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    Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Hallo Bri-Com,

    ich weiß mit meinem Sohn (15) nicht mehr weiter und hoffe nun hier auf Tipps.

    Schon seit längerer Zeit ist mein Sohn fasziniert von Graffitis. Es begann zuerst mit eigenen Zeichnungen, mit Fotos, irgendwann hatte er erste Spraydosen und hat an legalen Wänden selber erste Graffitis gemacht. Mein Sohn, der sich bisher für nichts über längere Zeit begeistern konnte und der bisher überall eher so Mittelmaß war, sprich: nirgendwo so richtig Erfolg hatte, hatte plötzlich etwas gefunden, was er kann und gerne macht: Graffitis sprayen. Und ja wirklich, er hat ein tolles Gefühl für Farben und Formen, manche Bilder sehen echt toll aus.

    Wir haben oft darüber gesprochen, dass Sachbeschädigung -also Ansprayen fremden Eigentums- gar nicht geht und dies eine Straftat ist. Er hat genauso oft versprochen, das nicht zu tun.

    Die letzte Woche hat er bei seinem Vater verbracht, der mir einige Fotos neuerer Graffiti-Tags in unmittelbarer Nachbarschaft mailte und fragte, ob die von unserem Sohn sein könnten? Daraufhin habe ich mir alle seine Sachen, insbesondere das Black-Book genauer angesehen, und musste feststellen: Die illegalen Graffitis sind von meinem Sohn.

    Er ist weder von der Polizei noch von den Geschädigten oder sonstigen Menschen erwischt worden. Aber für mich geht das einfach gar nicht. Er hat wissentlich fremdes Eigentum beschädigt, hat damit mich und unsere Vereinbarungen hintergangen. Ich habe daraufhin alles, was mit Graffiti zu tun hat, alle Dosen, Stifte, Bücher etc. aus seinem Zimmer entfernt. (nicht entsorgt, sondern im Keller versteckt). Das Gespräch mit ihm war völlig ergebnislos, uneinsichtig. Keinerlei Schuldgefühle. Keinerlei Bedauern. Aber unheimlich Wut und Aggression, ich hätte seine Sachen gestohlen.

    Mir ist schon klar, dass das Wegnehmen der Sachen keine Lösung ist und wahrscheinlich auch nicht richtig war. Andererseits: Ich kann nicht unterstützen, dass er in seinem Zimmer/unserer Wohnung Dinge hat, mit denen er kriminelle Taten begehen kann. Er hatte mein Vertrauen - und er hat es missbraucht. Nun hat er die Konsequenz.

    Allerdings - ich weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll und mir fällt keine sinnvolle Lösung ein. Diese Malerei war quasi sein Hobby und das Einzige, wofür er sich begeistern konnte. Wahrscheinlich hat er in diesem Rahmen sogar ein gewisses Talent. Nun hat er das Hobby nicht mehr. Ist das richtig? Ich stelle mir so vor, jemand würde mir meine Laufschuhe und mein Rennrad wegnehmen - ich wäre mehr als sauer.

    Wenn ich wieder in irgendeinem vereinbarten Rahmen den Besitz von Spraydosen oder Stiften erlaube - ich habe das Gefühl, es wäre wie bei einem trockenen Alkoholiker, der nur mal einen Schluck trinkt - die Sucht wäre wieder sofort da.

    Hat jemand Ideen oder Erfahrung, wie man das wieder in die Reihe bekommt?

    Danke und Gruß
    Schnurpsel

    Nachtrag: Ich kann ihn ja auch nicht die ganze Zeit beobachten und überwachen - ich bin alleinerziehend und muss arbeiten gehen. Ebenso hat er natürlich Taschengeld zur Verfügung - ich kann nicht kontrollieren, ob er sich davon nun sofort neue Dosen/Stifte kauft und damit irgendwas anstellt.
    Geändert von Schnurpsel (08.07.2013 um 23:26 Uhr)

  2. Moderation

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    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Schwierig. Dass ein Kind für etwas "brennt" kenne ich, bei uns war es etwas anderes. Nein, Verbieten und Wegnehmen ist keine Lösung. Aber, was dann?

    Du sagst, er war vollkommen uneinsichtig. Was hat er denn gesagt? Und, ich kenne mich in der Sprayerszene nicht aus; könnte es sein, dass es "dazugehört", dass man Brückenpfeiler, Lärmschutzwände etc. quasi als Ritterschlag verschönt? Er wird deine Klassifizierung "Beschädigung fremden Eigentums" wahrscheinlich nicht nachvollziehen können. In seinen Augen beschädigt er nichts.

    Gibt es Alternativen? Wo kann er denn ausreichend legal seinem Hobby nachgehen?
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  3. gesperrt

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    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Zitat Zitat von Schnurpsel Beitrag anzeigen
    Daraufhin habe ich mir alle seine Sachen, insbesondere das Black-Book genauer angesehen,

    An deiner Stelle würde ich ihn inszeniert erwischen lassen, evtl. von einem erwachsenen ihm unbekannten sehr autoritär wirkenden Bekannten, der ihn auf frischer Tat ertappt. Am besten zu zweit, die ihn wirklich erwischen und bis kurz vor die Polizei fahren nur um dann kehrt zu machen. Damit deinem Sohn so richtig der Po auf Grundeis aufläuft.

    Ansonsten schick ihn auf GrafittiFestivals damit er sich seinen Ruhm wo anders holen kann und einen guten Mentor findet, der ihn unterstützt und ihn auch über die Folgen aufklärt und evtl. weiterbildet. Grafitti ist ne tolle Kunst und von den Festivals gibt es inzwischen viele in den Großstädten, die richtige Wettberwerbe machen.

    Mit "im schwarzen Buch" schnüffeln verspielst du jedes Vertrauen.

  4. VIP

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    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Ich würde ihn konfrontieren und mit ihm die Besitzer des Eigentums ansprechen und Wiedergutmachung anbieten. Wiedergutmachung heißt: sauber machen oder überstreichen.

    Dann würde ich ihn dabei unterstützen Plätze zu finden, wo er sprayen offiziell kann. Vielleicht eine Anzeige aufgeben. Es gibt für Spraykunst durchaus Interessenten.
    Evtl. Mit der Jugendsozialarbeit Kontakt aufnehmen - wenn es diese in eurer Stadt gibt. Die wissen oft von legalen Sprayaktionen und bieten auch selbst Aktionen an.

    Einen Airbrush- oder anderen Malkurs suchen, um seine Fähigkeiten zu erweitern.

    leider gehört oft eine gewisse Illegalität zu den Sprayern, doch solange er Minerjährig ist, bist du mitverantwortlich und das muss ihm bewusst sein.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

  5. Inaktiver User

    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Manche dieser jungen Leute sind wahre Künstler indem was sie da fabrizieren.

    Könnte man sein Talent das er wahrscheinlich hat, nicht umlenken?
    Ihn sprayen lassen wo er es darf? Vielleicht kann er sich engagieren indem er anderen Menschen so etwas beibringt? In sozialen Einrichtungen oder so. Das er eine Bestätigung bekommt, wie man es auch anders ausleben kann.

    Ah ich lese gerade, xandea hat es schon ausgedrückt was ich meine.
    Nur Verbieten und Bestrafen ist mit Sicherheit das Falsche.

    Liebe Grüße
    kolia

  6. gesperrt

    User Info Menu

    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Die geschädigten ansprechen und sich selbst als Täter outen ?

    Hört sich in der Theorie gut und richtig an ...

    In der Praxis hätte ich aber schon Bedenken, das ich mir bzw. meinem Sohn damit voll reinreite und es nicht damit getan ist, dass der seine Sommerferien bei einem netten Nachbarn schrubbt und putzt und streicht und den Schaden selbst wieder gut machen darf?

    Sondern, dass diese Leute ihn anzeigen und es sich in der Nachbarschaft rumspricht ..
    sowohl dort als auch hier, wer der Sprayer im Viertel ist ...

    und dass mein 15jähriger Sohn sich demnächst mit jeder Menge Schadensersatzforderungen und Anzeigen und Anwaltsschreiben und Kosten konfrontiert sieht, weil die geschädigten Eigentümer lieber von Fachmann putzen und renovieren lassen, als von ihnen eigentlich unbekannten und ihnen aber aber negativ aufgefallenen Teenagern.

    ich würde damit rechnen, dass mein Sohn damit ins Visier der Polizei und deren Ermittlungen gerät und ich die netten Beamten der Sonderkommission Graffiti dann öfter im Haus habe und die immer wieder erscheinen, wenn irgendwo neue Kunst auftaucht.

    Sorry, aber wenn der Vater gleich mehrere Fotos von Tags vorlegen konnte ... nach nur einer Woche ... da werden diejenigen, die sauer sind und sich reinhängen oder den Schaden haben, noch vieles aufdecken und versuchen wenigstens einen Schuldigen dranzukriegen ???

    Ich hätte das Black-Book vor seinen Augen verbrannt ... und meinem Sohn dabei verklickert, dass er weder Kunst schafft, noch diese Unkultur irgendetwas anderes ist als Sachbeschädigung und er hier nichts anderes getan hat, als seine Straftaten zu dokumentieren... unklug ... so wie Du darin nachvollziehen konntest, was er alles auf dem Kerbholz hat, kann das im Zweifel auch jeder andere.

    Ich hätte seinen Kram auch eingezogen und würde ihn zu Hause behalten und da mit Arbeit eindecken, so dass der Gedanke in den nächsten Wochen und Monaten nach einem Hobby erst gar nicht aufkommt.

    Ein Hobby, das man sich nicht leisten kann, kann man eben auch mal nicht pflegen.. der unterscheid zu Deinem Rennrad und den Laufschuhen...damit kannst du jederzeit und überall und ohne Probleme aktiv werden.

    Tausende andere Leute spielen auch kein Golf und gehen auch nicht zum reiten und schmücken auch nicht den Kölner Dom mit Fresken oder fahren keine Autorennen .. weil sie es selbst auch nicht finanzieren können bzw. man ihnen es auch nicht einfach nur gestattet, weil sie irgendein Talent hätten.

    Hobbys, die solche Formen annehmen sind schädlich und das muss man nicht unterstützen. Die Sprayerszene wird ihn alleine mit den Konsequenzen seiner Straftaten stehen lassen und sich nicht freundschaftlich mit ihm gemeinsam mit ihm zu was auch immer verknacken lassen.

    Ich würde mich also auch nur auf den Standpunkt stellen, er hatte seine Chance, er hat sie verbockt, das ist jetzt vorbei und er kein Sprayer mehr.
    Er soll für sich etwas anderes finden, etwas legales und im Rahmen seiner Möglichkeiten realisierbar.
    Seine Kunst fällt da aber leider nicht drunter und somit für ihn komplett flach.

    Sorry, aber die Welt ist nicht so nett, wie man meint ... ich hab Nachbarn, die regen sich schon auf, wenn ein Kind ihre Außenmauern auch nur mit der Hand berührt oder seinen Roller dranlehnt ... die Wand ist frisch weiß gestrichen und soll es schließlich auch bleiben. Gemeinschaftseigentum ...

    Die hätten Null Verständnis für pubertäre Sprayer und die Schulden, die ein Teenager da aufbaut, wird er so schnell nicht wieder los ... Toleranz sehe ich da auch nicht wirklich angebracht. Es sieht einfach übel und Heruntergekommen aus, wo sich die Jugend derart verwirklicht.
    Geändert von Lonamisa (09.07.2013 um 09:11 Uhr)

  7. Moderation

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    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Nicht alles, was Graffity ist, sieht runtergekommen aus - da kann teilweise richtig tolle Kunst dabei sein, die auch anerkannt wird. Das mag in Berlin oder Hamburg aber auch anders sein als im tiefsten Schwarzwald oder Bayern.

    Wir haben hier eine ehemalige Werft auf einer Insel im Hafen, da findet regelmässig ein Streetart Festival statt, da sind grossartige Sachen dabei.

    Ich würde auch gucken, ob es eine Möglichkeit gibt, das Talent in andere Kanäle zu schleusen, Jugendamt mag schon einmal eine Anlaufstelle sein. Oder Schule, nach den Ferien.
    Er muss nur die Kurve zu den Sprayern bekommen, die mehr wollen, als nur Mutproben bestehen, sondern die hinter ihrer Kunst stehen und was sagen wollen. Und einsehen, dass Sachbeschädigung nicht cool ist.
    "I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves

    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  8. gesperrt

    User Info Menu

    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    dann stell Du doch Dein Haus und Deine Wände zu Verfügung, wenn du es so toll findest...
    unterstütz Du dann doch die Szene ... Kunst braucht Förderer und Idealisten!


    Danke, aber mich hat bisher nur wenig begeistert, was aus dieser Sprayerszene kam.
    Mir gefällt es meistens nicht und finde, die Gegenden, wo Sprayer aktiv sind, sehen verslumt aus.

    Wir hatten die Tage ein Kult-Art -Festival auf der Wiese... da gab es kein Graffity für die Jugend .

    Es gab ein tolles Kinderprogramm... sehr vielfältig aber für Jugendlich in dem Alter des Sohnes der TE ab war eigentlich nichts geboten ... gar nichts mehr dabei.

    Ich geh mal nicht davon aus, dass die TE ihren Sohn motivieren könnte Körbe zu flechten oder Ledertäschchen zu nähen oder Mosaikkacheln aus bunten Scherben zu gestalten.

    Kunst-Festival gibt es viele... für Sprayer muss da aber nicht unbedingt was geboten sein.

    ich schätze, die Organisatoren haben auch Angst, diese Kunst entartet und sie haben sie demnächst an allen Wänden, Zelten und über allen Kunstwerken
    und freuen sich weniger über den 330. pubertären Schriftzug in schwarz oder silber, der ihre Fenster und Sitzflächen künstlerisch neu gestaltet.
    Geändert von Lonamisa (09.07.2013 um 09:17 Uhr)

  9. User Info Menu

    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Mein Gott die TE schreibt doch, dass ihm das legale Sprayen bisher schon ermöglicht wurde und wird...
    Das ist doch hier also gar nicht das Thema.

    Ihn scheint bewusst der Reiz des illegalen Sprayens zu locken... Und da muss angesetzt werden.
    Klare Ansage was Folgen und Konsequenzen sein können! Und dann hast du es eh nicht mehr wirklich in der Hand. Wenn er erwischt wird, wird wahrscheinlich heilsam. Mein Bruder ist früher ständig ohne Führerschein Mofa und Roller gefahren. Sämtliches Schimpfen, Strafen, Verbote usw. seitens der Eltern liefen ins Leere.. Bis er erwischt und zu Sozialstunden verurteilt wurde. Nie mehr hat er sich auf nen Roller gesetzt (also bi 18 zumindest)

  10. VIP

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    AW: Mein Sohn sprayt (auch illegal)

    Ich glaube Lonamisa dein Eindruck täuscht oder es ist abhängig von der Gegend in der man lebt.

    Hier gibt es viele Aktionen für Sprayer. Organisiert von der Jugendsozialarbeit unterstützt von örtlichen Firmen und Banken.

    Z. B. wurden auf dem Stadtsommerfest große weiße Laken besprayed und dann auf Holzrahmen gespannt. Diese wurden dann versteigert und das Geld kam den Jugendzentren zu Gute.
    Eines dieser Kunstwerke hängt in der Eingangshalle der Stadtverwaltung.
    Teil dieser Aktion war auch, dass man die Jugendlichen beauftragen konnte z. B. das Garagentor mit Graffiti zu gestalten. Hier war die Auflage, dass tatsächlich ein Auftrag erteilt wurde, der Kunde Wünsche äußerte und die Jugendlichen Vorschläge auf Papier gestalten mussten, bis der Auftrag erteilt wurde. Auch hier floss das Geld in die Spendenkasse.
    Der Graffitianzahl auf Garagentoren nach, muss diese Aktion ein voller Erfolg gewesen sein.

    Es gibt viele Möglichkeiten diese Art der Kunst zu unterstützen und zu legalisieren.

    Mit dem Ansprechen von den Eigentümern der Häuser hat die Polizei und die Jugendsozialarbeit hier gute Erfahrungen gemacht. So wurden dann auch Anzeigen zurück gezogen, wenn das Graffiti entfernt wurde.

    Nachgewiesen ist auch, dass offiziell freigegebene Sprayfläche die illegalen Aktionen vermindert.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

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