Hallo liebe Mütter,
zunächst vorweg, ich lebe im Ausland, meine Frage bezieht sich also nicht auf einen deutschen Kindergarten. Es bezieht sich auch ausschliesslich auf die Altersstufe von 4-7 Jahren.
Eine Bekannte mir hat mir hier einen sehr empfohlen, und mir davon etwas erzählt. Und zwar läuft es dort so, dass die Kinder sich jeden Tag auf einer Karte bewerten müssen, wie ihr Verhalten an diesem Tag war. Also zum Beispiel bei gutem Verhalten grün, bei "schlechtem" rot. Bei vorbildlichem eine andere Farbe, welche, weiss ich nicht mehr.
Dann aber überprüft die Lehrerin die Karten, und falls sie mit der Bewertung nicht einverstanden ist, streicht sie diese wohl durch, und gibt die Farbe, die sie für angemessen hält.
Also ich kenne zwar aus der Grundschule noch sogenannte " Fleissmarkerl", die man sammeln konnte, aber dieses Farbsystem kenne ich nicht, und finde es klingt antiquiert, milde gesagt. Aber vielleicht ist das ja woanders auch üblich?
Als wir die Tochter meiner Bekannten dort abholten, war auch gleich die erste Aussage der Tochter, wer denn heute wieder Rot erhalten hatte.
Was haltet Ihr von diesem Farbsystem?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 23
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22.05.2015, 09:03
"Bewertungssystem" im Kindergarten
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22.05.2015, 09:08Inaktiver User
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
Davon halte ich gar nichts.
Ist "gutes" und "schlechtes" Verhalten klar definiert?
Die Pädagogen können, meiner Meinung nach, die Kinder in ihrer Selbstwahrnehmung nachhaltig verunsichern.
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22.05.2015, 11:43
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
diese kleinen Kinder sind schlicht noch viel zu unerfahren und jung sich realistisch selbst einschätzen zu können.
Und das ganze dient der Dressur... nur wer sich anpasst und an die Regeln hält, die man ihm vorgibt, bekommt am Ende den grünen Punkt des Tages.
Liegt aber voll im Zeitgeist und passt auch in unser Bildungssystem ...
jeder bewertet sich ständig selbst und jedes Kind bekommt alles ständig benotet, nur wessen Leistung bereits stimmt, daf sich ein Smiley geben ...
und alle anderen stinken ab und müssen zufrieden. mit dem was man ihnen so aufs Auge drückt, egal wie ihr eigene Lernkurve und wie positiv die pers. Entwicklung gerade individuell sein könnten ... alles nicht Maßstab.
Der Umgang mit öffentlicher Kritik und in einem Bewertungssystem wird so frühzeitigst an die Kinder herangetragen und das bereitet sie auf kommenden Leistungsprinzipien vor.
Es funktioniert bereits ... das kleine Mädchen hat schon registriert, wer schlechter abschneidet und öfter negativ auffällt als es selbst und legt immerhin soviel Wert darauf, es dir sofort mitzuteilen!
Das glaubt bereits, das seine Bravheit punktet und hat sich im System integriert und zweifelt es auch nicht an!
Es hat, bevor es Empathieempfinden mit den weniger gut bewerteten Kindern entwickeln konnte und auf die Idee kommt, das denen ihre Beurteilung des Tages peinlich sein könnte und die auch Wert auf ihre Diskretion legen könnten,
gelernt, diese zu verpetzen und tut das auch sofort ohne Rücksicht.
Der Gedanke, das diese Kinder sich vielleicht auch viel Mühe gegeben haben und schämen und evtl nur Eltern haben, die andere Erziehungsziele setzen und andere Benimmregeln in den Vordergrund stellen, kommt erst gar nicht auf.Geändert von Lonamisa (22.05.2015 um 12:26 Uhr)
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22.05.2015, 12:04
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
Im Prinzip stellt dieses System die Verantwortung auf den Kopf: es sind die Pädagogen/Erzieher, die eine Qualität leisten sollen - und zwar auf der Ebene von Interaktion und Anleitung. Es ist auch ganz tragisch, selbst bei Verhaltenauffälligkeit von Kindern, auf der Verhaltensebene zu denken und handeln, noch schlechter allerdings, die Kinder selbst da mit einzubeziehen.
In dem Alter geht es um das Erlernen des Miteinander durch Verstandenwerden und Verstehen. Das Verhalten ist eine Funktion davon.
Insofern: ein nicht sinnvolles, veraltetes Modell, das die Erzieher aus der Verantwortung nimmt.
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22.05.2015, 12:19
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
Wenn man bei Kindern nicht auf der Verhaltensebene handelt, was wäre denn eine mögliche andere Ebene?
Ist Absichtsebene nicht das Schuldkomplexzeug?
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22.05.2015, 15:16
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
@ Unendlichkeit: danke, da hast Du leider Recht. Vor allem glaube ich nicht, dass so manche Pädagogen eben doch persönliche Zuneigungen oder auch Abneigungen da mit hineinfliessen lassen. Das war auch gleich meine Frage, ob das denn definiert sei was gut o. schlecht ist. Ist es, so meine Bekannte, wohl nicht.
@ Lonamisa: vielen Dank füer die Informationen. Dieses System mit Smileys kenne ich auch nicht. Es klingt aber für mich, also wenn ich Dich richtig verstanden habe, nicht so "schlimm" wie das Farbsystem da ja bei letzterem, jemand vor allen Anderen als negativ bewertet wird, in meinen Augen. Und das schon in so jungen Jahren, und täglich...
Ja, das stimmt, das " System" funktioniert. Ich empfand es auch als unangenehm, als dieses kleine Mädchen uns mitteilte, wer heute wieder "rot" bekommen hatte.
Natürlich kann das Kind nichts dafür, vermutlich ist dieses System so ausgelegt, und ja, es funktioniert.
Du hast sehr schön in Worte gefasst, was ich denke.
@maryquitecontrary: so hatte ich das noch garnicht betrachtet, dass sich die Erzieher, es sich damit einfach machen. Ich hatte einfach nur diese Bewerterfunktion gesehen.
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22.05.2015, 17:47
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
Ich verstehe nicht, was du mit Absichtsebene meinst, aber ich bin ziemlich sicher, dass ich das nicht meine, und schon gar kein Schuldkomplexzeugs. ich sprach von Verstehen und Verstandenwerden. Oberbegriff theory of mind und Sozialentwicklung. Theory of mind vor allem auch für die Erzieher...
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22.05.2015, 18:11
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
"Bewerte dich mal und wenn du dich richtig bewertet hast, streichel ich dir übern Kopf und wenn nicht zerrupf ich deine Karte?" Na das ist ja... Reflexion ist ja durchaus wünschenswert, aber raten, ob Kind sich den Wünschen auch ordnungsgemäß angepasst hat? Mag ich nicht, das System.
Ich kenne das System übrigens aus der Kindperspektive und man merkt gar nicht WIE manipulativ dieses System ist.Geändert von schlumpsi (22.05.2015 um 18:18 Uhr)
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23.05.2015, 13:47
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
Ich benutze ein ähnliches System als Lehrerin mit Sekundar-Stufen-Schülern. Allerdings geht es da um individuell abgesprochene Förderziele ("Ich melde mich", "Ich arbeite zügig" etc). Die Schüler wählen die Ziele selbst.
In diesem Alter finde ich es wichtig, dass die Jugendlichen lernen, sich selbst einzuschätzen. Diese Reflexionen sind sehr zeitaufwändig.
Im Kindergarten finde ich das völlig ungeeignet. Gibt es so viele Kinder mit Verhaltensproblematik? Was ist das Ziel dieser Aktion? Nach welchen Kriterien wird entschieden und sind sie für die Kinder transparent? Was passiert mit den "Braven"? Und was ist die Konsequenz für die "Bösen"?
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26.05.2015, 09:34
AW: "Bewertungssystem" im Kindergarten
Was sind bei sowas eigentlich die langfristigen Konsequenzen?
Ich könnte mir vorstellen, dass sich das noch in Grenzen hält, wenn das NUR der Kindergarten so macht, die Eltern aber nicht - was aber, wenn die auch....?


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