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  1. Avatar von allymcbeal31
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    Gemotze im Alltag

    Es ist manchmal wirklich schwer.

    Ich bemühe mich, freundlich und zugewandt zu bleiben und nach der Frage „Was würde die Liebe tun?“ zu fühlen und zu handeln - wenn dann aber vom Kind - ohne (für mich) nachvollziehbaren Grund - gebockt und gemotzt wird...

    Ganz aktuell gerade beim Anziehen & Losgehen in die Schule.
    Dann meckere ich zurück, ignoriere Kind (8) kurzfristig oder sage sogar Sachen wie „Ich bin echt froh wenn du gleich hier weg bist“ - schlimm! So will ich doch gar nicht sein!

    Kind, eben noch obermotzig, ist dann natürlich traurig. Und ich auch, weil sie jetzt traurig ist wg meines Verhaltens 😔

    Ich kann es gar nicht erklären wie so eine Situation entsteht, es sind so Kleinigkeiten, eben war noch alles „gut“ und plötzlich läuft es komplett schief.
    Es geht hier nicht um Streitigkeiten über Grundsatzfragen.

    Sie bringt mich in diesen Momenten nur in Sekundenschnelle dermaßen auf die Palme, das ist unglaublich. Kein anderer Mensch in meinem Umfeld schafft das.
    Das ist wie ein Reflex, ich kann das nachher ziemlich deutlich sehen. Irgendwas in mir wird getriggert und ich explodiere quasi sofort.
    (Ich muss dazu sagen, dass ich ziemlich harmoniebedürftig bin, schlechte Stimmung und Streit schlecht aushalten kann und das zB auch selbst gegenüber meinen Eltern. Da war (und bin) ich eigentlich immer „lieb“ und habe offene Konflikte vermieden, sogar in der Pubertät).

    Das sind immer nur kurze Situationen, ein paar Minuten. Ich entschuldige mich immer danach und habe ihr auch jetzt beim Abschied noch gesagt, dass ich sie lieb habe, aber das ist ja auch keine Lösung.
    Und ich frage mich, was ich ihr damit mitgebe.
    Auf der einen Seite soll sie schon mitkriegen, dass man sich nicht ohne Folgen durchs Leben motzen kann, wenn einem gerade eine Kleinigkeit nicht passt. Aber ich möchte natürlich nicht, dass sie sich ungeliebt oder als Mensch abgewertet fühlt.

    Wer kennt sowas von sich und wie geht ihr mit solchen Situationen um?

    Liebe Grüße von Ally


  2. Registriert seit
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    AW: Gemotze im Alltag

    Ich kenne das von meinen Kindern, allerdings hätte ich gerne ein konkretes Beispiel.

    Bei meinen Kindern ist es oft so, dass dieses Motzen (Socken wollen nicht über die Füße, Schuhe drücken heute plötzlich, etc. pp) beim Verlassen des Hauses oft ein Ventil ist - eigentlich wollen sie nicht in die Schule, und motzen dann über alle mögliche.
    Habe da auch keinen guten Rat - mein Mann geht dann oft auf Konfrontationskurs, dann spielen sich richtige Dramen ab, ich "entschärfe" die Situation so weit wie möglich (obwohl ich eigentlich kein Mensch bin, der Konflikte scheut, aber bitte nicht zwischen Tür und Angel und in Eile). Beides halte ich nicht für so richtig gut.


  3. Registriert seit
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    AW: Gemotze im Alltag

    Ich finde es schwierig von Kindern zu verlangen, dass sie funktionieren sollen wie man es sich wünscht, wenn man sich ja offensichtlich selbst nicht im Griff hat und auch nicht so funktioniert wie man sollte.

    Vielleicht ist es zunächst einmal wichtig, das einzusehen und dann versteht man vielleicht auch seine Kinder besser.

    Und wie Tigerente schon schrieb, es ist wichtig sich Zeit zu nehmen und die Situation zu entschärfen.

    Meine Tochter machte auch langsam morgens und es stresste mich. Ich habe sie dann früher geweckt und ein wenig früher ins Bett gesteckt.
    Denn ich habe herausgefunden, dass sie morgens mehr Zeit für sich braucht und eben nicht von der ersten Minute an so effizient und getimt läuft wie ich (was kein Wunder ist, ich mache es ja schon ein paar Jahre länger als sie). So hatte sie für alles genügend Zeit und es kam zu keinen unschönen Szenen.

    Bis heute ist es so, dass sie sehr früh aufsteht und Dinge macht, die sie mag vor der Schule.

    Das Geheimnis ist sich Zeit zu nehmen, dann wird man selbst nicht so schnell nervös und das überträgt sich dann auch nicht auf die Kinder

    Und: Sage nicht so etwas wie "Ich bin froh, wenn du gleich weg bist..." sondern trainiere dir an, so etwas zu sagen wie "Ich ärgere mich über dein Verhalten" oder "Musst das denn sein?" (Es geht auch pädagogischer, aber ich finde man sollte als Mutter authentisch bleiben und wenn man sich ärgert, sollte man sich auch nicht verstellen müssen.)

  4. Avatar von Blue2012
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    AW: Gemotze im Alltag

    Zitat Zitat von allymcbeal31 Beitrag anzeigen
    Ganz aktuell gerade beim Anziehen & Losgehen in die Schule.
    Dann meckere ich zurück
    Statt dessen:
    Eine Ansage - abwenden - weg gehen (z.B. in einen anderen Raum).

    Zitat Zitat von allymcbeal31 Beitrag anzeigen
    ignoriere Kind (8) kurzfristig
    Unerwünschtes Verhalten ignorieren löst vieles oft von allein. Richtig so.

    Zitat Zitat von allymcbeal31 Beitrag anzeigen
    oder sage sogar Sachen wie „Ich bin echt froh wenn du gleich hier weg bist“ - schlimm!
    Verkneifen.

    Zitat Zitat von allymcbeal31 Beitrag anzeigen
    Sie bringt mich in diesen Momenten nur in Sekundenschnelle dermaßen auf die Palme, das ist unglaublich. Kein anderer Mensch in meinem Umfeld schafft das.
    Geht allen anderen Müttern genau so. Verlass dich drauf!

    Zitat Zitat von allymcbeal31 Beitrag anzeigen
    Auf der einen Seite soll sie schon mitkriegen, dass man sich nicht ohne Folgen durchs Leben motzen kann, wenn einem gerade eine Kleinigkeit nicht passt.
    So isses.
    Be a voice not an echo.

  5. Avatar von schafwolle
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    AW: Gemotze im Alltag

    Zitat Zitat von allymcbeal31 Beitrag anzeigen
    Sie bringt mich in diesen Momenten nur in Sekundenschnelle dermaßen auf die Palme, das ist unglaublich.
    (...)
    Auf der einen Seite soll sie schon mitkriegen, dass man sich nicht ohne Folgen durchs Leben motzen kann, wenn einem gerade eine Kleinigkeit nicht passt. Aber ich möchte natürlich nicht, dass sie sich ungeliebt oder als Mensch abgewertet fühlt.
    Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was Du meinst.

    Gerade Dein Beispiel mit dem Anziehen vor der Schule ... mit einem
    meiner Kinder hat es sich ziemlich exakt so abgespielt. Es ging immer um
    Kleinigkeiten: Mütze? Handschuhe?? Sneakers oder Regenstiefel???
    So in etwa die nervigen Diskussionen.

    Im Grunde genommen last-minute Peanuts halt.

    Ich denke mal, sowohl das Gemotze von Deinem Kind als auch Deine
    eigene Reaktion sind einfach einem gewissen Zeitdruck geschuldet.
    Oft geht es um Minuten, die darüber entscheiden, ob die Schule pünktlich
    erreicht wird resp. man selbst zeitgerecht seinen 8 Uhr-Termin wahrnehmen
    kann.

    Ich finde es super, dass Du es ihr gegenüber ansprichst. Auch Kinder
    haben bis zu einem gewissen Grad Verständnis für genervte Eltern, so
    wie umgekehrt. Hauptsache, Deine Tochter fühlt sich wahrgenommen.

  6. Avatar von Paraplumeau
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    AW: Gemotze im Alltag

    Ich könnte ein Buch darüber schreiben. Drei meckernde Mädchen jeden verdammten Tag. Ich habe irgendwann Dienst nach Vorschrift gemacht, habe das Frühstück vorbereitet, die Brotdosen gefüllt und die Mädchen geweckt. In diplomatisch ausdiskutierter Reihenfolge...
    Dann habe ich das Haus verlassen und saß noch vor 7 Uhr am Schreibtisch. Blut und Scherben habe ich am Nachmittag weggewischt und weggekehrt.
    Meckernde, motzende Kinder muss ich nicht aushalten. Ich biete morgendliche frohe Laune und möchte das auch bekommen. Mein Chef bot das eher als drei Motzböcke.
    Wenn ich anderer Leute Innerstes sehen wollte, wäre ich Gerichtsmedizinerin geworden.

  7. Avatar von Paraplumeau
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    AW: Gemotze im Alltag

    Und eins noch: keinem motzenden Kind würde ich sagen, dass ich es liebe. Ums Verrecken nicht.
    Wenn ich anderer Leute Innerstes sehen wollte, wäre ich Gerichtsmedizinerin geworden.

  8. Avatar von Kleinfeld
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    AW: Gemotze im Alltag

    Zitat Zitat von Paraplumeau Beitrag anzeigen
    I Ich biete morgendliche frohe Laune und möchte das auch bekommen.
    Den Spruch bring ich zu Papier und klemm es dem weiblichen Teenager unters Frühstücksbrett

    Ansonsten...jede Mutter kennt das wohl und auch jede Mutter reagiert da mal gereizt.
    Deine Tochter ist 8. Warte mal ab, wenn sie 12, 13 sind. Dann wäre man am liebsten rund um die Uhr auf Arbeit.
    Klar wäre ich gerne die, die vor dem Frühstück Yoga macht oder joggt.
    Ich bin aber die, die halb bewußtlos Kaffee macht und atmet.

  9. Avatar von Paraplumeau
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    AW: Gemotze im Alltag

    Zitat Zitat von Kleinfeld Beitrag anzeigen
    Warte mal ab, wenn sie 12, 13 sind. Dann wäre man am liebsten rund um die Uhr auf Arbeit.
    So ist es. :)
    Wenn ich anderer Leute Innerstes sehen wollte, wäre ich Gerichtsmedizinerin geworden.

  10. Avatar von allymcbeal31
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    AW: Gemotze im Alltag

    Es liegt nicht grundsätzlich an zu wenig Zeit, gerade heute hatte sie sogar viel mehr Zeit weil sie früher aufgewacht ist als üblich, wenn ich sie wecke.

    Es war auch alles ok, sie hatte dann noch gemalt, ich sagte dreimal sie soll dann mal kommen, dann ihr Federmäppchen noch holen.
    Als sie nicht reagierte, sagte ich, dass ich sie jetzt nicht nochmal erinnern werde und ging in die Küche.
    Irgendwann kam sie in den Flur, sagte ich sei Schuld wenn sie nicht pünktlich zur Schule kommt.
    Sie zog sich dann an und nahm die dünne Übergangsjacke. Ich sagte, sie soll die dickere Jacke nehmen weil es viel kälter ist als die letzten Tage.
    Sie nimmt die dicke Jacke und wirft mir die dünne vor die Füße.
    Als ich dann zurück gemotzt habe, sagt sie „Das ist immer alles meine Schuld“ - das sagt sie in letzter Zeit öfter. Mich bringt das noch viel mehr auf die Palme und ich sagte, sie soll damit aufhören weil es hier nicht darum geht, wer hier an irgendwas Schuld hat.

    Es ist echt schwer zu beschreiben, das sind so kurze und eigentlich völlig harmlose Situationen die so entgleisen können... ich verstehe es ja selbst nicht.

    Ich flippe auch nicht jedes mal aus, manchmal gelingt es mir auch zugewandt zu bleiben und ihr - einigermaßen liebevoll - zu sagen, dass ich nicht so angemotzt werden mag.
    Aber zu oft eben auch nicht...

    Sätze wie „Ich bin froh wenn du gleich weg bist“ gehen gar nicht, dass ist mir klar.

    Wie gesagt bringt sie bei Streit in letzter Zeit öfter den Satz „Es ist immer alles meine Schuld“... dabei versuche ich ihr vermitteln, dass ich nicht in dieser Kategorie denke, sondern wir ruhig streiten können, ich aber nicht so angemotzt werden mag.

    Ich muss dazu aber sagen, dass sie in meinen Augen ein sehr starkes Kind ist und ein völlig anderes Temperament hat als ich. Von Beginn an bis heute ist sie sehr hartnäckig und durchsetzungsfähig. Dieses „immer bin ich an allem Schuld“ hört sich für mich eher nach dem mindset eines Kindes an, das systematisch kleingemacht wird - weshalb ich es ihr auch nicht so ganz abnehme.
    Geändert von allymcbeal31 (07.11.2019 um 11:11 Uhr)

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