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  1. Avatar von LolloBionda
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    AW: Zurückstellen?

    Guten Morgen!

    Ich arbeite mich durch, während die Familie schläft, vielen Dank für die Beiträge, ich hoffe, ich übersehe jetzt nichts.

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Wie sieht der Junge das selbst? Und hat er Freunde, die mit ihm eingeschult werden, dieses oder nächstes Jahr?

    […]
    Hast du die Möglichkeit, mit der potentiellen Lehrerin zu sprechen?
    (gekürzt von mir)

    Er selbst ist ambivalent.
    Die Großeltern () haben ihm den Floh ins Ohr gesetzt, er ist ja groß, geht bald in die Schule usw. Sie sind leistungsorientiert und eine späte Einschulung würe für sie irgendwie ein Makel. Wir haben uns da bewusst zurückgehalten und ihm gesagt, dass wir noch nicht wissen, ob er Schulkind wird.
    Teilweise will er gerne in die Schule, teilweise will er lieber im Kiga bleiben.
    Seine engeren Freunde sind anderen Grundschulen zugeteilt.

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Noch was: Mein Sohn lispelt (immer noch, trotz Logopädie...), er ist jetzt in der zweiten Klasse. Noch nie hat ihn ein anderes Kind darauf angesprochen. Sowas merken immer nur Erwachsene - oder Kinder, die von Erwachsenen darauf aufmerksam gemacht worden sind.
    Die Beobachtung habe ich auch gemacht, sowas kommt (wie so viele andere "Gründe" für Ausgrenzung) von den Erwachsenen.
    Allerdings halte ich die Fälle nicht ganz vergleichbar, Lispeln ist kein Kommunikationshindernis und es verlangt vom Gegenüber eigentlich nichts, außer nicht drauf hinzuweisen. Stottern ist für alle Beteiligten eine Nerven- und Geduldsprobe und mein Sohn ist, um die Aufmerksamkeit des Gegenübers zu halten, laut. Also man muss dastehen und möglichst ohne mit den Augen zu rollen oder ihm ins Wort zu fallen zuhören, wie er laut 15 Mal die gleiche Silbe ansetzt. Und beim nächsten Wort gleich wieder. Das ist echt nicht einfach.

    Zitat Zitat von Daphnia Beitrag anzeigen
    Hallo bionda,
    wie grossgewachsen ist euer Sohn? Ist er noch sehr klein? Oder eher gross?

    Bei Rückstellung wird er über seine Klassenkameraden rausragen-das gefällt va den Introvertierten nicht so.
    (Eigene familiäre Erfahrung:" wer ist denn der grosse Junge da? Ist er Wiederholer?" Im Gegensatz dazu, riet der Kinderarzt bei einem wirklich sehr kleinen Mädchen zu Rückstellung mit Worten" da s Kind kann ja den Schulranzen noch nicht tragen" ).
    Einzelfälle!, Aber
    Introvertiertheit und geringen Frustrationstoleranz verschwinden in 1 Jahr nicht -diese Eigenschaften werden ihn begleiten.
    Schlimm für ein Kind ist Langeweile-im Kiga und Grundschule.Was machen seine besten Freunde?

    Das wären meine Überlegungen.

    […]
    (Und deine Töchter werden sich eh leichter tun als Mädchen und nicht Erstgeborene).

    […]
    Geht er in einen Sportverein (fussball, minihandball)-wie kommt er da mit anderen Kindern und evt Misserfolgen zurecht?
    Ich wünsche dir eine gute Entscheidung. Daphnia
    (gekürzt von mir)
    Danke!
    Er ist größenmäßig etwas über dem Durchschnitt, lag bei der letzten U auf der 75. Perzentile. Also nicht riesig. Derzeit ist er ca. einen halben Kopf kleiner als viele seiner Gruppenkameraden im Kiga.
    Wenn er allerdings nach den Jungs in der Familie seines Vaters kommt, wird er spät in die pubertäre Entwicklung starten.

    Sein bester Freund ist ebenfalls ein Wackelkandidat, 4 Wochen älter, körperlich klein, viel krank. Allerdings haben dessen Eltern offenbar nicht diese durchwachsene Rückmeldung von den Erziehern und der Kooperationslehrerin bekommen. Er gehört auch zu einem anderen Schulsprengel, also sie würden wohl ohnehin nicht in der gleichen Schule landen, leider.

    Die Mädchen sind tatsächlich von anderer Konstitution, selbstbewusster und resilienter. OK, zumindest die Mittlere, beim Baby kann man das wohl noch nicht so sagen.

    Er geht zum Handball. Das ist eher wie ein "Sportgarten", also mit Stationen zum Klettern, Springen, Balancieren... und irgendwann wird auch immer mal ein Ball geworfen.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Als Selbstbewusstsein aufbauende Freizeitaktivität kann ich das Jugendrotkreuz sehr empfehlen.
    (gekürzt von mir)

    Darüber habe ich auch nachgedacht.

    Zitat Zitat von Uni-Corn Beitrag anzeigen
    Daher wäre mein Bauchgefühlrat, noch ein Kitajahr, zusammen mit einer interessanten Sportart oder einem anderen Hobby (Instrument lernen?), es sei denn, er WILL unbedingt mit seinen besten Freunden in die Schule.
    (gekürzt von mir)
    Das ist derzeit unser Plan, er interessiert sich für japanischen Kampfsport (Ninjas ), das ist ja in Sachen Körpergefühl, Disziplin und wechselseitigem Respekt auch nicht schlecht (zumindest war das früher so, mein Bruder hat das gemacht). Und ein Instrument, ja. Er will Schlagzeug lernen, ich überlege, ob man mit "Klavier ist auch ein Schlaginstrument" vielleicht eine nervenschonendere Alternative hinkriegt.

    LolloBionda

  2. Avatar von LolloBionda
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    AW: Zurückstellen?

    Thema Waldorfpädagogik:

    Ich bin Reformpädagogik allgemein nicht abgeneigt, allerdings habe ich größere Probleme mit der steinerschen Ideologie und mit der Anthroposophie. Die örtliche Waldorfschule befindet sich im Aufbau, geht aktuell bis Klasse 6 und soll Jahr für Jahr bis zum 12. (oder 13.?) Schuljahr wachsen.
    Das heißt, da sind engagierte und ideologisch sattelfeste Eltern am Werk. (Ich kenne auch zwei Familien.) Für Kinder im Grundschulalter ist das vielleicht gut, typabhängig auch für Ältere. Offen gestanden bin ich nur als allerletzte Möglichkeit bereit, mich da einzubringen (das wird ja verlangt) und mit diesen Ideologien, Meinungen und, ja, auch Leuten intensiver auseinanderzusetzen. Da müsste ich zu oft in die Tischplatte beißen.

    Ich kenne auch ehemalige Waldorfschüler, die auch ihren Weg gemacht haben usw., allerdings sehen diese ihre Schulzeit ebenfalls kritisch.

    LolloBionda

  3. Avatar von LolloBionda
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    AW: Zurückstellen?

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Das sind wichtige Fragen zum Thema.

    Ich persönlich tendiere aufgrund der gesamten „Problematik“ eher zum zurückstellen. Da es scheinbar keine anderen sinnvollen Alternativen gibt.
    Wenn das Stottern jetzt behandelt werden soll, dann wird das Zeit und auch Kraft für Entwicklung brauchen. Dies gelingt ggfs. Besser in einer bekannten Umgebung als in einer neuen Umgebung mit nicht nur neuen Anforderungen auf der kognitiven Ebene, sondern auch auf der sozialen und Regulationsebene.
    Hinzukommt, dass Stottern eine neurologische Ursache hat und diese kann Einfluss auf den Leseerwerb haben.

    Das könnte im letzten Kindergartenjahr gut behandelt werden.

    Aufgrund der motorischen „Problematik“ - auch hier ein Symptom, das möglicherweise neurologisch mit dem Stottern korreliert - wäre Psychomotorik zu empfehlen. Dies ist ein Verfahren, das nicht nur die Motorik, sondern auch das Selbstbewusstsein und die Wahrnehmung fördert.
    Das ist interessant, hättest du einen Literaturhinweis für mich zur Korrelation von Sprache und Motorik?
    Psychomotorik kenne ich nur für ganz kleine Kinder (meine mittlere Tochter sollte da auf Betreiben einer Erzieherin mal gefördert werden, bei ihr war es aber nicht mangelndes Selbstbewusstsein, das sie Gruppenaktivitäten verweigern ließ, sondern im Gegenteil ihr ausgeprägter Dickkopf...), da könnte ich mich mal schlau machen.
    Er nimmt im Kiga an einem wöchentlichen Angebot "SBS" teil, Singen - Bewegen - Sprechen. Naja, teilnehmen... Oft hält er sich wohl raus, singt nicht mit, macht nicht mit, kriegt aber alles mit. Also zuhause singt er dann die Lieder.
    In der Musikstunden (Mus. Früherziehung) nachmittags läuft es besser, die Lehrerin ist - soweit ich das von außen beurteilen kann - geradliniger was ihre Ansagen betrifft und fordert die Kinder konkret auf, XY zu tun.

    Zitat Zitat von Tigerente Beitrag anzeigen
    Du beschreibst hier meinen jüngeren Sohn. Wobei gerade das, was Du im letzten Abschnitt beschreibst, sich bei uns tatsächlich erst so richtig im Laufe der Schulzeit herausgebildet hat. Er war am Ende ein echtes Mobbing-Opfer, das sicher entstand daraus, dass es in der Klasse Kinder mit Anlagen zum Mobbing-Täter gab und er das perfekte Opfer war und sich das dann hochgeschaukelt hat.

    Aber: ich glaube, nichts davon wäre durch eine spätere Einschulung anders gewesen.

    Was es geändert hätte: wenn wir die Baustellen schon im Kindergarten erkannt und im letzten Kindergartenjahr dran gearbeitet hätten, und wenn wir in der Schule um diese Baustellen gewusst hätten und von Anfang an ein Auge drauf gehabt hätten, wie es im sozialen Bereich läuft.

    Allerdings: ich kenne fast niemanden, der das Zurückstellen bereut hätte. Gerade Jungen hinken beim Sozialverhalten, Arbeitsverhalten etc. oft noch hinterher, und den meisten tut das Jahr trotzdem gut.
    Ich kenne einen Fall (Kann-Kind), wo auf Betreiben der Erzieherinnen zurückgestellt wurd, am Ende hat das Kind dann in der Grundschule eine Klasse übersprungen.
    Eine Freundin, Grundschullehrerin, zitierte immer den Direktor der Schule, wo sie Referendariat gemacht hatte, mit den Worten "es ist noch kein Kind zu spät eingeschult worden, aber viele zu früh".

    Fazit: ich weiß aus der Ferne auch nicht, was ich Dir raten soll. Außer: egal was Ihr macht, arbeitet (möglichst auch mit professioneller Hilfe) an den sozial-emotionalen Baustellen.
    Das ist ja blöd mit dem Mobbing. Ich hoffe, er konnte an der weiterführenden Schule gut neu anfangen!
    Was du zum Erkennen der Baustellen schreibst: Wir sind ein bisschen überrumpelt bzw. erstaunt, dass uns das alles erst jetzt mitgeteilt wurde. Die Entwicklungsgespräche waren durchweg sehr positiv, "dies macht er nicht gern, aber das ist kein Problem, alles im Rahmen, das kann er noch nicht, aber das gibt sich..." - und plötzlich sind das handfeste Probleme. Man hätte ja ansonsten auch früher ansetzen können.
    Möglicherweise ist das der Einfluss bzw. die Einschätzung der Kooperationslehrerin.

    Wir kennen uns aus beruflichen Gründen besser mit dem anderen Ende der Schullaufbahn aus (Lehrer/Unidozent). Den 17-Jährigen Abiturienten fehlt tatsächlich ein Jahr Reife, ein Jahr, in dem die Pubertät weiter abgeschlossen ist. Das bezieht sich nicht nur aufs Verhalten, sondern auch aufs Denken, auf das Erfassen von Komplexitäten usw. Diesbezüglich tut man früher eingeschulten Kindern m.E. keinen Gefallen.

    Zitat Zitat von Anni04 Beitrag anzeigen
    Ich kann deine Gedanken schon nachvollziehen, aber die Liste oben finde ich etwas schwierig.

    Mein Sohn erfüllt auch mit 7 Jahren und in der 2. klasse nur einige dieser Anforderungen (und besonders vom ersten Teil der Liste kenne ich viele Erwachsene, bei denen ich kaum etwas ankreuzen könnte ....).

    Ich finde die Frage wichtig, wie wahrscheinlich es ist, daß ein weiteres Jahr in der Kita diese Sachen verändert.

    Wir haben auch aus sozialen/emotionalen Gründen eine Zurückstellung in Erwägung gezogen und ja, er hat da weiterhin Defizite. Andererseits ist er auch ohne Zurückstellung in einigen Bereichen dem Unterrichtsstoff mind. 1-2 Jahre voraus.
    Das schaffen manche Lehrer aufzufangen, aber viele nicht. Diese Problematik wäre bei Zurückstellung deutlich verstärkt gewesen. (Und ist auch jetzt schon extrem mühsam, um ehrlich zu sein)
    Ja, die Liste ist auch für Erwachsene in vielen Fällen noch voll hehrer Ziele, das schien mir auch so.

    Vieles sind charakterliche Eigenschaften bzw. Persönlichkeitsmerkmale, das geht nicht weg, das ist uns schon klar. Und im Kindergarten (mit dem wir als Einrichtung eigentlich voll zufrieden sind) wird sicherlich nicht plötzlich ganz anders, viel gezielter und individueller gefördert werden (können) als bisher, also diesbezüglich ändert sich in dem Jahr nichts.
    Was wir hoffen, ist, dass er in dem Jahr ohne den schulischen Druck und Stress Gelegenheit hat, entsprechend begleitet daran zu arbeiten und zu lernen, mit diesen Charaktereigenschaften umzugehen.
    Naja, und Logopädie, natürlich.

    Jemand schrieb oben von "üben lernen" bzw. "lernen lernen". Das finde ich gut ausgedrückt und das versuchen wir. Bisher kommt da oft noch ein abwehrendes "ich habe doch Talent dafür, das kann ich alles schon, da muss ich nicht üben" und da setzen wir an, dass er noch besser bzw. richtig gut werden kann und dass Üben idealerweise auch Spaß machen kann.
    Bisher ist das nämlich ein übles Schimpfwort, "üben"...

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    Gibt es in eurer Gegend eine Sprachförderschule/Sprachförderklasse an einer Grundschule?

    Da hat er normalen Lehrplan, kleine Klasse, zumindest in der hiesigen Gegend dauerhaft einen Sonderpädagogen zusätzlich dauerhaft mit im Unterricht.

    Ein Wechsel auf die Regel Grundschule ist später problemlos möglich.

    Ich plädiere (haben wir bei Kind 2 auch so gemacht) bei Sprach Problemen eher für Rückstellung.
    Sprache an sich ist nicht das Problem. Er ist sprachlich topfit, Wortschatz, Satzbau, Komplexität - alles da. Ich bin mir nicht sicher, ob eine Sprachheilschule bei Stottern die richtige Lösung ist.

    Zitat Zitat von Anni04 Beitrag anzeigen
    Ich will gerade Sprachprobleme nicht kleinreden (habe früher stark gelispelt und gestottert - letzteres manchmal immer noch minimal) und bin dazu selber als Kann-Kind sehr früh eingeschult worden. (Das war dann in der Oberschule auf sozialer Ebene extrem blöd für mich - ich war die Jüngste und ein kleiner Spätzünder... Take That war mir ja so etwas von egal... 🙄😬😅)

    Aber Tigerentes Punkt () finde ich trotzdem wichtig:



    Es steht ja auch nirgendwo geschrieben, dass man nicht auch neben der Schule die Baustellen weiter angehen kann.
    (Mein Knilch ist auch in therapeutischer Behandlung)

    Ich sehe nur die Situation bei uns, in der das Kind trotz objektiv sehr hoher Begabung in Mathematik zB (er wurde im Rahmen seiner Diagnostik und seinem I-Status einmal komplett durchgetestet) aus Langeweile und Frust sich im Unterricht teils verweigert und sagt, er hasse Mathe etc. Dann geht er in den Förderunterricht, um Arbeitsblätter fertigzustellen (die ihn inhaltlich nicht mal ansatzweise herausfordern) und glaubt danach, er wäre “schlecht” in Mathe.
    Seine Begeisterung und seine Neugierde und die aufgeregten Fragen und Unterhaltungen zu negativen Zahlen und Malrechnen, die wir im Kiga noch hatten, sind ihm auch ohne Zurückstellung komplett vergangen.

    Ich vermute bei einer Zurückstellung, hätten wir das Problem jetzt auch zB in anderen Fächern , wo er jetzt “nur” auf einem höheren Stand als die anderen ist, aber trotzdem noch aufgefangen werden kann.
    Dieses Frust-Aushalten, das ist was Wichtiges.
    An anderer Stelle war das kürzlich Thema: Von überdurchschnittlich begabten Mädchen erwartet man, dass sie sich anpassen, nicht stören, mitmachen, sich zurücknehmen und ggf. den Mitschülern helfen. Das klappt auch (ich war selbst so ein Mädchen.) Von überdurchschnittlich begabten Jungs erwartet man, dass sie den Laden aufmischen.
    Also ich will euch überhaupt nicht kritisieren oder so, es ist nur eine allgemeine Beobachtung, die ich auch bei mir mache. Und es wäre eben ein Ziel, einen Jungen zu erziehen, der trotz dieser Voraussetzungen gut mitmachen kann. Nicht einfach.


    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Vielleicht noch eine Ergänzung (nachdem ich heute morgen im Kindergarten ein Gespräch hatte...): für Kindergärten ist es einfacher, homogene Gruppen zu haben. Also ist es völlig logisch und aus Sicht der Kindergärten erstrebenswert, Kinder nicht zurück zu stellen, damit es keine gelangweilten Querschläger gibt.
    Andersrum ist es für Lehrer tendenziell einfacher, etwas reifere Kinder in der Klasse zu haben. Darum werden sie tendenziell pro Rückstellung sein.

    Das ist gar nicht böse gemeint - man sollte es einfach im Hinterkopf behalten.
    Oh ja, das sehen wir auch so.
    Nicht zuletzt weil durch den nach vorn wandernden Stichtag ohnehin plötzlich mehr Kinder im Kiga sind.

    Zitat Zitat von Daphnia Beitrag anzeigen
    Vielleicht könnte sich jmd äussern, der zb in UK oder Spanien (alemanita?) Grundschulkinder hat?
    Dort wird doch früher eingeschult. Wie sind da die Erfahrungen, vor allem bei Buben?
    Daphnia
    Danke, danke auch für die Erfahrungan aus anderen Schulsystemen, aber ich denke, die Vergleichbarkeit ist da - wie auch angemerkt - nicht unbedingt gegeben.

    LolloBionda

  4. Avatar von LolloBionda
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    AW: Zurückstellen?

    Zitat Zitat von Victoria3000 Beitrag anzeigen
    Ich lebe in einem Land mit früherem Einschulalter (ab 4 3/4 kann, im Jahr, in dem das Kind 6 wird, muss - eigentlich - eingeschult werden. )

    Mein Sohn wurde nach langem Nachdenken ob oder ob nicht mit knapp unter 5 eingeschult. Allerdings, und das wussten wir leider nicht, haben die meisten Eltern hier ihre Kinder (vor allem Jungs) zurückgehalten. Er hatte einen einzigen Mitschüler im selben Alter (der hat gleich das erste Jahr wiederholt) alle anderen Jungs waren älter (bis zu 18 Monate Unterschied). Nach 1.5 Jahren voller Probleme (sozial / emotional, nicht kognitiv) mit Schülern und Lehrern bekam er eine Diagnose (ASD), insofern ist unser Fall nicht unbedingt vergleichbar, aber alleine die Tatsache, dass die meisten Kinder deutlich älter und reifer waren als er (und seine unerfahrene Lehrerin das selbe Verhalten auch von ihm erwartet hat) hat uns ohne Ende Probleme gemacht. Und ihm gleich einen “Ruf” verpasst, und zwar bei Lehrern, Mitschülern und Eltern.
    Das ist natürlich ärgerlich, dass offenbar bekannt war, dass man die Kinder nicht so früh in die Schule gibt, wie sie 'dürfen' und dass ihr als Außenstehende das nicht wusstet.
    Diagnosen wären hier, rein von einer möglichen genetischen Disposition her, auch noch möglich. Er ist "vorbelastet" was ADHS, Hochbegabung und Depressionen angeht.
    Besonders die im Zusammenhang mit der Stichtag-Diskussion oft zitierte Statistik, dass die jüngsten Kinder eines Jahrgangs ein höheres Risiko haben, an Depressionen zu erkranken, hängt mir nach. Keine Ahnung, wie gut die Studie ist und wie sehr man das glauben darf, aber das zusätzliche Risiko braucht er eigentlich nicht.
    Alles Gute euch!

    Zitat Zitat von Admaro Beitrag anzeigen
    Ich bin dafür, dass Jungs grundsätzlich erst mit 7 eingeschult werden, weil sie dann die emotionale Reife dafür haben. Als junge Mutter war ich davon überzeugt, dass meinem Kind Bildung entzogen wird, wenn ich es nicht einschulen lasse. Er war nämlich pfiffig, redegewandt und hatte einen überdurchschnittlich hohen IQ. Im Kindergarten "verblödet" er ja.

    Heute bin ich schlauer und natürlich - das kommt mit dem Alter wohl - gelassener. Bildung bekommt jedes Kind. Was macht da bitte ein Jahr aus, was bedeuten "Ehrenrunden" in der Schule. Im Kontext eines Lebens - nichts.

    Mein Sohn hat sich gut durch´s Leben geschlagen, er ist jetzt 24, jedoch finde ich, dass dies eine Jahr mehr im Kindergarten und auch eine andere Schulart die ein oder andere Situation gar nicht erst hat aufschlagen lassen. Auch was die Wahl der Schule nach dem Übertritt betrifft, ist nichts in Stein gemeißelt. Andere Bildungswege stehen auch danach noch offen.

    Es ist auch abhängig vom Engagement der Eltern. Die Schule kann einem da nur bedingt helfen. (So mein Fazit)

    Mein Sohn hatte mit Auswendiglernen leider immer Probleme, sofern es Dinge betraf, die ihn 0 interessiert haben. Er hatte z. B. in Latein durchweg 4 - 6, hat aber am politischen Zirkel der Schule teilgenommen und war dort für diese auch unterwegs und war Schulsprecher. Niemand sprach ihm, was seine Intelligenz betrifft, das Abitur ab und doch hat er es nicht erreicht.

    Nach der 2. Ehrenrunde musste er die Schule verlassen, da war er 16. Wir vereinbarten, dass er ein Jahr Sozialdienst im Krankenhaus macht, um einfach mal runterzukommen, und danach schauen wir weiter. Es hat ihn unheimlich gut getan.

    Er hat währenddessen extern seinen Quali nachgeholt und dann ging er nochmal ein Jahr auf die Schule, um die mittlere Reife zu erlangen. Auch das gelang. Auch hier haben die Schulen anfägnlich gemauert, weil sie ihn nicht wieder aufnehmen wollten. Erst durch Einbeziehung des Schulamts haben sie sich fast um ihn gerissen. Verrückt.

    Heute macht er eine Ausbildung zum Polizisten und kein Mensch kräht nach seiner anstrengenden schulischen Laufbahn.

    Ich bin jedoch davon überzeugt, wäre er mit 7 eingeschult und auf eine Walddorfschule gegangen, hätte einiges anders verlaufen können.

    Fazit für dich, liebe TE: höre auf deinen Bauch, schau dir dein Kind an. Er verpasst nichts, wenn er noch ein Jahr im Kindergarten bleiben kann und dort seine kindliche, unbeschwerte Seite ausleben kann. Schule ist kein Pappenstil. Gerade Kinder mit einer hochsensiblen Art und Intelligenz können sich an einer herkömmlichen Schule mit ihrer stereotypischen Art der Wissensvermittlung schwer tun.

    Übrigens haben meine Töchter auf der Schule, beide mit 6 eingeschult, überhaupt keine Probleme gehabt. Mädchen sind wohl da etwas angepasster.
    Danke!
    Ich bin Produkt dieses Leistungsgedankens und habe mir am Anfang sehr schwer getan mit dem Gedanken einer Rückstellung. Aber man lernt ja und ich lerne, die emotionale und soziale Seite für so wichtig zu nehmen, wie sie ist (statt sie einfach abzutun) und ich sehe es jetzt ganz ähnlich wie du.
    Und ich bin sehr froh, dass sich bei den Mädchen die Frage wohl ohnehin nicht stellen wird, sie sind im Dezember und im Januar geboren.

    Zitat Zitat von Stina Beitrag anzeigen
    Ich würde mir die Förderklasse mal genauer ansehen. Ich gebe zu - ich hätte da bis letztes Jahr eher Vorbehalte dagegen gehabt, kenne aber inzwischen mehrere Eltern aus dem Ort, die ihre Kinder ein Jahr dort hatten (wie bei Euch ist das dann eine Schule im Nachbarort und nicht die Grundschule vor Ort) und die waren alle sehr begeistert und die Kinder haben extrem profitiert und waren sehr gerne da.
    Das waren ebenfalls alles Kinder, die nah am Stichtag waren und die keine riesigen Defizite hatten, sondern wo es ein Abwägen war und das Bauchgefühl für eine Einschulung noch nicht so ganz gepasst hat. Im Kindergarten bleiben geht bei uns gar nicht, also gibt es nur die Alternativen Förderklasse oder Einschulen.

    Vor diesen Berichten hatte ich ein anderes, vermutlich falsches und auch vorurteilsbehaftetes Bild von den Förderklassen. Inzwischen sehe ich das anders und würde mir das gemeinsam mit dem Kind mal ansehen.
    In die Überlegung würde ich auch einbeziehen, dass in unserem Bundesland der Stichtag ja gerade rutscht, d.h. wenn Dein Sohn dieses Jahr am Stichtag Geburtstag hat, wäre er bereits im nächsten Jahr schon kein Muss-Kind mehr.
    Danke, das werde ich machen. Diese Woche ist Elternabend in der Grundschule mit der Förderklasse, nächste Woche in unserer Grundschule. In letzterer kann ich dann auch mit der Rektorin und der Kooperationslehrerin, die unseren Sohn schon kennt, sprechen.

    Zitat Zitat von Wolkenschaf3 Beitrag anzeigen
    Mal ein Gedankenspiel.
    Wenn er einen Tag jünger wäre hätte Käme er ein Jahr später zur Schule.
    Wärst du dann aktiv geworden um ihn früher einzuschulen?
    Excellent point. Natürlich nicht, beim aktuellen Stand der Dinge. Es geht um 23 Stunden, die er "zu früh" geboren wurde und die ihn jetzt zum Pflichtkind machen.

    Zitat Zitat von Jenufa Beitrag anzeigen
    Schwierig. Vieles klingt wie mein Sohn, ok, kein Stottern, keine motorische "Schwäche", aber von den von Dir zitierten sozialen Kompetenzen hat er fast keine. Also z.B. kann man mit ihm nicht Fußball spielen (selbst wenn er 6:2 "gewinnt"), er hat immer Recht, ist an nichts Schuld und prahl gerne, dass er der beste ist. Zu Geburtstagen wurde er kaum eingeladen.

    Aber: er war den (reichlich vorhandenen) Gleichaltrigen kognitiv überlegen. Eine Erzieherin meinte mal "mit wem (außer dem besten Freund, mit dem es krieselte) soll er denn auch reden?". Und er ließ es sie wissen, was ihn nicht gerade beliebter machte.

    Jetzt ist er in der Schule und im Augenblick läuft es super. Er darf schlau sein und wird dafür zumindest von manchen bewundert.

    Im Kindergarten war das letzte halbe Jahr ein Krampf. Aus lauter Langeweile hat er mit seinem besten Freund die Gruppe aufgemischt, sie haben sich "Streiche" ausgedacht, die herausfordernd für die gesamte Erzieherschaft und die Eltern waren. Zurückstellen hätte das vermutlich eher verstärkt.

    Er säße da jetzt mit den Dreijährigen, das würde ihn vielleicht zum Erzieher machen, aber sozial nicht weiterhelfen. Und: viel gesagt nach 3 Monaten, aber bei uns ist Schule super. Endlich hat er die Auswahl unter sehr vielen Gleichaltrigen und im Hort Älteren, er wird von manchen für sein Wissen bewundert und er war zu fast mehr Geburtstagen eingeladen als im Kindergarten. Das ist sicher auch Glückssache mit der Klasse.

    Und da ich selber so bin: z.B. sich immer so schnell fürchterlich im Unrecht zu fühlen ist ein Wesenszug. Ich war sicher, dass meine Kinder da nicht so drunter leiden würden. Aber mein Sohn ist da genau so wie ich. Entweder mache ich es also so schlecht wie meine Eltern, oder es ist einfach in uns und wir werden es nie ganz los (vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen). Ich wage nur zu bezweifeln, dass mehr Kindergarten etwas daran geändert hätte..
    Im Kindergarten ist unser Sohn eher angepasst und allenfalls ein Mitläufer. Zuhause dagegen... Sagen wir mal so: Es wird nicht langweilig.

    Oh, jetzt regt sich was.

    LolloBionda

  5. Avatar von Anni04
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    AW: Zurückstellen?

    Zitat Zitat von LolloBionda Beitrag anzeigen
    Von überdurchschnittlich begabten Mädchen erwartet man, dass sie sich anpassen, nicht stören, mitmachen, sich zurücknehmen und ggf. den Mitschülern helfen. Das klappt auch (ich war selbst so ein Mädchen.) Von überdurchschnittlich begabten Jungs erwartet man, dass sie den Laden aufmischen.
    Also ich will euch überhaupt nicht kritisieren oder so, es ist nur eine allgemeine Beobachtung, die ich auch bei mir mache. Und es wäre eben ein Ziel, einen Jungen zu erziehen, der trotz dieser Voraussetzungen gut mitmachen kann.
    Wie meinst du, dass man erwartet, dass sie “den Laden aufmischen”? (Also dass sie im Unterricht stören?)
    Kannst du das näher erklären?

    Es ist richtig, dass es schön wäre, ein Kind zu haben, das trotzdem gut mitmacht.
    Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich nicht überzeugt bin, dass “Erziehung” bzw. ein Jahr mehr Lebenserfahrung allein die Frustrationstoleranz so weit erhöhen, dass das auf einmal klappt!
    (Insbesondere wenn dann der intellektuelle Abstand zwischen dem Kind und den anderen Mitschülern noch größer ist und die Motivation mitzumachen noch mehr fehlt, da der Unterrichtsstoff noch uninteressanter ist)




    Vielleicht habe ich es überlesen, aber ist dein Sohn schon in logopädischer Behandlung?
    Wenn nicht wäre eine Beratung bei einem Logopäden zu dem Thema Zurückstellung und Therapiemöglichkeiten Bzw Sprachheilschule/-klasse vielleicht trotzdem möglich?

    Bei uns werden stotternde Kinder (auch wenn sie sonst sprachlich theoretisch sehr gut sind) durchaus in Sprachheilklassen aufgenommen.
    Wenn ihr da eine Schule/Klasse in Reichweite habt, könnte man auch dort vielleicht um ein Gespräch bitten?

  6. Moderation Avatar von Stina
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    AW: Zurückstellen?

    Das mit den Jungs und Mädchen kann ich ehrlich gesagt auch nicht ganz nachvollziehen - wobei ich schon auch die Beobachung mache, dass vor allem andere Jungs-Mütter oft die Meinung vertreten, dass es bei Jungs ok ist, wenn sie mal die Regeln brechen, sich schlägern und wild sind, während das bei Mädchen automatisch keinThema sei.
    Da komme ich immer nicht so ganz mit - ich erwarte von meinem Sohn dasselbe, wie von meiner Tochter, nämlich, dass er sich im Großen und Ganzen an Regeln hält und sich sozial verhält (ich erwarte keine Musterkinder, klar sollen sie auch mal was aushecken, aber ich habe bei Jungs nicht mehr Verständnis für körperliche Gewalt als bei Mädchen und bei Mädchen nicht mehr Verständnis für fiese Sticheleiem).

    Allerdings nehme ich diese gesamte Thematik völlig unabhängig von früher oder später Einschulung wahr, bestenfalls in dem Sinn, dass für Jungs oft schnell ein Grund gefunden wird, wieso sie gerne mal körperlich oder verbal aggressiv auftreten (unterfordert, überfordert, zu wenig Bewegungsmöglichkeiten, zu weibliche Bezugspersonen). Daher wäre das für mich kein Aspekt, der für eine frühe oder späte Einschulung eine Rolle spielen würde, sondern etwas übergeordnetes.
    12 26. We are Family.

    Moderation in Erziehung & Freundschaft

  7. Avatar von Anni04
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    AW: Zurückstellen?

    Stina

    Kurz zum Verständnis: mein Knilch mischt den Laden übrigens (trotz u.A. ADHS) in keiner Weise auf.
    Er stöhnt und sagt, er hat keine Lust und zeichnet dann liebevollste Ninja-Bilder auf dem 25. Arbeitsblatt zum gleichen Thema (das er schon seit über einem Jahr beherrscht).


    Zitat Zitat von LolloBionda Beitrag anzeigen
    Ich bin Produkt dieses Leistungsgedankens und habe mir am Anfang sehr schwer getan mit dem Gedanken einer Rückstellung. Aber man lernt ja und ich lerne, die emotionale und soziale Seite für so wichtig zu nehmen, wie sie ist (statt sie einfach abzutun) und ich sehe es jetzt ganz ähnlich wie du.
    Ich nehme das emotionale und soziale sehr ernst (bei uns ist das u.A. neben der fehlenden Frustrationstoleranz vor allem die komplett fehlende Konzentration in Dingen, die ihn nicht interessieren, und eine wahnsinnige Vergesslichkeit/Unfähigkeit sich selbst zu organisieren), aber das sind nun mal Baustellen, die uns trotz Therapie und Integrationsstatus und Förderung etc seit Jahren begleiten.

    Mehr als dran bleiben können wir da nicht (aber die Motivation ist für ihn bei einem halbwegs interessanten Unterricht natürlich weit höher).



    Ich persönlich sehe bei euch gerade im sozialen/emotionalen Bereich auch viele Vorteile in einer altershomogeneren Gruppe. Wenn dann noch die zusätzlichen Angebote/Möglichkeiten einer Förderklassen/Sprachheilklasse dazukommen klingt das natürlich noch besser!

  8. Avatar von LolloBionda
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    AW: Zurückstellen?

    Hallo,

    Ja, genau das meine ich, was Stina anspricht: dass es eine verbreitete gesellschaftliche Erwartung gibt, der zufolge Mädchen brav und nett sein sollen und Jungs wild sein dürfen. Ebenso erwartet man von Mädchen, dass sie mit allen Implikationen einer überdurchschnittlichen Begabung in der Schule sozialkompatibel zurecht kommen, wohingegen man bei Jungs eher annimmt, dass sie als Reaktion darauf stören oder anderweitig schwierig zu integrieren sind. Das meine ich losgelöst vom Einzelfall.

    Ich habe nicht vor, (bzw. gehe nicht davon aus, dass das möglich sei), meinen Kindern irgendwas ab- oder abzuerziehen, sondern es geht mir darum, ihnen zu ermöglichen, mit ihren Wesenszügen sowie mit mit ihrer Umwelt gut und gesund umzugehen. Längerfristiger Prozess.


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    AW: Zurückstellen?

    Zitat Zitat von LolloBionda Beitrag anzeigen

    Im Kindergarten ist unser Sohn eher angepasst und allenfalls ein Mitläufer. Zuhause dagegen... Sagen wir mal so: Es wird nicht langweilig.
    Meiner war auch angepasst, bis er knapp 6 war, das ging da wirklich erst los mit den Randalen (vorher fiel er nur auf, wenn er sich ungerecht behandelt/angegriffen fühlte). Wobei man sagen muss, dass da auch einiges der "schlechte Einfluss" des besten Freundes war - der macht jetzt in der Schule so weiter, während bei meinem Sohn bisher keiner in der Schule und im Hort nachvollziehen kann, dass wir ihn für "eher wild" halten. Es war aber durchaus das Zusammenspiel beider, super "Streiche" auszuhecken und ansonsten alles andere als Babykram zu boykottieren.

    Ich gebe zu, ich bin immer heilfroh mit diesem Märzkind mir die Frage über "kann" oder "muss" nie stellen zu müssen. Und als einmal die Frage kam, ob wir mal über früher Einschulen nachgedacht hätten, haben wir das immer völlig abgewiegelt, weil wir ihn weder für feinmotorisch noch für sozial dafür geeignet hielten.


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    AW: Zurückstellen?

    Zitat Zitat von LolloBionda Beitrag anzeigen
    Kognitiv ist er superfit, sprachlich auch, clever, aufmerksam, bringt sich rechnen und lesen bei, kann sich lange konzentrieren und fordert uns ziemlich mit seinem unbändigen Wissensdurst.
    ...
    In der Feinmotorik arbeiten wir an der Stifthaltung; seine Bilder sind nicht altersgemäß. ..., darüber hinaus die Neigung, zu detailreich zu zeichnen, also es wird unübersichtlich, wenn das Innenleben des U-Boots, die Mechanik und die Innenausstattung sowie der Vorgang einer Geschichte mit aufs Bild müssen...
    ...

    Die echten Baustellen liegen im sozialen und emotionalen Bereich.
    ...
    Beim Gespräch im Kiga war die Erzieherin erstaunlich deutlich: Ein weiteres Jahr Kindergarten würde sie nicht empfehlen.

    Bei meinem Sohn war es ähnlich.

    Da Du Stifthaltung und nicht altersgemäße, aber überaus detailreiche und komplexe Bilder erwähnst: wurde Dein Sohn irgendwann professionell auf seine Händigkeit getestet? Und damit meine ich nicht, zehn Minuten beim Kinderarzt, sondern ein umfangreicher (ca. 2h) Test z.B. in einem Linkshänderzentrum?

    Mein Sohn benutzte von Beginn an beide Hände, versuchte dann im Kindergarten, ohne Druck von außen, alles wie die anderen mit rechts zu tun. Damit scheiterte er jedoch. Stifthaltung, Schneiden mit der Schere, zeichnen - er war feinmotorisch schlechter als gleichaltrige Kinder.

    Er litt sehr stark darunter und entwickelte mit vier Jahren Verhaltensauffälligkeiten, aggressives Verhalten gegenüber anderen Kindern, Zerstören von Büchern etc.

    Der ärztlicherseits angeratene Test (leider nicht vom Kinderarzt, sondern erst vom Psychiater) zeigte dann eine ganz klare Linkshändigkeit - wie gesagt, vorher niemandem vom Fachpersonal in der Kita und beim Kinderarzt aufgefallen, da mein Sohn von sich aus versuchte, alles mit rechts zu tun!

    Durch die dann begleitete Umstellung auf links und eine Ergotherapie entspannte sich die Lage deutlich. Ich bin der Ärztin vom Linkshänderzentrum auch nach 20 Jahren noch sehr dankbar.

    Stottern kann übrigens auch verursacht werden durch Umschulung auf die falsche Hand, ob nun wie früher durch Druck von außen oder durch selbstgemachten Druck.

    Auch bei meinem Sohn war die Entscheidung bezüglich Einschulung sehr schwierig. Da ich selbst sehr früh eingeschult wurde und das nicht so gut fand, wollte ich das für meinen Sohn nicht.

    Der Kindergarten riet uns aber zu (wobei ich mir über deren Motivation da nicht wirklich im Klaren war), intellektuell war er reif.
    Emotional in meinen Augen allerdings nicht wirklich.
    Die Schuluntersuchung war jedoch auch okay und vor allem - mein Sohn wollte in die Schule.

    Er war ein paar Tage nach dem Stichtag geboren, es wäre also kein Problem gewesen, ihn nicht einzuschulen.
    Wir haben es dann trotzdem getan und letztenendes nicht bereut, obwohl die Grundschulzeit auch nicht einfach war.

    Es folgten in den nächsten zwei Jahren weitere umfangreiche Tests wegen Verhaltensauffälligkeiten.
    Am Ende war es bei ihm die Kombination von Hochbegabung und ADHS.
    In Zusammenarbeit mit Jugendamt (Sozialkompetenztraining für Kinder mit ADHS) und Schule/Klassenlehrer schafften wir es, dass mein Sohn sich gut entwickelte.

    Er machte Abitur, verdiente schon als Schüler Geld im kreativen Bereich, studiert inzwischen, lebt in einer selbstgegründeten WG und arbeitet weiter nebenbei in dem Bereich, der ihm seit Jahren Freude macht und in welchem er erfolgreich ist - das Zeichnen, welches ihm anfangs so schwer fiel, ist die Grundlage für alles geworden.

    Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen: Testen, Wege ausprobieren, Beobachten, Hilfen suchen (z.B. Sprachheilschule), das Kind in die Entscheidung mit einbeziehen.
    Falls Dein Sohn will, würde ich ihn einschulen.
    Geändert von Tasmania66 (19.01.2020 um 14:05 Uhr)

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