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  1. Inaktiver User

    Erleuchtung Nachhilfe für schlaue Schüler?

    Hallo!

    Ich bin Studentin und verdiene mir nebenbei etwas Geld mit Nachhilfe. Soweit so gut. Bisher waren es immer Schüler, die wirklich gravierende Probleme hatten. Ich war gerne zur Stelle und konnte ihnen meistens schnell weiterhelfen. Wirklich eine sehr schöne Erfahrung.

    Nun ist es so, dass ich in den Sommerferien eine Anfrage bekommen habe, mit einem Mädchen (Notendurchschnitt Grundschule 1,0) schon einige Inhalte vom Gym vorzuarbeiten. Ich habe mich darauf eingelassen, - kann man sicher drüber streiten, aber das Mädchen war total begeistert und interessiert und wollte einfach "alles" vom Gym und den neuen Fächern wissen.

    Wir haben gemeinsam eine gute Grundlage geschaffen und hatten beide viel Freude. Nun dachte ich, dass es völlig ausreicht, wenn ich mit Beginn der Schulzeit alle zwei bis drei Wochen mal vorbeischaue, um zu sehen, was los ist und ggf. unterstützen kann.
    Auch, weil ich davon ausgehe, dass es sehr sinnvoll ist, die Kleine erstmal selber laufen zu lassen... damit sie lernt, sich selber zu organisieren, selber lernt, ggf. mal hier etwas mehr und da etwas weniger... so wie SIE das denkt und für richtig hält. Selbstständiges Arbeiten halt. - Wie gesagt, ich wäre ab und an zur Stelle und so Probleme auftreten auch gerne wieder häufiger da.

    Diese Entscheidung wird aber weder von den Eltern, noch von der Schülerin gutgeheißen. Sie möchten, dass ich weiterhin jede Woche komme. Argumente (die ich auch nachvollziehen kann): Prävention ist besser als erst dann zu helfen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Ich würde besser mit dem Kind lernen, als es die Eltern können.

    Ich bin etwas ratlos. Zum Teil fühle ich mich leicht überfordert, weil ich gar nicht weiß, wie ich "präventiv" arbeiten soll. (Gut, man könnte sich den Unterrichtsstoff noch mal angucken, Hausaufgaben betreuen etc. ... es wird sich da schon etwas finden. Man könnte auch zusätzlichen Stoff ranziehen... trotzdem kenne ich auf diesem Gebiet kein "Patentrezept".)

    Wie gesagt, ich tendiere dazu, die Hilfe nicht weiter in diesem Maße zu geben, weil ich nicht sehe, dass Hilfe notwendig ist und mein Credo bisher immer lautete: Selbstständigkeit!
    Auf der anderen Seite kann ich die Eltern auch verstehen. Seitens der Schülerin ist meine Anwesenheit mehr als erwünscht.

    Trotzdem habe ich ein komisches Bauchgefühl, was ich hier gerne ergründen würde. Meint ihr, so eine zusätzliche, nicht notwendige Hilfe, könnte dem Kind evtl. sogar schaden?!
    Was sage ich den Eltern, wenn "trotz" meiner Hilfe Probleme auftreten sollten? (Wovon ich zwar nicht ausgehe, aber man weiß ja nie.)

    Danke!

  2. gesperrt

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    AW: Nachhilfe für schlaue Schüler?

    na das ist ja mal ein schöner Auftrag.

    Selbstständiges Arbeiten halt.
    Die meisten Leute wissen nicht, wie "selbständiges Arbeiten" geht. das ist wie Schwimmen, wenn man erst mal ins kalte Wasser geworfen wird, strampeln die meisten schon irgendwie, aber Olympiasieger wird man so nicht.

    Aber du kannst ja auch bei wöchentlichen Terminen ihre Selbständigkeit abholen und fördern, also zB anschauen, ob der Terminkalender sinnvoll genutzt wird, ob die Unterlagen in einem vernünftigen System abgelegt sind (und nicht "alles auf einen Haufen", was ein sehr beliebtes System zu sein scheint), du kannst mal gucken, wie sie Fremdwörter lernt oder an mathematische Probleme herangeht und dort neue Optionen und Wege erforschen...

    Trotzdem habe ich ein komisches Bauchgefühl, was ich hier gerne ergründen würde. Meint ihr, so eine zusätzliche, nicht notwendige Hilfe, könnte dem Kind evtl. sogar schaden?!
    nein. Du hast den Luxus, solange die Noten gut sind, auch ganz allgemein etwas herum zu mäandern, interessante Details anzuschauen, mathematische Beweise zu führen, Denken in Kontexten zu üben, Strukturen hinter Daten erkennen, verschiedene Darstellungsweisen anschauen (Tabelle, Graph, Texterklärung) ...

    Was sage ich den Eltern, wenn "trotz" meiner Hilfe Probleme auftreten sollten? (Wovon ich zwar nicht ausgehe, aber man weiß ja nie.)
    Dann sagst du "ich kann nicht zaubern. Ich tue mein Bestes". Da gibt's nichts Anderes zu sagen.

    grüsse, barbara

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    AW: Nachhilfe für schlaue Schüler?

    Vielleicht wissen die Eltern, dass sie mit dem Lehrstoff ihrer Tochter überfordert sein werden. Deshalb wollen sie von Anfang an eine qualifizierte Betreuung. Wenn selbst die Tochter das gut findet, warum nicht?
    Nun kannst du dir natürlich überlegen, den Job aufzugeben. Wenn du das nicht willst, muss die Betreuung aber laufen, wie es von deinen Auftraggebern, also den Eltern, gewünscht wird.
    Dummer Vergleich vielleicht - aber wenn ich die Putzfrau 2 x die Woche bestelle möchte ich von ihr auch nicht hören, dass doch 1 x im Monat reicht, weil ich doch eigentlich gar nicht so viel Dreck mache...
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  4. Inaktiver User

    AW: Nachhilfe für schlaue Schüler?

    Hallo,
    mach dir keinen Stress.

    Die Eltern wollen wohl ein bisschen ihren Job auf dich abwaelzen. Es ist schon stressig fuer Eltern mit den Kindern zu lernen und da tragen sie wohl ein bisschen zur Entspannung bei.

    Falls du die Familie magst und Zeit hast, warum nicht.

    gruss
    chrissi

    PS wir wohnen im Ausland und hier hat jeder mind. 2 oder 3 mal die Wochen einfach noch so zusaetzlich irgendeinen Unterricht (meistens Sprache)

  5. User Info Menu

    AW: Nachhilfe für schlaue Schüler?

    Die Eltern wollen wohl ein bisschen ihren Job auf dich abwaelzen. Es ist schon stressig fuer Eltern mit den Kindern zu lernen und da tragen sie wohl ein bisschen zur Entspannung bei.
    Wieso abwälzen? Sie bezahlen dafür. Ich finde es sehr verantwortungsvoll, sich um professionelle Kräfte zu kümmern, wenn man weis, dass man es selbst nicht leisten kann.
    Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
    Ist es wichtig?
    Ist es wahr?
    Und ist es besser, als die Stille?


  6. Moderation

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    AW: Nachhilfe für schlaue Schüler?

    Studierst du auf Lehramt oder ein Fachstudium ?
    Was für einen Bildungsgrad haben die Eltern ?
    Sind die Eltern bei der NAhhilfe anwesend oder seit ihr in der Zeit alleine ? Ganz alleine oder ein Elternteil in der Wohnung ?

    Ich sehe es weitgehend wie die anderen hier, das Kind hat wohl keine fachliche Nachhilfe im engeren Sinne nötig. Ich sehe sogar ein bisschen die Gefahr, dass du sie überqualifizierst und sie sich dann im Unterreicht langweilt, aber das wird man sehen.

    Ich würde mich an deiner Stelle mit dem Thema "richtig Lernen lernen" beschäftigen und dem Kind weniger zusätzliches Fachwissen beibringen, sondern tatsächlich eher in Richtung, Hausaufgabenbetreuung, wie lerne und organisiere ich mich richtig und vielelicht sogar Begeisterung für ganz andre Dinge wecken. Oder auch - was ich extem wichtig finde - was kann ich mit dem was ich in der Schule lerne praktisches tun ? Wozu lerne ich den ganzen Quatsch.

    Das kann eine total spannende Aufgabe sein, wenn denn die Eltern dir in diesem Bereich entsprechende Freiheiten geben.
    Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.

    .... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/


    Profilbild © edwardbgordon
    Moderation:
    "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"

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    AW: Nachhilfe für schlaue Schüler?

    Ich fände es schön, dem Mädchen in dieser Zeit noch etwas zur Seite stehen zu können. Neue Schule, neue Lehrer, neue Mitschüler - alles wird anders. Sie ist jetzt vermutlich auch nicht mehr (eine der) Klassenbeste(n) und wird sich u. U. einen neuen Platz in der Klassenformation suchen müssen - das ist alles nicht so einfach.

    Lernen lernen heißt ja nicht nur Arbeitsorganisation und Lerntechniken. Dazu gehört auch Entspannung, Lernen und Bewegung, Kreativität, Recherchieren und Nachfragen, mal in ein Museum gehen, Referate vorbereiten und proben usw.

    Wäre doch sicher eine spannende Aufgabe, oder?

    LG Annika

  8. 16.08.2012, 17:31

    Grund
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    So dumm ist das gar nicht...

    Ich erinnere mich, dass mein Schulstart in der Realschule mit einigen 4-ern begann... irgendwie hatte ich nicht kapiert, dass mündliche Hausaufgaben auch zu machen sind.... Ich war da nicht die einzige...

    Falls die Eltern das nicht übernehmen können oder wollen:

    Es hilft einem Kind schon sehr, wenn man ihm zeigt, wie man Vokabeln lernt. Bzw.. dem Kind hilft, die eigene Lernmethode zu finden. Zettelkasten? PC-Programm? (In der Schule wird ja noch von Hand geschrieben, kann sie die Rechtschreibung umsetzen?)

    Oder auch mal nachfragen, ob sie in der Schule beim mitschreiben mitkommt... wenn die Grundschulschreibschrift doch zu langsam ist, sollte sie nicht anfangen zu "schmieren" sondern z. B. auf einzelne Druckbuchstaben ausweichen oder ähnliche Lösungen finden, die schneller sind und trotzdem lesbar.

    So zusagen ein Wöchentlicher "Coach" :Was lief gut, wo gab es Probleme...

  10. User Info Menu

    AW: Nachhilfe für schlaue Schüler?

    Hallo, liebe Loranka,

    Der Schritt vom an der Spitze der Klasse irgend wie mitschwimmen hin zu hören, lernen und dann eine gezielte Prüfung ablegen, ist gewaltig. Dabei kannst Du Einiges bringen, wenn Du Dich an Anspruchsvolleres wagst, als in der Grundschule. Lass mich, bitte, etwas drum herum schreiben und suche Dir dann Dinge, die Du vermitteln kannst.


    Als dies mein älterer Sohn Isus zu Beginn seiner Zeit am Gymnasium erlebte, war es für uns beide ein Schock. Wir entwickelten dann Methoden und arbeiteten für einige Zeit nach diesen. Schliesslich ist er mir über den Kopf gewachsen, brauchte aber trotzdem gelegentlich jemand Aussenstehenden als Sparring-Partner. Wir haben dann sehr viel diskutiert, und er konnte sein Wissen und seine Ideen und Vorstellungen an mir ausprobieren, vor allem in den Naturwissenschaften wie Chemie, Physik und Biologie.

    Für mich ist deshalb der Gedanke verführerisch, dass Ihr nicht paukt, sondern die Sachen mal anseht, bei Bedarf schult oder eventuell auch nur diskutiert und wenn alles klar ist, wieder verlässt. „Maintenance on condition“, „Wartung nach Zustand“ also. Das muss aber den Auftraggebern klar erklärt werden, damit es nicht nach Scharlatanerie müffelt.

    Manchmal kann es nützlich sein, nur schon mit jemandem zu sprechen, der oder die selbst nicht ums Überleben kämpft. Auch wenn der/die GesprächspartnerIn aus einem anderen Bereich kommt, kann das erleuchtend sein und wichtige Ideen einbringen.

    Ich selbst habe während der Zeit im mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium mit verschiedenen, viel schlechter da stehenden Kollegen kostenlos gearbeitet und davon sehr profitiert. Das war möglich, weil ich wegen vorheriger privater Neigungen und Aktivitäten (Hobbys) einen Vorsprung hatte.

    Ich erklärte und kriegte im Gegenzug Probleme geliefert, an die ich sonst nie gedacht hätte. In den Prüfungen hatte ich dann vieles schon gehört. Das kann man/frau auch als Lehrer anders rum gezielt herbei führen, indem man/frau nach bohrt.


    Arbeitstechniken sind wichtig und werden wichtiger, je weiter sie kommt. Ich hoffe sehr, Du selbst seiest in dieser Hinsicht weiter als sie und kannst ihr etwas vermitteln.

    Im Zusammenhang mit Sprachen bin ich auf Folgendes gestossen:

    - Wörtchen (Vokabeln) büffeln (lernen, indem man/frau sie wieder und wieder durch ackert.) Die Meisten gehen dabei jedes Mal über alle Wörter. Wir (Isus und ich) haben das so gemacht: Beim Abfragen habe ich die Wörter markiert, die völlig drin waren, die, die sich zögerlich zeigten und die, die nicht gingen. Das erlaubte uns die Konzentration auf das Notwendige. Ich habe bei jedem Durchgang die Guten selten, die Zweifelhaften gelegentlich und die ganz Fehlenden immer wieder abgefragt.

    Konzentration auf das einzelne Wort, Einprägen. Es scheint mir wichtig, ein neues oder klemmendes Wort einige Sekunden lang im Kopf herum zu drehen. Dann hat es eine Chance, vom Kurzzeit- ins Langzeit-Gedächtnis zu gehen.

    Eselsbrücken für hartnäckige Fälle Ein Beispiel: Die Französischen Wörter auf -age, die trotzdem weiblich sind. „Sur une page, nous dessinons une image d'une plage. Dans l'eau, un mec fait de la nage. Il rencontre un requin en rage (f) et fuit dans une cage anti-requin.“ Deutsch: „Auf einer Seite (Blatt Papier) zeichnen wir ein Bild eines Strandes. Im Wasser macht ein Kerl Schwimmsport. Er begegnet einem Hai in Wut (üble Nachrede, sorry, Hai!) und flieht in einen Käfig gegen Haie.“ Wenn man/frau das einmal skizziert hat, vergisst man/frau es nie mehr. Das Bild haben wir durch dem Rahmen angedeutet. Es soll noch ein siebtes solches Wort geben, aber wir haben es trotz professioneller Hilfe nicht finden können.

    Eine Lustige ist, „Auf der Uder schwimmen keine Grafen.“ also NIE û !

    Französisch schreibt man/frau recht genau so, wie man/frau es ausspricht. Nur muss man/frau die Lautwerte der französischen Buchstaben kennen. (ein u ist eigentlich ein ü, ein e ein kurzes ö, ein é ein richtiges e wie in mehr, ein è eine Art ä. Etc.
    Aufgrund dieser Erkenntnis haben wir anstatt Schreibweisen viel Aussprache gepaukt. Das Üben mit Isus hat meinem Akzent sehr gut getan.

    Die verschiedenen Regionen des Gehirns beim Lernen hinzu ziehen. Ich habe gehört, dass in Frauen das Gehirn besser intern vernetzt sei als bei Männern. Vielleicht erklärt das ihre im Durchschnitt stärkere Affinität zu Sprachen. Meine geliebte Schwiegermutter selig hat mir ein Buch über das Lernen von Sprachen geschenkt, wo dies intensiv behandelt wird.
    Ein Ausspruch daraus, ungefähr so: „Viele Leute lernen Sprachen nicht wegen, sondern trotz der Schule.“

    {Ende Sprachen}


    Deine Schülerin wird kaum wissen, dass die intensive und ausschliessliche Beschäftigung mit einem Thema ein Lernprozess ist. Also: Voll drauf, speditiv arbeiten, keine Ablenkungen und dafür, nach einer Zeit, die man sich vorgenommen hat, eine definierte, mit gutem Gewissen genossene Pause.

    Nur in Ausnahmefällen und schon gar nicht zum Voraus erklären, warum man etwas nicht kann, sonst blockiert man sich selbst.


    Ich musste viele dieser Dinge selbst heraus finden. Manchmal war es schon zu spät für mich, etwa die Sache mit der Französischen Aussprache. Mit solchem kannst Du sie wirklich weiter bringen, bis sie eines Tages wirklich flügge ist und Dir über den Kopf wächst.


    Nur los, mit der Ethik, die Deine Frage glauben macht , wirst Du auch das packen, obwohl Du Dich wahrscheinlich etwas umorientieren musst.

    Grüsse, ich halte Euch beiden die Daumen, Isambard
    Geändert von Isambard (21.08.2012 um 11:10 Uhr) Grund: Unbeabsichtige Werbung entfernt, PN

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