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  1. Avatar von falbala7
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    Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Hallo an alle,

    nach längerer Zeit möchte ich mal wieder eine Erziehungsfrage zur Diskussion stellen. Einfach um mir unterschiedliche Sichtweisen und Ideen anzuhören. Was sich erstmal harmlos anhört, birgt nämlich Konfliktpotenzial im Alltag. Es geht um die Aufteilung der häuslichen Pflichten. Während ich einen pragmatischen Ansatz verfolge, vertritt mein Mann eher einen emotionalen Standpunkt.

    Mein Ansatz: Wir haben 2 Kinder (Junge und Mädchen, 10 und 12), die sich nicht gerade um Mithilfe im Haushalt reißen. Um die Diskussionen zu minimieren und Klarheit zu schaffen, haben wir "Dienste" eingeführt. D.h. ich habe die Aufgaben genannt, die ich delegieren will (Tisch decken & Spülmachine einräumen, nasse Wäsche trocknen und trockene Wäsche zurückbringen, Müll runterbringen) und die Kinder haben sie sich aufgeteilt. Es gibt jetzt einen Tischdienst, und einen Müll-+Wäschedienst, sie wechseln sich monatlich damit ab und kommen gut damit klar. Bis auf gelegentliches Motzen, wenn Sie gerade wichtigeres zu tun haben

    Mein Mann vertritt eher den Standpunkt, dass solche festen Dienstpläne nichts für Familien sind, wo sich alle gerne gegenseitig helfen sollten anstatt lästige Pflichten zu erfüllen. Er möchte das so nicht, sondern wenn jemand kocht oder sich sonst um den Haushalt kümmert, soll die ganze Familie mit dabei sein und gemeinsam anpacken. Keiner soll das als Arbeit empfinden, sondern einfach erledigen, weil dann die Gemeinsamkeit der Familie im Vordergrund steht. Er hat das aus seiner Kindheit wohl so in Erinnerung. Dass die Kinder solche Hausarbeiten nicht klaglos hinnehmen, sieht er als psychischen Defizit der Kinder bzw. als mangelhaften Familienzusammenhalt an.

    In Kurzform also die unterschiedlichen Ansätze:
    - Ich will die negativen Emotionen der Kinder nicht bewerten, weil ich finde man darf Aufgaben einfach doof finden, aber ich erwarte Mithilfe trotz Widerwillen.
    - Mein Mann fühlt sich durch deren negative Emotionen und ihren Widerstand belastet und möchte direkt an der Quelle des Widerstandes ansetzen.

    Ich kann jetzt nicht jedes seiner Argumente von der Hand weisen, denn natürlich soll in der Familie eine Atmosphäre der gegenseitigen Hilfsbereitschaft herrschen. Womit ich aber nicht zurecht komme, ist die Erwartung, dass alle gerne anpacken sollen. Das erscheint mir unrealistisch bzw. idealisiert und schwer praktikabel. (Also auf mich trifft das schon mal so nicht zu...)

    Nachdem Ihr in Euren Familien bestimmt ähnliche Themen habt würde ich mich dafür interessieren, wie Ihr das ganze seht. Ist so eine Abwehrhaltung der Kinder aus Eurer Sicht gesund und eher normal oder doch irgendwie besorgniserregend? Wie geht Ihr damit um und wie handhabt Ihr das mit der Aufgabenteilung? Ich erwarte jetzt keine tiefschürfenden Konzepte, sondern freue mich auch einfach über spontane Ideen. Danke im Voraus dafür!

    Falbala


  2. Registriert seit
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    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Zitat Zitat von falbala7 Beitrag anzeigen
    - Mein Mann fühlt sich durch deren negative Emotionen und ihren Widerstand belastet und möchte direkt an der Quelle des Widerstandes ansetzen.
    Okay, und wie soll das ausschauen? Hat er dazu Ideen bzw. Pläne?

  3. Inaktiver User

    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Zitat Zitat von KittySnicket Beitrag anzeigen
    Okay, und wie soll das ausschauen? Hat er dazu Ideen bzw. Pläne?
    Wahrscheinlich nicht.

    Sieht dann meistens so aus, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und es eben sein lassen, sprich, die Kinder bekommen ihren Willen.

    Falbala, ich finde die Aufteilung gut. Ich muss meinen Sohn auch mal mehr einbinden, der reißt sich auch um nix, wobei ich das früher auch nicht getan habe.
    Ist ganz normal

  4. Moderation Avatar von Marie-Madeleine
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    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Die allerwenigsten Kinder im genannten Alter helfen GERNE bei der Hausarbeit.

    Ich kann es nur aus Sicht eines Ex-Kindes beurteilen, aber für mich war das immer lästige Pflicht und etwas, das mich von Dingen abgehalten hat, die ich lieber gemacht hätte (lesen, spielen, malen oder was auch immer). Ich halte das auch für eine ganz normale Reaktion.

    Es gab in meiner Familie auch gelegentlich Äußerungen dieser idealisierten Ansicht, man müsse doch "sehen", was getan werden muss, und das dann gerne und freiwillig tun. Aber Kinder und auch Teenager haben dafür einfach noch nicht den nötigen Weitblick. Ich habe vieles erst verstanden, als ich selbst einen Haushalt hatte.

    Für Dinge wie Spülmaschine ausräumen oder Tisch decken wurden wir von den Eltern relativ spontan "eingeteilt", dafür gab es bei uns für den Wochenendhausputz feste Aufgaben, die wir im Wochentakt abwechselten (im Teenageralter war das dann Bad saubermachen, staubsaugen, Treppe wischen, Schuhe putzen).

    Ich finde es absolut richtig, dass Kinder/Jugendliche im Rahmen ihrer Fähigkeiten im Haushalt helfen, nicht zuletzt, weil man dadurch Dinge lernt, die man später brauchen wird (und auch lernt, dass das alles Arbeit ist und Zeit kostet und man sich nicht immer nur bedienen lassen kann). Aber Freiwilligkeit und Freude am Haushalts-Tun zu erwarten ist in meinen Augen wirklich zu viel verlangt.
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner

  5. Inaktiver User

    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Ich hätte als Kind feste Dienste bevorzugt. Meine Mutter war so der Typ, der irgendeine Mithilfe erwartet hat, aber man sollte die anstehenden Arbeiten dann bitteschön selbst sehen.

  6. Avatar von Marta-Agata
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    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Arbeit darf sich auch mal wie Arbeit anfühlen

    Hat das bei deinem Mann denn insofern geklappt, dass er jetzt gerne seinen Teil am Haushalt übernimmt?
    Und empfindet er das nie als Arbeit?

    Habt ihr die Pläne mit den Kindern zusammen gemacht?
    Oder mal als Familie darüber gesprochen, wie die Arbeit aufgeteilt werden könnte und was die Kinder übernehmen wollen?

    Tatsächlich hat mir "Kochen" - ob nun als Hilfe oder als gemeinsame Aktivität - in deiner Aufzählung gefehlt.
    Ich finde wichtig, dass Kinder kochen (lernen) - und da passt das Konzept deines Mannes auch besser.


  7. Registriert seit
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    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Zitat Zitat von falbala7 Beitrag anzeigen
    Ich kann jetzt nicht jedes seiner Argumente von der Hand weisen, denn natürlich soll in der Familie eine Atmosphäre der gegenseitigen Hilfsbereitschaft herrschen. Womit ich aber nicht zurecht komme, ist die Erwartung, dass alle gerne anpacken sollen. Das erscheint mir unrealistisch bzw. idealisiert und schwer praktikabel. (Also auf mich trifft das schon mal so nicht zu...)
    Mich erinnert das an die Haltung, die unsere Grundschule vertrat. Kinder lernen gerne, also sowieso freiwillig, wenn man nur eine positive Lern- und Arbeitsatmosphäre schafft.
    Dass das aber nicht unbedingt heißt, dass Kinder gerne irgendwelche Hefte abarbeiten, oder der Legastheniker gerne lesen übt, war nicht in ihren Kopf zu bringen. Weil alles freiwillig und gerne erfolgen sollte, erfolgte vieles gar nicht.

    Man kann niemanden zwingen, etwas gerne zu machen. (Außer vielleicht mit Gehirnwäsche.)

    Ich finde, Ihr habt eine gute Lösung gefunden mit euren Diensten. Was Dein Mann da verlangt, ist ein hehres Ideal. Macht er denn gerne Hausarbeit?


  8. Registriert seit
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    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich hätte als Kind feste Dienste bevorzugt. Meine Mutter war so der Typ, der irgendeine Mithilfe erwartet hat, aber man sollte die anstehenden Arbeiten dann bitteschön selbst sehen.
    So eine Mutter hatte ich auch. Wahnsinnig enttäuscht, dass ich nicht half. Als ich ihr sagte, sie solle doch nur sagen, was ich tun solle, dann würde ich das auch tun, kam nur "also, das musst Du schon selber sehen". Ich half auch weiterhin nicht mit, außer es war ganz klar (wie "ich habe nur 4 Stunden Schule, meine Mutter arbeitet bis 13 Uhr, also koche ich schon mal").
    Mein Vater half übrigens auch nie.

    Als sie mal im Krankenhaus war und mein Vater und ich den Haushalt schmeißen mussten, lief es reibungslos. Da habe ich mich aber auch nicht entblödet, mal zu sagen "Papa, jetzt habe ich schon gekocht, gespült und das Bad geputzt, saugst Du jetzt bitte mal die Wohnung durch?"

  9. Avatar von falbala7
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    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Oh, nachdem jetzt schon so viele Rückmeldungen kamen, antworte ich jetzt doch schomal kurz.

    Einen konkreten Plan gibt es nicht so wirklich, danach habe ich auch schon gebohrt... Eher die Vorstellung einer Grundstimmung, die irgendwie vorgelebt werden soll. Am ehesten hat er das konkrete Bild vor Augen, wie alle beim Kochen gemeinsam in der Küche sind und etwas dazu beitragen - auch nach dem Essen noch. Das wäre aus meiner Sicht vllt. ein möglicher Kompromiss, nämlich alles rund um das Mittagessen als Familie zu gestalten und aus den "Diensten" herauszunehmen.

    Ja, selber sehen sollen sie die Arbeit auch ...

    Über mangelnde Mithilfe kann ich mich bei meinem Mann nicht beklagen. Dass er Arbeit nie als lästig empfindet, kann ich aber nicht bestätigen, zumindest wenn ich nach den teilweise aggressiven Reaktionen gehe, wenn ich ihn in einem "unpassenden Moment" um einen Gefallen bitte. Und alles macht er auch nicht, mit Wäsche möchte er z.B. nichts zu tun haben.

    Wie die Aufgabenteilung zustandekam, habe ich beschrieben, die Kinder sind klar für diese eindeutige Regelung und wollen ihre Dienste behalten. Zitat "Wir müssen da ja eh machen, so ist es wenigstens gerecht." Mein Mann möchte da Zitat "eine höhere Ebene erreichen, wo Gerechtigkeit nicht mehr wichtig ist, weil sich alle gegenseitig helfen wollen."

    Mein Problem dabei ist, dass sich das alles nicht richtig stimmig anfühlt...
    Ich kann mir z.B. nicht einreden, dass mir alle Arbeiten Spaß machen. Fühlt sich so gar nicht gesund an für mich...
    Geändert von falbala7 (28.02.2020 um 11:43 Uhr)

  10. Avatar von falbala7
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    AW: Die lästigen Arbeiten im Haushalt ...

    Zitat Zitat von Tigerente Beitrag anzeigen
    Man kann niemanden zwingen, etwas gerne zu machen. (Außer vielleicht mit Gehirnwäsche.)
    Danke für das Stichwort, das bringt mein ungutes Gefühl dabei auf den Punkt.
    Ich nenne das aus der umgekehrten perspektive Selbstverleugnung.

    Zitat Zitat von Tigerente Beitrag anzeigen
    Was Dein Mann da verlangt, ist ein hehres Ideal.
    Ja, und ich glaube, das fühlen die Kinder auch. Daher ist ihnen glaube ich die klare Regelung lieber. Da gibt es keinen Raum für Vorwürfe oder nicht erfüllbare Erwartugen, sondern einfach klare Anweisungen.

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