Ich hoffe auf Erfahrungsaustausch und vielleicht sogar fachkundigen Input. Literaturtipps sind auch willkommen.
Tja, es steht in der Überschrift: "How much do you love me?", fragt unser Sohn uns beinah täglich, manchmal gefühlt stündlich. Daraufhin erwartet er dann einen kleinen verbalen Wettstreit, in dem jede Partei ihre Liebe ausdrückt. Ein bisschen wie in dem Buch: "Weißt Du eigentlich, wie lieb ich Dich hab?" (McBratney, 1994). Sehr süß, gerade anfangs haben wir auch gern mitgespielt, aber seit ca. 2 Jahren kommt es manchmal eben gefühlt am laufenden Band. Gerne auch mal in Situationen, in denen er eigentlich was anderes machen soll, also z.B. sich umziehen, Spielsachen einsammeln usw. Wenn ich dann zum 3. Mal erinnern oder antreiben muss, weicht er gern auf das Spiel aus.
Ich finde das eigentlich alles im Bereich des normalen. Er ist ein sehr zärtliches und ausdrucksstarkes Kind, und wir schätzen das auch an ihm. Und dann ist es inzwischen ein Stück weit Gewohnheit und Reflex. Das ist meine Einschätzung. Mein Mann sorgt sich, dass es Ausdruck einer Unsicherheit oder eines Kummers sein könnte. Und deshalb frag ich mal hier nach.
Wie wir bisher reagiert haben/reagieren:
- Mitmachen ("Ich hab Dich lieber als alle Anderen - außer [Kernfamilienmitglieder], die hab ich genauso lieb."; "Ich liebe Dich Googolplex mal Unendlichkeit", "mehr als das Universum Platz hat" usw.) Gerade solche hochzahligen Vergleiche legt er oft vor, seit wir gemeinsam eine Doku über Unendlichkeit (im mathematische Sinne) gesehen haben. Vielleicht fasziniert ihn auch einfach dieses Thema an sich.
- Sinngemäß ähnliche, aber kurze Antworten, ich z.B. sage manchmal nur: "Mehr!" (In der Folge auch als Antwort auf seine Vergleiche. )
- Ihm direkt sagen, dass wir ihn immer sehr sehr lieb haben, aber jetzt gerade keine Zeit für dieses Spiel. (Wird friedlich akzeptiert.)
- Ihn fragen, ob er manchmal das Gefühl hätte, wir hätten ihn nicht lieb. Wir wählen dazu bewusst einen ruhigen Ton und sagen ihm, dass wir es wirklich wissen möchten, wie er fühlt. Also kein beleidigter Ausruf: "Wie, Du glaubst wir liebten Dich nicht?!", oder ähnliches. Das weist er dann sehr nachdrücklich zurück (also den Gedanken, wir hätten ihn nicht lieb).
Wie gesagt, ich glaube es ist sowas wie ein gewohnheitsmäßiges Spiel. Aber vielleicht überseh ich ja was?
Noch ein paar Eckdaten:
- Kind ist im Alter 2. Klasse Grundschule;
- beide Eltern zusammen und präsent;
- ein Geschwister seit 1 Jahr. Haben wir natürlich schon dran gedacht, ob es damit zu tun hat, das Spiel fing aber deutlich vor der Schwangerschaft schon an;
- als großer Bruder ist er sehr liebevoll, auch durchaus verantwortungsvoll, weiß aber, dass das Baby auch mal nerven kann und er nicht pausenlos entzückt zu sein braucht. Wenn das Kleine ihn nervt oder plagt, geht er meist weg, also aus der Situation raus.
- einmal täglich hat er mit jedem von uns etwas Exklusivzeit (spielen mit Papa, Schlafenszeit mit mir).
Dann denkt mal!
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Und ich frag mal die Kolleginnen wegen Änderung der Überschrift, sorry!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 29
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14.09.2020, 15:50
"Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
Geändert von xanidae (14.09.2020 um 17:58 Uhr)
Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
"Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".Maxi Gstettenbauer
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14.09.2020, 16:41
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
Kannst du dich erinnern, wie das angefangen hat?
Ich will nichts pathagolisieren - aber ich finde die Frage des Kindes sehr seltsam, und hätte wohl ganz am Anfang versucht, das zu stoppen.
Ich sehe es auch als Spiel oder als Marotte und nicht als Zeichen von "Nicht-geliebt-Fühlen". Trotzdem sollte ein Kind sich selbstverständlich geliebt fühlen und das nicht "diskutieren".
Ich würde versuchen, das "auslaufen" zu lassen.Geändert von xanidae (14.09.2020 um 17:59 Uhr) Grund: Titel angepasst
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14.09.2020, 16:56
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
Ein Kind in der zweiten Klasse könnte doch sagen, warum es das fragt- also, ob es da manchmal unsicher ist, oder ob es das manchmal einfach hören möchte, oder ob es eine Art fester Dialog ist.
Ich würde da erst mal wenig reinlesen sondern mehr neugierig sein.
Und „ein Kind sollte...“ ist für die Bandbreite an kindlichen Temperamenten, Entwicklungstempi und Arten, mit Erfahrungen umzugehen, unter anderem, oft nicht sinnvoll.Geändert von xanidae (14.09.2020 um 17:59 Uhr) Grund: Titel angepasst
that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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14.09.2020, 17:10Inaktiver User
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
Ich glaube, das kommt tatsaechlich von diesem Buch, dass ja auch in Kindergaerten und Krippen ziemlich praesent ist. Meine Kinder haben es zuhause angeschleppt, ich kannte das gar nicht.
Bei uns wird dieses "Spiel" auch immer mal wieder gespielt, in verschiedenen Variationen (Kind fragt, Kind versichert den Eltern die Liebe in diesem Tonfall a la "bis zum Mond, 3x um die Erde herum, bis nach Afrika zu den Loewen, bis nach Australien zu den Koalas" etc.). Und bei meinem Fast-Teenie-Sohn laeuft das inzwischen anderesherum, da frage ich uebertrieben gefuehlvoll "weisst du eigentlich, wie lieb ich dich habe" - und er, staubtrocken: "Noe!"... und dann lachen wir uns beide schlapp ;-)
Wenn sonst alles ok ist, dann wuerde ich das tatsaechlich eher als Spiel oder als (liebgewonnenes) Ritual verstehen und nicht laenge gruebeln, was sonst noch dahinter stehen koennte. Als Dauerbrenner wuerde es mich aber nerven und ich wuerde es wohl in den Situationen, in die es nicht passt, wohl eher kurz abwuergen bzw. erklaeren, warum das gerade nicht die wichtigste Frage ist.Geändert von xanidae (14.09.2020 um 18:00 Uhr) Grund: Titel angepasst
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14.09.2020, 18:16
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
Du gibst dir die Antwort ja quasi selbst.

Mary hatte ja bereits zum Nachfragen angeregt - ergänzend könnte ich mir vorstellen, darauf nonverbal zu reagieren, vielleicht mit einem längeren Blick in die Augen, einem Lächeln - und sich dann wieder anderen Dingen zuzuwenden.
Meine Tochter (auch 2. Klasse) sagt auch oft, wie sehr sie uns/den Papa/mich lieb hat, ja auch, dass sie uns/den Papa/mich liebt. Sie macht das auch gern schriftlich.
Mit Glitzerherzchen drauf.
Wenn sie allerdings mal zwischendurch fragt: "Wie sehr hast du mich lieb?", kriegt sie von mir ein Loriot`sches Lächeln und weiß dann Bescheid.
Und...äh: Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Kind! Himmel, hatte ich gar nicht auf der Kette, dass du ein 1jähriges hast!
Wunderschön!
Be a voice not an echo.
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14.09.2020, 18:41
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
Danke fuer Eure Gedanken, und danke an die Kolleginnen fuer die schnelle Korrektur des Titels!

Also erstmal bestaetigt Ihr mich darin, dass es irgendetwas spielerisches ist, jedenfalls kein Alarmzeichen - oder wenigstens scheint das nicht die naheliegendste Interpretation zu sein.
Danke. Hmm, korrigiere mich, wenn ich mich irre, aber ich glaube, das kam in einem anderen Strang schonmal auf, dass wir bwz. unsere Familien sehr unterschiedliche Auffassungen zu verbalen Liebesaeusserungen zwischen Eltern und Kindern haben. (Ich habe es so in Erinnerung, dass Dir diese Eltern-Kind-Liebe so selbstverstaendlich war, dass Du einer Verbalisierung schon fast misstrauisch begegnest, aber sorry, falls ich das verwechsle.) Also "sehr seltsam" und per se unterbindungswuerdig fand und finde ich das nicht. Aber wir sehen es ja dahingehend aehnlich, dass kein echter Zweifel dahinterzustecken scheint.
Ja, wir fragen ja auch. Wenn man ihn ganz offen fragt, warum er diesen Dialog so oft anleiert sagt er, er weiss es nicht. Wie beschrieben haben wir ihn schon gefragt, ob das eine "echte Frage" sei, also ob er sich da tatsaechlich manchmal unsicher fuehle - das verneint er. Ich hab umgekehrt auch schon gefragt, ob es einfach ein Spiel / Spass sei, das bejahte er. Nun sind das natuerlich fuehrende Fragen, auch wenn wir durch Tonfall und durch Worte versuchen klarzumachen, dass wir keine Antwort vorgeben wollen. Falls jemand einen Tipp hat, wie man das noch offener formulieren koennte, immer her damit.
@Mary, von "sollte", hab ich, glaube ich, nicht geschrieben...? Jedenfalls ist mir bewusst, dass die Bandbreite des "Normalen" riesig ist, sag ich auch meinem Mann immer wieder. Und ich meine die Titelfrage auch nicht einschraenkend. Ich gebe zu, dass ich das stilistisch ein wenig schoen haben wollte...
"Wie sehr"..."wie oft"? Aber natuerlich ist die Frage eigentlich: Kind fragt sehr oft, kann oder muss da was dahinter stecken?
Das beruhigt mich, dass wir nicht die einzige Familie auf dem Planeten sind, bei denen es dieses Spiel gibt.
Ja, so humorvoll machen wir es tatsaechlich auch manchmal, er lacht dann auch darueber... Hm. Deutet schon alles eher auf "Spiel" hin. Und ja, genauso wie Du im letzten Absatz vorschlaegst, machen wir das ja auch, wenn es wirklich mal zuviel wird.
Haha, Liebesbriefchen, auch schoen.
Danke fuer die Glueckwuensche! Das mit den nonverbalen Reaktionen ist auch gut, das werde ich auf jeden Fall mit ins Repertoire aufnehmen.
Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
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14.09.2020, 18:45
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
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14.09.2020, 18:57
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
Spielerisch, hm, ich weiß nicht. Für mich liest es sich eher so, als ob der junge Mann geschickt versucht, euch zu manipulieren...Auch so dieses "3. Mal erinnern" hat was davon. Faktisch ist er ja als Zweitklässler alt genug, um bereits nach einer (!) Anweisung zu verstehen, was die Mama-Flau will. Mit seiner Passivität "erzwingt" er auch so ein bischen dein Antreiben.
Keine Sorge, ich muss hier auch immer wieder meine Zweitklässlerin *hüstel* "erinnern". Aber es gibt so Sachen, ehrlich, da fühle ich mich ordentlich verar....t, wenn ich nochmal auffordern muss. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich fühle dann einfach Verärgerung, insbesondere, wenn es jetzt einfach zeitlich zackig gehen muss. In den Fällen schweige ich es aus, ermahne nicht mehr - und lasse das Kind die Konsequenzen tragen.Be a voice not an echo.
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14.09.2020, 19:01
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
Ohohooo, Blue, Du traust Dich aber was!
Das M-Wort im Bezug auf Kinder!!

Nee, ich weiss was Du meinst, ich sehe es auch so. Das wird schon bewusst eingesetzt, genauso wie: "But I looooove you" *augenklimper*, oder dass ich jetzt undbedingt ganz schnell gedrueckt werden muss, anstatt dass die Zaehne geputzt werden / das Lego aufgesammelt / das Fruehstueck gegessen...
Er weiss aber, dass ich es weiss, also um diese Strategie weiss. Und das "Spiel" kommt auch nicht ausschliesslich dann, von demher dient es nicht nur diesem einen Zweck.
Das Troedeln und Duseln und dann mit Zaertklichkeiten davon ablenken ist eher ein Thema fuer sich, aber da bin ich ja in mir selbst klar, deswegen hab ich das hier nicht so ausgefuehrt.Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
"Ich hasse es, wenn Fantasy sich einfach nicht an die Realitaet haelt".Maxi Gstettenbauer
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14.09.2020, 19:02
AW: "Wie sehr liebst Du mich?" - wie oft kann ein Kind das fragen?
@Marta-Agata, danke fuers Klarstellen!
Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne
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