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    Ängste werden schlimmer

    Hallo!

    Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich hier schon mal geschrieben wegen meines Sohnes, der vor allem Angst hat. Damals war die Ursache wahrschleinlich mein langer KH-Aufenthalt, seine Verlustängste.

    Der Kindergarten ist jetzt vorbei, nun ist Schule angesagt. Nach Unterrichtsschluss - der meist gegen 11.20 Uhr ist - muss er in die Mittagsbetreuung bis 14 Uhr. Dort sind die meisten seiner Freunde, es wird nur gespielt (Hausaufgabenbetreuung ist nicht mit dabei).

    In der ersten Schulwoche war noch keine Mittagsbetreuung, dann wurde er positiv auf Covid getestet und er musste 2 Wochen in Quarantäne. Symptome hatte er keine. Ich bin verschont geblieben. Dann ging auch für ihn die Mittagsbetreuung los. Seitdem weint er jeden Tag, weil er Angst vor der Mittagsbetreuung hat. Wovor kann er selbst nicht sagen. Wenn ich ihn beim Abholen frage, wie es war, war alles super, die Mittagsbetreuung war toll, sie haben Löcher gebuddelt, Fußball gespielt, sind geklettert usw. Es ist fast so wie im Kindergarten. Auch die Schule macht ihm Spaß, er kommt problemlos mit, er ist wissbegierig und will am liebsten alles sofort lernen.

    Der Ablauf am Morgen ist folgender: Ich begleite ihn nach wie vor bis vors Klassenzimmer, auch nach mehrmaligen Versuchen, ihn schon am Schultor abzugeben, will er das nicht. Vor der Türe angekommen, fängt er wie auf Knopfdruck das Weinen an. Er will nicht in die Mittagsbetreuung, er hat Angst. Das geht so lange, bis die Lehrerin kommt, zu ihm sagt "komm, das wird schon". Dann darf ich gehen und er beruhigt sich.

    Heute dann der Supergau: Seine Lehrerin ist krank. Als ein Lehrer nur zu ihm sagte, er solle doch reingehen, hat er gebürllt "er geht da nicht rein" Bis die Vertretungslehrerin kam, die das so gemacht hat wie seine Lehrerin "komm, das wird schon". Solange ich da stehe, weint er. Ohne die Aufforderung der Lehrerin betritt er das Klassenzimmer nicht.

    Was machen? Am Schultor abgeben, obwohl er das nicht will? Sofort gehen, damit er gar keine Chance hat, zu weinen?

    Mich nimmt das nervlich langsam auch ziemlich mit, weil er jeden Tag Rotz und Wasser weint. Das ist schon so fest verankert in seinem Kopf "wenn ich früh vorm Klassenzimmer stehen, weine ich".

    Lediglich die Freitage sind gute Tage. Da muss er nämlich nicht in die Mittagsbetreuung. Und ja, er muss leider tatsächlich dort hin. Noch weniger arbeiten geht meinerseits nicht. Die Oma ist zwar da, muss aber ihre eigene Mutter betreuen und steht nicht jeden Tag ab Schulende um 11.20 Uhr zur Verfügung.

    Mal mit dem Kinderarzt reden? Ich weiß nicht mehr weiter. Ich habe schon ein Belohnungssystem eingeführt. Er darf sich jeden Tag, an dem er nicht weint, einen Sticker aufkleben. Bei 10 Stickern gibts dann eine Kleinigkeit. Bisher sinds erst 3 Sticker - die Freitage

    Jemand noch Ideen/Ansätze?

    LG
    Magnoona

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    AW: Ängste werden schlimmer

    In der Klasse meiner Tochter (inzwischen 3. Klasse) gab es einen Jungen mit großer Schulangst. Er wollte morgens auch nie in die Schule gehen, hat beim Abgeben geweint, zeitweise musste die Mutter sogar mit in der Klasse sitzen. Einmal hat ihn die Mutter gebracht und ist gegangen, da ist er kurz darauf hinterhergerannt. Ein Alptraum für alle Beteiligten.

    Die Mutter hat mit zuerst mit der Klassenlehrerin gesprochen, dann wohl auch mit der Schulleitung, mit der Schulsozialarbeiterin und mit dem Schulpsychologen - und hat sich schlussendlich Hilfe bei einem Psychotherapeuten gesucht. Dort ist der Junge seit anderthalb Jahren oder so in Behandlung.

    Das würde ich an deiner Stelle auch tun - das Gespräch mit den genannten "Einrichtungen" suchen und dann evtl. auch einen Psychotherapeuten. Dazu brauchst du auch keine Überweisung vom Kinderarzt, du kannst auch so zu einem Erstgespräch gehen.
    Hab mich gewogen. Bin zu klein.
    (Postkartenspruch)

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    AW: Ängste werden schlimmer

    Liebe TE,

    ich kann das von ViolaFaber geschriebene nur bestätigen. Mein jüngstes Kind hat im Lauf der 9. (!) Schulstufe erhebliche Panikattacken erlitten und kennt somit auch "Angst vor der Angst". In diesem Schuljahr war nur die erste Woche an der Schule möglich, seither ist es zu Hause. (In Absprache mit allen möglichen Instanzen.)

    Bitte holt Euch Hilfe!

    GLG Emmi
    Katzen lieben Menschen viel mehr, als sie zugeben wollen,
    aber sie besitzen genug Weisheit, es für sich zu behalten.


    Mary Eleanor Wilkins Freeman (1852 - 1930), US-amerikanische Schriftstellerin

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    AW: Ängste werden schlimmer

    Ich ergänze noch: Die Behandlung schlägt auch an - der Junge läuft inzwischen ohne Mama-Begleitung mit seinen Kumpels zur Schule und zurück und hat sich auch endlich getraut, zum Fußballtraining zu gehen, und bleibt dort auch alleine.

    Im Kindergarten war das noch kein Thema, aber schon am ersten Schultag musste ihn die Lehrerin dazu überreden, von der Feier mit ihr und den anderen Kindern in die Klasse zu kommen.
    Hab mich gewogen. Bin zu klein.
    (Postkartenspruch)

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    AW: Ängste werden schlimmer

    Es wirkt so, als hätte dein Sohn Verlustangst, der Zeitraum, wo er noch in die Mittagsbetreuung geht, ist zu lang ohne dich.
    Das direkte Übergeben an die Lehrerin vermittelt Sicherheit und der Spruch der Lehrerin erhöht sein Sicherheitsgefühl, dass er nicht allein und verlassen ist und du wiederkommst, zusätzlich. Es kann gut sein, dass er in der Übergangsphase diese zusätzliche Sicherheit braucht. Das würde ich mit ihm besprechen, wenn ihr abends zu Hause seid und die Lehrerin und die Vertrauenslehrerin helfen ihm beim Übergang, bis er das allein schafft.

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    AW: Ängste werden schlimmer

    Mittelbar ist mir auch ein Fall von schwerer Schulangst (wohl in Folge einer PTBS) bekannt und ich möchte mich den Vorschreiberinnen anschließen, dass die Hinzuziehung der Kinderärztin und dann eine therapeutische Abklärung auf jeden Fall sinnvolle Schritte sind. Auch die Schulsozialarbeit kann gut unterstützen und die Klassenlehrerin ist eine Ansprechpartnerin.

    Ich bin keine Fachfrau, möchte daher nachfragen: Kann man wirklich von Schulangst sprechen, wenn das Thema offensichtlich die Mittagsbetreuung ist? Denn Freitags, wenn sie nicht stattfindet, klappt es ja gut.
    Es ist eine echte Frage aus Unwissenheit, nicht der Versuch, Zweifel zu säen.

    Ich würde auf jeden Fall Unterstützung in Anspruch nehmen, nicht zuletzt um dem Teufelskreis der "Angst vor der Angst" zuvor zu kommen.

    Mit einem meiner Kinder hatte ich im Kindergarten teilweise Schwierigkeiten beim Abgeben morgens und insbesondere wenn wir einmal in der Woche zusätzlich nachmittags dort zur Musikstunde gegangen sind.
    Da war eine gewisse, ritualisierte Form sehr wichtig, ich konnte es nicht an der Tür zum Gruppenraum abgeben, sondern musste in den Raum reinlaufen während es sich hinter mir versteckt hat. Dann laut sagen "das Kind ist nicht da heute" und dann überrascht sein, wenn es hinter mir vorkam.
    Die Schwelle, der Übergang war ein Problem - und das ist ja im jungen Alter ziemlich häufig der Fall, dass zwei Zustände oder Orte an sich ok sind, dass aber der Wechsel, der Übergang, Schwierigkeiten macht.
    (Ist die Mittagsbetreuung ein "Zwischenort"?)
    Wenn das Ritual so nicht stattgefunden hat, war das seitens meines Kindes mit viel Geschrei und Verzweiflung verbunden.
    In der Kita war manchmal davon die Rede, dass auch Weinen für die Kinder zum Teil des Rituals werden kann und dass es dann wichtig ist, das - kindgerecht - umzugestalten um es für alle Beteiligten einfacher zu machen. Andere Formen zu finden, möglicherweise die Verlegung des Abschieds an einen anderen Ort, dass das Kind direkt nach dem Abschied jeden Tag eine bestimmt Aktivität macht oder so (nach dem Klassenaquarium schauen, irgendeinen "Dienst" ausführen, falls es das gibt - bei uns gießen sie Blumen, stecken den Kalender um, lüften, wischen Tafel...). Oder ihr verabredet euch vor dem Klassenzimmer mit Freunden, so dass sie gemeinsam reingehen können. Er ist ja schon groß und kann selbst mit überlegen, was ihm das Ankommen und Bleiben vereinfachen könnte.

    Bitte nicht falsch verstehen: Ich möchte da nichts verharmlosen im Sinne von "ach, er weint doch nur, weil er sich dran gewöhnt hat". Ich glaube schon, dass er echte Not leidet. Allerdings scheint ihm die klare Form (die Lehrerin mit "du schaffst das schon") einen sicheren Rahmen zu geben, die ihm den Abschied ermöglicht und vielleicht lässt sich da ansetzen und eine Lösung finden.
    Unsere Kinderärztin, die auch Therapeutin ist, hat mir geraten "zuversichtlich für meinen Sohn zu sein", also seine Ängste nicht von der Hand zu weisen, aber klar zu kommunizieren, dass ich sicher bin: er schafft das, er ist stark genug, er kann sich das zutrauen und es wird gut werden. Bei diffusen Ängsten, die ihn in der Corona-Zeit oft umgetrieben haben, hat dieser Ansatz ganz gut geholfen.

    Aber das ist alles nur so daher geschrieben, eigene Erfahrungen und Küchenpsycholgie.. Bitte wende dich an Fachpersonen deines Vertrauens. Alles Gute!

    LolloBionda

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    AW: Ängste werden schlimmer

    Aus eigener Erfahrung (wir hatten in der 1. Klasse über mehrere Wochen immer schlimmer werdende Schulangst - hier war der Auslöser wohl das Gefühl "dumm" zu sein wegen seiner damals von uns vermuteten, aber so früh noch nicht diagnostizierbaren LRS) würde ich sagen: erstmal so weitermachen. Die Unterstützung der Lehrerin annehmen. Ruhig mal mit dem Kinderarzt reden (bei uns hat dieses Gespräch damals im Beisein des Kindes auch einen Knoten platzen lassen - er konnte plötzlich seine Ängste verbalisieren, auch wenn die Gründe erstmal nichts mit den eigentlichen Gründen zu tun hatten). Wenn's gar nicht besser wird, Termin bei einem Kinder- und Jugendpsychiater machen.

    Uns hat der Psychiater (denn wir dann aufgesucht haben und wo dann die massive LRS diagnostiziert wurde) im Nachhinein gelobt für das Vorgehen, ohne viel Aufstand den Schulbesuch nicht in Frage zu stellen und das durchzuziehen.

    Aber ich sage Dir, es war schrecklich und hat mich fix und fertig gemacht. Jeden Tag Angst, dass ich das Kind nicht in das Schulgebäude bekomme. Einmal hat die Lehrerin ein schreiendes und zeterndes Kind festgehalten, damit ich gehen konnte. Aber irgendwie haben wir es überstanden.
    Vielen Dank an Betsi - ich habe endlich ein Avatar

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    AW: Ängste werden schlimmer

    Zitat Zitat von Magnoona Beitrag anzeigen
    wie auf Knopfdruck das Weinen an
    Genau. Auf Knopfdruck. - Die Frage ist, wie sehr er dich mit seinem Weinen im Griff hat.

    Alleine, dass du ihn bis ins Klassenzimmer begleitest, zeigt ihm: "Mensch, die Schule, das muss ja ein übler Ort sein, wenn die Mama da als Einzige sogar bis zum Klassenzimmer mitgeht." Du erzeugst nicht nur den Lehrkräften Stress, sondern auch deinem Kind.

    Verabredet euch doch am Schulhof mit einem besten Freund von ihm. Dann sagste: "Hey Magnoona-Kind, guck mal, da is ja der Jonas. Jetzt laufts ihr mal zsamm rein." Zunicken, auf dem Absatz umdrehen - und tschüss. Holst du ihn dann ab, sagst du: "Meeeensch, duuuuuuuuu warst ja heute Morgen der Superheld! Bist ganz allein da rein gestiefelt! Na also! Geht doch!" *ermutig ermutig*

    Ich bin nicht dafür, Kinder gleich zu pathologisieren, nur, weil mal was nicht rund läuft oder sie sich was Blödes angewöhnt haben. Oft erzeugen Eltern das Problem selbst.

    {editiert}
    Geändert von xanidae (30.10.2021 um 11:06 Uhr) Grund: 14.1
    Be a voice not an echo.

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    AW: Ängste werden schlimmer

    @Mangoona, erstmal , das ist wirklich ein Sch...gefuehl.

    Ich wuerde mir ebenfalls zuegig Hilfe suchen und mit Klassenlehrerin (hast du ja wahrscheinlich schon), Schulpsychologen, Kinderarzt (wie von anderen vorgeschlagen - ich lebe nicht in D und weiss daher nicht, was die besten Ansprechstellen innerhalb und ausserhalb der Schule sind) reden. Ich persoenlich saehe sonst die Gefahr, dass sich die Situation verfestigt oder ausweitet.

    Hast Du Vertrauen zur Schule, dass Du von dort aus gute Unterstuetzung erfaehrst?
    EsistnureinePhaseesistnureinePhaseesistnur...

  10. VIP

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    AW: Ängste werden schlimmer

    Hast du schon mit der Lehrerin ausführlich über diese Situation gesprochen?

    Denn das wäre mein erster Schritt, mit der Lehrerin absprechen wie wir gemeinsam vorgehen. Denn es scheint ihm gut zu tun, dass eine Person ihn „abholt“.

    Ist es bei euch üblich, dass die Kinder gleich in die Klasse gehen?

    Hier ist es an jeder Grundschule die ich kenne üblich, dass die Kinder an einem sogenannten „Aufstellplatz“ im Hof warten und von der Lehrkraft abgeholt werden. Auch schon vor Corona.

    Ebenso ist es in vielen Schulen verboten, dass Eltern den Schulhof betreten, vom Schulgebäude ganz zu schweigen.

    Deswegen würde ich absprechen, wie es erstmal gelingen kann, dass die Lehrkraft ihn unten abholt, wenn das mit dem Aufstellen nicht üblich ist, um hier einen altersgemäßen Umgang mit der Trennung vom Elternteil zu ermöglichen. Dazu brauchst du die Unterstützung von der Schule.
    Dieser Plan sollte mit deinem Kind gemeinsam besprochen werden, also du, dein Kind und die Lehrkraft.

    Wenn es eine Schulsozialarbeit gibt, sollte diese hinzugezogen werden.

    Es ist auch wichtig, dass deine Haltung ausstrahlt „Trennungsschmerz hin oder her, es geht in die Schule“.

    Auch würde ich mich an eine Erziehungsberatungsstelle wenden und erstmal mir Beratung suchen, wie damit umzugehen ist.

    Ebenso wäre ein Termin beim Kinder- und Jugendpsychiater sinnvoll.

    Beide Anlaufstellen haben Wartezeit, von bis zu drei Monaten (Erziehungsberatung) bis zu 6 Monaten (KJP). Sollte sich das Problem bis zu den Terminen lösen, kann man die Termine problemlos absagen. Löst es sich nicht, ist es vermutlich ein schwerwiegenderes Problem und nicht nur eine Phase und benötigt entsprechende Behandlung.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

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