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    (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Liebe Bri-Öffentlichkeit - vielleicht könnt ihr mir mit Erfahrungen, Beobachtungen und Meinungen ein bisschen beim Nachdenken, Abwägen, unbeachtete Aspekte-Wahrnehmen helfen?

    Mein Mann und ich sehen uns ein wenig überraschend mit einer Entscheidung konfrontiert - zur Situation:

    Unser Sohn (wird im August 10) hat das 4. Schuljahr übersprungen und beendet nun dieser Tage die 5. Klasse.
    Das Schulsystem ist hier anders als in Deutschland, die Grundschule hat 6 Klassen.
    Mit ihm hat vor einem Jahr ein guter, inzwischen deutlich bester Freund die 4. Klasse übersprungen. Beiden ist es vom Stoff her sehr leicht gefallen, wir haben ein bisschen das Gefühl, dass sich die beiden ein bisschen zu sehr aneinander geklammert haben und nicht perfekt in der Klassengemeinschaft angekommen sind (Lt. Lehrerin unser Sohn besser als der Freund).
    Es war nicht unbedingt hilfreich, dass die Klassenlehrerin zwischen Herbst- und Weihnachtsferien krank war (und die Klasse ein bisschen rumgeschoben, manchmal aufgeteilt wurde) und natürlich auch nicht, dass sie alle von Mitte März bis Anfang Juni nicht in der Schule waren... Unser Sohn sehnt sich nach seinen Freunden aus der alten Klasse, natürlich sind sie jetzt nicht in den gleichen Kontaktgruppen.

    Die Eltern vom Freund haben mit der Lehrerin gesprochen, dass er nicht so recht glücklich sei, immer noch eher gelangweilt, zumal in der Zeit zuhause etc. Von der Lehrerin kam dann als Lösungsvorschlag, dann könnte er doch die 6. Klasse überspringen und direkt auf die weiterführende Schule gehen, wenn es noch freie Plätze gäbe. Wir könnten uns das doch auch überlegen.

    Abgesehen davon, dass mein spontanes Bauchgefühl war, dass es sich die Lehrerin/Schule vielleicht etwas einfach macht - unzufriedenes Kind los - und es auch fraglich ist, ob es überhaupt noch Plätze in den 7. Klassen gäbe (wir wissen schon mal, dass nicht in den Schulen, die wir gerne hätten (Lage bzw. Ausrichtung), nachdenken müssen wir jetzt doch...

    Spontanes Gefühl bei meinem Mann und mir: Nein. Er war von seiner Statur her schon der kleinste in seiner ursprünglichen Klasse. Sollen wir ihn jetzt mit 12jährigen in eine Klasse stecken, die demnächst in die Pubertät kommen, während er noch ein Kind ist? Vom Stoff her und generellem Sozialverhalten sähen wir nicht das Problem, aber Anschluss finden bei 2 Jahre älteren? Wir sehen uns in der Lage und haben es bisher auch so gehalten, dass wir ihm ausserhalb der Schule genug "Anregungen" geben. Wenn er sich echt langweilt kann er ja auch endlich mal deutsche Rechtschreibung lernen (Familien- aber nicht Schulsprache)

    Dazu kommt auch: Wenn die Schulen im nächsten Jahr wieder wochenlang zu machen (und ich fürchte da eher ein wenn=zu dem Zeitpunkt wenn, nicht wenn=falls), würde es sich besser anfühlen, wenn das in die uns bekannte Schule eingebettet ist, in deren Abschlussklasse = Unterrichtspriorität er dann wäre.

    Aber: Wenn sein Freund den Wechsel wagen sollte, wäre das wahrscheinlich eine Katastrophe, wenn er zurückbliebe. Ein bisschen für sein Ego (er hat tendenziell immer bessere Noten als der Freund und ist viel organisierter und zuverlässiger (sagen die Eltern vom Freund)), aber auch einfach, weil sein Freund nicht mehr in der Klasse wäre. Sohns Argument wäre sicher auch, dass er sich ja noch nicht in der neuen Klasse eingefunden hat, da könnte er auch gleich den Schnitt zur nächsten Schule wagen.

    Vielleicht wäre es aber auch nicht schlecht, wenn er sich nicht mehr so stark auf den Freund beziehen würde um sich auf neue Freunde einzulassen.

    Wir haben unseren Sohn nicht eingeweiht bis jetzt, die Eltern vom Freund haben mit meinem Mann gesprochen (ich war letzte Woche nicht zuhause), sie sind sich auch noch nicht sicher. Wir wollten das Fass nicht aufmachen, wenn es vielleicht sowieso hinfällig ist. Aber eine Meinung sollten wir uns schon bilden, im Zweifelsfall ist nicht viel Zeit zum rumeiern.

    Ich weiss, niemand kann die Situation aus der Ferne beurteilen - aber vielleicht hat jemand einen Denkanstoss, der uns noch ein bisschen helfen kann. Würde mich freuen. Sonst habe ich hier zumindest mal öffentlich meine Gedanken etwas geordnet
    Schon so ein Grosser - mein Augusthase 2010
    und schon nicht mehr soooo klein - Mai-Maus 2014

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    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Ich finde, das ist immer ein Thema, wo das Kind ganz stark mit eingebunden werden sollte. Dein Sohn hat ja schon eine Klasse übersprungen, er weiß wie das ist und er selbst wird am besten einschätzen können, ob er das noch einmal machen will oder nicht. Habt ihr Kinder in dem Alter im Bekanntenkreis? Damit er sich konkret mit dem Gedanken auseinandersetzen kann: Meine Mitschüler sind dann alle soundso - komm ich damit klar?

    Da ihr wegen der Leistungen kein Problem habt, würde ich mich in dem Falle dem Willen des Kindes unterordnen. Was soll schon passieren? Schlimmstenfalls geht es schief und er wiederholt in der neuen Schule die Klasse noch einmal. Dann ist er immer noch 1 Jahr schneller mit der Schule fertig.

    Frag deinen Sohn, was er will. Solche Sachen sind immer schwierig und man weiß immer erst hinterher, ob es richtig oder falsch ist. Er muss jeden Tag zur Schule gehen, dann sollte es auch seine Entscheidung sein. Falls es sich als falsch herausstellt, fühlt es sich für ihn anders an, wenn er selbst entschieden hat.

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    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Hallo liebe Nijntje74,

    das ist natürlich eine schwierige Entscheidung!

    Ein Denkanstoß aus eigener Erfahrung: Ich habe seinerzeit die fünfte Klasse übersprungen und hatte ab Klasse 8 massive Probleme. Alle anderen schon in der Pubertät, ich noch recht kindlich. Daraus ergab sich eine sehr ungute Mobbing-Situation, die im Grunde bis zum Abitur angehalten hat und für mich sehr unschöne Folgen hatte.

    Die bittere Pointe: Im Unterricht gelangweilt habe ich mich trotz des Überspringens, das wurde nicht besser. Mit dem Wissen von heute würde ich sagen, ich hätte mich lieber in der ursprünglichen Klassenstufe langweilen sollen, dann wäre mir der Rest erspart geblieben. (Am besten wäre es natürlich, sich in der Schule weder langweilen zu müssen noch gemobbt zu werden, das ist klar.)

    Von daher: Ja, wenn die Pubertät beginnt, ist die Altersdiskrepanz aus meiner Sicht ein größeres Problem als in jüngeren Jahren.

    Entscheidend wäre für mich, mit welchem Schulklima an der weiterführenden Schule zu rechnen ist, ob die Lehrer dort für solche Probleme sensibilisiert sind und bereit sind, sich entsprechend zu kümmern. Trotz meiner persönlichen Erfahrung finde ich die Idee nicht total abwegig. Wäre denn, falls es in der Klassengemeinschaft Probleme gibt, ein weiterer Schulwechsel grundsätzlich möglich? Dann könnte man es vielleicht riskieren.

    Du schreibst andererseits, dass Eure Wunsch-Schulen wohl keine Plätze haben werden. Meine Erfahrung als Mutter einer im Köpfchen sehr fitten Tochter ist: Das Entscheidende ist, dass die Pädagogen, die mit so einem Kind zu tun haben, bereit sind, sich darauf einzulassen, sich zu kümmern, dass sie fachlich die entsprechenden Kenntnisse haben und keine seltsamen Vorurteile pflegen.

    Heißt in der Summe: Wenn jetzt keine Schule, die Euch zusagt, einen Platz hat, wäre das für mich ein Fall von "Die Frage stellt sich gar nicht" und das Kind bliebe, wo es ist.

    Bleibt allerdings die mögliche Trennung vom besten Freund, die natürlich sehr schade wäre. Dass die Kinder zu sehr aufeinander fixiert sein könnten, wäre meine geringere Sorge. Mein Ansatz wäre eher: Wie toll, dass sie jeweils einen Gleichgesinnten gefunden haben, das Glück muss man erst mal haben! Von daher würde ich versuchen, eine gemeinsame Entscheidung mit den anderen Eltern herbeizuführen - und solange keine Schule, die Euch zusagt, Plätze hat, würde ich darauf hinwirken, dass die beiden gemeinsam bleiben, wo sie sind.

    Alles Gute und toi toi toi!

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    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Ich habe die Tendenz, dass soziale Lernen recht hoch zu bewerten und denke, dass wird bei größerem Altersabstand einfach schwieriger. Ab der 7. Klasse fand bei mir so viel in der Interaktion mit den Klassenkamerad_innen statt: politische Positionierung, Einüben eines Umgangs miteinander, Definition von Freundschaft, solidarisches Verhalten mit Schwächeren, Abgrenzung zur Herkunftsfamilie... Ist jetzt sehr spontan hingeschrieben, aber das waren unheimlich wichtige Prozesse in meiner Jugend, die in Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen stattfanden und die ich mindestens genauso wichtig finde wie andere Lerninhalte.

    Was mir noch nicht ganz klar geworden ist: gibt es denn Leidensdruck bei deinem Sohn? Langweilt er sich, und falls ja, wie geht er mit der Langeweile um? Wie nimmt er seine Mitschüler_innen wahr? Und die Gruppendynamik?

    (Ich habe mich in der Schule auch oft gelangweilt, aber ich fand das nicht so schlimm. Ich habe sehr viel geträumt, gezeichnet, manchmal auch gelesen... Ich bin aber auch nicht hochbegabt, mir viel nur Lernen sehr leicht).

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    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Um Gottes Willen..... Nein, bitte nicht.

    Auch wenn das Kind den stoff gut hinbekommt. 2 Jahre Altersunterschied ist aber eine Menge und man schubst das Kind, damit bewusst in eine aussenseiter Rolle.

    Wenn das Kind nicht genug gefordert ist.... Such außerhalb der Schule nach Alternativen.

    Chinesisch lernen, Schach Akademie usw

    Ich verstehe den Aspekt mit dem besten Freund. Aber macht auch gleich ein Abhängigkeits Verhältnis.....

  6. Moderation

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    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Was mir noch einfällt, hat dein Sohn Freunde außerhalb der Schule?
    Sportverein, Jugendgruppe, Nachbarkinder - gibt es dafür überhaupt Zeit?

    Ich wäre auch zurückhaltend, denn immer der Jüngste und Kleinste zu sein kann sehr problematisch sein.
    Ich würde auch eher eine weiter Sprache oder andere wissenschaftliche oder musische Interessen fördern und wenn er nicht unglücklich in der Schule ist und selbst den Wunsch äußert eine Klasse zu überspringen das nicht forcieren.
    Man muss nicht über jedes Stöckchen springen ... jedenfalls nicht jeder.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

  7. Inaktiver User

    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Die Perspektive andersherum:

    Eine Grundschulfreundin ging (anders als ich) auf eine Schule, die einen Begabtenzweig anbot: Dort bekam man das Abitur ein Jahr schneller.

    Der Zugang zu diesem Zweig wurde rein nach Noten entschieden. Meine Noten waren besser als ihre, ich wäre also sicher auch in diesen Zweig gekommen - ging aber auf ein anderes Gymnasium, das das nicht anbot.

    Ich trauere dieser aus meiner Sicht verpassten Chance heute noch manchmal nach.

    Wir waren in Grundschulzeiten immer auch Konkurrentinnen um Noten - von daher würde ich den Aspekt, dass der Sohn sich (wegen besserer Noten als der Freund) um seine Chance betrogen fühlen könnte (Du deutest so etwas im Eingangsposting an) nicht zu gering bewerten.



    Andererseits: Viel später hatten wir dann ein Mädchen, das übersprungen hatte, an der Schule (sie war wegen Umzugs auch an der Schule neu), sie war tatsächlich schlecht integriert - was bei Ihr daran leg, dass sie sich sämtlichen Versuchen, Freundschaften zu knüpfen, hartnäckig widersetzt hat.



    Gerade ab etwa der 10. Klasse war es bei uns so, dass wir über diverse Schul-AGs sowieso Freundschaften mit Leuten, die bis zu zwei Jahre älter oder jünger waren, hatten, da war der Altersunterschied nicht wirklich relevant.

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    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Unser Sohn ist seinerzeit von der dritten in die fünfte Klasse (erste Klasse Gymnasium) gekommen, nachdem wir einen IQ-Test haben machen lassen. sonst wären wir nicht auf die idee gekommen. Er hatte sich auf der Grundschule nur gelangweilt. Ihm ging es dann wunderbar. Auch kamen zeitgleich mehrere andere jüngere Kinder mit ihm zusammen in der Eingangsklasse. Wahrscheinlich hätten wir ihn nicht nochmal springen lassen, da er sich nach anfänglichem Geniertfühlen, weil er so jung war, sehr gut machte

    Er hatte dann zu dem Schulunterricht noch anderweitige Kurse - Mathematikkurs an der Uni für Jüngere zum Beispiel, da er vor allem mathematisch unterfordert war.
    Auch wurde sein bester Freund ein fast zwei Jahre älterer Junge.


    Vielleicht gibt es auch spezielle Schulen für besonders Begabte. Da wären auch viele Jüngere.
    Der eine Freund sollte nicht entscheidend sein bei einer Schullaufbahn. Mit anderen ähnlich tickenden würden sich rasch neue Freunde ergeben.

    Es gibt an manchen Schulen auch spezielle Klassen für besonders Begabte.


    Was sagt dein Sohn zu der Situation? Das wäre für mich mit ein entscheidender Punkt.
    Kartoffeln gehören im Keller.

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    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Wie alt wäre der Junge beim Abitur?

    Eine Freundin von mir hatte eine Woche vor ihrem 16. Geburtstag ihr Abi und hat kurz darauf angefangen zu studieren. Es war für sie als Minderjährige allein in der Großstadt kompliziert.

    WGs wollten das "Kind" nicht, die Wohnheime nahmen keine Minderjährigen, Vermieter von freien Wohnungen waren skeptisch, Ausgehen mit Kommilitonen quasi unmöglich, die Uni wollte regelmäßig die Klausuren von den Eltern unterschrieben haben usw.
    Sie hat sich durchgebissen und hatte mit 19 ihren Abschluss, aber volljährig hätte sie es leichter gehabt.
    Drei sind eine Bande.

    Nein, meine Kinder geb ich nicht!
    (nach R. Mey)

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    AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?

    Bekannte von uns haben ihre beiden Kinder eine Klasse überspringen lassen. Das erste Kind hat die Schule abgeschlossen, das zweite ist bald fertig. Beide sind im Rückblick auf ihre Schulzeit nicht glücklich mit dieser Entscheidung gewesen.

    Probleme hat es jeweils im Jugendalter gegeben, wenn sich die Unterschiede deutlich zeigen - Pubertät, Ausgehen, Alkohol trinken, Führerschein machen... Immerzu zu den Nachzüglern zu gehören, kann in diesen Momenten ganz schön frustrieren.

    Als einziger den Film in der Klasse nicht mitschauen zu dürfen (oder, peinlich, die Erlaubnis der Eltern mitbringen zu müssen), weil man noch nicht 12 oder 16 ist, ist „doof“ (vor allem, wenn man weiß, dass man eigentlich ja in diese Altersgruppe gar nicht hinein gehört).
    Nach dem Schulende nicht volljährig zu sein, bringt wieder Frust mit sich

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