+ Antworten
Seite 18 von 18 ErsteErste ... 8161718
Ergebnis 171 bis 172 von 172

Thema: Verstaubt?

  1. Moderation Avatar von leandra28
    Registriert seit
    07.10.2007
    Beiträge
    3.308

    AW: Verstaubt?

    Bei mir (ich bin ca. 8 Jahre älter als Pia, nehme ich an) waren es Holocaust und Atomkraft. "Ein Stück Himmel", "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl", "Das Tagebuch der Anne Frank" - habe ich vielleicht etwas zu früh gelesen, denn ich erinnere mich an ein sehr depressives Gefühl der Verzweiflung an der Menschheit. Eigentlich nicht das was man mit 13 / 14 (oder so) fühlen sollte.

    Pausewang u.ä. habe ich etwas später gelesen, vielleicht mit 15 / 16, ohne dass es irgendwelche traumatischen Spuren hinterlassen hätte. Richtig schlimm verstörend war für mich "Strahlen aus der Asche" von Robert Jungk, was wir in der Schule lesen mussten. Daran erinnere ich mich tatsächlich bis heute mit Schaudern. Das war noch verstörender als der Film "The Wall", in den uns derselbe Deutschlehrer schleppte.

    Allerdings war nichts davon von meinen Eltern initiiert, das kam alles aus dem Freundeskreis oder durch die Schule.

    Als "verstaubt" würde ich allenfalls die Pucki- und Trotzkopf-Bände meiner Mutter aus den 50ern bezeichnen, deren Staubschicht allerdings derartig dick war, dass ich keine Sekunde lang daran zweifelte, dass die Geschichten aus einer völlig anderen Zeit stammten. Etwas bedenklicher finde ich da im Nachhinein schon die Bücher von Berte Bratt - daran kam ich auch durch meine Mutter (ihre frühesten Bücher fielen noch in die Jugend meiner Mutter). Berte Bratt schrieb aber ja immer noch weiter und weiter, und ich las es unglaublich gerne, ich konnte mich darin richtig verlieren. Was da v.a. für ein Rollenbild transportiert wurde, wurde mir erst eine Zeit später bewusst, da war ich anfangs mega-unkritisch.

    Noch etwas später (so mit 16 / 17 / 18) versank ich jahrelang in Hermann Hesse - definitiv auch völlig verstaubt, aber daran kann ich nichts Schädliches finden!

    Ich denke auch, vor allem die Mischung macht's.

    Meinen (11jährigen) Sohn habe ich an Sagen oder ähnlich wirklich "Klassisches" noch nicht herangeführt (da geht es mir wie Stina - meine Eltern hatten mir Sagenbücher gekauft und ich konnte darüber nur gähnend und schnarchend zusammenbrechen ... ), aber während er selber quer Beet liest was seine Freunde lesen (von Gregs Tagebuch, ab und zu auch mal Die Drei Fragezeichen, über die gerade so beliebten Tierwandler-Bücher bis Warrior Cats und Top Secret), lese ich ihm vor, was er selber nie durchhalten würde, was ich aber für gut halte.

    Auf diese Weise haben wir Die unendliche Geschichte, Momo, Der satanarchäolügeniale Wunschpunsch gelesen, und die drei Caius-Bände, und gerade aktuell "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl". Und bisher hat er das alles gemocht! (Wenn er keinen Bezug dazu finden würde, würde ich das Buch natürlich nicht gegen seinen Willen weiterlesen - logisch!)

    Angefangen hat das Vorlesen mit Harry Potter; da war er ca. in der 3. Klasse, seine Schulkameraden lasen das (zum Teil sogar noch früher angefangen), er hat es auch probiert, kam aber einfach nicht über die ersten 30 Seiten hinaus. Daher habe ich angefangen das vorzulesen, und daraus hat sich so ein richtig schönes abendliches Ritual entwickelt, das wir beide sehr genießen. Für die sieben Harry Potter-Bände haben wir zwei oder drei Jahre gebraucht, und da wir die Tradition beibehalten wollten, habe ich dann halt zu Michael Ende etc. gegriffen.

    Also, Pia, um den Bogen zu deiner Ausgangsfrage zu schließen: Ich finde ihr macht das alles super. So ein bisschen nach dem Motto "alles kann, nichts muss". Ihr zeigt das Angebot, seid offen, folgt den Interessen, seid bezüglich eurer eigenen Vorlieben mit euch selber im Reinen - das klingt doch optimal!
    Moderation "Kinderwunsch und Babyjahre"
    und "Unterstützter Kinderwunsch"


  2. Registriert seit
    21.04.2014
    Beiträge
    14.427

    AW: Verstaubt?

    Ich erinnere mich an "Damals war es Friedrich" als Schullektüre in Klasse 7. Die Pausewang Bücher habe ich freiwillig gelesen, allerdings hat mich Tschernobyl später derart aufgeschreckt, dass ich von zu Hause ausriss und mich einige Monate lang im Wendland aufhielt, bis die Polizei mich aufgabelte und zurück brachte. Danach Schulwechsel, statt Gym Realschule Klasse 10, als Schullektüre (plus dazugehörigen Film) gab's "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Böll und "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert.

    Wobei ich "Katharina Blum" teilweise in der Grundhandlung schon fast wieder modern fände....

    Ich finde allerdings die Kinder Sendungen aus den 70gern mit Rappelkiste usw teilweise weniger rosa plüschig als das, was meinen Töchtern in den 2000ern angeboten wurde....

    Ich habe mir unbeschadet "Tod eines Schülers" angesehen, eine Serie, die angeblich heute noch im Giftschrank des ZDF steckt.

    Zwei Bücher aus meiner Teeniezeit, die die BRD /DDR Problematik behandelten, "... Und keiner hat mich gefragt" sowie "Treffpunkt Weltzeituhr" lieferten unserer Mittleren gute Unterstützung als "Deutsche Teilung und Mauerfall" in Klasse 10 dran kamen und für sie Thema in der mündlichen MSA Prüfung waren. Zusätzlich zu den Erzählungen unserer Bekannten, die in der DDR aufwuchsen.

    Meine Töchter mussten sich in Klasse 6 mit Wolfgang Biermanns Texten rumplagen im Deutschunterricht, wobei ich "Deutschland, deine Mörder (Drei Schüsse auf Rudi Dutschke") "Völlig ohne Hintergrundinfos zum zeitlichen Kontext sehr sperrig fand und lasen" Der Schimmelreiter"in Klasse 4. Wobei das Thema Hochwasserschutz und Deichbau hier ohnehin das einzige Thema in Sachkunde Klasse 4 ist, von daher passt es.

    Generell habe ich das Gefühl, man hat uns in den 70gern und 80gern als Jugendliche deutlich mehr "zugemutet" aber auch zugetraut, was schwierige Themen angeht.

+ Antworten
Seite 18 von 18 ErsteErste ... 8161718

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •