass sie immer noch denselben Heißhunger auslösen würden wie früher."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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09.02.2011, 10:36
AW: Muß man denn so streng verzichten, wenn man andererseits so gierig ist?
Es ist im Grunde egal, wie lange es dauert, bis man etwas leid ist. Wichtig ist nur, dass man es sich nicht verbietet. Ich habe beschlossen, dass es in meinem Leben keine verbotenen Lebensmittel mehr gibt, oder allenfalls mal für kurze Zeit (und auch dann muss ich in Stimmung dafür sein und nicht ständig Schmacht haben).
Ich hab auch mal gedacht, dass ich ja statt einer Tüte Chips ein paar Nüsse essen könnte. Mit dem Erfolg, dass ich eine große Tüte Nusskernmischung verputzt habe und schlussendlich mehr Kalorien zu mir genommen hatte, als in einer Tüte Chips waren. Da hab ich nämlich auch kein Sättigungsgefühl. Und dann kann ich auch gleich die Chips essen, wenn ich die wirklich gerade will.
Meine Idealvorstellung ist, dass ich einen fettigen Hamburger genauso genießen kann, wie einen Salatteller, dass ich mal Lust auf Chips und mal Lust auf Gemüserohkost habe. Ich will weder automatisch zu den fettigen Sachen greifen, noch automatisch zu den gesunden (weil die anderen verboten sind), sondern immer zu dem, wonach mir gerade ist. Und das will ich dann auch genießen.
Das klappt mal mehr und mal weniger gut, und ich bin immer rückfallgefährdet. Aber inzwischen bekomme ich das ganz gut geregelt und halte mein Gewicht einigermaßen, ohne mir was zu versagen. Für mich ist das die entspannteste Art zu essen. Und ich staune manchmal selbst, dass ich mich doch unterm Strich ziemlich gesund ernähre.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)


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