Hallo, ich bin ganz neu hier und habe eine Frage: Meine Enkelin ist 3 1/2 Jahre alt und darf - wie schön - immer mal wieder über WE oder auch in der Woche zu mir. Das Verhältnis zu meiner Tochter und meinem Schwiegersohn ist sehr gut, meine Enkelin und ich sind ein Team. Ich mische mich nicht in die Erziehung meiner Enkelin ein, lasse meine Kinder machen. Auch wenn ich nicht immer alles richtig heiße respektiere und akzeptiere ich ihren Erziehungsstil. Nun aber meinte meine Tochter, ich muss härter zu meiner Enkelin werden. Beispiel: Sie kann und soll sich Jacke und Schuhe/Stiefel allein anziehen. Wenn sie bei mir ist, fragt sie Oma, hilfst du mir? Klar mache ich das. Das aber mißfällt meinen Kindern. Ich soll das nicht. Ich finde das aber nicht schlimm, warum soll sie diesen Luxus bei Oma nicht genießen? Wenn sie gespielt hat, soll sie alles allein aufräumen. Ich aber helfe ihr, ich hab ja auch mitgespielt. Auch das soll ich nicht. Was machen? Ich finde, dass ist doch nun wirklich nicht schlimm - ansonsten halte ich mich ja an die Regeln der Eltern. Nicht soviel naschen, wenig TV, pünktlich ins Bett und und und... Angeblich sind immer Tage notwendig um das Kind nach einem Besuch bei Oma wieder "in die Spur" zu bekommen... Was denkt ihr? Wie lösen wir das Problem?
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27.12.2016, 15:26
Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
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27.12.2016, 15:36
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Das halte ich jetzt mal für etwas übertrieben von deiner Tochter. Als meine Kinder klein waren, waren sie auch öfter bei meinen Eltern oder Schwiegereltern. Bestimmte Sachen, wie nicht soviel Fernsehen usw. haben wir natürlich geregelt. Ansonsten war es bei den Omas und Opas halt so und bei uns war es anders.
Kinder können da meist ganz gut damit umgehen. Bei Oma gab es z. B. eine extra Zahnpasta, bei uns benutzten alle die gleiche. Bei Oma gab es Gummibärchen, wir waren sehr zurückhaltend mit Süßem. Bei Opa mussten die Kinder schon früh beim Tischabräumen helfen, ich sah das nicht so eng.
So gibt es viele Beispiele. Die Kinder sind ja früher oder später auch im Kindergarten oder bei Freunden, da gibt es wieder andere Regeln. Als den Kindern das auffiel, wollten sie wissen, wieso das so sei. Ich erklärte ihnen, dass halt in jeder Familie etwas anderes wichtig sei und man sich an das zu halten hatte, was die Erwachsenen dort verlangten oder anwendeten.
Das verstanden sie, manchmal kam: aber bei Oma ist das so... oder der Florian darf aber.... Da sagte ich, das ist dann dort halt so, bei uns ist es anders. Solange es sich nicht um grundsätzliche Dinge handelt (z. B. Kind darf Gewaltsachen im Fernsehen schauen) würde ich da nicht überreagieren. Vielleicht kannst du ja nochmal mit deiner Tochter reden. Sie kann ja nicht von dir verlangen, dass du alles anders machst, als es sich für dich richtig anfühlt.
Und, meine Güte, so eine Oma darf doch auch mal ein wenig verwöhnen, oder ?
Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)
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27.12.2016, 15:50Inaktiver User
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Ich hab bei unserer Oma einmal was gesagt, als aus dem wirklich zärtlichen Verwöhnen -welches wir als sehr positiv empfinden- kurzfristig völliges Überbetüdeln und Alles abnehmen (zB Extrawürste braten und füttern des Kindergartenkindes, einpacken des Kindes wie für eine Polarexpedition im September) wurde. Beim klärenden Gespräch haben wir die Beweggründe verstanden (Stress mit Opa) und konnten einen sinnvollen Modus finden.
Geht beide mal einen Schritt zurück und schaut, was los ist.
Vielleicht fordert das Kind jetzt auch Service von den Eltern?
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27.12.2016, 16:04Inaktiver User
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Hm, ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster. Vielleicht verlangen die Eltern von dem Kind auch wirklich viel, und sind fast übertrieben konsequent? Ich kenne ehrlich gesagt kein 3,5-jähriges Kind, das nach dem Spielen komplett alleine aufräumt. Nur solche, die das gemeinsam mit den Eltern oder Eltern und Spielkameraden tun.
Ich gebe zu, ich habe auch oft etwas konsterniert anderen Kindergarteneltern zugeschaut, die eher 20 Minuten danebenstanden, bis das Kind die Schuhe angezogen hatte, als einem an dem Tag mal müden Kind zu helfen. Konsequent bis ins Letzte.
Dass solche Kinder, wenn sie dann bei Oma mal ein bisschen verwöhnt werden, das von den Eltern auch fordern, finde ich nicht verwunderlich. Wenn sie es aber auch von den Eltern kennen, dass die nicht immer so "hart" sind in allen Belangen, können sie auch Ausnahmen besser einordnen.
Denn ich kenne es von meinen Kindern auch so, dass sie sehr schnell drauf hatten, dass bei Oma teilweise andere Regeln galten als bei uns. Natürlich, wenn einem was bei Oma besonders gut gefällt, kann man ja mal versuchen, ob man das zu Hause auch bekommt, was ist schon dabei?
Die Eltern werden sich noch wundern. Das Kind wird älter, besucht andere Kinder, sieht, dass da manches anders läuft als zu Hause - wer kennt das nicht, dass Kinder (zu Recht oder zu Unrecht) behaupten, dass die Freunde ja viel mehr dürfen als sie selbst etc.? Da muss man sich dann mit dem Kind auseinandersetzen. Und je früher es lernt, dass an unterschiedlichen Orten auch unterschiedliche Regeln gelten, um so besser.
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27.12.2016, 16:04
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Kein Stress mit Opa. Ich bin bereits mit 33 Witwe geworden. Und nein, auch kein Überbetüdeln - ich füttere sie nicht und brate auch keine Extrawürste. Es ist einzig und allein das, was ich geschrieben habe...
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27.12.2016, 16:08
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Das denke ich auch. Das sie ein perfektes Kind möchten. Meine Enkelin kann schon sehr gut sprechen, sie singt Lieder, sagt kleine Gedichte auf. Sie ist für ihr Alter schon sehr selbstständig, war früh sauber und ich staune manchmal, was sie schon alles kann und weiß. Ich bin total Deiner Meinung... :-)
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27.12.2016, 16:13
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Ich finde auch, dass Kinder ganz gut unterscheiden können, was bei Oma läuft und was zu Hause... Ist doch ganz normal, dass es Unterschiede gibt, es ist doch auch wichtig, dass Kinder lernen, in verschiedenen Gruppen unterschiedliche Regeln einzuhalten. Dass die Kleine nun nach dem Oma-Tag ein bißchen neben der Spur läuft, kann ich gut glauben, aber sie wird es lernen, dass es nix nützt, bei den Eltern denselben Service einzufordern. Allerdings finde ich es schade (und daneben), wenn immer ganz konsequent eingefordert wird, dass das Kind alleine aufräumt oder sich anzieht - so einem kleinen Kind hilft man doch!
Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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27.12.2016, 16:50Inaktiver User
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Ich musste gerade an Freunde meiner Kinder denken. Die mussten sehr früh "funktionieren" - teilweise aufgrund äußerer Umstände (psychische Erkrankung der Mutter, Trennung der Eltern, zusammenleben mit einem weiterhin Vollzeit arbeitenden Vater, obwohl die Kinder zu der Zeit ein gutes Jahr und gut 4 Jahre alt waren), teilweise aber auch, weil der Vater und die dann teilweise miterziehenden Großeltern das genau so richtig fanden.
Manchmal habe ich neidisch herübergeschielt, weil die Kinder so viel mehr "in der Spur" liefen als meine, mich gefragt, ob mir ein bisschen mehr "Härte" in der Erziehung nicht auch gut tun würde (also den Kindern).
Jetzt, 6 Jahre später sehe ich, dass mein Großer in dem Alter, wo echte Selbständigkeit gefragt ist (Start der weiterführenden Schule) sie auch hat. Dass er selbstbewusst und fröhlich ist. Im großen und ganzen weiß, was ihm gut tut und was nicht. Und ich sehe seit Jahren in den Augen der Freunde eine gewisse Traurigkeit. Sie tun mir leid. Nicht wegen der Geschichte mit der Mutter, nein, weil ich glaube, ihnen wurde zu früh zu viel abverlangt und zu wenig mal "einfach so" geknuddelt.
Ein anderes Nachbarskind, das zu Hause auch zu parieren hat, komme was wolle, piesackt in der Schule andere Kinder, das weiß ich aus mehrern Quellen, seit meine Kinder und diverse Nachbarskinder mit ihm die gleiche Schule besuchen.
Kinder sind Kinder, sie funktionieren nicht immer wie Maschinen, und irgendwo bricht sich dann das Kindsein Bahn.
Als, Gockelhahnoma, zieh Dir den Schuh nicht an, dass Du nicht "hart" genug bist gegenüber Deiner Enkelin. Die darf sich auch von Oma mal betüdeln lassen. Das ist vielleicht genau der Gegenpol, den sie braucht.
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27.12.2016, 17:31
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Ich sehe das auch so, aber die Frage ist doch, wie man als Oma hier einen guten Draht zu den Kindern bekommt, um das zu lösen. Wenn man denen nämlich erklärt, dass man ihre Erziehung falsch und zu hart findet, kann einem das ganz schnell um die Ohren fliegen.
Wie wurde denn Deine Tochter erzogen, Gockelhahnoma? Und weisst Du, warum Selbstständigkeit für sie so einen hohen Wert hat? Hatte sie es selbst leicht oder schwer, selbstständig zu werden?
Und haben die Eltern im Alltag viel Zeitstress, so dass das Kind in der Spur laufen muss, damit nicht alles auseinanderfällt?
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27.12.2016, 20:24Inaktiver User
AW: Bei Mama und Papa so - bei Oma so...
Ja, Minstrel, da hast Du ja so recht. Ich würde mir als Oma auch jegliche Kommentare zum Erziehungsstil verkneifen, sowohl gegenüber den Eltern als auch gegenüber dem Kind. Man kann als Oma ja dem Kind durchaus klarmachen (und das Alter hat das Kind erreicht), dass Omas einfach mehr Zeit und mehr Ruhe haben als die Eltern, und deshalb bei Oma manches möglich ist, was zu Hause halt eben nicht geht. Das erstreckt sich ja auf alle Bereiche. Wenn ein Kind nur einmal pro Woche oder seltener bei Oma ist, wird die Oma, wenn das Kind zum Essen da ist, sicher in der Regel ein Lieblingsessen des Kindes auftischen. Nur ist natürlich klar, dass das nur geht, weil das Kind nicht jeden Tag dort isst. Das kann man einem Kind schon begreiflich machen. Das ist ja auch gar nicht wertend. Oma ist halt Ausnahme.
Ansonsten schließe ich mich minstrels Fragen an, auf die bin ich gar nicht gekommen, obwohl ich sie sehr gut nachvollziehen kann. Ich selbst hatte eine sehr klammerige Mutter, die sehr versucht hat, ihr Kind eher unselbständig zu halten. Das führt bei mir dazu, dass ich den Kindern viele Angebote mache, selbständig zu sein, aber Hilfe gebe, wenn sie selbst danach fragen. Und eben situationsgerecht auch mal betüdele, aber eben nicht aus Prinzip und immer. Und so klingt die Oma ja jetzt erstmal schon. Aber welche Dynamik da wirklich hintersteckt, ist von außen natürlich nicht so richtig einzuschätzen.
Kann aber auch sein, dass die Eltern die aktuelle Mode, ständig von Konsequenz, Grenzen und festen Regeln in der Erziehung zu schwafeln, einfach sehr ernst nehmen und sehr eng interpretieren. Wer weiß, wer weiß...


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