Hallo,
Ich schleppe leider viel zu viel Gewicht mit mir herum. Meine Familie spart natürlich nicht mit guten Ratschlägen, dass ich einfach weniger essen und mehr Sport machen soll.
Mein Mann ist eine Bohnenstange, wie sie im Buche steht. Der Unterschied zwischen uns beiden ist, dass es ihn null interessiert, wenn vom Essen etwas übrigbleibt.
Am Wochenende hatten wir eine Familienfeier, für die ich viel zu viel Kuchen gebacken hatte. Die Gäste meinten immer nur lapidar: "Na, du kannst ja den Rest einfrieren!" (Was ich natürlich nicht konnte, denn so einen großen Tiefkühlschrank haben wir nicht. Abgesehen davon, dass diese Reste dann dort ewig und drei Tage liegen und alles verstopfen ...)
Mein Mann ist dagegen der Meinung, dass man einfach alles, was man nicht mehr isst, ruhigen Gewissens wegschmeißen kann. Noch nie hat er sich Reste am nächsten Tag in der Mikrowelle aufgewärmt. Noch nie!
Ich dagegen fühle mich dafür verantwortlich, die Reste aufzuessen. Auch wenn ich eigentlich schon lange satt bin. Hauptsache, es kommt nichts um.
Ich bin als Kind in der DDR aufgewachsen. Dort gab es bestimmte Sachen oft wochenlang nicht, z.B. Schokolade oder Eis. Wenn es dann mal diese Sachen gab, hat meine Mutter gut und gerne 10 Tafeln Schokolade gekauft oder das gesamte Tiefkühlfach mit Eis vollgestopft.
Ich glaube, das hängt ganz tief bei mir drin. Diese Angst, dass ich, wenn ich nicht sofort zuschlage und alles aufesse, morgen nichts mehr davon kriege.
Diese Angst kennt mein Mann nicht. In seiner Kindheit konnte man jeden Tag alles kaufen, was man wollte.
Aber wie komme ich davon weg?
Wie schaffe ich es, ohne schlechtes Gewissen Nahrungsmittel wegzuwerfen?
Wie schaffe ich es, mich nicht mehr dafür verantwortlich zu fühlen, die Reste aufzuessen?
Ich bin sicherlich nicht die einzige mit diesem Problem. Wer kennt diese Verhaltensmuster und wie man da raus kommt?
Danke!
Historia
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Ergebnis 1 bis 10 von 85
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04.08.2010, 13:48
Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Geändert von Historia02 (04.08.2010 um 13:51 Uhr)
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04.08.2010, 13:55Inaktiver User
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Wie wäre es denn, den Tipp "einfrieren" zu befolgen? Was ich mir eine zeitlang angewöhnt habe - in der Küche abfüllen und dann die Reste gleich in Portionsschalen für den nächsten Tag oder zum Einfrieren packen.
Ich habe mir abgewöhnt, Lebensmittel die ablaufen auf Teufel komm raus auszuessen. Wenn sie abgelaufen sind, war das Pech und ich musste lernen mein Kaufverhalten zu verändern.
Oder gleich kleinere Portionen zu kochen? Lieber etwas wie Joghurt, Obst oder Gemüse als "Nachtisch", wenn der Hunger danach noch gross ist.
Bei der nächsten Feier stelle Alufolie bereit, um den Gästen "Lunchpakete" zu packen, die sie mitnehmen können.
LG
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04.08.2010, 13:56Inaktiver User
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Hallo Historia,
ich finde es auch nicht okay Essensreste wegzuschmeißen.
Aber aufessen obwohl man keinen Hunger hat, ist natürlich keine Lösung.
Wie wäre es mit:
- den Gästen mitgeben
- einfrieren
- einer Freundin/Nachbarin vorbeibringen
- dem Mann auf die Arbeit für die Gemeinschaftsküche mitgeben
- ...
Gegen das schlechte Gefühl hilft vielleicht sich einen guten Gedanken bewusst zu machen: ich mache anderen mit den Kuchenresten eine Freude und tue mir selbst etwas Gutes.
Viel Erfolg und setze dich mit deinem Gewicht nicht unter Druck, das wird schon!
LG Drahtseilakt
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04.08.2010, 14:03Inaktiver User
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Anderen mitgeben oder für andere aufbewahren ist ja an sich nett gedacht.... aber:
Ich persönlich finde solche aufgenötigten Mitnehm-Päckchen ziemlich fürchterlich... ("Nun nimm Dir doch was mit, wir essen das doch niiiiieee alles auf!!")
Und:
Wenn der Ehemann der TE sich bisher noch niemals ein übrig gebliebenes Essen wieder aufgewärmt hat - warum sollten er oder andere das auf einmal in der Büroküche machen?
Wie gesagt, alles nett gedacht, aber m.M. nach nur "Verschleierungstaktik" gegen das selber-wegschmeißen...
"wenn es dann andere tun, muss ich ja kein schlechtes Gewissen mehr haben und außerdem seh ich's ja nicht mehr..."
Ich finde den Lösungsvorschlag von Tinithepooh am besten:
Weniger kochen, so dass nach Möglichkeit keine großen Restbestände übrig bleiben.
Und wenn dann doch mal etwas übrig bleibt - nicht sofort und über den Appetit oder Hunger hinaus noch hineinstopfen, sondern dann bewusst wegstellen und diese Portion für den nächsten Tag als Mahlzeit einplanen.
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04.08.2010, 14:03Inaktiver User
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Liebe Historia,
ich musste grad bisschen kichern.
Ich bin zwar Wessi, aber mit Eltern aus der Nachkriegsgeneration gross geworden.
Reste wegschmeissen war Sünde hoch drei!
Bei uns in der Familie gab es den Standard-Spruch:
"Wenn wir unsern Vadder nicht hätten, könnten wir uns eine Sau halten."

Ich selber esse nie über den Sättigungsgrad hinaus, aber mein Vater musste jahrelang ran. Als er immer dicker wurde und Gicht kriegte, durfte er endlich nur soviel essen, wie es für ihn gesund war.
Will damit sagen: Wenn du für die Reste keine andere Verwertung hast, dann schmeiss sie lieber weg, bevor sie dich dick und krank machen.
(Na klar, in Indien hungern die Kinder....)
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04.08.2010, 14:11
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Hallo ihr,
vielen Dank für Eure Antworten!
Ich hatte schon für den anschließenden Tag Gäste zum Kaffee eingeladen (ungefähr 10 Stück), von daher wurden die Reste schon nochmal ordentlich reduziert.
Trotzdem habe ich gestern abend 1 Liter Erdbeerbowle (alkoholfrei) vernichtet, weil ich eben auch daran dachte, wieviel Mühe und auch Geld ich in die Zutaten verwendet hatte. Meinem Mann war das egal, jede Aufforderung, auch ein Glas zu trinken, hat er zurückgewiesen.
Ich glaube, das ist auch etwas, was mich daran so ärgert. Er fühlt sich nie (na gut, nie stimmt auch nicht) für irgendwas verantwortlich. Sollte es Reste geben, dann darf ich sie entweder aufessen oder eintuppern oder wegwerfen! Hat jemand Geburtstag, darf ich mich um das Geschenk kümmern, auch wenn es seine Verwandtschaft ist. Wenn ich im Haus etwas verschönern will, muss ich mit der Idee kommen. Wenn wir Besuch bekommen, muss ich putzen. Und so weiter und so fort.
Es ist also durchaus ein roter Faden erkennbar. ICH fühle mich für alles verantwortlich, und zwar viel zu sehr. Und das ärgert mich total!
Ich kann es nicht zulassen, dass die Reste in der Tonne landen. Ich kann nicht zulassen, dass wir uns blamieren, wenn Besuch kommt. Ich kann nicht zulassen, dass er ohne Geschenk dasteht, weil das ja auch auf mich zurückfällt.
Kurzum: Es ist ein tieferes Problem. Aber beim Essen wird es halt am deutlichsten sichtbar, weil ich mein Übergewicht nicht verstecken kann.
Nur: Wie komme ich da raus?Geändert von Historia02 (04.08.2010 um 14:20 Uhr)
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04.08.2010, 14:14
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Liebe Historia,
ich bin zwar schlank, aber dieses *Nichtwegwerfen* kenne ich auch.
Mittlerweile kann ich Wegwerfen, ohne schlechtes Gewissen...ich war falsch disponiert und muss nur mit mir ausmachen, warum das so ist.
Reste bis zum Sammtnimmerleinstag (und dann doch in den Müll)...ich erspare sie mir....dann halt schweren Herzens Tonne ( gestern wieder fabriziert...Partysemmeln waren aufgetaut, wieder nicht gegessen...Tonne
...unsäglicher Schichtsalat...auch Tonne)...das Problem liegt bei mir: Besser planen.
LG zbNur wer sich ändert, bleibt sich treu! (Wolf Biermann)
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04.08.2010, 14:18
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Am nächsten Tag nur für Göga wenig kochen.... und für mich selbst die Reste aufwärmen.
Göga mag keine Reste essen... ich schon.
Und bei großen Familienfeiern... gibt es bei uns einige, die g e r n e die Reste mitnehmen. Von aufdrängen ist da nicht die Rede.
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04.08.2010, 14:19Inaktiver User
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Ich finde diese Tips von Drahtseilakt sehr gut!
Wenn ich nach einer Party zuviel übrig habe, frage ich auch oft die Gäste, ob sie was mitnehmen möchte. Aber ich dränge es ihnen nicht auf. Ich frage kurz; mal nehmen sie was mit und mal nicht. Ende. Da muß man kein Geschiss drum machen.
Ich kann auch kein Essen umkommen lassen bzw. einfach so was wegwerfen (liegt vielleicht auch an meiner DDR-Vergangenheit? Sollten wir eine Selbsthilfegruppe gründen?
)
Das Büro hat sich immer als dankbare "Müllhalde" bewiesen. Wann immer ich dort etwas in die Gemeinschaftsküche stellte: es überlebte keinen Vormittag.
Wenn bei Euch generell immer viel Essen übrigbleibt: einfach knapper planen demnächst. Kein Gast stirbt, wenn der Kuchen nunmal aufgegessen wurde oder wenn es eben keine 4 Sorten Kuchen gibt, sondern "nur" 2.
Ich habe letztens Maulsperre bekommen, als ich eine Freundin besucht habe und chinesisches Essen mitbrachte. Das war sehr reichlich und so kam es es, daß wir noch eine ganze Portion übrig hatten in der Box. Diese Freundin ist eh knapp bei Kasse und fand das Essen lecker. Also dachte ich mir, daß sie die eine Portion dann halt in den Kühlschrank stellt und morgen noch was zu essen hat. Sie ist scheinbar (wie Dein Mann) es nicht gewohnt, daß man auch am nächsten Tag noch aufgewärmtes essen kann. Während ich den Tisch abräumte, sah ich aus den Augenwinkeln, wie sie die ganze Portion in den Mülleimer kippte.
Bevor ich etwas sagen konnte, war das ausgekippte Essen schon drin, es war zu spät und ich war fassungslos. Aber sowas von!
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04.08.2010, 14:31Inaktiver User
AW: Aufhören, sich für die Reste verantwortlich zu fühlen ...
Bin dabei


Ich tue mich auch unendlich schwer damit, Essen wegzuschmeißen. Von zu Hause kenne ich es auch so, dass es am Folgetag ein Resteessen gab oder den Gästen etwas mitgegeben wurde. Aber wegschmeißen? Nur, wenn es nicht mehr anders geht.
Und heute? Ich neige dazu, mich bei Essensmengen zu verschätzen
Kuchen, Muffins etc (ich backe zu gerne) geht dann schon mal an die Schwiegereltern oder Schatzi nimmt es mit ins Büro (und kann damit die nervigen Kolleginnen ruhig stellen
). Einfrieren fällt bei uns flach, weil es dann bis zum Ende der Welt im Gefrierfach bleibt (wir essen ungern aufgetautes...warum auch immer). Also arbeite ich an meiner Fähigkeit, Mengen zu planen und Schatzi wurde zum Resteessen erzogen. ohne Murren ;)
Lebensmittel sind nicht günstig, auch deswegen schmeiße ich so ungern weg. Dann der Aufwand der Zubereitung..ach nee, dass muss nicht sein..


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