Das sind wichtige Fragen zum Thema.
Ich persönlich tendiere aufgrund der gesamten „Problematik“ eher zum zurückstellen. Da es scheinbar keine anderen sinnvollen Alternativen gibt.
Wenn das Stottern jetzt behandelt werden soll, dann wird das Zeit und auch Kraft für Entwicklung brauchen. Dies gelingt ggfs. Besser in einer bekannten Umgebung als in einer neuen Umgebung mit nicht nur neuen Anforderungen auf der kognitiven Ebene, sondern auch auf der sozialen und Regulationsebene.
Hinzukommt, dass Stottern eine neurologische Ursache hat und diese kann Einfluss auf den Leseerwerb haben.
Das könnte im letzten Kindergartenjahr gut behandelt werden.
Aufgrund der motorischen „Problematik“ - auch hier ein Symptom, das möglicherweise neurologisch mit dem Stottern korreliert - wäre Psychomotorik zu empfehlen. Dies ist ein Verfahren, das nicht nur die Motorik, sondern auch das Selbstbewusstsein und die Wahrnehmung fördert.
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Thema: Zurückstellen?
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17.01.2020, 07:53
AW: Zurückstellen?
Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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17.01.2020, 08:48Inaktiver User
AW: Zurückstellen?
Du beschreibst hier meinen jüngeren Sohn. Wobei gerade das, was Du im letzten Abschnitt beschreibst, sich bei uns tatsächlich erst so richtig im Laufe der Schulzeit herausgebildet hat. Er war am Ende ein echtes Mobbing-Opfer, das sicher entstand daraus, dass es in der Klasse Kinder mit Anlagen zum Mobbing-Täter gab und er das perfekte Opfer war und sich das dann hochgeschaukelt hat.
Aber: ich glaube, nichts davon wäre durch eine spätere Einschulung anders gewesen.
Was es geändert hätte: wenn wir die Baustellen schon im Kindergarten erkannt und im letzten Kindergartenjahr dran gearbeitet hätten, und wenn wir in der Schule um diese Baustellen gewusst hätten und von Anfang an ein Auge drauf gehabt hätten, wie es im sozialen Bereich läuft.
Allerdings: ich kenne fast niemanden, der das Zurückstellen bereut hätte. Gerade Jungen hinken beim Sozialverhalten, Arbeitsverhalten etc. oft noch hinterher, und den meisten tut das Jahr trotzdem gut.
Ich kenne einen Fall (Kann-Kind), wo auf Betreiben der Erzieherinnen zurückgestellt wurd, am Ende hat das Kind dann in der Grundschule eine Klasse übersprungen.
Eine Freundin, Grundschullehrerin, zitierte immer den Direktor der Schule, wo sie Referendariat gemacht hatte, mit den Worten "es ist noch kein Kind zu spät eingeschult worden, aber viele zu früh".
Fazit: ich weiß aus der Ferne auch nicht, was ich Dir raten soll. Außer: egal was Ihr macht, arbeitet (möglichst auch mit professioneller Hilfe) an den sozial-emotionalen Baustellen.
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17.01.2020, 08:54Inaktiver User
AW: Zurückstellen?
Ich kann deine Gedanken schon nachvollziehen, aber die Liste oben finde ich etwas schwierig.
Mein Sohn erfüllt auch mit 7 Jahren und in der 2. klasse nur einige dieser Anforderungen (und besonders vom ersten Teil der Liste kenne ich viele Erwachsene, bei denen ich kaum etwas ankreuzen könnte ....).
Ich finde die Frage wichtig, wie wahrscheinlich es ist, daß ein weiteres Jahr in der Kita diese Sachen verändert.
Wir haben auch aus sozialen/emotionalen Gründen eine Zurückstellung in Erwägung gezogen und ja, er hat da weiterhin Defizite. Andererseits ist er auch ohne Zurückstellung in einigen Bereichen dem Unterrichtsstoff mind. 1-2 Jahre voraus.
Das schaffen manche Lehrer aufzufangen, aber viele nicht. Diese Problematik wäre bei Zurückstellung deutlich verstärkt gewesen. (Und ist auch jetzt schon extrem mühsam, um ehrlich zu sein)
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17.01.2020, 08:58
AW: Zurückstellen?
Gibt es in eurer Gegend eine Sprachförderschule/Sprachförderklasse an einer Grundschule?
Da hat er normalen Lehrplan, kleine Klasse, zumindest in der hiesigen Gegend dauerhaft einen Sonderpädagogen zusätzlich dauerhaft mit im Unterricht.
Ein Wechsel auf die Regel Grundschule ist später problemlos möglich.
Ich plädiere (haben wir bei Kind 2 auch so gemacht) bei Sprach Problemen eher für Rückstellung.
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17.01.2020, 09:09Inaktiver User
AW: Zurückstellen?
Danke Anni, das hast Du schön gesagt, und ich möchte das nochmal aufgreifen.
Das mit den Erwachsenen sehe ich genauso
. Der einzige Unterschied ist, dass z. B. mein Sohn dann schnell laut wird und rumschreit, wenn er genau auf solche Situationen trifft - der Erwachsene macht das dezenter.
Das finde ich auch. Die Frage ist, ob nicht jetzt dieses halbe Jahr noch nutzen (privat, therapeutisch) schon genug bringt, wenn klar ist, wo die Baustellen sind. Das wird sie nicht beheben, aber Ihr seht schon, wohin die Reise geht. Die Erzieherinnen glauben ja auch nicht, dass ein weiteres Jahr in der Kita diese Sachen behebt - was auch schlicht heißen kann, dass sie keine Lust/Zeit haben, sich damit auseinanderzusetzen, und dann hilft das Jahr in der Kita ja auch nicht.
Das Gleiche (manche Lehrer können es auffangen, andere nicht) gilt auch für den sozial-emotionalen Part. Oder wie die Klassenzusammensetzung ist, das ist auch Roulette.
Was das Intellektuelle betrifft - meinem jüngeren Sohn macht erst jetzt, Klasse 5 Gymnasium die Schule Spaß, weil es endlich nicht mehr so langweilig ist und die Themen interessant. Ein Jahr Zurückstellung hätte die Langeweile nur um ein weiteres Jahr verlängert.
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17.01.2020, 10:22Inaktiver User
AW: Zurückstellen?
Ich will gerade Sprachprobleme nicht kleinreden (habe früher stark gelispelt und gestottert - letzteres manchmal immer noch minimal) und bin dazu selber als Kann-Kind sehr früh eingeschult worden. (Das war dann in der Oberschule auf sozialer Ebene extrem blöd für mich - ich war die Jüngste und ein kleiner Spätzünder... Take That war mir ja so etwas von egal... 🙄😬😅)
Aber Tigerentes Punkt (
) finde ich trotzdem wichtig:
Es steht ja auch nirgendwo geschrieben, dass man nicht auch neben der Schule die Baustellen weiter angehen kann.
(Mein Knilch ist auch in therapeutischer Behandlung)
Ich sehe nur die Situation bei uns, in der das Kind trotz objektiv sehr hoher Begabung in Mathematik zB (er wurde im Rahmen seiner Diagnostik und seinem I-Status einmal komplett durchgetestet) aus Langeweile und Frust sich im Unterricht teils verweigert und sagt, er hasse Mathe etc. Dann geht er in den Förderunterricht, um Arbeitsblätter fertigzustellen (die ihn inhaltlich nicht mal ansatzweise herausfordern) und glaubt danach, er wäre “schlecht” in Mathe.
Seine Begeisterung und seine Neugierde und die aufgeregten Fragen und Unterhaltungen zu negativen Zahlen und Malrechnen, die wir im Kiga noch hatten, sind ihm auch ohne Zurückstellung komplett vergangen.
Ich vermute bei einer Zurückstellung, hätten wir das Problem jetzt auch zB in anderen Fächern , wo er jetzt “nur” auf einem höheren Stand als die anderen ist, aber trotzdem noch aufgefangen werden kann.
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17.01.2020, 10:30Inaktiver User
AW: Zurückstellen?
Vielleicht noch eine Ergänzung (nachdem ich heute morgen im Kindergarten ein Gespräch hatte...): für Kindergärten ist es einfacher, homogene Gruppen zu haben. Also ist es völlig logisch und aus Sicht der Kindergärten erstrebenswert, Kinder nicht zurück zu stellen, damit es keine gelangweilten Querschläger gibt.
Andersrum ist es für Lehrer tendenziell einfacher, etwas reifere Kinder in der Klasse zu haben. Darum werden sie tendenziell pro Rückstellung sein.
Das ist gar nicht böse gemeint - man sollte es einfach im Hinterkopf behalten.
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17.01.2020, 10:51
AW: Zurückstellen?
Vielleicht könnte sich jmd äussern, der zb in UK oder Spanien (alemanita?) Grundschulkinder hat?
Dort wird doch früher eingeschult. Wie sind da die Erfahrungen, vor allem bei Buben?
Daphnia
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17.01.2020, 11:09
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17.01.2020, 11:23Inaktiver User
AW: Zurückstellen?
Zumindest im UK kann man die “reception” class (Alter 4-5 Jahre) nicht 1:1 auf die 1. Klasse in Deutschland übertragen.
Ja, es wird schon richtig viel Stoff gemacht und durchgenommen (besonders wenn man das mit der Vorschule in Deutschland vergleicht), aber trotzdem ist das Arbeitsklima noch etwas anders meiner Meinung nach.
(Wir haben die Einschulung in England durch einen Umzug knapp verpasst, aber noch viele Verbindungen und Kontakte)
Dazu sind Zurückstellungen quasi unbekannt und der Integrationsgedanke (bei dem die Kinder dann bei Bedarf Unterstützung- sei es im akademischen oder im emotionalen Bereich - bekommen) stärker ausgeprägt.



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