Frust bringt aber auch, sich permanent unterfordert zu fühlen. Es gibt hochbegabte Kinder, die völlig dicht gemacht haben und keinen Abschluss geschafft haben. Obwohl sie den mit links hätten haben können.
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27.06.2020, 13:45Inaktiver User
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
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27.06.2020, 13:49Inaktiver User
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Gar keine Frage.....
Die dauernde unterforderung kann man aber auch gut anders ausgleichen.
Einmal überspringen ok. Aber ein zweites Mal?
Nein, die vielen Kleinigkeiten die andere auch ausführlich beschrieben haben, sind genauso negativ zu sehen.
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27.06.2020, 13:50
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Gibt es kein Hochbegabten-Gym wie das in erreiochbarer Nähe?
Verbleiben in der alten Klasse ist keine Garantie für Integration, zumal die ja in der aktuellen schon nicht gut funktioniert hat, der Kontakt zur Einschulungs-Mitschülern dürfte weitgehend abgerissen sein.
Und: auch da passt es nicht. Es kann gut gehen, aber so ein richtiger Überflieger wird von den Normalos schon gern (oder nicht gern, aber zwangsläufig) als Alien gesehen. Vielleicht reicht es für Schwimmbadbesuche oder Computerspiele, aber der IQ-Champ hat meist Interessen, die die Anderen nicht teilen, drückt sich vielleicht auch anders aus, geht anders an Dinge ran...
Was auch passieren kann: dass jemand vor lauter Unterforderung und Langeweile den Anschluss ans aktuelle Unterrichtsgeschehen verliert und plötzlich schlechte Noten schreibt, weil er auch nur noch physisch da war. Oder vor lauter Langeweile Unsinn machtGeändert von Blila1 (27.06.2020 um 13:58 Uhr)
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27.06.2020, 16:15
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Ich kenne die Thematik aus der Beobachterperspektive.
Eine heute renommierte Wissenschaftlerin besuchte zwischen der 5. und 8. Stufe die gleiche Klasse wie ich, eine Zeitlang haben wir uns recht gut verstanden und waren ziemlich eng miteinander. Sie war eine 1,0-Schülerin und fühlte sich permanent unterfordert. In der Klasse galt sie als verbissene Streberin und war deswegen und wegen ihren eher unterentwickelten sozialen Kompetenzen entsprechend unbeliebt.
Zu der Zeit, als wir näheren Kontakt hatten, war das Überspringen mehrfach Thema, sie und ihre Eltern hatten zahlreiche Gespräche mit dem Schulpersonal. Es wäre möglich gewesen, der Rektor und die involvierten Lehrer rieten jedoch eindringlich ab, da sie aufgrund des sichtbaren Altersunterschiedes wahrscheinlich in eine noch stärkere soziale Außenseiterrolle gekommen wäre und es jeweils höchst unsicher ist, welche Auswirkungen dies auf das Kind hat. Die Eltern sahen daher von einem solchen Schritt ab.
Als Option wurde statt dessen an die Familie herangetragen, eine Schule für Hochbegabte in Erwägung zu ziehen. Die Eltern waren wohlhabend und hätten sich sogar eine private Schule leisten können, es war auch von Stipendien die Rede, ein bekanntes Schlossinternat wurde ernsthaft in Erwägung gezogen und mehrfach besichtigt.
Der Grund, weshalb die Klassenkameradin dies ablehnte war dann, dass es in der näheren Umgebung keine Hochbegabtenschule gab, die ein Übernachten zu Hause zugelassen hätte, es wäre auf eine Internatslösung in weiterer Entfernung hinausgelaufen. Dies wollte sie jedoch nicht, da sie an mehreren Dingen ihres Alltags hing, die sie nicht aufgeben/umkrempeln wollte. Die Lösung sah dann so aus, dass alles beim Alten blieb, sie sich noch zusätzlich mit zahlreichen AG's, Hobbys und freiwilligen Kursen beschäftigte, die ihren Lernhunger notdürftig befriedigten.
Ab der 9. Klasse wurden wir aufgrund unterschiedlichen Schwerpunkten in verschiedene Parallelklassen eingeteilt. Obwohl wir noch auf der gleichen Schule waren und zusammen Abitur machten, verloren wir uns aus den Augen.
Jahre später trafen wir uns und die damalige Situation war auch Thema. Sie bezeichnete es als größte Fehlentscheidung ihres bisherigen Lebens, nicht auf eine Hochbegabtenschule gewechselt zu haben, die damalige Schulzeit seien für sie vergeudete Jahre gewesen.
Aus dem Kontakt mit der ehemaligen Klassenkameradin habe ich mitgenommen, das Kinder mit besonderen Begabungen auch ein entsprechendes Umfeld benötigen, um richtig gedeihen zu können. Daher kann ich der Threaderstellerin nur ans Herz legen, darüber nachzudenken, ob eine allgemeine Schule wirklich das Richtige für ihr Kind ist oder ob nicht darüber nachgedacht werden sollte, dass eine Schule, welche auch andere Kinder mit höheren Lernambitionen besuchen nicht die bessere Wahl wäre.
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27.06.2020, 16:23Inaktiver User
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Tally, auch das gibt es durchaus anders.
Ich hatte einen Kommilitonen, der sehr jung war (begann mit 17 das Studium), und eine Hochbegabung muss eigentlich vorgelegen haben - er hat ohne jeden Aufwand überall Einsen geschrieben und sich noch dazu bei vielen freiwilligen Sachen engagiert.
Eine Beziehung hatte er auch.
Dazu war er wirklich überall sehr sehr gut integriert - er besuchter als Schüler eine Regelschule.
So hätte es für Deine Mitschülerin auch laufen können.
Die Begabung ist eben nur ein Punkt unter vielen.
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27.06.2020, 16:38
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Sicher Saetien2, so wie bei Deinem Kommilitonen kann es auch gehen, wenn der/die Hochbegabte gut eingebettet ist und sich mit der Hochbegabung nicht als Fremdkörper wahrnimmt. Super Leistungen zu erbringen und sich gleichzeitig in der Schulgemeinschaft pudelwohl zu fühlen, ist das Optimum.
Hochbegabte Kinder sind individuell, Ich wollte mit meinem Beitrag nicht schwarzmalen. Aber da die Situation der Threaderstellerin mit dem möglichen Weggang des Schulfreundes einen Umbruch für das Kind bedeutet und sie die Schwierigkeiten in der jetzigen Klasse, die auf das Kind zukommen bereits erahnt, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um sich die Frage zu stellen, ob die jetzige Schule an sich passt. Diese Überlegung kommt im Eingangspost nämlich nicht (bzw. nur im Hinblick auf die weiterführende Schule nach der 6. Klasse) vor.
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27.06.2020, 16:43
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Das sehe ich ähnlich. und es zeichnet sich ja schon ab, dass das Miteinander an dieser Schule nicht wirkich funktioniert. Wie Tally finde (nicht nur ich), dass hochbegabte Kinder ebenso in ihren Fähigkeiten gefördert werden sollen wie minder Begabte. Um ihrer selbst willen und weil sie auch bei sozialer Ausgrenzung wenigstens einen Bereich haben, in dem sie ganz sie selbst sein können
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27.06.2020, 17:16
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Schon mal vielen Dank für eure Beiträge - sie spiegeln viele in mir selber widerstreitende Überlegungen wieder. Ich habe gerade nicht so die Zeit, habe die Beiträge überflogen, lasse sie sacken/in mir arbeiten und versuche mich heute Abend ein bisschen mehr damit auseinanderzusetzen (Heute nachmittag habe ich mit den Eltern vom Freund ein bisschen auf er Terrasse gesessen und geredet, das hat für mich auch noch mal ein bisschen was geklärt).
Danke schon mal, bis später!
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27.06.2020, 18:46Inaktiver User
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Hallo Nijntje,
habe jetzt gerade wenig Zeit, aber ich würde davon abraten. Ich glaube, die Lehrerin, die das empfiehlt, will einfach für sich das Problem auf einfache Art und Weise lösen.
Meine Söhne sind auf einer Schule, die zwar keine dedizierte Hochbegabtenschule ist, aber auf der es recht viele Hochbegabte und Überspringer gibt. Zwar wenige mit zwei übersprungenen Klassenstufen, aber doch einige Kinder, die ein Jahr früher eingeschult wurden und dann noch ein Jahr übersprungen haben. Die kommen im Unterricht wunderbar mit, aber altersmäßig ist es oft dann doch nicht so einfach, 2-3 Jahre jünger als der Rest der Klasse zu sein. Selbst wenn man im außerschulischen Bereich mehrere Freunde hat, die auch älter sind. Oft geht es in der 5. und 6. Klasse noch wunderbar, aber in der 7./8. Klasse kippt es dann langsam.
Gerade in dieser Corona-Situation würde ich den Wechsel auf die weiterführende Schule jetzt nicht durch einen Sprung überstürzt erzwingen.
Wir haben einen Nachbarn, der die 4. Klasse übersprungen hat. Ab der 8. stand der nächste Sprung im Raum. Nun war geplant, ein Jahr ins Ausland zu gehen und auf die Art die 11. Klasse zu überspringen. Das zerschlägt sich wegen Corona nun. Nun überlegt er, ob er es macht oder nicht. Aber das finde ich was anderes, als die 4. und gleich wieder die 6. Klasse zu überspringen.
Liebe Grüße, Tigerente
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27.06.2020, 18:55
AW: (Noch eine) Klasse überspringen? - Wer hilft beim Nachdenken?
Nijntje, ohne zu wissen, wie dein Sohn dazu steht, und auch, wie weit er in seiner sozialen Entwicklung ist, ist da nichts zu zu raten.
Für mich war es toll, eine Klasse zu überspringen, weil ich mental alt für mein Alter war, und sozial ein Sonderling, egal in welchem Alter -- als Klassenjüngste hatte ich mental mehr Spaß, und sozial mehr Freiheit, was es leichter machte, Kontakte zu finden. Ich hätte auch mit Vergnügen noch eine Klasse übersprungen. Aber ich habe einen unheiligen und langwierigen Aufstand gemacht, als ich mich in einer Paralellklasse zu der meiner (18 Montate älteren) besten Freundin wiederfand! (Meine Cousine hat zwei Klassen übersprungen, und das war auch kein Problem für sie, sie wollte das. Es ist aber denkbar, daß es für Mädchen leichter ist, weil da körperliche Stärke nicht so die Rolle spielt. Und, keiner von uns, nicht meine Cousine und nicht ich, waren hochbegabt -- das macht ja noch mal ein ganz anderes Faß auf...)
Die Überlegungen ob, wann und wie lange die Schulen nächstes Jahr wieder zumachen, erscheint mir Spökenkiekerei. Das ist zu ungewiß, um da eine gute Handlungsempfehlung draus zu ziehen -- *außer*, wiederum, euer Sohn ist von der Persönlichkeit oder der Entwicklungsstufe jemand, der ein stabiles Umfeld sehr braucht. Und auch da spielt Selbstwirksamkeit wieder eine Rolle: Wenn man sich etwas ausgesucht hat, ist man viel besser darin, sich durchzukämpfen wenn mal was schief läuft, als wenn man sich fremdbestimmt ins Schlamassel geritten fühlt.
Daß man sich im Unterricht langweilt ist, fürchte ich, mit "Klassen überspringen" nicht zu regeln. Man langweilt sich nur effizienter, weil man mit der Schule schneller durch ist.Geändert von wildwusel (27.06.2020 um 19:10 Uhr)
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **


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