Mich beschäftigt seit längerem eine Frage: Wie wichtig ist im Ausland das Beherrschen einer Fremdsprache? Hintergrund dieser Frage ist die schulische Situation meiner Nichte. Sie musste die 7. Klasse der Realschule wiederholen, da sie in Französisch eine "6" im Zeugnis hatte. Ein Ungenügend kann nicht ausgeglichen werden, obwohl sie eigentlich eine gute Schülerin ist, in den anderen Fächern hat sie überwiegend Zweien, z.B. Mathe und Deutsch, Chemie und Physik. Das Jahr später konnte sie die 6 in Französisch auf eine 5 verbessern und diese ausgleichen durch die beiden Zweien in Mathe und Deutsch. Trotz Nachhilfe das Drame in diesem Jahr: wieder ein Ungenügend in Französisch. Sie musste jetzt auf die Hauptschule, da auf der Realschule nur einmal wiederholt werden darf. Sie ist jetzt seit August in der Hauptschule und total demotiviert. Sie befürchtet, dass sie als Hauptschülerin keine so guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat (stimmt ja auch). Und das alles nur wegen einer Fremdsprache. Mir stellt sich nun die Frage, ob bei uns das Beherrschen einer Fremdsprache nicht überbewertet wird. Klar, ist es wichtig etwas in einer anderen Sprache zu verstehen. Immerhin wird Globalisierung groß geschrieben. Aber es ist schade, dass einem jungen Menschen deshalb die Zukunft verbaut ist, weil er es einfach nicht schafft, eine andere Sprache korrekt zu lernen. Wie sieht dies im Ausland aus? z.B. im England, Frankreich oder in den USA? Wenn dort jemand nur mangelhaft oder ungenügend Deutsch lernt?
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19.10.2006, 12:02
Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
So blöd es klingt: Irgendwie geht es immer weiter!!
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19.10.2006, 13:02
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
hallo,
ich nehme an, das wohl deiner nichte liegt dir am herzen.
>Sie ist jetzt seit August in der Hauptschule und total demotiviert. >Sie befürchtet, dass sie als Hauptschülerin keine so guten Chancen >auf dem Arbeitsmarkt hat (stimmt ja auch).
das sollte dich mehr beschaeftigen als die frage, wie wichtig eine fremdsprache im ausland ist.
informiere dich doch einmal, was deine nichte fuer chancen hat, nach der hauptschule weiterzumachen.
vielleicht kannst du sie dadurch ja motivieren? ihre mangelnde motivation ist ja das hauptproblem, oder habe ich das falsch verstanden?
das mit einer weiterfuehrenden schule ist von bundesland zu bundesland unterschiedlich.
in bawue kannst du nach der hs in eine 2-jaehrige berufsfachschule und in 2 jahren die mittlere reife machen.
dann kannst du auf ein berufliches gymnasium und dort bis zum abitur kommen.
ich weiss jetzt nicht ob es ein defizit gibt, das sich lediglich im bereich fremdsprachen auswirkt. klingt fast so, die anderen noten deiner nichte sprechen ja dafuer.ann-christine
lebe lieber ungewoehnlich
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19.10.2006, 13:30
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
Natürlich beschäftigt es mich, wie es nach der HS weitergeht. Wir sind da schon am Ball und informieren uns über weiterführende Schulen. Das war ja nicht mein Anliegen. In erster Linie würde es mich wirklich interessieren, wie groß der Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland ist. Da ich mein Interesse daran besser erklären wollte, habe ich die Situation beschrieben, aus der meine Frage entstanden ist. Dass das Wohlbefinden meiner Nichte an erster Stelle steht, bedarf ja wohl keiner Frage.
Aber sie hat nunmal große Probleme, eine Fremdsprache zu lernen. Und auf weiterführenden Schulen ist eine Fremdsprache auch immer noch ein Hauptfach.
CarryblueSo blöd es klingt: Irgendwie geht es immer weiter!!
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19.10.2006, 13:45Inaktiver User
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
Vielleicht mal ein Sprachurlaub?
Oft hapert es da an den Grundlagen. Die Französischlehrer achten meist überhaupt nicht darauf, dass die Schüler die korrekte Aussprache auch verstehen, und dann hagelt es Fehler im Diktat.
Blöde Frage - warum wurde nicht schon viel früher sowas angedacht? Sie scheint ja in anderen Fächern gut zu sein - da stimmt doch was nicht? Was ist mit Englisch?
Eine andere Frage - auf der Realschule muss man doch nicht Französisch lernen, oder? Gäbe es nicht die Möglichkeit, dass sie einen anderen Zweig besucht?
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19.10.2006, 14:05Inaktiver User
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
Ich weiß nicht, in welchem Bundesland deine Nichte wohnt. In Bayern kann man in der Hauptschule die Mittlere Reife machen und da ist nur eine Fremdsprache - Englisch - nötig. So weit ich verstanden habe, hapert es ja nur in Französisch.
Zitat von Carryblue
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19.10.2006, 14:37Inaktiver User
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, lernt man auf allen Schulen doch als erste Fremdsprache Englisch, Französisch (oder andere Sprachen) ist Zweitsprache. Wie ist denn ihr Englisch - ist sie da auch schlecht, also sehr sprachunbegabt oder liegt es wirklich nur am Französischem?
Um deine Frage zu beantworten: Hier in England sprechen viele Leute keine Fremdsprache. Lernen muss man in der Schule aber schon Französisch oder Spanisch oder Deutsch. Wird nur gerne wieder verlernt, da man mit Englisch sowieso fast überall durchkommt.
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19.10.2006, 15:09Inaktiver User
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
Hallo Carryblue,
übertrage doch mal dein Beispiel auf ein beliebiges anderes Hauptfach...:
kann ja dann auch fuer Mathe, deutsch, such-dir-was-aus... gelten.Aber es ist schade, dass einem jungen Menschen deshalb die Zukunft verbaut ist, weil er es einfach nicht schafft, eine andere Sprache korrekt zu lernen.
Das Problem ist doch ein anderes nämlich der Umgang mit Regeln. Die sind nun mal so. Du moechtest eine Ausnahme fuer Deine Nichte, die allermeisten moechten natuerlich auch eine fuer ihre Kinder usw...
In der Realschule musste sie kein französisch nehmen. Und ne 6 steht definitiv fuer wirklich-gar-nix-gemacht. noch nicht mal ab und an abschreibe-hausaufgaben, rudimentärst vokabeln gelernt, den kram dabei gehabt haben der verlangt war.
Moeglicherweise war es genau diese Haltung dass "Fremsprachen lernen ja eigentlich uebertrieben ist" die sie dazu verleitete sich drauf zu verlassen damit durchzukommen.
Statt da mal nachzuforschen und an die Gruende zu gehen wird dann eher schnell gejammert dass keine Ausnahme gemacht wird....
Wenn Du ihr wirklich helfen willst dann mach ihr klar dass egal in welchem Beruf sie später landet sie Regeln einhalten muss. Und nicht durchkommen wird damit sich die Rosinen rauszupicken. Sondern sie sich Muehe geben muss. Auch und gerade jetzt in der Hauptschule. Das Bedauern hilft dem Mädel überhaupt nicht sondern bestärkt sie doch nur darin dass sie nix machen muss.
Sie hats verbockt und muss es jetzt ausbaden. Was ist daran so schlimm?
Gruss
mirca
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19.10.2006, 15:27
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
Zur schulischen Situation haben die anderen ja schon so einiges geschrieben, also beantworte ich Deine Frage nach dem Ausland.
Also: Das kommt aufs Ausland an. In den von Dir genannten englisch-sprachigen Ländern haben Fremdsprachen keinen großen Stellenwert (gehören aber trotzdem zum Lehrplan), in Holland oder ganz Skandinavien dagegen schon und in Luxemburg wachsen die Kinder vom Kindergarten an dreisprachig auf. Eine allgemeine Antwort gibt es also nicht, außerdem finde ich, dass es sowieso nicht viel aussagt, wie andere das handhaben.
Ach und Regenwurm: Im Saarland war lange Jahre Französisch grundsätzlich die erste Fremdsprache, inzwischen kann man an den meisten Schulen wohl zwischen Englisch und Französisch wählen.
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19.10.2006, 16:50
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
Mir ist auch sofort durch den Kopf geschossen, was Mirca geschrieben hat - eine 6 in einem Fach zu bekommen ist fuer einen normalbegabten Schueler, selbst wenn ihm das Fach ueberhaupt nicht liegt, eigentlich nur mit totaler Arbeitsverweigerung moeglich (dass Deine Nichte nicht bloed ist beweisen ja ihre Noten in den anderen Faechern).
Selbst wenn man fuer ein Fach ueberhaupt keine Begabung und Interesse hat und regelmaessig im Unterricht so gut wie nichts kapiert (ging mir jahrelang in Physik so) kann man sich immer noch wenigstens auf eine 5 retten, so lange man nur zeigt, dass man sich einigermassen bemueht, regelmaessig Hausaufgaben macht (auch wenn sie falsch sind, wenigstens sieht der Lehrer Bemuehungen) etc.
Ich denke, bei Deiner Nichte liegen die Gruende woanders, dass sie zwei Mal eine 6 auf dem Zeugnis bekommen hat.
Es war doch bekannt, dass sie nach nochmaligem Wiederholen die Schule wechseln muss - da haette ich mich an ihrer Stelle mal in den Ferien auf den Hosenboden gesetzt und mal fuer ein paar Wochen in den sauren Apfel Franzoesisch-Intensivunterricht gebissen. Da sie das nicht gemacht hat und wohl auch die Eltern versaeumt haben, da entsprechend Druck zu machen, verdient sie meiner Meinung nach den Wechsel auf die Hauptschule.
Macht ihr klar, dass das keine Einbahnstrasse ist - mit der entsprechenden Anstrengung kann sie immer noch zurueck auf die Realschule wechseln und einen besseren Abschluss erhalten.
Zur Frage nach der Wichtigkeit von Sprachkenntnissen im Ausland: es ist ja bekannt, dass gerade in englischsprachigen Laendern trotz entsprechenden Unterrichts in der Bevoelkerung kaum Sprachkenntnisse vorhanden sind - die Gruende liegen auf der Hand (ueberall wird English mehr oder weniger schlecht gesprochen, man kommt immer durch). Aber ob das so erstrebenswert ist? Mir haben schon viele englischsprachige Bekannte gesagt, dass sie wuenschten, es wuerde in der Schule mehr Wert darauf gelegt, wenigstens eine Fremdsprache zu erlangen - abgesehen davon, dass man sich im Ausland besser verstaendigen kann, oeffnet es einem so viele Tueren (Filme und Buecher in Originalsprache, man kann im Ausland die Menschen in ihrer Muttersprache ansprechen und erhaelt so gleich einen positiveren Einstieg, man kann beruflich mal ins Ausland gehen etc.).
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19.10.2006, 22:34Inaktiver User
AW: Stellenwert einer Fremdsprache im Ausland
In Amiland haben mich alle immer mit RIESENAUGEN angestarrt, wenn ich von meinen Englisch-, Französisch-, Russisch- und Spanischkenntnissen erzählt habe oder sie erfahren haben, dass das Latinum bei uns Pflicht war. Dabei ist das nich mal ungewöhnlich.
Wir haben halt nicht den Luxus, uns überall mit unserer Muttersprache zu verständigen. Ausgenommen Malle-Fraktion. Ich wäre gerne Englischmuttersprachlerin gewesen, hätte ich die Möglichkeit... sicher. Aber es ist nun mal so.
Übrigens gab es bei uns einige, die irgendwie in Latein den Anschluss verpasst hatten und für eine Fünf wirklich lernen mussten. Keine Ahnung, woran es lag.
Wie gesagt, ich hätte das viel früher angefangen. Oft hilft z.B. ein Austausch nach Frankreich (muss nicht teuer sein, gibt auch Vereine), damit Deine Nichte sieht, wie schön Französisch sein kann oder wie interessant die Kultur oder....


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