Hallo Ihr Lieben,
ich habe einen 12jährigen Sohn. Er war bereits als Kleinkind anders als die anderen Kinder; er wollte einfach immer mit Erwachsenen zusammen sein.
Er hatte damals schon keine Lust mit anderen Kindern zu spielen; gelegentlich konnte ich ihn dazu bringen, indem ich immer wieder Kinder aus dem Kindergarten eingeladen habe. In der Grundschule war es dasselbe. Er hat eine Zeitlang sogar einen Fussballverein besucht, aber nach 2 Jahren war Schluss.
Jetzt ist er am Gymn., kommt schon in die Pubertät und hängt immer noch mit Mama und Papa rum.
Es ist nicht so, dass ihn keiner mag; er wird auch eingeladen, aber meistens lehnt er diese Einladungen einfach ab und will lieber zuhause bleiben. Aber nie in seinem Zimmer, sondern immer da wo ich bin, wenn er beim Papa ist, genau so.
Ich muss dazu sagen, dass er hochbegabt ist, leider unsportlich, sehr altklug und zynisch, oft auch sehr witzig und in seinem jungen Leben bereits meine lange Erkrankung (schwere Depressionen, chronische Schmerzerkrankung) und meine Trennung von seinem Papa miterleben musste. Ich denke, dass ihn diese schwere Zeit bestimmt geprägt hat, halte es aber nicht für gesund wenn ein Kind keinen Kontakt zu Gleichaltrigen hat.
Ich war mit ihm bereits bei einem Psychologen, der keinen großen Handlungsbedarf sieht.
Ich will meinen Sohn bestimmt nicht loswerden, aber ich bin, sobald ich von der Arbeit nach Hause komme sofort von ihm "belagert" und so geht es dann den ganzen Tag. Er ist immer bei mir, egal was ich mache, will auch dass wir die Hausaufgaben zusammen machen, natürlich im Wohnzimmer, will jeden Abend mit mir im Wohnzimmer verbringen, mit mir Fernsehen, verplant meinen gesamten Urlaub mit Dingen, die wir dann jeden Tag unternehmen müssen ....
Genauso laufen die Wochenenden beim Papa ab.
Wir sind geduldige Leute, wir wissen, dass er das wahrscheinlich teils aus Verlustängsten macht, da er mit Trennung extrem konfrontiert war (mein Nichtmehrlebenwollen, die zerbrochene Ehe) und wir verbringen gerne Zeit mit ihm. Aber mittlerweile ist das so, dass wir keine Luft mehr zum Atmen bekommen. Ich hätte einfach gern, dass er entweder in seinem Zimmer eine Weile verbringt oder (und das besonders) er Kontakte nach draussen knüpft.
Ich brauche Zeit für mich und er braucht Gesellschaft; ich, in seinem Alter war froh, wenn ich meine Ruhe von meinen Eltern hatte und keine Zeit mit ihnen verbringen musste.
Aber jegliches Bemühen unsererseits, Drängen sich einem Verein anzuschliessen, raus auf den Bolzplatz zu gehen, jemanden einzuladen, mit jemanden ins Kino zu gehen ....- keine Chance!
Er will nicht.
Ich habe mir vorgenommen mit dem Psychologen nochmals darüber zu sprechen; bei meinem Sohn schneide ich das Thema nicht mehr an, da ich ihn nicht quälen möchte.
Ist das alles noch normal? Ich möchte einfach, dass er seine Jugendjahre geniesst, Freunde hat, was unternimmt. Für mich waren die Jahre zwischen 13 - bis 18 die besten meines Lebens.
Immer nur mit Mutti, keine Hobbies, keine Interessen, das ist doch nicht gesund. Was soll ich tun ?
Was würdet ihr tun?
Ich wäre für eure Einschätzung dankbar.
Liebe Grüße, J.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 34
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17.08.2012, 12:47
Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
Glück ist ein Schokoriegel im Kühlschrank!
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17.08.2012, 12:52
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
bis ihr eine lösung findet, mache mit ihm sport und andere unternehmungen zur gleichen zeit, nur sind in der halle beim üben buben und mädeln getrennt.
z.b. beim sanften kampfsport.lg
legrain
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17.08.2012, 13:09
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
Ich unternehme ja oft was mit ihm; aber er will z.B. nicht in einen Sportverein gehen. Er ist ganz verrückt nach Basketball, spielt das aber nur mit Papa im Park. Mit anderen Kindern im Verein - ein klares Nein!
Und ihm unsere Anwesenheit zu verweigern, bzw. zu verweigern, mit ihm zu spielen, bringen wir nicht übers Herz.Glück ist ein Schokoriegel im Kühlschrank!
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17.08.2012, 13:30
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
Wie sieht es denn mit Neigungsgruppen aus, die seiner Art mehr entsprechen? Schachclub, Physik-Robotik-Gruppen, Jugend forscht... usw.? Ist das auch keine Option für ihn?
LG Annika
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17.08.2012, 13:43
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
Hallo Julitka,
also, dein Sohn ist 12 - durchaus also verständig, noch dazu hochintelligent. Und wie du schon in der Überschrift schreibst : er WILL. Und du gibst ihm genau das, was er will.
Ich finde, du solltest dich selber auch einmal ganz klar positionieren und deinem Sohn sagen, was DU WILLST. Z.B. nämlich dass er seine Schularbeiten in seinem Zimmer macht. Oder dass du jetzt einfach mal ALLEINE eine Stunde auf der Couch liegen möchtest. Das hat absolut nichts mit Abschieben zu tun, sondern du lebst deinem Sohn vor, dass auch du ein Mensch, eine Frau und nicht nur seine ständig verfügbare Mutter bist.
Hast du selber eigentlich ein Hobby, einen Verein, an dem du regelmäßig teilnimmst?
Wenn nicht, dann suche dir eins!
Gleichezitig damit, dass du dann zeit für dich alleine hast, lebst du deinem Sohn dann nämlich vor, was du selber von ihm verlangst.
Gruß
Schnurpsel
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17.08.2012, 13:47
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
er kann auf der bank sitzen und zuschauen, wie du sportelst.
(wird er halt ethnologe und beobachtet exotische leute, oder detektiv)
lasst euch durch ihn nicht in die gleiche isolation drängen. lasst ihn schauen.
ich hatte ein ähnliches geschwister. es war immer das arme kind, hing ganz nahebei, schaute mit scheinbar behinderten augen, wenn es mit süssigkeiten getröstet werden wollte, nahm nicht teil, bremste alle aus.
eines tages stand er auf und war ein herrscher. mit macht ordnete er sich alles unter, beruflich und privat. er lebt nun vom sprechen, hält vorträge, unterrichtet, führt kurse durch, moderiert.
ihr müsst ihm einfach vorleben, dass euch das dabeisein in einer gemeinschaft gleichgesinnter spass macht. er darf an eurem beispiel lernen. bisher lernt lieber ihr von ihm.lg
legrain
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17.08.2012, 14:03
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
Hallo legrain, wie meinst du das wir lernen von ihm? Verstehe ich leider nicht ganz.
Leider bin ich ihm kein gutes Vorbild, was Freizeitgestaltung angeht. Seit meiner Erkrankung bin ich noch nicht richtig auf die Beine gekommen. D.h. ich unternehme auch nicht wirklich viel mit anderen. Ich bin gerne mit dem Hund im Wald unterwegs, lese gerne, bin aber in keinem Verein o.ä. Mit Freunden treffe ich mich auch eher selten. Ich bin einfach lieber für mich, und ganz gerne alleine.
Vor der Depression war das anders, da war jedes Wochenende verplant und ich hatte einen großen Freundeskreis. Jetzt habe ich nicht mehr die Kraft dafür.
Vielleicht meint er auch für mich da sein zu MÜSSEN, mich sozusagen am Leben zu erhalten. Vielleicht gebe ich ihm das Gefühl, dass er für mich verantwortlich ist. So war das auch bei mir und meinem depressiven Vater: ich hatte immer das Gefühl ihn nicht verlassen zu dürfen, weil er ohne mich ganz alleine wäre. Ich bin deshalb auch viel später von zu Hause ausgezogen, als ich es geplant hatte. Ich dachte immer, er kommt ohne mich nicht zurecht.
Nur wenn es so sein sollte: Wie vermittle ich meinem Sohn, dass er ruhig gehen kann? Und wenn es nicht so ist, was hindert ihn dann daran sein Leben so zu formen, wie er es möchte.
Mir tut es auch immer so weh, wenn ich sehe wie andere Kinder in einer Gruppe draussen z.B. Fahrrad fahren, und mein Sohn ist nur daheim bei mir.
Ich möchte einfach so gerne, dass er Spass am Leben hat und in die Welt hinauswill. Und ich bin mir einfach nicht sicher ob das bei ihm der Fall sein wird.Glück ist ein Schokoriegel im Kühlschrank!
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17.08.2012, 14:11
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
Nochmals:
Hast du ihm denn schon mal direkt gesagt, dass du jetzt bitte mal eine Stunde ALLEINE sein möchtest?
Das er bitte jetzt seine Schularbeiten in seinem Zimmer machen soll?
Oder möchtest du das eigentlich gar nicht?
Gruß
Schnurpsel
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17.08.2012, 14:17
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
dann sei ihm eines, wenigstens ansatzweise.
zeige ihm eine stunde in der woche, dass du mit anderen turnst oder spielst. ihm zuliebe.
es klingt schon nach einer situation, wo er verantwortung übernommen haben könnte.
aus der rolle kannst du ihn durch lebendige äusserungen entlassen. joggen, spazieren gehen, in gesellschaft gehen. er muss sehen, dass etwas funktioniert.Geändert von legrain (18.08.2012 um 16:07 Uhr)
lg
legrain
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17.08.2012, 14:40
AW: Sohn, 12, keine Freunde WILL nur mit Eltern zusammensein
Hallo Schnurpsel,
ich habe es ihm gesagt, aber ich habe dabei ein so schlechtes Gewissen. Ich fühle mich als würde ich mein Kind wegstoßen, es nicht haben wollen. Darum sage ich es ihm mittlerweile nicht mehr, in der Hoffnung, dass er mal alleine darauf kommt. Ich habe ein extremes Problem damit, dieses Thema anzusprechen. Ich fühle mich dann wie die größte Rabenmutter. Das war leider schon immer so; ich konnte mich da noch nie wirklich abgrenzen. Ich weiss nicht woran das liegt.
Und legrain, du hast recht, er muss wirklich mal erfahren, dass etwas funktioniert. Das hat er leider in seinem bisherigen Leben nicht oft mitbekommen.
Meistens hat er gelernt, dass man trotz aller Anstrengungen im Leben völlig aus der Bahn geworfen werden kann und dass es lange dauern kann, bis alles wieder halbwegs funktioniert. Er hat im Grunde genommen, das selbe gelernt wie ich als Kind: dass man sich nicht auf etwas / jemanden verlassen kann; dass das Leben viel Frust birgt, dass es voller Traurigkeit ist und es sehr schwer ist, da wieder herauszufinden.
Es ist nur wirklich schwer für mich ihm Vertrauen in das Leben einzupflanzen, da ich es ja selbst nicht habe. Ich erlebe es auch bei meinen Eltern bis heute, dass man sich nicht auf gesagtes verlassen darf. Und dass sie bedürftig sind; und dass mein Vater bis heute von mir verlangt, noch immer für ihn da zu sein. Das hängt so unausgesprochen in der Luft; Gespräche dahin gehend haben aber nie etwas genützt.
Ich habe einfach Angst um mein Kind; ich weiss wie schrecklich eine Depression sein kann, wie schrecklich es sich anfühlt leben zu müssen, auch wenn man es nicht will (gilt hier für die Vergangenheit), wie hohl und leer man sich fühlt und wie schwierig es ist trotzdem weiterzumachen. Ich habe ständig diese Angst, dass es meinem Sohn auch so ergehen wird. Ich habe Angst, dass er, wenn er nur mit mir zusammen ist, diese Krankheit "übernimmt", ob er will oder nicht. Und ich weiss nicht ob ich stark genug bin ihn davor zu schützen.Glück ist ein Schokoriegel im Kühlschrank!


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