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  1. Avatar von Kitty_Snicket
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    Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Hallo,

    bei meiner Tochter hat sich in den letzten Wochen eine heftige Angststörung entwickelt, mit Agoraphobie und Panikattacken.

    Angefangen hat es schon vor Weihnachten, als sie immer nervöser wurde, weil sie die Schule als stressig empfindet. Sie geht seit letztem Sommer aufs Gymnasium - das fängt hier, wir sind in Großbritannien, später an -, die Schule ist mit ca. 2000 Kindern riesig; sie ist in einer komplett neuen Klasse gelandet und hat alle ihre Freunde 'verloren', mit den jetzigen Klassenkameraden hat sie nicht den besten Rapport (von denen wurde sie als "komisch" und "eines der hässlichsten zwei Kinder in der Klasse" bezeichnet); das Arbeitspensum ist stark angestiegen und manche Lehrer sind, sagen wir mal, nicht das Gelbe vom Ei (Herumschreien find ich daneben) - sprich, eine Riesenumstellung und leider zum Negativen.

    Zunächst ist sie immer wieder mal zu spät losgegangen, hat einen oder zwei Tage im Monat wegen Krankheit gefehlt (vermutlich psychosomatische Beschwerden, Kopfweh, Durchfall, auch ist sie anfälliger für Infekte; sie hatte zwischendurch eine Ohrenentzündung, die in eine Neuritis vestibularis gemündet hat; allerdings laut Hausärztin ausgeheilt), dann einen Tag pro Woche, dann mehrere, dann ist sie auch an den restlichen Tagen früher nach Hause gegangen und schlussendlich ganz zuhause geblieben.

    Danach begannen Panikattacken, wenn sie in die Schule gehen sollte, und recht bald auch, wenn sie überhaupt das Haus verlassen sollte. Mittlerweile hat sie die Anfälle auch zuhause, tagsüber immer wieder mal. Mittlerweile ist ein Tic dazugekommen, von dem ihr die Wangen/Kieferknochen oft schmerzen, wodurch sie noch weniger essen kann/will, als sie ohnehin schon tut. (Sie ist eher untergewichtig, Blutbild war in Ordnung in punkto Eisen, Schilddrüse, Zucker, sonstige übliche Verdächtige.)

    Es geht ihr extrem schlecht und ich weiß nicht, wie ich ihr helfen kann. Was ziemlich ironisch ist, da ich selber, mit 19/20, eine solche Phase hatte (und damals 18 Monate ans Haus gebunden war, was ich ihr gerne ersparen würde.)

    Klarerweise waren wir bei der Hausärztin, die mittlerweile an psychologische Dienste überwiesen hat (hierzulande auch ein relativ langsamer und schwieriger Prozess, wir warten noch auf Rückmeldung).
    Die Schule hat sie auf die Warteliste für Betreuung/Beratung dort gesetzt, aber das wird wohl noch länger dauern. Die Leute dort sind immerhin wirklich nett, und wir stehen in Kontakt, um eine Lösung zu finden; sie haben z.B. vorgeschlagen, dass meine Tochter pro Tag für eine Schulstunde ihrer Wahl reinkommen kann, und darauf aufbauend die Anwesenheit erweitert. Das sind aber echte Langzeitpläne, im Moment klappt auch das nicht, also müssen die Schritte noch kleiner werden (aber wie? und welche?).

    Falls jemand Ähnliches erlebt hat, und/oder sonstwie gute Tipps hat, wäre ich sehr dankbar.
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  2. Avatar von brighid
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    zu dem prozedere ausserhalb der wohnung kann ich dir nichts sagen, nichts beitragen.

    was mir dazu spontan durch den kopf geht: mit deiner tochter zu reden. aus deinen erfahrungen erzählen, was dir geholfen hat, was deine ängste und sorgen waren.
    ihr das gefühl zu vermitteln: mäuschen, das ist jetzt echt scheisse. aber wir sind da und nein, du bist kein alien. es gibt noch mehr menschen die so eine phase erlebt und geschafft haben. dass du von dir erzählst, dass ihr auch zusammen heult und euch gegenseitig die tränen abtupft.

    du kennst deine tochter- du schätzt ab ob das etwas für euch wäre.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  3. Avatar von Horus
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Besteht die Möglichkeit eines Schulwechsels?

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    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.

  4. Moderation Avatar von Margali62
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Dachte ich auch.... Der Wechsel zum Gymnasium ist heftig. Die Anforderungen sind viel höher, die Unmengen von Mitschülern. Und man kennt keinen.
    Kommt eine kleinere andere Schule in Frage?
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    Trennung und Scheidung,
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    Über das Kennenlernen
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  5. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Da jkommen a mehrere Dinge zusammen. Schulwechsel, Verlust von Sicherheit und Geborgenheit /soziale Exklusion/Lerndruck, also Unsicherheit, Streß/Alarmbereitschaft plus eine Angstbereitschaft.

    Die Schule ist hier wirklich gefragt und notwendig, plus Kinderpsychiatrie. Plus ihr als unterstützende Eltern.

    Aber was neben Brighids Vorschlag vielleicht auch helfen kann, ist eine Angstleiter zu erstellen, also die Gradierung der angstauslösenden Situationen und Gedanken. Und schauen, ob sie sich traut, ggfs mit Absprache oder Hilfe, sich an ein Item das weniger angstauslösend ist, heranzutrauen, also sich zu exponieren. Weil sowas diese Angst vor der Angst Spirale stoppen und ihr Hoffnung geben kann. Allerdings ist das eigentlich professionelle Aufgabe, nur wenn das bei euch nicht läuft oder ewig dauert. Würde sonst nicht hemdsärmelige Heimbehandlung durch die Eltern empfehlen, aber bei unkomplizierter Angst (was ich hier natürlich nicht richtig einschätzen kann), wäre es einen Versuch wert.

    Aber cave, Angst ist übertragbar, in dem Sinne dass man sich nicht vom Stress und starken Gefühlen anstecken lassen sollte dabei. Steady as a rock, ist die Devise.

  6. Avatar von Kitty_Snicket
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Danke, ihr beiden!
    Horus: besteht, aber das will sie garnicht - sie würde gerne wieder in die Schule gehen, aber in eine andere Klasse. Die Admins dort arbeiten daran und hoffentlich klappt das fürs nächste Schuljahr, sofern sie das heurige noch abschließen kann.
    Ihr Vater schiebt Panik beim Gedanken daran, dass nicht. Vielleicht wär das aber garnicht so schlecht; dann kann sie stressfreier weiter arbeiten, sich um Jüngere kümmern - ist zwar dann immer noch komplett 'neu' in ihrem Umfeld, aber immerhin unter milderen Bedingungen. On verra ...

    brighid, ich hab es ihr erzählt, und mehr oder weniger so, wie du es beschreibst: es geht vorbei, es wird besser, auch wenn es jetzt bescheiden ist ... usw.
    Versuche, sie abzulenken, sie zu motivieren - aber ehrlich, ich glaube, ich bin Teil des Problems.
    Sie ist konstant, und komplett, erschöpft, will kaum was tun - das Kind, das in der Volksschule so aktiv war, wie oft hieß es 'Kann ich ../kann ich auch ..." - ausprobieren, was nur geht, vor allem, was sie bei der Affenmutter sieht.
    Aber jetzt? Sense. Ich hab das Gefühl, je mehr ich mich reinhänge - umso mehr macht sie zu. Atem- und Entspannungsübungen, Incentives (Kätzchen besuchen, Strandpicknick, Quadbikes, Reiten gehen, Lagerfeuer - nix), in Ruhe lassen, alle möglichen Motivationsversuche. Am ehesten noch zuhören, während sie versucht, auszuformulieren, was sie umtreibt, was schwierig ist, wovor sie Angst hat etc. - das fällt ihr auch sehr schwer, sie ist nicht sehr 'emotionally literate' (das als Feststellung, soll nicht hart klingen), verarbeitet Emotionen sehr langsam, ist gleichzeitig sehr sensibel.

    Ich bin da das Gegenteil und vermutlich eben im Moment das Problem mit meinem Aktionismus. Gibt es ein Problem, ist das wie ein Kochrezept: Die und die Zutaten, so und so zusammenmischen, fertig. Nichtstun - nichts tun können - ist für mich fast unmöglich. Vielleicht ist das des Pudels Kern: Wenn mir diese Selbstüberwindung schon so schwer fällt, wie sehr muss das Äquivalent für sie sein? Was ist da der Dreh?
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  7. Registriert seit
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Also dann eventuell besser nach Plan B für Hilfe von außen gucken?
    Ich kenne mich jetzt nicht speziell in diesem Bereich der psychologischen Unterstützung von Kindern und Jugendlichen im UK aus aber generell ganz gut in Health und Social Care aus (da ich auch hier wohne).
    Alles geht hier sehr schleppend. Wartelisten sind viel länger, frühere Teams abgeschafft, Kriterien geändert etc etc.
    Also wenn es finanziell irgendwie ginge, einen Psychologen o.ä. privat reinzuholen, dann wäre das zumindest einen Versuch wert?

  8. Avatar von brighid
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    liebe kitty, ich glaube dich zu verstehen.

    du hast es schon hinter dir. was hättest du dir damals von deinem umfeld gewünscht? selbstreflektion ist hier gefragt.

    und dann schaue, gucke und frage, hinterfrage was deine tochter jetzt braucht.

    du warst an deinem turning point um einiges älter und reifer als sie jetzt ist.

    was dir geholfen hat- kann ihr helfen. muss aber nicht. sie braucht jetzt vorallem: gewissheit dass ihr sie liebt, egal ob wie wann wo oder was. bedingungsloses annehmen so wie sie jetzt ist.

    und wenn du dir dabei in die hand beissen möchtest- schaue auf sie.


    ich habe meine pubertät, die querelen, abnabelei mit meiner mutter und .................................... erst hinter mir lassen können, als meine tochter ein pubertier war. es kam alles!!!!!!! wieder hoch. und hat mir fast den atem geraubt, hat mich tränen gekostet und sehr viel nerven. aber dann war ich damit auch durch.

    ich wünsche dir gute nerven und taschentücher, schokolade und rückenstreichler, umurmels und trösterchen. nein, man/frau muss nicht immer zu etwas sagen. ruhig im arm liegen können, dürfen hat auch viel.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Zitat Zitat von Kitty_Snicket Beitrag anzeigen
    ...müssen die Schritte noch kleiner werden (aber wie? und welche?).
    Ich bin nicht sicher, ob ein Einschränken des Radius hilfreich ist. Ich war älter als mich die Panikattacken und Angstzustände erwischten, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass die Vermeidung es nur schlimmer gemacht hat. Ich will damit nicht sagen, dass Deine Tochter im Moment fähig ist, in die Schule zu gehen oder das Pflichtprogramm zu absolvieren. Jedoch ist es wichtig, dass sie sich nicht zu Hause einkapselt, denn auch da wird der Radius kleiner. Erst geht das ganze Haus, dann der Keller nicht mehr, dann bekommt man schon im Treppenhaus Schwindel und am Ende ist nur noch das Bett ein sicherer Ort.

    Kann sie von der Schule erstmal beurlaubt werden und die Konfrontation mit der Angst nur bei positiven Begebenheiten machen? Ich habe damals bei mir gemerkt, dass ich immer extreme Angstzustände bekam, wenn ich Dinge tun musste, die ich nicht wollte. Sobald ich aber etwas wirklich wollte, konnte ich es (oft erst mit mehreren Anläufen und auch vielen Rückschlägen) doch irgendwie irgendwann machen. Weil die Motivation da war. So habe ich mir Erfolgserlebnisse geschaffen, die mir Hoffnung gaben und ich nach und nach wieder ein ganz angstfreies Leben leben konnte, weil die Angst vor der Angst langsam nachließ, da ich damit umzugehen lernte.

    Ich finde die Idee, die Klasse zu wechseln und evtl. eins zurück zu gehen nicht schlecht. Der Vater soll ganz schnell die Luft anhalten. Druck und Erwartungen sind das Allerletzte was Deine Tochter jetzt braucht!

    Wenn sie jetzt so kaputt ist, lass ihr die Verschnaufzeit. Sie wird das auch brauchen, um überhaupt herauszufinden, was ihr so eine Angst macht. Bei mir hat es Jahre gedauert, es zu verstehen, was es ist und warum es gerade in der Situation auftrat, die man als natürliche Situation im Lebensverlauf beschreiben könnte. Obwohl ich sehr gut meinen emotionalen Zustand beschreiben kann, empfand ich es sehr lange als diffuse Angst und das machte mir nochmehr Angst.

    Du hast es hinter Dir und überwunden. Vertraue darauf, dass Deine Tochter es auch schafft und halte bitte Deine Ungeduld im Zaum, diese ist Deine Baustelle.
    Geändert von NurZuGast (26.04.2019 um 14:49 Uhr)


  10. Registriert seit
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Ich denke, du bist auf dem richtigen Riecher; kein Aktionismus, dafür konstant und stabil dasein, zuhören, beistehen.

    Das ist schwer, wenn das eigene Kind so leidet und natürlich willst du etwas aktiv dagegen tun.
    Gerade das "dagegen" macht es leider schwieriger. Die Panik und die Ängste sind da.
    Sie wollen und müssen gesehen werden, deine Tochter will gesehen werden.

    Insofern ist dein Gedanke, ihr zuzuhören, ihr zwischenmenschlich nahe zu sein, in meinen Augen genau passend.

    Mary sprach es an; die Ängste und Panikattacken generalisieren leider sehr schnell.

    Ganz wichtig ist deswegen schnellstmöglich Therapie, ggf Selbsthilfegruppen (eher später), Beratungsstelle.
    Medizinisch abklären, inwieweit eine pharmakologische Behandlung sinnvoll ist.

    Wichtig ist, den Angstkreislauf zu betrachten und mit professioneller Hilfe, zu unterbrechen und aufzudröseln.

    Ich kenne das System in GB leider nicht, aber es ist immens wichtig, rasch zu handeln. Notfalls erst einmal privat zahlen, wenn möglich, damit deine Tochter zügig Hilfe erhält.

    Edit:

    Bezüglich der kleinschrittigen Aufgaben: Besprich das primär mit deiner Tochter!
    Frage sie, welchen Dingen sie sich gewachsen fühlt. Sie braucht positive Erlebnisse, gleichgültig, wie klein so ein Schritt auch gerade sein muss.
    Sie braucht die Sicherheit, dass es in Ordnung ist, in ihrem Tempo zu gehen oder auch mal stehenzubleiben.
    Cave: Beiträge können ggf. marginale Rückstände von Ironie und Sarkasmus aufweisen.
    Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie das Posting oder fressen Sie die Verfasserin.

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