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  1. VIP Avatar von xanidae
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von lunete Beitrag anzeigen

    Und ich habe meine Bekannte, Schulpsychologin, im Ohr, die von Grundschulkindern berichtet, die einfache Anweisungen („nehmt euer Deutschheft“) nicht umsetzen können, weil sie das nie gelernt haben - und von deren Eltern, die unsicher sind, ob sie Kindern überhaupt direkte Ansagen machen dürfen, stattdessen lieber fragen und bitten und es bei „nein“ dann doch selbst erledigen. (Das sind natürlich Extremfälle.)
    Leider sind diese Extremfälle anscheinend nicht selten, ich sitze regelmäßig in Schulen als Beobachterin und erlebe das so oft. Beispiel: Vor der Klassenarbeit „Ihr schreibt mit Bleistift oder Füller“. Melden sich drei Kinder, die alle fragen ob sie nicht doch ihren pinkglitzernden Gelstift oder „Kann ich mit Gelb schreiben“, die Ansage hinterfragen.

    Zitat Zitat von Minstrel02 Beitrag anzeigen
    Das ist eine im Deutschen sehr übliche Höflichkeitsform, die Kinder meiner Erfahrung nach gut verstehen.
    Erwachsene unterhalten sich ja auch so (reichst du mir bitte die Butter (?) ; kannst du später bitte noch die Wäsche aufhängen (?))
    Und die Konvention ist da ganz klar, dass es sich um eine Aufforderung handelt.
    „Räum (bitte) deine Socken in den Schrank“ wäre hierzulande unter Erwachsenen grob unhöflich.

    Wenn ich deutlich werden will, benutze ich andere Varianten (wir gehen jetzt. Ich möchte, dass du deine Schuhe anziehst.)

    „Zieh deine Schuhe an“ ist bei mir eher die mit erhobener Stimme gesprochene Eskalationsform für den morgendlichen Trödler.
    Ich glaube ich bin voll der Stoffel: „Schuhe an, Jacke an, wir gehen in 5 Minuten“. Erfolgsrezept über Jahre.
    Die subtilste Form des Terrors ist die Betreuung. Man hat für ihn auch noch dankbar zu sein.
    G. Haack

  2. Inaktiver User

    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Leider sind diese Extremfälle anscheinend nicht selten, ich sitze regelmäßig in Schulen als Beobachterin und erlebe das so oft. Beispiel: Vor der Klassenarbeit „Ihr schreibt mit Bleistift oder Füller“. Melden sich drei Kinder, die alle fragen ob sie nicht doch ihren pinkglitzernden Gelstift oder „Kann ich mit Gelb schreiben“, die Ansage hinterfragen.
    Sowas kenne ich aber bei Erwachsenen auch, und es liegt da wohl nicht daran, dass die Satzkonstruktion nicht richtig interpretiert wurde.

  3. Avatar von schafwolle
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von Duffeline Beitrag anzeigen
    Würdest du bitte deine Schuhe anziehen.“ ist bei mir keine Frage, sondern höfliche Aufforderung. Das merke ich auch an der Reaktion des Kindes.

    „Möchtest du deine Schuhe anziehen?“ ist allerdings etwas anderes - da frage ich mich was man macht wenn die Antwort „nein“ lautet.
    Ja, genau das ist die richtige Differenzierung.

    "Würdest Du bitte …" hat, trotz des verwendeten Konjunktivs, für mich
    auch den Stellenwert der Befehlsform.


    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    „Ihr schreibt mit Bleistift oder Füller“. Melden sich drei Kinder, die alle fragen ob sie nicht doch ihren pinkglitzernden Gelstift oder „Kann ich mit Gelb schreiben“, die Ansage hinterfragen.
    Um das zu verhindern, müsste wohl die Lehrkraft vorher ausgiebig
    darüber aufklären, wie schlecht pinkes Geglitzer und Gelb lesbar sind.
    Kinder haben schließlich das Recht auf Begründungen ;)).


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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Ich ertappe mich manchmal auch dabei, solche Fragen zu Stellen, bzw. werde dabei ertappt, wenn meine Tochter schlicht mit "Nein" antwortet. Ansonsten bemühe ich mich auch, klar zu formulieren. Also "Zieh jetzt bitte deine Schuhe an." Ich finde auch, dass eine Frage zwar netter klingt, aber eben die Illusion der Entscheidungsfreiheit lässt. Übrigens verwende ich meinem Mann gegenüber die Frageform, alles andere wäre unhöflich nach meinem Empfinden. Allerdings besteht für mich da dann auch ein deutlicher Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern.

  5. gesperrt
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von Kieselmurmel Beitrag anzeigen

    Was mir auffällt, sehr viele Eltern (so um die 30), formulieren Aufforderungen an ihre Kinder als Fragen.
    Beispiele:
    Würdest Du Dir bitte die Schuhe anziehen?
    Wollen wir jetzt losgehen?
    Würdest Du bitte nicht so trödeln?
    Würdest Du bitte aufhören, Deine Schwester zu schubsen?
    Das hat meine verdammt autoritäre Mutter schon vor über 60 Jahren so gehalten. Es war eine Frage des Überlebens, die Höflichkeitsform von echten Fragen zu unterscheiden. ich kann mich nicht erinnern, dass wir damit jemals ein Problem gehabt hätten. Als aufmüpfiger Teen allerdings habe ich tatsächlich mal (allerdings meinem Vater) geantwortet: ich könnte schon, aber ich mag nicht.
    Soweit ich mich erinnern kann, nur dieses eine mal.

    Aber ich habe das übernommen, ich finde das einfach formal angenehmer, in aller Regel auch noch verbunden mit "bitte"

  6. gesperrt
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von Ullalla Beitrag anzeigen
    Warum muss eine Aufforderung als Frage daherkommen?
    Eine Frage () des Umgangstons. "Zieh dir die Schuhe an!" hört sich nun mal schon a priori an wie Kasernenhof. Als Erwachsene frage ich "Können Sie mir bitte sagen, wo es zum Bahnhof geht"; das ist tatsächlich eine Frage, die auch auch anders formuliert höre: "Wo gehtsn hier zum Bahnhof!"

    Und ich krieg einen Hals, wenn jemand sagt: "Gib maldie Butter" statt "bitte" oder "Könntest du mir bitte die Butter geben"

  7. VIP Avatar von xanidae
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von ilazumgeier Beitrag anzeigen
    Eine Frage () des Umgangstons. "Zieh dir die Schuhe an!" hört sich nun mal schon a priori an wie Kasernenhof. Als Erwachsene frage ich "Können Sie mir bitte sagen, wo es zum Bahnhof geht"; das ist tatsächlich eine Frage, die auch auch anders formuliert höre: "Wo gehtsn hier zum Bahnhof!"

    Und ich krieg einen Hals, wenn jemand sagt: "Gib maldie Butter" statt "bitte" oder "Könntest du mir bitte die Butter geben"
    Das kommt auf den Tonfall drauf an. "Gibst du mir die Butter?" kann freundlicher klingen als "Die Butter bitte".

    Und wenn ich mit Fremden spreche, dann muss ich vorher abklären, ob er mir den Weg zum Bahnhof erklären kann. Doch wenn mein Kind seine Schuhe anziehen soll, weil es jetzt in den Kindergarten geht und es dafür die Schuhe anziehen muss, muss ich nicht abklären, ob es das kann - denn das weiß ich.

    Wenn ich mein Kind um etwas bitte, was die Option der Wahlfreiheit enthält, dann kann ich "Kannst du mir bitte die Einkaufstaschen reintragen?" oder "Würdest du bitte Kartoffeln schälen?".

    Und ja, manches klingt nach Befehl.
    Die subtilste Form des Terrors ist die Betreuung. Man hat für ihn auch noch dankbar zu sein.
    G. Haack


  8. Registriert seit
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Beide Formulierungen enthalten für meine Ohren keine Option.

    Naja - auch in noch indirekteren Gesellschaften werden ja Kinder gross und knacken den sozialen Code.
    A man is likely to mind his own business when it is worth minding. When it is not, he takes his mind off his own meaningless affairs by minding other people´s business. - Eric Hoffer

  9. gesperrt
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Das kommt auf den Tonfall drauf an. "Gibst du mir die Butter?" kann freundlicher klingen als "Die Butter bitte".

    .
    Keine Frage! in deinem Beispiel ist tatsächlich auch die Frageform die nettere

  10. Avatar von Blue2012
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    AW: Aufforderungen als Fragen formulieren

    Zitat Zitat von lunete Beitrag anzeigen
    Und ich habe meine Bekannte, Schulpsychologin, im Ohr, die von Grundschulkindern berichtet, die einfache Anweisungen („nehmt euer Deutschheft“) nicht umsetzen können, weil sie das nie gelernt haben - und von deren Eltern, die unsicher sind, ob sie Kindern überhaupt direkte Ansagen machen dürfen, stattdessen lieber fragen und bitten und es bei „nein“ dann doch selbst erledigen. (Das sind natürlich Extremfälle.)
    Zitat Zitat von xanidae Beitrag anzeigen
    Leider sind diese Extremfälle anscheinend nicht selten, ich sitze regelmäßig in Schulen als Beobachterin und erlebe das so oft. Beispiel: Vor der Klassenarbeit „Ihr schreibt mit Bleistift oder Füller“. Melden sich drei Kinder, die alle fragen ob sie nicht doch ihren pinkglitzernden Gelstift oder „Kann ich mit Gelb schreiben“, die Ansage hinterfragen.
    Danke.
    Danke.
    Danke.
    Danke.
    Danke.

    Genau DAS ist ein Problem. Und das fängt bereits im Kindergarten an.

    Aber: Schreib doch mal hier, dass du es sehr wichtig findest, dass dein Kind eine einfache (altersgerechte) Anweisung von dir "aufs Wort" (sprich sofort, bereitwillig, gerne - ohne Nölen, Meckern, Maulen, Aufschieben) befolgt. Da heißt es dann: Nein, beziehe dein Kind in die Entscheidungen stets mit ein, nein, unterbrich es niemals beim Spielen, lass ihm doch Zeit, bis es dazu "Lust" hat, frage das Kind nach seiner Meinung etc.

    Kinder lernen, ihre Eltern zu lenken.

    Sie lernen, dass es keine Autorität gibt, also keine feste Bezugsperson, "die mir was zu sagen hat".
    Be a voice not an echo.

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