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  1. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Zitat Zitat von Carcasonne Beitrag anzeigen

    Bezüglich der kleinschrittigen Aufgaben: Besprich das primär mit deiner Tochter!
    Frage sie, welchen Dingen sie sich gewachsen fühlt. Sie braucht positive Erlebnisse, gleichgültig, wie klein so ein Schritt auch gerade sein muss.
    Sie braucht die Sicherheit, dass es in Ordnung ist, in ihrem Tempo zu gehen oder auch mal stehenzubleiben.
    Das habe ich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Diese "Angstleiter" stellt natürlich die betreffende Person auf, zusammen mit einer helfenden Person.
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  2. gesperrt
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Die Überweisung zu psychologischer Hilfe von eurem Hausarzt ist auf jeden Fall schon ein guter Schritt, aber du sagst, dass das bei euch in Großbritannien doch eine Weile dauert. Hast du vielleicht darüber nachgedacht, dass deine Tochter die Schule wechselt? Ich war in meiner eigenen Schulzeit immer recht glücklich an meiner Schule bis es dann zu einem Vorfall kam, wo sich einiges verändert hat. Ich war schon etwas älter als deine Tochter, auch über 18 und konnte somit frei entscheiden. Ich ließ mich leider von meiner Mutter überreden dennoch das nächste Schuljahr dort anzutreten, woraufhin es ähnlich wie bei deiner Tochter geendet hat. Mir blieben zwar die Angst und die Panik erspart, aber ich ließ mich oft wieder abholen oder wollte gar nicht mehr hingehen. Von daher würde ich dir zu dieser Überlegung raten. Das momentane Schuljahr scheint ja sowieso 'verloren' zu sein oder sieht das bei euch in GB anders aus? Ich weiß natürlich nicht wie zentral oder ländlich ihr wohnt und ob da Möglichkeiten bestehen überhaupt eine andere Schule zu besuchen, aber vielleicht bieten sich kleinere Schulen an oder einfach ein Neustart, denn die 'gemeinen' Kinder sind immerhin trotzdem an der Schule und in ihrer Klasse. Mit einem einfachen Klassenwechsel ist es da nicht getan. Wenn sie aber zurückgestuft wird, weil sie dieses Jahr zu viel versäumt, dann wär sie generell mal aus der Stufe mit den gemeinen Kindern weg. Vielleicht findet sie sich dann besser zurecht. Ich denke, dass gerade Kinder in diesem Alter ne ehemalige Mitschülerin schnell vergessen und sich ein neues 'Opfer' suchen. Die Kids, die dann nächstes Jahr neu an der Schule sind, kennen sie sowieso nicht und wissen auch nichts von ihren Problemen. Vielleicht kommt sie dann sogar besser an, weil sie schon etwas Erfahrung hat. Sie muss ja nicht die wahren Gründe nennen. Wiederholungen wegen Krankheit sind nicht so unüblich. Gibt es sowas wie Tage der offenen Türen an Schulen bei euch? Dann könntest du die vielleicht mit deiner Tochter besuchen, wenn sie Lust dazu hat und eben die Schulen mal ansehen. Dann kann sie sich selbst ein Bild machen. Wo gehen denn ihre Freunde nun hin, sodass sie an der neuen Schule ganz alleine ist?

  3. Avatar von Kitty_Snicket
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Hat sich noch mit ein paar anderen Antworten überschnitten, und ich muss immer wieder sacken lassen - aber jetzt schon mal danke an alle, da ist viel dabei, das ich hören sollte, und viel Hilfreiches.

    Private Therapie - würde gehen, so dicke hab ich's nicht, aber dafür muss dann halt der Bausparer dran glauben. Das Problem ist eher: wie kommt sie zur Stunde, wenn sie nicht aus dem Haus geht ...
    Ich werde am Montag nachtelefonieren, was mit der Überweisung ist; und dabei ansprechen, ob Medikamente vorgesehen oder eine Option sind. Die mir auch von anderen Betroffenen herangetragen wurde - meine (vielleicht grundlose) Befürchtung ist dann, dass sie es ohne garnie mehr schafft. Als Einstieg und Überbrückung bin ich sofort dafür.

    Ja, hierzulande geht es total langsam, deswegen auch die von Mary angesprochenen elterlichen Hemdsärmel - nicht, dass ich mich/uns da als besonders kompetent betrachte, in mehrerer Hinsicht. Externe Hilfe hat ihren Sinn und ohne wird es in dieser Geschichte kaum noch gehen, denn die Angst ist so groß, dass man wahrlich nicht mehr von unkompliziert sprechen kann, @NurZuGast das Bett ist oft der einzige Platz, an dem sie sein will (außer sie kann an die Playstation - aber das kann's ja jetzt auch nicht sein - wobei ich gegen eine halbe Stunde am Tag, zur Auflockerung, nix einzuwenden habe).

    Die Idee mit der Angstleiter ist super, das werde ich machen - nach einer Pause. Die Idee ist jetzt mal, den Druck allgemein abzulassen, es 'muss' jetzt garnichts mehr (außer von mir zu ihrem Vater, im Auto, das geht noch).
    Danach kleine Schritte, ich werde nichts mehr ansprechen, sondern nur noch die übliche Maintenance (also Essen, Trinken, Spielen, Lesen, etc. ; keine Aktivitäten mehr planen.

    Bauchgrummeln macht mir der Punkt, dass sie kaum alleine zuhause sein kann. Alle Erwachsenen müssen arbeiten, und der Notfalls-Backup-Plan ist, dass ihr Vater (dessen Schicht am Vormittag endet, sie ist Mo-Do bei mir, den Rest bei ihm, da hat er frei) zur ihr in meine Wohnung kommt, falls was ist - was mir extrem widerstrebt. Womöglich kein unwesentlicher Punkt in der Geschichte. Aber gut, da heißt es jetzt wohl Zähne zusammenbeißen.

    Ansonsten - ja, brighid (extra Danke an dich ) so werde ich es wohl machen. Einfach zuhören, passiv bleiben (oder auch wei wu wei?) - und die Atemübungen erstmal bei mir anwenden. Steady as a rock ist total vonnöten, aber das geht halt nur, wenn man selber die richtige Linie gefunden hat - bis jetzt war es nicht besonders konsistent, eher experimentell. Hat sicher viel verhaut ...

    Den Punkt mit 'was mir (damals) geholfen hat, muss bei ihr nicht wirken' habe ich auch bei meiner Therapeutin angesprochen; wobei ich schon vermute, dass es so sein wird: die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen; ein absolut sicheres Zuhause; Therapie, schlicht und einfach Zeit.
    Denn: wenn auch nur das kleinste bisschen Druck kommt, macht sie mittlerweile sofort zu.
    Btw - diese Baustelle, NurZuGast, war auch Thema in der Sitzung.

    Gut - dann wappne ich mich mal fürs Wochenende (auch wenn's jetzt Schläge gibt, aber ich gehe im Moment doppelt so gerne ins Büro - das ist nachgerade Urlaub gegenüber dem, was zuhause abläuft )

    Nochmals ein dickes Danke, ich werde mir die Beiträge noch ein drittes Mal durchlesen, falls ich was vergessen hab, bitte sagen
    Whatever happened until now only served to deliver this moment.

  4. gesperrt
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Zitat Zitat von Kitty_Snicket Beitrag anzeigen
    Hat sich noch mit ein paar anderen Antworten überschnitten, und ich muss immer wieder sacken lassen - aber jetzt schon mal danke an alle, da ist viel dabei, das ich hören sollte, und viel Hilfreiches.

    Private Therapie - würde gehen, so dicke hab ich's nicht, aber dafür muss dann halt der Bausparer dran glauben. Das Problem ist eher: wie kommt sie zur Stunde, wenn sie nicht aus dem Haus geht ...
    Ich werde am Montag nachtelefonieren, was mit der Überweisung ist; und dabei ansprechen, ob Medikamente vorgesehen oder eine Option sind. Die mir auch von anderen Betroffenen herangetragen wurde - meine (vielleicht grundlose) Befürchtung ist dann, dass sie es ohne garnie mehr schafft. Als Einstieg und Überbrückung bin ich sofort dafür.

    Ja, hierzulande geht es total langsam, deswegen auch die von Mary angesprochenen elterlichen Hemdsärmel - nicht, dass ich mich/uns da als besonders kompetent betrachte, in mehrerer Hinsicht. Externe Hilfe hat ihren Sinn und ohne wird es in dieser Geschichte kaum noch gehen, denn die Angst ist so groß, dass man wahrlich nicht mehr von unkompliziert sprechen kann, @NurZuGast das Bett ist oft der einzige Platz, an dem sie sein will (außer sie kann an die Playstation - aber das kann's ja jetzt auch nicht sein - wobei ich gegen eine halbe Stunde am Tag, zur Auflockerung, nix einzuwenden habe).

    Die Idee mit der Angstleiter ist super, das werde ich machen - nach einer Pause. Die Idee ist jetzt mal, den Druck allgemein abzulassen, es 'muss' jetzt garnichts mehr (außer von mir zu ihrem Vater, im Auto, das geht noch).
    Danach kleine Schritte, ich werde nichts mehr ansprechen, sondern nur noch die übliche Maintenance (also Essen, Trinken, Spielen, Lesen, etc. ; keine Aktivitäten mehr planen.

    Bauchgrummeln macht mir der Punkt, dass sie kaum alleine zuhause sein kann. Alle Erwachsenen müssen arbeiten, und der Notfalls-Backup-Plan ist, dass ihr Vater (dessen Schicht am Vormittag endet, sie ist Mo-Do bei mir, den Rest bei ihm, da hat er frei) zur ihr in meine Wohnung kommt, falls was ist - was mir extrem widerstrebt. Womöglich kein unwesentlicher Punkt in der Geschichte. Aber gut, da heißt es jetzt wohl Zähne zusammenbeißen.

    Ansonsten - ja, brighid (extra Danke an dich ) so werde ich es wohl machen. Einfach zuhören, passiv bleiben (oder auch wei wu wei?) - und die Atemübungen erstmal bei mir anwenden. Steady as a rock ist total vonnöten, aber das geht halt nur, wenn man selber die richtige Linie gefunden hat - bis jetzt war es nicht besonders konsistent, eher experimentell. Hat sicher viel verhaut ...

    Den Punkt mit 'was mir (damals) geholfen hat, muss bei ihr nicht wirken' habe ich auch bei meiner Therapeutin angesprochen; wobei ich schon vermute, dass es so sein wird: die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen; ein absolut sicheres Zuhause; Therapie, schlicht und einfach Zeit.
    Denn: wenn auch nur das kleinste bisschen Druck kommt, macht sie mittlerweile sofort zu.
    Btw - diese Baustelle, NurZuGast, war auch Thema in der Sitzung.

    Gut - dann wappne ich mich mal fürs Wochenende (auch wenn's jetzt Schläge gibt, aber ich gehe im Moment doppelt so gerne ins Büro - das ist nachgerade Urlaub gegenüber dem, was zuhause abläuft )

    Nochmals ein dickes Danke, ich werde mir die Beiträge noch ein drittes Mal durchlesen, falls ich was vergessen hab, bitte sagen
    Hat sie denn Lust zu 'positiven' Dingen aus dem Haus zu gehen? Könntest du sie dazu sozusagen irgendwie zu bewegen? Ich weiß natürlich nicht, was deine Tochter so mag. Aber vielleicht in ein Lokal etwas essen, wo es ihr Lieblingsessen gibt? Oder vielleicht am WE Shopping mit dir? Irgendeine Veranstaltung besuchen, die sie interessiert? Oder geht das im Moment gar nicht mehr? Ich würde da mit kleinen Schritten anfangen und vielleicht auch nur kurz, sodass sie wieder bisschen aus dem Haus kommt und damit positive Erfahrungen verbindet. Was hält sie denn von einem Psychologen? Mit jemanden sprechen, der davon Ahnung hat, wie sie wieder zur Schule gehen kann, nachdem sie das ja auch möchte, könnte ja von ihr als hilfreich empfunden werden oder lehnt sie das eher ab? Auf Medikamente würde ich erst einmal verzichten und im Falle eine zweite Meinung einholen, wenn es eben gar nicht anders geht und man sie überhaupt nicht aus dem Haus bekommt. Medikamente sollten meiner Meinung nach aber eher der letzte Ausweg sein und nicht die Norm.

  5. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    @Kitty_Snicket: ich wünschte, man könnte einfach apparaten (also so HP-mäßig), dann würde ich eure Tochter bei mir in der Klinik in einer Gruppe für Kinder/Jugendliche mit Angst unterbringen. Da sind auch die Eltern mit eingebunden, die lernen voneinander das mit dem steady as a rock - während die Kids sich gemeinsam exponieren. Inklusive einiger Kollegen, die ihnen dabei helfen. Bei Sozialangst ist eine Übung, sich in der Personalkantine lächerlich zu benehmen. Das gehört sozusagen schon zum Lokalkolorit :-)

    Ich sag das um aufzuzeigen, dass es Möglichkeiten gibt und dass man Bewegung in die Angst bringen kann. Damit sie sich nicht festsetzt und ausweitet.

    Wenn ihr als Eltern einen Draht zu ihr habt, dann ist das schon unheimlich viel wert! Da sein, gemeinsam Gefühle aushalten (role model; Angst/Panik ist ein sehr starkes Gefühl und kann schwer auszuhalten sein, dauert aber nicht viele Minuten und sitzt zwischen den Ohren. Man im- oder explodiert nicht und es geht vorbei. ), Mut machen, möglichst nicht kompensieren und nicht helfen, die Angstauslöser zu vermeiden.


    Was nachweislich hilft, sind mindfulness-Übungen, auch während man auf die eigentliche Behandlung wartet. Vielleicht eine Möglichkeit.
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    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  6. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Ps: vielleicht mal reinschauen?
    https://www.google.com/url?sa=t&sour...zrvThUGUcuTlOC

    Nur so als Hintergrund/Anregung.


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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Zitat Zitat von Kitty_Snicket Beitrag anzeigen
    ...ob Medikamente vorgesehen oder eine Option sind.
    Ich weiß gar nicht, ob diese Optionen für Kinder geeignet sind, aber mir hat folgendes geholfen: Bachblüten (die genauen Tropfen weiß ich nicht mehr) und die Rescuetropfen bei akuten Anfällen sowie ein leichtes, rein pflanzliches Mittel (hier in D frei in der Apotheke verkäuflich) Baldriparan. Mit Johanniskraut hatte ich keine guten Erfahrungen, aber auch das könnte einen Versuch wert sein. Und wenn nur der Placeboeffekt greift, weil sie daran glaubt (einer 12-jährigen muss man ja nicht den Unterschied zwischen Psychopharmaka und pflanzlicher, nicht verschreibungspflichtiger Medikamente erklären.

    @NurZuGast das Bett ist oft der einzige Platz, an dem sie sein will (außer sie kann an die Playstation - aber das kann's ja jetzt auch nicht sein - wobei ich gegen eine halbe Stunde am Tag, zur Auflockerung, nix einzuwenden habe).
    Wobei momentan die PlayStation evtl. dennoch die bessere Option ist und möglicherweise etwas ausgedehnt werden könnte. Ich habe auch oft Computer-/Konsolenspiele gespielt, wenn ich Angst hatte, denn dann ist das Gehirn beschäftigt und hat keine Kapazität mehr, Angst zu haben. Ich kann das schlecht beschreiben, aber sobald ich gespielt habe, war die Hirnaktivität irgendwie völlig auf das Spiel konzentriert und alles andere ausgeblendet wie bei sonst keiner Beschäftigung, d.h. auch dieser latente Angst vor der Angst Zustand war weg. Ich habe keine Ahnung, ob das Sinn macht... Besonders gut wären auch Spiele mit körperlicher Betätigung, denn diese schneidet sie sich ja gerade selbst ab durch die Radiusverkleinerung.

    Bei mir waren die Panikattacken besonders schlimm bei Müdigkeit, Hunger (Unterzuckerung) und Kälte. Gegen die Unterzuckerung hat bei mir 2x am Tag ein großes Glas Orangensaft mit Traubenzucker gut geholfen.

    Die Agoraphobie hat mir auch schwer zu schaffen gemacht. So sehr, dass ich irgendwann die Nase voll hatte von dem ewigen Gewackel und mir innerlich immer gesagt habe: "Du willst umkippen, na los, dann kipp doch jetzt endlich um, dann haben wir (die Angst und ich) es hinter uns und der Tag kann endlich normal weitergehen (ich hatte die Ängste meist morgens und sie wurden gegen Abend immer weniger und ich kannte umkippen wegen zu niedrigem Blutdruck seit meiner Teenagerzeit). Los, mach schon, ich habe es satt, mich von dir (Angst) tyrannisieren zu lassen." Etc., etc. Dabei habe ich die Verkrampfung loslassen können und es wurde meist besser.

    Ich habe Yoga und autogenes Training versucht. Yoga war gar nichts für mich. Beim autogenen Training haben mich die "Mir gehts gut"-Lügen auf die Palme gebracht. Ich habe dann meine eigenen Mantras geschaffen: "Mir gehts beschissen, aber das ist ok. Ich halte das aus und ich werde wieder angstfrei leben, irgendwann, nicht heute, das macht aber nichts." Usw., usw.
    Geändert von NurZuGast (26.04.2019 um 22:21 Uhr)

  8. Avatar von brighid
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    liebe kitty,

    ich sehe euch durchaus auf einem guten weg. es bewegt sich was. es wird nicht in schockstarre verharrt.

    und jetzt braucht es zeit. sicherheit, wärme, nestwärme und zeit.

    was mir, bei meinen mentalen einschlägen über die jahre, geholfen hat:

    tagebuch schreiben. und dann immer wieder zurücklesen. stillstände bemerken, aber auch kleinste veränderungen.

    (wie schon mal geschrieben, nur weil es bei einem funktioniert hat- muss es nicht bei einem andern menschen auch tun) aber vielleicht ist es auch für dich eine möglichkeit es in deiner form loszuwerden. damit du es nicht ständig mit dir herumschleppen musst. du schreibst es auf. und dann geht es nicht vergessen. aber du musst es auch nicht ständig im kopf und herzen haben.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

  9. Moderation Avatar von Sternenfliegerin
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Liebe Kitty,

    zunächst einmal mein Mitgefühl, für Dich und Deine Tochter, das ist unglaublich belastend und kräftezehrend und es ist schlimm, daß Ihr mit dieser Situation jetzt zu kämpfen habt.


    Fachlich kann ich nicht wirklich beitragen, mir kam nur ein Gedanke, der vielleicht komplett abwegig, ist, vielleicht aber auch nicht und daher möchte ich ihn in den Raum stellen.

    Falls er abwegig ist, dann bitte einfach streichen, aber manchmal ist um die Ecke denken auch hilfreich.

    Du schilderst die belastenden Umbrüche im Leben Deiner Tochter in letzter Zeit, es hat sich ja objektiv vieles zum für sie Schlechteren verändert- und Du beschriebst, daß Du selbst eine Angststörung in älteren, aber eben selbst noch jungen Jahren hattest. (Btw. wußte sie schon vorher davon? War das also eine ihr bekannte, "anerkannte" Krankheit, die Verständnis im Umkreis hervorrief?)

    Mir kam der Gedanke, gerade weil Du beschriebst, daß oft das Bett der einzige Platz ist, wo sie noch sein will,
    ob die Umstellungen, Überforderung und Verschlechterung ihrer schulischen Situation,
    und das Mobbing nicht zu einer (Art) Depression* geführt haben.

    *nicht fern-diagnostisch gemeint, sondern um den Zustand absoluter Überforderung, tiefen Schmerzes, Angst, Hilflosigkeit, und Perspektivlosigkeit zu subsumieren

    Dieses beschriebene negative Attraktivitäts-Ranking ist ja wohl auch das Letzte und würde JEDEM, auch Erwachsenen, wehtun

    Nur ist Depression für die meisten Menschen nicht greifbar, für Kinder schon gar nicht, während "Angst" gesellschaftlich viel mehr verstanden wird und auch für Kinder greifbar und besser benennbar und auch "zeigbarer" ist.

    Ich will damit natürlich keineswegs sagen, daß sie keine Angst- und Panikattacken hat,
    ich frage mich nur, ob hinter diesen nicht "noch mehr" stehen könnte, was momentan nicht so offensichtlich ist wie die nach außen deutlich auftretende Angst.


    Wie gesagt, das sind nur Gedanken, aber ich finde, es sollte in alle Richtungen gedacht werden.


    Ich wünsche Euch von Herzen, daß Ihr bald gut geeignete Hilfe findet und es ihr so schnell wie möglich wieder besser und dann hoffentlich irgendwann wieder wirklich gut geht.

    (PN-Antwort wahrscheinlich morgen, danke schonmal dafür. )

    I don´t know where I´m going- but I´m on my way... Carl Sagan

    Vielleicht geht es auf dem Weg gar nicht darum, irgendwas zu werden.
    Vielleicht geht es darum, alles abzuwerfen, was wir nicht sind,
    so daß wir das sein können, wofür wir bestimmt sind.
    Paulo Coelho



    Moderatorin in den Foren:
    Beziehung im Alltag, Der "gebrauchte" Mann und im Tierforum
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  10. Avatar von ja-aber
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    AW: Tochter (12) mit Angststörung/Panikattacken

    Meine Tochter hat mit Selektivem Mutismus zu kämpfen gehabt und auch heute noch mit inneren Worst Case Szenarien zu kämpfen. Auch ich kenne das aus meiner Kindheit. Das ist jetzt nicht so krass wie bei Euch, aber vielleicht hilft es trotzdem...

    Ich habe ihr genau erklärt, was sie hat. So nach dem Motto: ich weiß, was Dich umtreibt, das hat eine medizinische Diagnose quasi, das liegt an A, B, C und man könnte 1, 2, 3 dafür tun, aber es wird immer soundso sein, mit Übung wird das besser. Ich hoffe, ich konnte ausdrücken, was ich meine. Ihr hat das SEHR geholfen zu wissen, dass das nicht nur sie hat und dass es quasi "anerkannt" ist. Sie hat sich medizinische Texte reingepfiffen, im Internet recherchiert, mit mir diskutiert, ob sie nicht doch vielleicht etwas anderes haben könnte. Wir kamen so in einen total sachlichen Dialog.

    Durch Zufall hat sich bei uns eine Chance ergeben durch einen Elternsprechtag. Ich habe offen kommuniziert, dass sie z.B. Panik vor Referaten hat, weil. Dass sie nicht schüchtern ist, im Gegenteil, aber vor der Klasse nicht reden kann. Ein Lehrer von ihr hatte mal ein völlig mutistisches Kind in der Schule, der kannte das also gut, und mit einem abgesprochenen Kniff konnten wir es zu dritt arrangieren (meine Tochter war im Bilde darüber!), dass sie mit ihm über diese Diagnose reden konnte und seine Erfahrungen damit. Das war wirklich ein Quantensprung! Denn sie erfuhr so, wie mit dem anderen Kind umgegangen wurde, das z.B. sämtliche mündliche Prüfungen schriftlich machen durfte, dass es Lösungen gibt und nicht bloß Probleme.

    Und sie hat mir später mal gesagt, dass es gut war, dass ich sie hier und da "gezwungen" habe, Dinge zu tun, aber immer quasi als MAUER zur Verfügung stand. Sei es zum Schutz (vor anderen, vor Reaktionen), sei es als Klagemauer. Ich hab sie echt oft zu Sachen gezwungen, sie musste sich überwinden, ich war da wirklich streng und hab mich manchmal selbst dafür gehasst, da war ich dann eine Barrieren-Mauer. Wenn sie dann erlebte, dass man ihr nicht den Kopf abriss, fein. Sie erlebte aber durchaus auch Häme oder Lästerei. Da war ich dann die Klagemauer oder der Schutz, habe das für sie geklärt wie eine Eislaufmutti, egal. Sie sollte wissen, dass ich da bin und dass ICH mich auch mal lächerlich mache, wenn es sein muss. Erst neulich musste sie was zurückfordern, dass der Ausleiher "vergessen hatte". Da hab ich ihr die Whatsapp vorgeschrieben und mich zur Verfügung gestellt als "bekomme sonst Ärger mit meiner Mutter". Und zack, war der andere reumütig und sie musste nicht allein durch das "was, wenn er soundso reagiert" Szenario.

    Belohnungen haben nie funktioniert. Sie hat das immer in Kauf genommen, Nachteile zu haben.

    Sie hat hier auch mal ein Sozialtraining absolviert, habe ich auch privat bezahlt. Da ist jemand mit ihr losgezogen und hat das ähnlich gemacht wie Mary das berichtet. Sich in öffentlichem Raum lächerlich aufführen. Oder Dinge einkaufen, die nicht vorrätig sind, wo man nachfragen muss. Sie hat es gehasst. Aber ich hab sie gezwungen, das mitzumachen, und es hat ihr so gut getan. Sie musste einmal mit der S-Bahn da hinfahren, was war das für ein Drama. Hab ich ausgehalten (naja... offiziell halt). Mittlerweile fährt sie spielend durch die Stadt, mit Umsteigen und selbst Fahrkarte kaufen. Das war ein Prozess von 5 Jahren.

    Ich finde vom Lesen her, dass Du das echt gut angehst.

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