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    moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Aus aktuellem Anlass eröffne ich mal diesen Strang.
    Ich werde mal mein Thema erläutern, aber es kann und soll auch ganz allgemein diskutiert werden.

    Ich finde Kinder sollten lernen auch mal Dinge zu machen, auf die sie keine Lust haben. Außerdem ist auch eine gewisse Anpassung an eine Gruppe notwendig.
    Früher war es, zumindest bei mir so, dass Kinder hinten angestanden haben. Also meine Belange waren weniger wichtig, als die der Erwachsenen. Das ist auch nicht gut. Aber das komplette Gegenteil kann doch auch nicht richtig sein, oder?

    Beispiel:
    Wir haben unserer Tochter schon früh beigebracht auch Dinge mit uns zu machen, auf die sie keine Lust hat. Z. B. mit uns Spazieren zu gehen. Dadurch hat sie sogar ein wenig Spaß daran mittlerweile.
    Es gibt klare Ansagen, wenn wir z. B. bei Besuch nach Hause gehen müssen. Da gibt es wenig Verhandlungsspielraum für sie. Irgendwann sage ich dann "so, jetzt gehen wir". Der Vollständigkeit halber, mein Mann handelt da sehr ähnlich. Auch bei anderen Dingen gibt es klare Ansagen. Natürlich machen wir auch Kompromisse mit ihr, wenn es passt. Und es gibt auch Situation, in denen sie mal den Ton angibt.

    Bei der Freundin meiner Tochter ist das anders. Sie hat jüngere Eltern. Ich weiß nicht ob das was damit zu tun hat. Jedenfalls erziehen Sie ihre Tochter sehr, sehr nach den Bedürfnissen des Kindes. Beim Essen wird sich komplett nach ihr gerichtet, wenn sie sagt, sie will innerorts nicht laufen, wird mit dem Auto gefahren. Einmal waren wir mit ihren Eltern zum Spazierengehen verabredet. Nach 10 Minuten sagte sie, dass sie keine Lust mehr hat. Dann ging die Familie wieder nach Hause, anstatt ihrem Kind zu sagen, sie soll jetzt einfach mal mitgehen. Wir sind dann alleine weiter gegangen. Obwohl meine Tochter dann natürlich auch nicht mehr weiter wollte.

    Als sie bei uns übernachten wollte, habe ich sie um halb zwölf abholen lassen, weil sie partout nicht schlafen und ein lautes Hörspiel anhaben wollte. Zu Hause dürfe sie es auch... Wir konnten alle nicht schlafen, weil es so laut war. Als ich sagte, ich mache es jetzt aus, weil ich auch schlafen will, wollte sie nach Hause. Ich habe sie dann abholen lassen. Ich kam mir natürlich supermies vor, weil ich auf Konfrontation mit ihr gegangen bin. Vielleicht hätte ich mit ihr auch reden können. Aber ich war müde und da ging mir einfach die Hutschnur hoch.

    Wenn sie bei uns abgeholt wird, warten ihre Eltern oft solange bis sie endlich bereit ist zu gehen. Das kann schon mal 20 Minuten dauern, weil sie natürlich kein Ende findet. Solange stehen dann ihre Eltern bei uns im Flur, bis ich dann endlich das ganze beende und dem Mädchen sage sie solle sich jetzt fertig machen. Manchmal habe ich das Gefühl ich erziehe das Kind mit und setze mehr Grenzen als die Eltern. Mich macht das mittlerweile so wahnsinnig. Ich habe keine Lust mehr das Kind hier zu haben. Auch ist meine Tochter nach jedem Treffen erstmal viel frecher und aufmüpfiger uns gegenüber. Sie schaut sich das bei ihrer Freundin ab. Ich habe nämlich das Gefühl, sie nimmt ihre Eltern überhaupt nicht mehr ernst.

    Wie seht ihr das Ganze und was sind eure Erfahrungen?
    Kontrolle ist unser größtes Streben und eine der größten Illusionen.


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    AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Wie viele Grenzen kann man schlecht sagen. Ich denke die ganze Familie sollte sich wohlfühlen und nicht nur auf das Kind sehen, was das möchte. Es geht um alle. Die Freundin deiner Tochter kann machen was sie will und das tut sie auch. Die Eltern stehen sozusagen bei Fuß und achten nur darauf was das Kind will oder nicht will, das wird dann auch getan. Siemüssen irgendwann sehen, wie sie damit klarkommen.

    Die Freundin eurer Tochter hat dafür gesorgt, dass es euch allen nicht gut geht.
    Ich bin eine Raupe und du ein Reh. Doch ich werd ein Schmetterling und du wirst Filet.

    Die Sache mit dem streiten ist die, wenn man etwas zurückhält, arbeitet es auf lange Sicht gegen euch (Dalai Lama)

    Wenn du jemand anderem vergibst, dann tust du dies deinetwegen, nicht weil der andere das verdient. (Doris Wolf, Psychotherapeutin)


  3. Moderation

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    AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Ich denke, jeder legt die Schwerpunkte anders. Dem einen ist ein Tagesrhythmus wichtig, den anderen gesunde Ernährung, den dritten zum Beispiel musikalische Bildung oder was auch immer. Die wenigsten Menschen wollen, dass Kinder nur noch "folgsam" sein sollen - denn für Folgsamkeit wirst du heute nirgends mehr bezahlt. Und so wählt jede Familie die Bereiche, in denen sie Disziplin verlangt, und die Bereiche, in denen die Kinder mitentscheiden dürfen.

    Trotzdem muss ich das bei fremden Kindern nicht mittragen. Kinder, von denen ich weiß, dass sie um halb zehn noch rumtoben, übernachten nicht bei uns. Ein Kind, das in Bezug auf fremdes Eigentum keine Grenzen kennt, wird nicht mehr eingeladen (da kenne ich einen...).

    Wenn es um solche Dinge wie Aufbruch oder Verabschiedung geht, hängt es bei mir davon ab, wie mein Zeitplan aussieht. Wenn ich keine Eile habe, fände ich es unfair, irgendwas durchzudrücken, nur um meine Autorität zu demonstrieren.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

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    AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Also erstmal klngt das ja schon so, als ob die Eltern der Freundin ein bisschen eine Meise haben.


    Allerdings, 2believe, irritiert mich Deine Wortwahl ein wenig.

    Du schreibst, Dein Kind wird nach Besuchen "aufmüpfig"....

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    AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Zitat Zitat von 2believe Beitrag anzeigen
    Bei der Freundin meiner Tochter ist das anders. Sie hat jüngere Eltern. Ich weiß nicht ob das was damit zu tun hat. Jedenfalls erziehen Sie ihre Tochter sehr, sehr nach den Bedürfnissen des Kindes. Beim Essen wird sich komplett nach ihr gerichtet, wenn sie sagt, sie will innerorts nicht laufen, wird mit dem Auto gefahren. Einmal waren wir mit ihren Eltern zum Spazierengehen verabredet. Nach 10 Minuten sagte sie, dass sie keine Lust mehr hat. Dann ging die Familie wieder nach Hause, anstatt ihrem Kind zu sagen, sie soll jetzt einfach mal mitgehen.
    Gut, ich weiß nicht, wie alt die Eltern dieses Mädchens sind. Für mich sind die Beispiele, die du da schilderst, kein Er- sondern ein Verziehen. Das Mädchen scheint eine kleine Prinzessin sein und die Eltern ihre Diener...peinlich. Wenn dien Eltern so weitermachen, wird es das Mädchen als Erwachsene schwer haben. Mich würde das Mädchen für meine Erziehungsmethoden hassen, da bin ich sicher.

  6. Moderation

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    AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Seh ich wie Du. Natuerlich brauchen Kinder Grenzen. Und natuerlich gelten in unserem Haus unsere Grenzen. Dass es Verhandlungsspielraum und besondere Situationen gibt und dass (Uebernachtungs)Besuch natuerlich dazu gehoert, schreibe ich auch nur der Vollstaendigkeit halber.

    Es gibt verhandelbare und nicht-verhandelbare Gebiete. Verhandelbar sind so Sachen wie: Wann essen wir (wenn es der Zeitrahmen zulaesst), was gibt es zu essen, (innerhalb eines bestimmten Zeitraums) wann werden Schulaufgaben gemacht, wie wird die Freizeit gestaltet.... Und vieles mehr.

    Nicht verhandelbar sind so Sachen wie: Dass Schulaufgaben gemacht werden, wieviel Bildschirmzeit es gibt, bestimmte Verhaltensweisen (kein Schlagen, keine haesslichen Schimpfwoerte usw.)...

    Stark kind-geleitet sind Sachen wie: Wieviel moechte ich essen, was ziehe ich an (im witterungsbedingten Rahmen), was spiele ich.. also alles, was direkt das Kind betrifft und fuer ihn ueberschaubar ist.

    Und das ist bei uns so. Kinder sind ja sehr unterschiedlich in dem, wo sie der Fuehrung beduerfen und wo sie sich von allein vernuenftig / gesund(heitlich unbedenklich) / sozialvertraeglich verhalten. Und dann gibt es natuerlich auch Unterschiede bezueglich dessen was den Eltern wichtig ist. Oder was fuer den Alltagsablauf notwendig ist.

    Das ist mal das eine: welches Verhalten muss ich zu Gesundheit / Sicherheit / Wohlbefinden des Kindes durchsetzen, und welches fuer das Familiengefuege. Ich stimme Dir aber auch darin zu, dass es auch wichtig ist, sich einfach einmal nach anderen zu richten. Aus Nettigkeit, aus Sozialvertraeglichkeit, oder ganz basisdemokratisch, weil man schlicht ueberstimmt wird (so wie beim Spaziergang). Kommt wieder auf die Situation an. Bei der Freizeitgestaltung kann man natuerlich mal nach Mehrheit entscheiden, bei der Auswahl von Kleidung (-wieder im witterungsgerechten Rahmen-) faende ich das idiotisch.

    Auf jeden Fall ist es eine ganz wichtige Faehigkeit, sich auch mal zuruecknehmen zu koennen. Und klar muessen Kinder das lernen, denn sie kommen komplett egozentrisch zur Welt, fuer das Neugeborene ist das ja ueberlebenswichtig. Also ist es eine Lernaufgabe. Und ich bin ja tatsaechlich der Meinung, dass es 50%-65% der Probleme in der Welt loesen wuerde, wenn mehr Leute begriffen (wirklich begriffen), dass sie nicht allein auf dem Planeten sind.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

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    Schamesröte AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Bei dem Beispiel der Tochter - Nicht-Erziehen ist häufig ja einfacher als Erziehen.

    "Darfst" du sie eigentlich erziehen (in Sinne von - sich nach euren Spielregeln richten), wenn sie bei euch ist?

    Hätte man ihr das Hörspiel auch beispielsweise über einen Kopfhörer anhören lassen können?

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    AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Ich denke, jeder legt die Schwerpunkte anders. Dem einen ist ein Tagesrhythmus wichtig, den anderen gesunde Ernährung, den dritten zum Beispiel musikalische Bildung oder was auch immer. Die wenigsten Menschen wollen, dass Kinder nur noch "folgsam" sein sollen - denn für Folgsamkeit wirst du heute nirgends mehr bezahlt. Und so wählt jede Familie die Bereiche, in denen sie Disziplin verlangt, und die Bereiche, in denen die Kinder mitentscheiden dürfen.

    Trotzdem muss ich das bei fremden Kindern nicht mittragen. Kinder, von denen ich weiß, dass sie um halb zehn noch rumtoben, übernachten nicht bei uns. Ein Kind, das in Bezug auf fremdes Eigentum keine Grenzen kennt, wird nicht mehr eingeladen (da kenne ich einen...).

    Wenn es um solche Dinge wie Aufbruch oder Verabschiedung geht, hängt es bei mir davon ab, wie mein Zeitplan aussieht. Wenn ich keine Eile habe, fände ich es unfair, irgendwas durchzudrücken, nur um meine Autorität zu demonstrieren.
    Ich finde Folgsamkeit auch nicht mehr das richtige Ziel. So war das früher mal. Ich habe das Gefühl, dass manchen Eltern das Gefühl für das richtige Maß fehlen. Es ist auch schwierig, wie ich finde.

    Die Aufbruchssituation war beispielhaft von mir geschildert. Natürlich kommt es auch mal vor wenn es bei uns passt, dass ich auch mal länger gerne Schwätze und es mir nichts ausmacht, dass sich die Verabschiedung so hinzieht. Mir ist nur aufgefallen, dass eben fast immer einfach nichts passieren würde, wenn ich nichts sagen würde. Manchmal sagt das Kind von selbst, sie will gehen. Aber wenn das nicht passiert bin ich es halt die letztendlich die Verabschiedung umsetzt. Die Eltern können oder wollen einfach keine klare Ansage machen. Manchmal sagen die Eltern, dass sie jetzt gehen wollen. Aber das Kind nimmt das gar nicht so richtig ernst und spielt einfach weiter.
    Kontrolle ist unser größtes Streben und eine der größten Illusionen.


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    AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Zitat Zitat von Sugarnova Beitrag anzeigen
    Bei dem Beispiel der Tochter - Nicht-Erziehen ist häufig ja einfacher als Erziehen.

    "Darfst" du sie eigentlich erziehen (in Sinne von - sich nach euren Spielregeln richten), wenn sie bei euch ist?

    Hätte man ihr das Hörspiel auch beispielsweise über einen Kopfhörer anhören lassen können?
    Ja, meine Frage ist schon auch "Darf ich sie erziehen, wenn sie bei uns ist?" Ich bin da unsicher. Bei mir ist es so es gibt einen Punkt, an dem einfach Schluss ist. Ich konnte sie schlecht um diese Uhrzeit mit dem Kopfhörer weiter hören lassen. Sie muss ja auch mal schlafen. Außerdem hätte ich selbst nicht schlafen können bei so einer unklaren Situation.
    Kontrolle ist unser größtes Streben und eine der größten Illusionen.


  10. Moderation

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    AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?

    Zitat Zitat von 2believe Beitrag anzeigen
    Manchmal habe ich das Gefühl ich erziehe das Kind mit und setze mehr Grenzen als die Eltern. Mich macht das mittlerweile so wahnsinnig. Ich habe keine Lust mehr das Kind hier zu haben.
    Ach weisst Du, da wuerde ich mir gar nicht so viele Gedanken um die andere Familie machen. (Ok, es bleibt nicht ganz aus. ) Ich meine, fuer die eigene Handhabe. Euer Haus, Eure Regeln, so dass Ihr Euch wohlfuehlen koennt. Punkt. Was das Kind woanders veranstaltet, spielt dabei ueberhaupt keine Rolle. (Auch hier: Ich rede von Deiner Entscheidungsfindung, praktisch bestimmt das natuerlich mit, warum das Kind sich so verhaelt.) Und wenn Du keine Lust mehr darauf hast, dann ist das eben so. Vielleicht waere das ja auch die Ansage, die die Kleine mal braucht um wirklich zu registrieren, dass es nicht immer nach ihrem Kopf gehen kann. Dem eigenen Kind wuerde ich das auch genau so erklaeren. Dass sie das Verhalten der Freundin nach ein paar Stunden mit ihr uebernimmt, ist ja normal. Hauptsache, sie kommt dann auch wieder runter.

    @Mrs Bingley, was stoert Dich denn an dem Wort "aufmuepfig"? Ja, manches Verhalten ist weder suess, noch "selbstaendig" noch "eigenstaendig", sondern schlicht und ergreifend frech und aufmuepfig.
    Jetzt nicht direkt an Mrs. Bingley gerichtet, aber ich beobachte das in Deutschland tatsaechlich mehr als hier in England, dass gerne mal jede Form von "Dagegen" als edler ziviler Ungehorsam glorifiziert wird, bis dabei die Sozialvertraeglichkeit hinten runterfaellt. Es gibt eben nicht nur "schwarze Paedagogik" und "zivilen Ungehorsam", sondern es gibt auch sinnvolle Regeln und sozial nicht vertraegliche Frechheit. (Bei Kindern ist das allgemein laesslich, weil sie es eben lernen muessen und nicht von der Regenbogenfee eingegeben bekommen. Aber gelernt werden muss es halt.)
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    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

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