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  1. Moderation Avatar von lunete
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Ich finde, das ist ein sehr interessantes Thema.
    Selbstverständlich befleißige ich mich im Umgang mit Erwachsenen, egal ob im professionellen oder alltäglichen auf-der-Straße-Umfeld einer höflichen Sprache.
    Aber in gewissen Kontexten funktioniert das nicht. Als Dozentin (oder, um das Statusgefälle herauszukürzen, Referentin), käme ich nicht auf dem Gedanken vor einem vollen Hörsaal "würden Sie jetzt bitte S. 33 aufschlagen" zu formulieren, sondern wäre direkter. Direktiver.

    Im Umgang mit den Kindern habe ich - neben den möglichst klaren Anweisungen - noch den gleichsam lyrischen Modus der Litanei: "Schuhe ausziehen, Jacke aufhängen, Hände waschen" (rhythmisch, ggf. sogar leicht melodisch gesprochen) begleitet das Heimkommen, "Kauflächen, Innenseite, Außenseite, Ausspucken, Spülen" das Zähneputzen usw. Rituell, einprägsam und (hoffentlich!!!) ein guter Schritt dem Weg zur Automatisierung.

  2. Moderation Avatar von lunete
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von chaos99 Beitrag anzeigen
    Aber selbst das merken viele Leute nicht, wenn man sie mit ihrem Hund sieht...
    Hihi, ich musste bei der Lektüre dieses Stranges auch schon an die verzweifelte Reiterin mit dem störrigen Pferd denken, die es anflehte "bitte lass mich jetzt deine Hufe auskratzen"


  3. Registriert seit
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Meine Kinder haben ein deutlich besseres Sprachverständnis als Hunde

    Deutsch ist ja schon eine sehr direkte Sprache. Übertroffen nur noch von wenigen anderen Kulturen und wer beruflich mal mit niederländischen oder israelischen Firmen zu tun hatte hat vielleicht festgestellt, wie seltsam es ist, mal auf der anderen Seite zu stehen.

    In anderen Ländern wird „Es ist ein klein wenig warm hier drin, findest Du nicht?“ mental problemlos zu „Mach sofort das Fenster auf“ transkribiert. Kinder lernen so etwas sehr schnell - eben mit der Muttersprache.

    Meine Kinder sollen lernen, dass es „Kann ich bitte etwas zu trinken haben?“ heisst und nicht „Ich hab Durst“ Und „Reichst Du mir bitte die Butter“ und nicht „Ich brauch Butter“.

    Wer solche Fragen mit „nein“ beantwortet, braucht vor allem einen Sprachkurs.

    Hierzulande ist das Klischee des Deutschen jemand, der in der Kneipe mit „Ich bekomme ein Bier“ bestellt.
    A man is likely to mind his own business when it is worth minding. When it is not, he takes his mind off his own meaningless affairs by minding other people´s business. - Eric Hoffer

  4. Avatar von Anni04
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von Minstrel02 Beitrag anzeigen

    In anderen Ländern wird „Es ist ein klein wenig warm hier drin, findest Du nicht?“ mental problemlos zu „Mach sofort das Fenster auf“ transkribiert. Kinder lernen so etwas sehr schnell - eben mit der Muttersprache.

    Meine Kinder sollen lernen, dass es „Kann ich bitte etwas zu trinken haben?“ heisst und nicht „Ich hab Durst“ Und „Reichst Du mir bitte die Butter“ und nicht „Ich brauch Butter“.
    *unterschreib*
    Wir tendieren kulturell und sprachlich auch eher zur “könntest du bitte, wenn es dir nicht zu viel ausmacht”-Fraktion (und ja, ich übertreibe hier) und ich rede mit meinen Kindern schlicht genau so höflich, wie ich auch jedem
    anderen auf der Straße begegnen würde und vor allem wie ich selber angeredet werden möchte.

    Das stürzt sie nicht in “altersunangemessene “ Entscheidungsprozesse (wobei ich es auch nicht wie so manche per se eine mentale Überforderung finde, auch schon mit 2 Jahren zu merken, daß das selbstgewählte T-Shirt doch zu kalt ist) sondern vermittelt ihnen Umgangsformen, die mir wichtig sind.

    Wenn dann auf meine höfliche Aufforderung mal keine Reaktion kommt, wird die Ansage mit zunehmendem Ärger zunehmend knapper und direkter.

    Allerdings würde ich mich bei einem Busfahrer, der sich trotz höflicher Bitte/Frage/Aufforderung weigert, mir eine Fahrkarte zu verkaufen, genau so verhalten.


  5. Registriert seit
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von Minstrel02 Beitrag anzeigen

    Meine Kinder sollen lernen, dass es „Kann ich bitte etwas zu trinken haben?“ heisst und nicht „Ich hab Durst“ Und „Reichst Du mir bitte die Butter“ und nicht „Ich brauch Butter“.

    Wer solche Fragen mit „nein“ beantwortet, braucht vor allem einen Sprachkurs.

    Hierzulande ist das Klischee des Deutschen jemand, der in der Kneipe mit „Ich bekomme ein Bier“ bestellt.
    Guten Morgen,

    Minestrel, ich habe jetzt mal Dein Beispiel genommen, weils grad so gut passt.
    Zwischen „Kann ich bitte etwas zu trinken haben?“ und „Ich hab Durst“ - passt doch sehr gut „Ich möchte bitte etwas trinken.“ oder „Gib mir bitte etwas zu trinken.“

    Das ist klar ausgedrückt, höflich und nicht als Frage formuliert.

    Für mich passt es auch nicht zusammen, wenn man Kindern beibringt, selbstverständliche Lebensnotwendigkeiten in einer Bitte zu verpacken (Nahrungsaufnahme, Toilettengang). Das sind Kleinigkeiten, aber m. E. wird hier ein wichtiger Grundstein gelegt, für seine Bedürfnisse offen und geradlinig aufzutreten.
    Gerade weil die deutsche Sprache so direkt ist, aber auch viele Möglichkeiten zur Satzbildung bietet, mag ich es, wenn man klar sagt, was man will. So ist für mich auch das Wort „will“ kein nogo, wenn meine Kinder sagten „Mama, ich will bitte auf Toilette“. Das erkennen des eigenen Willens und diesen klar und höflich zu formulieren (schließt sich m. E. nicht aus) ist wichtig und zieht sich durchs ganze Leben. Sieht man gut an älter werdenden Menschen, die sich nie trauen, mal an sich selbst zu denken und Unbehagen zu äußern.

  6. gesperrt
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von chaos99 Beitrag anzeigen
    Wir reden über Kinder, nicht über Erwachsene.(OK...das war ne knappe Ansage :)))))

    Kleine Kinder kann man mit Hunden vergleichen.
    Da scheitert man generell, wenn man sie bittet und diskutiert;)
    Aber selbst das merken viele Leute nicht, wenn man sie mit ihrem Hund sieht...
    Umgangsformen lernt man als Kind. Wie mehrfach dargelegt können Kinder sehr gut zwischen Form und Botschft differenzieren

  7. gesperrt
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von lunete Beitrag anzeigen
    Im Umgang mit den Kindern habe ich - neben den möglichst klaren Anweisungen - noch den gleichsam lyrischen Modus der Litanei: "Schuhe ausziehen, Jacke aufhängen, Hände waschen" (rhythmisch, ggf. sogar leicht melodisch gesprochen) begleitet das Heimkommen, "Kauflächen, Innenseite, Außenseite, Ausspucken, Spülen" das Zähneputzen usw. Rituell, einprägsam und (hoffentlich!!!) ein guter Schritt dem Weg zur Automatisierung.
    Merkwürdigerweise hatte ich mit (meist!) konzilianteren Formulierungen durchaus nicht weniger Erfolg, kurz- wie (vor allem) langfristig

  8. Avatar von chaos99
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von Minstrel02 Beitrag anzeigen
    Meine Kinder haben ein deutlich besseres Sprachverständnis als Hunde

    Deutsch ist ja schon eine sehr direkte Sprache. Übertroffen nur noch von wenigen anderen Kulturen und wer beruflich mal mit niederländischen oder israelischen Firmen zu tun hatte hat vielleicht festgestellt, wie seltsam es ist, mal auf der anderen Seite zu stehen.

    In anderen Ländern wird „Es ist ein klein wenig warm hier drin, findest Du nicht?“ mental problemlos zu „Mach sofort das Fenster auf“ transkribiert. Kinder lernen so etwas sehr schnell - eben mit der Muttersprache.

    Meine Kinder sollen lernen, dass es „Kann ich bitte etwas zu trinken haben?“ heisst und nicht „Ich hab Durst“ Und „Reichst Du mir bitte die Butter“ und nicht „Ich brauch Butter“.

    Wer solche Fragen mit „nein“ beantwortet, braucht vor allem einen Sprachkurs.

    Hierzulande ist das Klischee des Deutschen jemand, der in der Kneipe mit „Ich bekomme ein Bier“ bestellt.
    Auch das ist Aufgabe der Eltern: Umgang mit anderen Menschen erlernen.
    Den Unterschied zwischen dem Eltern/Kind-Verhältnis und der Kommunikation mit Anderen verstehen auch Kinder sehr leicht.
    Damit hatte auch meine Ansagen gewohnten Kinder keinerlei Probleme.
    Sie bekommen schließlich auch die Kommunikation zwischen Eltern und anderen Erwachsenen mit und so die Höflichkeit vorgelebt.

    Und sie wissen ganz genau, warum sie aufgefordert werden...merken dann auch, dass Zeitpläne, Strukturen, Alltagsriten, Dinge die notwendig sind, durcheinander kommen.
    Ein Kind bekommt mit, wenn Mami sich für das Zuspätkommen bei einem Termin beim Gastgeber entschuldigt, weil Kind meinte, über Alles diskutieren zu müssen.

    Das Heraufbrechen auf Erwachsenenverhalten halte ich aus den Gründen und gelebter Praxis heraus, für einen nicht reellen Ansatz.

    Dazu braucht man auch keinen Sprachkurs...und Ausreißer im Benehmen gibt es auf jeder Bildungsstufe.

    Zumal immer noch die Phonetik eine grosse Rolle spielt.
    Ein aggressives, bis hin zum säuselnden ...Bitte... hat einen großen Raum...genau wie eine Ansage von der Kaserne bis hin zur Lieblichkeit reichen kann.

  9. Moderation
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Vielleicht könnte man sich einfach darauf einigen, dass es Kinder gibt, mit denen das eine besser klappt, und Kinder, mit denen das andere besser klappt, bevor man die Erfahrung anderer negiert?

    Und dann gibt es auch Kinder (und Phasen), in denen gar nichts klappt...
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  10. Avatar von chaos99
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Vielleicht könnte man sich einfach darauf einigen, dass es Kinder gibt, mit denen das eine besser klappt, und Kinder, mit denen das andere besser klappt, bevor man die Erfahrung anderer negiert?

    Und dann gibt es auch Kinder (und Phasen), in denen gar nichts klappt...
    Jeder, der Kinder hat, kennt die Situationen und jeder hat oder hatte die Bitte-Phase.
    Die Einen erkennen, dass man anders weiter kommt und Andere verzweifeln weiter.
    Das ist doch die Praxis.

    Kinder loten immer Grenzen aus. Andauerndes Bitte zeigt keine Grenzen.

    Wenn bei Kinder nichts klappt, liegt es nur an den Eltern, nicht an den Kindern....oder an Pupertät :))

    Und ich warte auf die Eltern jetzt, die immer nur Bitte sagen und immer damit ohne Probleme klar gekommen sind. Ohne Diskussion, etc....

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