Hier bin ich entschieden anderer Meinung. Ich habe Regeln immer begründet. Dem Alter und Verständnis der Kinder angemessen, aber eine Begründung gab es immer, warum bestimmte Sachen unterlassen oder gemacht werden sollen/müssen. Wobei das Wohlbefinden von anderen Menschen und mir auch als sehr triftige Gründe galten.
Dass ich begründet habe, war auch einfach Selbstkontrolle, damit ich nicht beginne mich an eher unwichtigen Dingen abzuarbeiten oder nach dem Motto, das war schon immer so, zu verfahren. Wenn mir klar war, warum ich etwas vom Kind wollte, war auch das Durchsetzen einfacher, ich war, denke ich mal, dann eindeutiger, klarer und bestimmter. Es ging immer um die Sache und nicht darum, den Elternwillen an und für sich durchzusetzen. Mit zunehmendem Alter gab es dann natürlich auch längere Diskussionen und auch manchmal das Eingeständnis, dass die Gegenargumente des Kindes überzeugender als meine Gründe waren. Damit war meine Ansage dann gekippt. Auf die Art und Weise wurden sinnvolle Grenzen ausgelotet und immer wieder angepasst.
Ich fand das nicht so anstrengend, wie es hier vielleicht anhört, oder ich weiß einfach nicht, ob andere Formen des Miteinanders mit Kindern weniger anstrengend für alle gewesen wären. So richtig herausfordernd war es natürlich in der Pubertät, aber die Zeit hat es wohl für Eltern und Kinder immer in sich.
Dasselbe galt für gemeinsame (Freizeit-)Aktivitäten. Warum will ich, dass die Kinder etwas mitmachen, obwohl sie das erst einmal nicht möchten? Gab es gute Gründe für's Mitmachen, dann leistete ich Überzeugungsarbeit. Und bot aber auch Kompromisse an, dass wir es z. B. nach einer halben Stunde oder Stunde abbrechen, wenn die Kinder es dann immer noch doof finden. Freizeit soll schließlich für alle schön sein. Durchhalten und Mitmachen muss eh in anderen Zusammenhängen gelernt werden, dafür muss aus meiner Sicht nicht das engste Familienleben herhalten. Und, ehrlich gesagt, mit maulenden Kindern vergeht einem selbst ja auch der Spaß, da habe ich nicht gekämpft. Manches ging dann zu einem späteren Zeitpunkt doch oder man machte halt andere Sachen zusammen.
Was Kinderbesuch anging, war meine Erfahrung, dass es das erste Mal häufig schwieriger sein konnte, weil die unterschiedlichen Regeln und Rituale erst vermittelt und angenommen werden mussten. Mit jedem weiteren Besuch wurde es einfacher. Wobei Kinder, die von zu Hause an eher strenge Aufforderungen gewöhnt waren, bei uns erst erkennen mussten, dass freundliche Bitten genauso ernst zu nehmen sind, da brauchte es dann manchmal einen etwas längeren Atem. Nach meinem Eindruck sind meine Kinder trotz des vielleicht etwas liberaleren Umgangs zuhause woanders nicht negativ aufgefallen, zumindest habe ich davon nie etwas gehört. Meine Kinder sind allerdings nicht gern zu Freunden gegangen, bei denen die Eltern einen sehr harschen Ton hatten, viel schimpften oder schrien.
Meine eigenen Kinder sind ja mittlerweile schon längst sehr sehr erwachsen, ich bin also nicht mehr so dicht am Thema dran. Erlebe aber, dass es in der Familie meiner Tochter mit den Enkeln in ähnlicher Form funktioniert.
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24.01.2021, 17:36Inaktiver User
AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?
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24.01.2021, 17:41
AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?
Ja ich frag mich auch, warum grad wir Mütter uns oft schwer damit zu tun scheinen, Stellung zu beziehen.
Ich hab in dem Punkt auch durch die Kinder viel dazu gelernt. Es fällt mir inzwischen viel leichter, genau zu wissen und auch zu sagen, wo meine Grenzen liegen.
Will ich diesen Übernachtungsbesuch überhaupt, oder stresst mich gerade schon der Gedanke an überdrehte Kinder und einen späten Feierabend.
Was möchte ich, was toleriere ich,....
Meiner Beobachtung nach fällt den Vätern das oft leichter. Da darf man Papa nicht stören, wenn er Zeitung liest ;-) (Vorsicht Klischee)
Das zu üben, hat mir dann aber auch in anderen Lebensbereichen gute Dienste geleistet.A man is likely to mind his own business when it is worth minding. When it is not, he takes his mind off his own meaningless affairs by minding other people´s business. - Eric Hoffer
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24.01.2021, 17:55
AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?
Ja das Wohlbefinden von mir meine ich genau.
Da reicht es mE zu sagen: “Abends bin ich müde und möchte Ruhe.” Oder “Wir müssen alle schlafen und die laute CD stört uns”
Oder halt “Wir haben zum Spaziergang abgemacht und uns alle darauf gefreut. Drum findet das jetzt auch statt.”A man is likely to mind his own business when it is worth minding. When it is not, he takes his mind off his own meaningless affairs by minding other people´s business. - Eric Hoffer
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24.01.2021, 17:59
AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?
Aber halt eben nicht: “im Leben muss man lernen, auch mal zurückzustecken. Sonst wollen andere dann nichts mehr mit einem machen” oder vergleichbare “unpersönliche” Erklärungen.
A man is likely to mind his own business when it is worth minding. When it is not, he takes his mind off his own meaningless affairs by minding other people´s business. - Eric Hoffer
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24.01.2021, 18:03
AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?
Ich glaube, dass es bei der Erziehung ein richtig und ein falsch gibt. Allerdings gibt es von beidem viele Facetten.
Dazu gehört, dass ich als Erwachsener klar und verlässlich bin. Dass ich dafür sorge, dass es allen gut geht, vorne weg mir als Mutter, denn ich muss klar und verlässlich sein. Ich kann das nicht, wenn es mir nicht gut geht.
Damit es mir gut geht und der Alltag einfacher gestaltet ist, habe ich Regeln entworfen, um z.B. Essensdiskussionen zu vermeiden. Ich glaube es gab 10 Jahre lang an jedem Wochentag das gleiche Gericht in Varianten (Nudeltag; Kartoffeltag; Reistag; Pfannkuchentag; Fischtag). Meine Kinder durften in diesem Rahmen vorher mitentscheiden, z.B. ob es Pommes oder Dampfkartoffeln gibt.
Kinder sollten nach Alter mitentscheiden dürfen und Verantwortung innerhalb der Familie übernehmen.
Dazu gehört aus meiner Sicht auch, dass man viele gemeinsam Dinge bespricht und plant, ebenso reflektiert was gut und was schlecht lief und überlegt warum das so war.
Wir haben früh erwartet, dass die Kinder im Haushalt Aufgaben übernehmen. Dafür haben sie in anderen Bereichen viel Freiheit.
Ein Besuchskind hat sich aus meiner Sicht selbstgefährdend verhalten und als sich dieses nicht an die Regeln - auch nach scharfer Ansprache - hielt, habe ich es heimgeschickt und mir verbeten, dass es wiederkommt.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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24.01.2021, 18:27
AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?
Haha, ich las gerade dein Post #82 Minstrel, und bei uns ist es genau umgekehrt. Ich habe überhaupt keine Verträge mit Grenzen setzen. Gar keine. Ist fast schon untypisch für mich. Weder habe ich Angst, Kindern damit zu schaden, noch fürchte ich um den Verlust ihrer Liebe. Ich wähle, wie vermutlich alle hier, meine Schlachten sorgfältig, weil ich andererseits zu faul bin, Grenzen zu ziehen, die mir/uns eigentlich gar nicht so wichtig sind. Dann bin ich aber auch selbstbewusst darin, die wenigen (?) durchzusetzen. Mein Mann lässt sich leichter umschubsen.
Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
"Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".Maxi Gstettenbauer
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24.01.2021, 22:26Inaktiver User
AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?
Konsequenz wäre es von den Eltern gewesen, in Ruhe mit dem Kind zu sprechen und zu sehen, ob man nicht doch noch auf einen Nenner kommt.
Edit - jetzt lese ich erst, dass es eh schon 2 Stunden lang (zwei) mit dem LAUTEN Hörspiel so ging. Und selbst für die Eltern schon Schlafenszeit ist.
Ich bin allgemein, wenn Besuchskinder da sind, etwas lockerer. Aber irgendwo ist auch Schluss.Geändert von Inaktiver User (24.01.2021 um 22:40 Uhr)
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24.01.2021, 22:35Inaktiver User
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24.01.2021, 22:37Inaktiver User
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24.01.2021, 22:44Inaktiver User
AW: moderne Kindererziehung- wieviel Grenzen sind notwendig?
Meine Erfahrung mit solchen Konstellationen, wo das Kind Entscheidungen fällen muss, die es teilweise noch gar nicht überblicken kann ist, dass sie meist eher isoliert(er) aufwachsen.
Irgendwann wendet sich das Umfeld dann ab. Weil es für Aussenstehende anstrengend ist.
Und die Familie igelt sich dann ein. Logisch, man braucht ja auch weniger Freunde, wenn zu Hause alles erfüllt wird.
Schade, dass einem Kind auch so die Erfahrungen genommen werden, wie es anderswo läuft.
Und natürlich erzieht jeder irgendwie anders - aber es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass derjenige das "Hausrecht" hatte.
Persönlich finde ich es auch schade, wennn auf Vorschläge bei einem älteren Kind gar nicht mehr reagiert wird.
Da ist ein Zeitfenster, das kriegt man nie mehr auf. Leider.



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