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  1. Inaktiver User

    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    Hallo,

    ne, das war kein "macht das alle so"; es war eine Antwort auf " ich finde, es sind zu wenig Hausaufgaben" auf der ersten Seite, zusammengefasst mit " wenn ihr die HA zu wenig findet, gibt es die Möglichkeit selber Aufgaben zu geben und sich das Leben mit Lehrerhandreichungen oder Lösungsbüchern leichter zu machen".


    Das wird jetzt eine sehr lange Antwort, und ich schreibe in den folgenden Zeilen ohne Allgemeinheitsanspruch nur die Antwort auf die Frage warum ich so viel Aufwand betreibe:

    Ich fange mal an bei den Sachen die ich weiss:
    Zeitlich: meine Grenze liegt bei aktuell 1,5 Stunden pro Tag für die Schule. (ich komme dazu später). Dieses Jahr wird es vermutlich mehr Richtung 2 Stunden gehen, wg Klasse 10 (dazu später).
    Finde ich es total doof? Klar. Würde ich lieber in der Zeit mich nicht mit Latein oder Logarithmen beschäftigen? Ja. Bin ich manchmal so müde, dass ich am liebsten heulen würde? Aber so was von. War ich ent-setzt! von der Mutter, die mit ihrer Tochter bereits in Klasse 1 den kompletten Stoff für die nächste Klasse in den Sommerferien gelernt hat? Hell, yes!

    Warum ich das mache:
    In Kurzform: um ihr Schmerzen und Kummer zu ersparen.

    In Langform:

    Ich arbeite seit über einem Jahrzehnt in einem Bereich, der dropouts einen Schulabschluss näher bringen sollte und/oder langjährigen Arbeitslosen, die als Hilfskraft gearbeitet haben, einen Berufsabschluss vermitteln soll, sprich: ich kann super Defizite erkennen und beheben, aber ich habe keine Ahnung von klassischer Schule.
    Sprich: ich muss mich, wie alle andern Mütter auch (denke ich) darauf verlassen, was mir Profis über meine Tochter sagen.
    Und wenn es eine Rückmeldung gab, die sich seit Krippenzeit wie ein roter Faden durch das Leben von S gezogen haben, dann ist es diese: "sie ist anders als alle anderen". Ich hingegen war immer genauso wie alle anderen, mir waren Noten so halb egal, Hauptsache "durch", Lehrer fand ich doof, Schule erst recht und wenn alle viel Glück hatten, habe ich mal Hausaufgaben gemacht und mich gewundert, dass das Universum nicht still steht ob meiner Großzügigkeit. Also- Durchschnitt.
    S hingegen war - und ist - immer schon ein Kind gewesen, das eine Mischung aus ehrgeizig + klug + schnell + leicht zu verunsichern mit Tendenz zur Selbstzuschreibung "dumm" war. Diese Mischung hat ihr einen Wechsel an die Montessorischule eingebracht, weil ich vollkommen besorgt war, WIE verbissen meine Tochter schon in Klasse 1 bei Leistungserhebungen war.
    Bei Mathekönig nur zweite geworden? Das Kind hat von Stunde 1 (Mathe) bis 12 Uhr durchgeweint, bis die Schule mit angerufen hat, weil sie nicht zu trösten war. Das war der Punkt, an dem ich die Reissleine gezogen habe und sie aus dem klassischen Schulsystem genommen habe- ich dachte, kein Leistungsdruck, kein Problem. Hahahaha, weit gefehlt.

    Diese Mischung "klug und ehrgeizig" hat ihr aber leider - und das war einer der größeren Fehler, die ich gemacht habe, wenn nicht der größte!- eine viel zu frühe Einschulung eingebracht, nebst der strikten Weigerung, sie ein Jahr freiwillig wiederholen zu lassen von Lehrer - und Schulleiterseite bis Klasse 7.

    Jetzt ist das Zeitfenster zu, denn sie würde in G9 fallen, sie ist die letzte G8 Kohorte, mit völlig anderen Fächern, das überlegt man sich zweimal ob man das dem Kind antut, wenn die Noten eigentlich gut sind. Klasse 10 ist bei uns (BY) das Äquivalent zu KLasse 11 und richtig heftig, als kein Jahr, in dem ich Experimente starten möchte (weil: siehe unten).

    Wie gesagt: ich bin auch darauf angewiesen, das zu glauben, was mir die Profis sagen. Und die Profis sagten, konstant, von Kinderarzt über Erzieher zu Lehrkräften: "die ist gelangweilt, die muss .... in den Kindergarten / in die Schule / aufs Gymnasium". Die Idee des letzten Schulleiters, sie doch eine Klasse überspringen zu lassen hingegen habe ich im Keim erstickt, denn: Dummerweise hatte niemand den emotionalen Stand von S betrachtet, nur den geistigen und somit sitzt sie jetzt mit 14 in der 10en Klasse und wird mit 16 das Abitur machen - klingt total cool, kann man bestimmt super mit angeben, ist aber im Echtzeitbetrieb eine Herausforderung, denn: sie ist anders als alle anderen und wesentlich jünger noch dazu.

    Anfangs habe ich mich strikt geweigert, das anzuerkennen und bin mit dem Motto " Hauptsache, Du bist glücklich, ne 3 ist echt ne gute Note, eine 5 kein Weltuntergang, sind doch nur Noten" durch die Schulzeit gegondelt und war massiv bremsend unterwegs und dachte immer, es sei eine gute Idee, ihr freie Hand zu lassen in Bezug auf Lernzeiten und -Tiefe, jahrgangsstufenoptimiert. Wen ich dabei nicht gesehen habe, war meine Tochter. Die war nämlich leider gar nicht glücklich. Und weil sie so ist wie sie ist, wurde das dann ein richtig fettes Problem. Wo andere (ich zB) sich bei einer 5 schütteln, sich vornehmen " das nächste Mal lerne ich" , ist für meine Tochter eine Welt zusammengebrochen. Mit Welt zusammengebrochen meine ich nicht nur stundenlanges Weinen, sondern die volle Latte an Psychosomatik mit dem Gipfel in der 7en Klasse, als sie einen veritablen Tick entwickelte und wir dem ziemlich hilflos gegenüber standen- der Tick ist jetzt weg, die Bauchschmerzen und Migräneattacken auch, die Haut ist gesund, es scheint zu funktionieren.

    In Kurzfassung: S gehen schlechte Noten so richtig richtig an und in die Substanz. Dazu kommt, dass sie - das zieht sich durch bei ihr wie ein zweiter roter Faden - nicht mit der Masse mitschwimmt, sondern, egal wo sie ist, wahrgenommen und für viel älter und belastbarer gehalten wird als sie ist, also auch von Lehrern. Die wiederum sehen ihr Potential und "zwiebeln" sie, weil sie - und das kann ich aus eigener Sicht bestätigen, man rutscht schnell in diese Haltung, sich zu sagen " da ist wirklich was da, die /den fördere ich"- S eigentlich etwas gutes tun wollen, sie zu der bestmöglichen Leistung antreiben wollen. Wir schreiben mittlerweile jedes Jahr so gegen November eine Mail mit dem Inhalt : die ist erst 14!! (13, 12....) an die Schule und wir bekommen jedes Jahr die Antwort " ach echt.... krass, hätte ich nie gedacht, gut dass Sie's sagen." Und zusätzlich fällt sie bei schlechter Rückmeldung in einen Kreislauf von " ich kann eh nix, alle anderen können das viel viel besser". (frage nicht nach Sonnenschein. Wenn es nach S ginge, wären alle anderen reine 1er Kandidaten, das bleiben sie auch solange, bis man die Mütter mal frägt und die lachend zusammenbrechen und sagen " also ne 1 habe ich schon Jahre nicht mehr gesehen". Alleine meiner Tochter fehlt der Glaube an die Fehlbarkeit der anderen. Teufelskreis.

    Das Einzige, was geholfen hat, war, das Kind an die Hand zu nehmen und mit ihr gemeinsam durch die Schule zu gehen - ein Jahr zurück (mein Favorit) wurde uns konsequent abschlägig beschieden, Schulwechsel auf zB die Realschule lösten Entsetzen bei den Lehrern aus ("machen Sie das bloß nicht, Sie machen das Kind unglücklich, die gehört hierher!"), also blieb nach vielen Versuchen und Irrtümern und einem immer unglücklicheren Kind nur eine Option: daneben sitzen, an die Hand nehmen und gemeinsam diesen Marathon durchlaufen. Interessant und hilfreich war für mich - und das fand ich interessant, denn der Narrativ geht in die entgegen gesetzte Richtung!- dass (wir hatten einen Lehrermarathon, wir haben mit JEDEM Lehrer geredet) kein einziger Lehrer gesagt hat "Nee, das muss die selber können"; sondern alle mehr oder minder deutlich gesagt haben " ja, normal, ne? Läuft bei vielen so".

    Hatte ich da Bock drauf? Hahahaaa neeee. Habe ich versucht, irgendwie sie wieder "frei" laufen zu lassen? Jedes Schuljahr. Bauten sich dann die Probleme auf, bis wir an Weihnachten wieder gesagt haben " gut, zurück zur Variante gemeinsam"? Und wie. Ging es meinem Kind schlecht, wenn ich sie laufen ließ? Ja. Hat sie das verbalisiert? Ja. Sie hat gesagt " ich fühle mich alleine gelassen und verzweifle". #willstemachen war dann mein Schlagwort.

    In der Zwischenzeit würde ich allerdings tatsächlich dieses konstante, reduzierte Lernen (wie gesagt, 1.5 Stunden / Tag, dann klingelt der Wecker und es ist Schluss) empfehlen weil es aus meiner Sicht Vorteile hat, und zwar aus folgenden Gründen:
    a) Zeiten, in denen Krankheit, Stress... das Leben dazwischen kommt, werden abgefedert, weil die 1,5 Stunden auch ein Zeitfenster zum vorlernen beinhalten - und Vorlernen ist zusätzlich dazu 4mal so effektiv wie nachlernen (gibt es Studien dazu). Ganz wilde lernen in der Früh um 6, kann man machen, meins wär's nicht. Aber faktisch ist es wesentlich sinnvoller, schon zu wissen, worum es in der Schule geht, statt im Unterricht die Inhalte zum ersten Mal zu hören, ein Fakt, der durch den flipped classroom gut belegt ist.
    b) Faule Tage sind kein größeres Problem mehr, weil genug Puffer vorhanden ist
    c) freiwillige Aufgaben werden eher erledigt als bei "Freiwilligkeit" und bieten nochmal Puffer
    d) die Routine war zumindest für unsere Tochter eine gute Sache, weil sie Struktur vorgegeben hat ohne Wenn und Aber
    e) Spitzen werden gemildert, Wochen mit 3 Schulaufgaben und 10 Exen sind dann kein größeres Problem mehr, weil der Stand kontinuierlich gleich ist
    f) nächtlich Lernmarathons (die ich dann in K12/13 angefangen habe und die wohl bei anderen schon in Klasse 5 an der Tagesordnung waren) finden nicht statt, um 16 Uhr ist Schluss und sie kann machen, was sie will - vornehmlich Genshen (?) spielen
    g) das Leben ist planbar geworden für meine Tochter und auch für mich. Ich weiss nicht, ob es nur mir so ging, aber ich erinnere mich an die dritte Klasse Grundschule, die ich vollkommen unplanbar empfunden habe und bei der ich das Gefühl hatte, nur noch zu reagieren statt zu agieren, aber kann auch etwas individuelles sein.
    h) zu den Hausaufgaben: ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Tochter in einigen Fächern gar keine Hausaufgaben braucht - zB in Englisch, dort ist das feedback des Lehres " sie hat einen Stand, den andere in ihrem Leben nicht erreichen", dafür aber in anderen Fächern wesentlich mehr Übung und Wiederholung und Nachlernen von uralten Inhalten braucht als andere. Ich gehe davon aus, dass das bei so ziemlich jedem Lernenden ist, zumindest ist das meine Erfahrung, weshalb ich persönlich der Meinung bin, dass Hausaufgaben von Lehrerseite eine gute Geschichte sind (auch wenn Hattie das anders sieht), aber individuell nachjustiert werden sollten, vor allem, wenn man als Elter merkt, dass Probleme sich anbahnen.

    Jetzt zur Frage, deren Antwort ich einfach nicht weiss: Ich würde sagen, wir haben ein ok Verhältnis? Es gibt vielleicht alle 3 Monate mal eine Meinungsverschiedenheit, aber meistens läuft das Leben hier ruhig und ohne Streit oder schlechte Stimmung. Sie kommt und erzählt mir Dinge, die sie bewegen (Genshen / Genshin oder wie das heisst, ich verstehe dieses Spiel nicht, ich weiss nur, dass sie Level 58 ist, was wohl gut ist und zeigt, dass genug Freizeit vorhanden ist) und womit sie Probleme hat - mit Freunden etc, und was sie gerade interessiert, fasziniert, wie sie sich fühlt. Ich finde ihre Freunde doof, sie findet meine Freundinnen doof. Ich finde ihre Kleidungsstil blöd, sie liebt ihre Hoodies und weigert sich, sie gegen etwas hübsches auszutauschen, weil sie meinen Kleidungsstil altbacken findet. Ich finde, die Spülmaschine könnte sie ruhig hin und wieder ausräumen, sie findet, ich habe in ihrem Zimmer nichts zu suchen. Ich finde, sie könnte ruhig etwas soziales machen, freiwillig, sie findet, dass die Nachhilfestunden, die sie gibt, schon sozial genug sind und wenn ich schon so sozial eingestellt sei, könne ich ja ins Altersheim gehen und vorlesen. Ich finde, sie sollte mehr gute Bücher lesen, sie findet, dass Mangas gute Bücher sind und hält mir vor, dass ich abends auch nur bestenfalls netflix schaue. Ich finde, die könnte aus ihrem Sprachentalent ruhig etwas machen und eine weitere Fremdsprache lernen, sie findet, dass ihr Handy auf Französisch umstellen dicke reicht und erinnert mich an mein Frontalversagen, als sie versucht hat, mir Französisch beizubringen. Ich finde, sie kann ruhig öfter mit uns in die Berge gehen, sie findet, dass sie ein Anrecht darauf hat, mal ein paar Stunden die alten doofen nicht zu sehen.
    Ich finde meine Tochter toll und klug, sie sich leider nicht. Ich kann damit leben, nicht in ihr Zimmer zu gehen, sie aus den Hoodies zu schälen weil man die mal wieder waschen muss und sie am Wochenende zuhause daddeln zu lassen statt mit ihr in die Berge zu gehen. Ich kann aber nicht damit leben, meine Tochter unglücklich zu sehen, zu sehen, dass ihre Haut Achterbahn fährt, zu sehen, dass sie täglich Medikamente gegen Bauchschmerzen nimmt oder Kopfschmerzen und von ihr zu hören, dass sie eh nichts kann und auf dem Gymnasium nichts zu suchen hat. Ich möchte auch nicht mehr in die Zeit zurück, in der ich - ja, ich gebe das offen zu - tobend gebrüllt habe und sie angeschrien habe, ob sie ihren Lehren denn endlich mal glauben könne, dass sie genau an der richtigen Stelle sei und ob sie das bitte nicht uns überlassen würde, ihr vorgebetet habe, was die Lehrer über sie sagen und im Kindergesicht nur eines gesehen habe, nämlich: "Ich glaube Dir kein Stück".

    Ob S in 10 Jahren sich umdreht und sagt "meine Mutter war die Hölle und ich habe gelitten" - ich weiss es nicht. Ich wünsche mir, dass dem nicht so ist, aber genau deshalb schreibe ich auch in ich-Form, denn mein Mann und ich haben den Deal, dass ich die Schule übernehme und er der sichere Hafen ist, damit wenigstens ein Elternteil schulneutral ist. Der Deal besagt auch, dass mein Mann mir den Rücken vorbehaltlos frei hält, sprich: er macht den Haushalt während ich Kind mache. Anders ginge das nicht. Im Moment spricht S. mehr mit mir als mit ihm, das war früher anders, sie war ein totales Papakind, deshalb fiel die Wahl auch auf ihn, weil er aus meiner Sicht näher an ihr dran war und ist und deshalb der Fels in der Brandung sein sollte.

    Coronazeit: Tatsächlich waren wir die Exoten, das war eine sehr schöne und angenehme Zeit und meine Tochter sagt, dass sie sich wünscht, dass bald wieder Lockdown ist, sie ist regelrecht aufgeblüht und hat - in ihrer Freizeit (warum????? frage ich mich, warum????) Präsentationen gebastelt, die die Themen vertieft haben und die ihr haufenweise mündliche 1er eingebracht haben, freiwillig wohlgemerkt ohne dass die Lehrkraft um ein Referat gebeten hätte. (ich wäre in dem Alter übrigens in 10 Jahren nicht auf die Idee gekommen). Aber ich glaube, das ist jetzt etwas, was nur die Minderheit der Schüler sagen würde, dass Corona eine tolle Zeit war.
    Geändert von Inaktiver User (12.09.2021 um 12:02 Uhr)

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    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    VictorieP, das klingt alles sehr schlüssig und nachvollziehbar für mich.

  3. Inaktiver User

    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    Victorie, ich hatte bei deinem ersten Post so meine Zweifel ... aber wenn ich deinen zweiten Post lese, kann ich nur sagen, tolle Mutter, tolles - wenn auch anstrengendes, aber das hat sich keiner ausgesucht - Kind.
    Ich drücke euch feste die Daumen, dass ihr gut durch die Schulzeit kommt, dass S. ihren Weg zum Selbstvertrauen nach und nach findet und dir wünsche ich all die Kraft, die es braucht, deinen/euren besonderen Weg zu gehen.

    Euer Weg ist sich nicht so einfach auf andere übertragbar, aber der eine oder andere Input findet sich da bestimmt.

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    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    Ja, ich lese hier eine Mutter, die sehr gut sieht, was ihr Kind wohl braucht - ein Kind, was völlig in Ordnung ist, nur anscheinend nicht "schulkompatibel".

    Ich halte die Daumen, dass ihr so die letzten Schuljahre noch gut herumbringt!

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    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    Danke für Deine ausführliche Schilderung, Victorie und mit dem Hintergrundwissen kann ich auch verstehen, warum Du so handelst

    Und klar, die Kontinuität bringt viel, aber weniger ehrgeizigen Kindern ist das schwer beizubiegen.

    Und generell finde ich es auch ungut, wenn die Lehrer wie bei Euch erwarten, dass Eltern das tun, statt selbst Aufgaben stellen, die zu einer Kontinuität führen.

    Vielleicht später nochmal mehr, aber jetzt ist es zu spät geworden.

    Startet alle gut in die neue Woche!
    Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich an die Ankunftshalle in Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Mir scheint wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist da. Väter&Söhne, Mütter&Töchter, Ehepaare, Verliebte, alte Freunde.
    Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist

    Intro "Tatsächlich Liebe"

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    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    Victorie,
    danke für Deinen Einblick! Ich hoffe, Deine Tochter kommt gut durch die letzten 3 Jahre. Ich stelle es mir enorm herausfordernd vor, den Lernstoff der oberen Klassen zu vermitteln und mit einem so ehrgeizigen Kind dauerhaft friedlich zu arbeiten.


    Nochmal zum Thema, das Fritzi angesprochen hat:

    Ich bin zunehmend desillusioniert, was das Thema "Chancengleichheit in der Bildung" angeht. Es gibt ja Studien dazu, dass der Unterschied in Kompetenzen und im Wissen bei Schülern, die gerade eingeschult werden, am größten ist. Die Schule - auch in Deutschland - fungiert tatsächlich dann etwas ausgleichend im dem Sinne, dass die Leistungen nicht noch weiter auseinander driften, kann aber die enormen Unterschiede nicht mehr angleichen.

    Mir persönlich sind Noten relativ egal (meine Tochter schafft es dagegen, sich bei einer 1- zu ärgern, aber das ist ein anderes Thema). Was mir nicht egal ist, sind grundlegende Kompetenzen. Wenn ich in der Grundschule gemerkt habe, dass meine Tochter an bestimmten Punkten stehen geblieben ist, habe ich mich eingeschaltet. Das war einmal beim Lesenlernen, als sie die Silben nicht verbinden konnte, dann beim selbständigen Schreiben, und zuletzt bei Englisch, wo während des ersten Lockdowns schlichtweg nichts hängengeblieben ist, nicht mal Grundregeln der Aussprache.

    Natürlich weiß ich, dass durch unser Eingreifen Leistungsunterschiede noch größer werden. Aber was ist die Lösung? Nichts tun? Warten, bis die Noten leiden und Nachhilfe nötig ist? Für unser Kind ist Nachhilfe übrigens der absolute Horror. Als in der 3. Klasse beim Thema Schreiben die Klassenlehrerin Logopädie ins Spiel brachte (wegen bestimmter Fehler, die logopädisch behandelt werden können), hatte das Kind Tränenausbrüche. Die damaligen Fehler gibt es nicht mehr, das Kind schreibt für ihre Klassenstufe inzwischen super, wenn sie sich konzentriert. Aber da stecken viel, viel Eigeninitiative von ihr und unzählige Korrekturen von uns drin.

    Wäre es fairer gewesen, nichts zu tun und den Lehrern oder Logopäden das Feld zu überlassen? In der Grundschulklasse unserer Tochter waren geschätzt 2-3 Eltern mit Muttersprache Deutsch und nicht getrennt. Sowohl die Alleinerziehenden als auch die Eltern, die Deutsch nicht als Muttersprache haben (knapp ein Fünftel der Kinder wohnten noch im Flüchtlingsheim) haben zeitlich oder inhaltlich nicht die Kapazitäten, die wir haben. Wäre es gerechter, wenn wir auch die begrenzten Ressourcen der Lehrer in Anspruch nehmen? Ich meine die Frage nicht rhetorisch, ich finde, es ist echt wirklich ein Problem auf mehreren Ebenen, das nicht komplett zufriedenstellend zu lösen ist.

    Und auch wenn ich von unseren (Grundschul-)Lehrern wirklich viel halte, weiß ich im Bereich des Fremdsprachenunterrichts, wie viele Schüler mit mangelnden Sprachfähigkeiten die Schule verlassen. Das hat diverse Gründe, aber letztlich leidet das eigene Kind, wenn man die Defizite, die der Schulunterricht hier in Deutschland hat, nicht frühzeitig ausgleicht. Abgesehen, von der Zeitverschwendung, die es ist, wenn man jahrelang eine Sprache ineffizient lernt.

    Zurück zum Thema:

    Kind hat diese Woche die ersten zwei Vokabeltests überhaupt in seinem Leben. Vor dem Wochenende gab es einen kurzen Meltdown, weil sie Englisch zwar mündlich super kann, aber die Rechtschreibung verständlicherweise (da komplett unlogisch und bisher kaum geübt) ihr Probleme bereitet.
    Es hat mehrere Anläufe gebraucht, zu erklären, dass man sich das nicht erschließen kann, sondern stur auswendig lernen muss und Vokabeln lernen den Sinn hat, genau das zu lernen. Der Nervenzusammenbruch war 5 (!) Tage vor dem Test.

    Dieses "Ich kapier's einfach nicht; Ich kann das nicht; Das macht alles keinen Sinn", was Victorie beschreibt, haben wir hier auch immer wieder, aber in deutlich abgemildeter Form und v. a. ohne psychosomatische Konsequenzen. Bisher wurde das auch abgefedert dadurch, dass sie immer die besten Arbeiten und Zeugnisse der Klasse hatte. Das wird jetzt anders, ich bin gespannt, wie sie damit umzugehen lernt.

  7. Moderation

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    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    Danke Victorie für die Einblicke. Finde ich auch nachvollziehbar und habe da großen Respekt vor deinem Einsatz und der Disziplin dahinter.

    Dass die Lehrkräfte jedes Jahr neu überrascht über das Alter Deiner Tochter sind, hat mich ein wenig entsetzt - das ist ja nun nicht völlig an der Tagesordnung, da hätte ich schon eher erwartet, dass sich das unter den Lehrern rumspricht und man sich da -auch im Team- Gedanken dazu macht.

    Ich wünsche auch allen einen guten Wochenstart. Bei uns wird es langsam spannend. Nachher fahre ich mit meiner Tochter ins Testzentrum, für die Fünfer-Einschulung morgen wird ein offiziell bestätigter Negativ-Schnelltest benötigt. Morgen dann kurze Feier und erste Schulstunde und wir erfahren auch erst da Lehrer*innen, Stundenplan und Materialliste.
    Die Spannung wächst also, zum Glück ist meine Tochter aber eher entspannt und gehört nicht zu denen, die vor größeren Ereignissen zu reinen Nervenbündeln werden.
    12 26. We are Family.

    Moderation in Erziehung & Freundschaft

  8. Inaktiver User

    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    Guten Morgen an alle,

    erst mal lieben Dank für Eure Antworten, ich hatte tatsächlich Bammel, was ihr sagt, bzw. es war mir tatsächlich wichtig, was Ihr schreibt, es gibt nicht so viele Mütter in meinem Umfeld, die Kinder in den weiterführenden Schulen haben; und die, die ich kenne, haben meist das Problem " macht nichts, stört ihn / sie auch nicht sonderlich".

    Ich kann leider nicht viel schreiben, miese Zahnschmerzen, auf zum Zahnarzt, aber wollte einen lieben Gruß da lassen, allen BW einen guten Schulstart wünschen, den anderen einen guten Wochenstart, und den Bayern einen schönen letzten Ferientag :)

    Soziale Ungerechtigkeit: das ist ein Thema, auf das ich echt gerne noch ausführlich eingehen würde. Tatsächlich zementieren solche Eltern wie ich die soziale Ungerechtigkeit, das stimmt. Und es stört mich gewaltig. Mein Weg war 'mal, Mathebootcamps anzubieten, nach dem Motto: ich muss es ja eh machen. Wurde nicht so gut angenommen, leider, liegt aber vermutlich an mir, weil ich auf den ersten Blick sehr hart wirke- was mich zu Hauptthema 2 bringt:
    Echt sorry, dass ich so reingeplatzt bin- ich habe meinen Beitrag nochmal gelesen und dachte mir " so ne doofe Kuh". Hätte das besser ausdrücken können, aber ... ach Unfug, nix aber. Tut mir leid. Nächstes Mal wird's besser :)

    Liebe Halina, die Daumen sind gedrückt für den Vokabeltest Deiner Tochter!

    P.S. Liebe Stina, auch hier sind die Daumen gedrückt für einen negativen Test! Und morgen eine tolle Einschulung! Ja, dachte ich auch, dass das weiter gegeben wird, aber irgendwie geht das immer unter. Dafür verbreitet es sich dann zuverlässig, wenn wir eine Mail schreiben, das ist dann ok.:)

  9. Inaktiver User

    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    So, jetzt komme ich auch endlich zum Antworten.

    Victorie, vielen Dank für Deine Ausführungen, dann ist das alles auch viel besser zu verstehen - das sind dann besondere Gegebenheiten.

    Ich habe hier bisher ja auch eher sparsam geschrieben, da ich ja auch zwei Kandidaten mit "special effects" habe, und unsere Schulerfahrung vermutlich auch sehr wenig Allgemeingültigkeit hat.

    Der Große brauchte wegen einer massiven LRS, gekoppelt mit einer Grundschullehrerin, die das leugnete und meinte, er hätte halt nur sehr ehrgeizige Akademikereltern, die nicht kapieren, dass er nur zu verspielt ist, und einem deshalb total schlechten Grundschulstart massive Unterstützung über viele Jahre. Da habe ich auch regelrecht "das Händchen" geführt, und ihn oft zum Jagen tragen müssen, und erst im Laufe der 9. Klasse wurde das immer weniger. Ich weiß noch nicht mal, ob das nun "Reifung" war oder schlichtweg die Tatsache, dass wir es dann nach jahrelangem Überlegen auf Anraten der wegen der LRS betreuenden kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis dann doch mal mit Ritalin versucht haben. (Er lag halt in alle Tests immer so knapp unter der Schwelle, wo man ADS diagnostiziert hätte.) Er nimmt eine sehr niedrige Dosierung (Voraussage war "da merkt er wahrscheinlich noch gar nichts") und ist seitdem in der Lage, tatsächlich mal Dinge einfach auswendig zu lernen, auch wenn sie ihn nicht interessieren.

    Der Kleine hingegen ist eine unglaubliche Sprachbegabung, hatte sich Englisch im Prinzip schon mit Youtube beigebracht, bevor er in die 5. Klasse kam (incl. perfekter Rechtschreibung, weil er ja immer Untertitel eingeschaltet und diese mitgelesen hat), ist generell hochbegabt (was wir uns schon dachten, aber bestätigt wurde, als er, wie so viele Kinder in seiner Grundschule, wegen seiner "Konzentrationsschwierigkeiten" beim KJP durchgecheckt wurde), aber jetzt auch nicht so der "fleißige Hochleistertyp" - er macht halt die Hausaufgaben, aber nichts zusätzlich, und das reicht in allen Fächern für Note 1-2. Es gibt Fächer, da ist er wirklich gut und ärgert sich, wenn es keine 1 ist, aber ansonsten findet er das gesamte Spektrum von 1-3 akzeptabel und kann gut damit leben.
    Der braucht schulisch hauptsächlich mal Unterstützung darin, eine komische Aufgabe zu verstehen oder eine rieisig wirkende Aufgabe so in Relation zu setzen, dass sie nicht mehr so riesig scheint. Ansonsten läuft er so durch.

    Beim Thema "Chancengleichheit" bin ich inzwischen völlig desillusioniert. Wir hatten ja eine Grundschule gewählt, der auch eine hochgelobte IGS angeschlossen war, weil das Motto der Schule war, Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und den verschiedensten Schülern gerecht zu werden. Wir mussten dann lernen, dass man da sehr dezidierte Ansichten hatte, was das bedeutet. Es ging (was ich ja völlig richtig finde) darum, besonders die Kinder aus eher benachteiligten Familien zu fördern. Die Hälfte der Klasse, die der guten Durchmischung wegen aus "oberen Mittelstandsfamilien" kam, hatte zu funktionieren und für ein gutes Klassenklima zu sorgen. Probleme dieser Kinder wurden negiert, auf die Eltern geschoben und bestenfalls noch zu Profis (LRS-Förderung) outgesourct.
    Nun kann man sagen "gut, die besagten Eltern haben halt die Möglichkeiten, sich zu kümmern", aber ich empfand das als sehr zweischneidig. Auch, weil ich als Lesehelferin eben durchaus mit unterschiedlichsten Kindern gelesen habe, und da eben auch Kinder erlebt habe, die garantiert eine ähnliche LRS-Problematik wie mein Sohn hatten, von den Lehrerinnen aber in die Schublade "liest so schlecht, weil bildungsferner Haushalt" geschoben wurden und nur so eine Pseudo-Förderung bekommen haben, die ihnen wenig genützt hat.

    Wir sind dann zur weiterführenden Schule zum "Klassenfeind" der IGS gewechselt (zum altsprachlichen Gymnasium), wo sich beide sehr wohl fühlen. Meine "sozialromantischen Anwandlungen" habe ich zum zweiten Mal im Leben ad acta gelegt (zum ersten Mal irgendwann um die 20, als mir langsam klar wurde, dass ich mit meinen Grundschulklassenkameraden vom Dorf, so gerne ich es wollte, einfach nur noch sehr wenig gemeinsam hatte, auch wenn das jetzt arrogant klingen mag).

    So blöd das vielleicht klingt, ich hatte eben nicht das Gefühl, dass die Kinder, die von zu Hause aus schlechter aufgestellt sind, großartig von der Präsenz andere Kinder profitiert hätten, außer dass es vielleicht ruhiger in der Klasse zuging. Es durchmischte sich auch nichts, die Kinder haben sich nicht gegenseitig besucht oder eingeladen nach der Schule. Dass mein jüngerer Sohn sich hartnäckig wechselseitig mit einem Kind aus einer alleinerziehenden Hartz-4-Familie verabredete, erstaunte im Gegenteil auch die Lehrkräfte - auch dass das die einzige Mutter in der ganzen Klasse war, mit der ich einen richtig guten Draht hatte.

    Das deutsche Schulsystem habe ich abgeschrieben - ich unterstütze im Rahmen meines Berufes jetzt lieber Bildungsaufsteiger, die es trotzdem bis an die Hochschule geschafft haben.

  10. Inaktiver User

    AW: Weiterführende Schulen - Austausch

    Oh, das ist ein Thema, das mich auch sehr wütend macht - aber um diese Uhrzeit mag und ich dazu nicht mehr so viel schreiben, aber gerne später mehr. Aber das, was ich eigentlich schreiben wollte, passt dazu: Habe diese Woche in der lokalen Facebook-Gruppe schon Anfragen für Nachhilfe 8. Klasse gelesen. Und das Schuljahr geht heute erst los...

    @Victorie: Ich wollte dir auch noch danken für deinen Bericht. Das klingt richtig heftig, was Ihr da durchmacht und durchgemacht habt. Wenn ich es richtig verstehe, hat deine Tochter aber durchaus auch Freundinnen (auch in ihrer Klasse)? Sozial hat sie also keine Probleme?

    @Stina: Euch einen spannenden Tag morgen!

    @Halina: Ja, das hab ich meinem Sohn vor seinen ersten Vokabeltests auch nahegelegt: Auf die richtige Schreibweise der Wörter zu achten. War auch gut so, denn für jedes falsch geschriebene Wort gab es einen Punkt Abzug, und da hagelte es richtig schlechte Noten für einen großen Teil der Klasse. Hui, da war aber ein Aufstand unter den Eltern! Das sei doch aber zu hart als Benotung usw. Man könnte doch als Eltern einfach auch mal sagen: So, jetzt weißt du, wie der Lehrer tickt, und beim nächsten Mal achtest du halt auf die richtige Schreibweise. Eine 5 im ersten Vokabeltest versaut einem doch nicht gleich das ganze spätere Leben.

    @Tigerente: Eure Grundschule war schon aber auch merkwürdig, oder? Hattet Ihr ursprünglich daran gedacht, die Jungs auch nach der Grundschule dort zu lassen (bevor Ihr gemerkt habt, wie die wirklich ticken)?

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