Hallo,
ich bin im Moment ein wenig ratlos...
bei meinem Partner wurde eine mittelschwere Depression diagnostiziert, es geht ihm auch ganz offensichtlich schlecht.
Wir haben eine dreijährige Tochter, die sehr an ihrem Vater hängt. Normalerweise haben wir unseren Alltag so aufgeteilt, dass ich morgens um 7 zu arbeiten beginne, und die Kleine dann kurz vor 4 aus der Kita abhole. Mein Partner beginnt später, bringt sie morgens hin und arbeitet dafür abends etwas länger.
Im Moment sagt er, überfordert ihn aber die Situation morgens schon. Die Kleine ist auch ganz objektiv relativ anstrengend und noch mitten in der Trotzphase...
Er ist im Moment krank geschrieben, und krankheitsbedingt schafft er auch sonst nichts zu Hause. Versteht mich nicht falsch, ich habe da wirklich Verständnis dafür und erwarte nicht, dass er jetzt seinen Part an der Hausarbeit akut weiter übernimmt, mir ist klar, dass das so gerade nicht geht.
Aber mit unserer Tochter komme ich langsam an den Rand des Machbaren. Ihre Kitazeit geht nur von 8 - 16 Uhr, davor gibt es keine Betreuungsmöglichkeit. Ich habe in den letzten Tagen schon organisiert, später gebracht, andere Mütter gebeten, sie mit abzuholen. Aber das kann ich nicht dauerhaft machen (und bislang hat er "offiziell" eine heftige Bronchitis - Husten hat er ja tatsächlich außerdem....)
Zudem kommt dazu, dass ich mir wirklich Sorgen mache, wie das alles bei unserer Tochter ankommt. Im Moment schirme ich sie ziemlich ab und wir lassen Papa in Ruhe. Aber auf Dauer? So eine Depression heilt ja nicht von heute auf morgen ab... wie kann man einem Kind vermitteln, das etwas nicht in Ordnung ist, und es nicht verstören? Wie ihm vermitteln, dass der sonst so lustige Papa nicht verfügbar ist, obwohl er doch da ist?
Ich wäre wirklich dankbar für Hinweise....
Danke, eure I-ned.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 21
Thema: Depression und Kleinkind
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06.08.2012, 18:48
Depression und Kleinkind
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07.08.2012, 08:53
AW: Depression und Kleinkind
Hallo,
o je, da hast Du mein vollstes Mitleid! Das ganze schlaucht Dich bestimmt ganz schön!
Ich glaube, ich würde meinem Kind die "Wahrheit light" als Erklärung für Papas "Abwesenheit" anbieten. Evtl. etwas erklären von Papas Krankheit, die ihn gerade so müde und traurig macht. Dass er deshalb gerade nicht so viel spielen kann wie sonst. Dass man ihn deshalb viel in Ruhe lassen muss, damit er sich ausruhen kann und danach wieder so lustig ist wie immer. Oder so in der Art... Evtl. etwas schwierig, wenn Dein Mann seine Depression geheim halten möchte (auch vor dem Kind?).
Außerdem würde ich wahrscheinlich versuchen, mit dem Kind vieles außer Haus zu unternehmen, damit es nicht zu oft ohne Erfolg nach dem Papa fragt. Wenn er nicht zur Verfügung steht, obwohl er sich im Nebenzimmer aufhält, ist das wahrscheinlich für Dein Kind noch schwieriger.
Viel Kraft und viele Grüße
falbala
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07.08.2012, 09:13
AW: Depression und Kleinkind
Ich kenne mich mit Depressionen nicht aus, darum kann ich nur praktische Anregungen bzgl. Betreuung geben:
Wenn Dein Mann krank geschrieben ist und die Kleine nicht in den Kindergarten bringen bzw. sie abholen kann, dann versuch doch über die Krankenkasse oder das Jugendamt eine "Randstundenbetreuung" zu bekommen, z.B. in Form einer Tagesmutter, die eine Bring- oder Abholschicht übernimmt.
Hier an meinem Wohnort ist das Jugendamt dafür zuständig.
Oder versuche, über die Krankenkasse eine Haushaltshilfe zu bekommen.
Ist dein Mann schon in Therapie? Vielleicht kann der/die PsychologIn Tipps geben, wie Du und die Kleine unterstützt bzw. geschützt werden können. Wenn nicht, würde ich Hausarzt oder -ärztin fragen.
Gibt es in Eurer Nähe vielleicht einen Gesprächskreis oder eine Selbsthilfegruppe für Angehörige?
Ich wünsche Dir von Herzen, dass du Hilfe bekommst - so kann das ja nicht weiter gehen - und dass ihr alle diese schwierige Zeit übersteht.
Liebe Grüße!Life's just a game I believe - the longer you play it, the harder it gets.
(Skyclad, Building a Ruin)
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07.08.2012, 22:32
AW: Depression und Kleinkind
wie kann man einem Kind vermitteln, das etwas nicht in Ordnung ist, und es nicht verstören? Wie ihm vermitteln, dass der sonst so lustige Papa nicht verfügbar ist, obwohl er doch da ist?
Sprich mit ihr. Sag ihr: der Papa fühlt sich gerade nicht so gut. Er hat in seinem Leben viele Dinge erlebt, die ihm ganz doll weh getan haben. z.B. Er hat einen lieben Menschen verloren und kann damit nicht umgehen. Das hat ihn sehr sehr betroffen gemacht. Weißt du, seine Mama war auf einmal nicht mehr da und er wollte ihr doch noch so viel sagen. Sein ganzes Leben lang wollte er ihr noch so viel sagen, hat sich aber nicht getraut und jetzt wo sie weg ist, bereut er das alles sehr.
Weißt du, ich weiß nicht genau, wie ich damit umgehen soll und Papa weiß es auch nicht. Aber mach dir keine Gedanken, wir finden einen Weg. Wenn er ein wenig traurig oder griesgrämig dreinschaut, liegt das daran, weil er sehr sehr traurig ist. Das hat nichts mit dir zu tun. Wir sind da gerade sehr hilflos und wissen auch nicht recht weiter. Aber wir finden einen Weg. Wir haben Hoffnung.
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07.08.2012, 23:12
AW: Depression und Kleinkind
Ich finde die praktischen Tips von Amphib, was die Betreuung eurer Tochter betrifft, ganz prima.
Darüber hinaus möchte ich dir ganz dringend ans Herz legen, dir selbst Hilfe zu suchen. Auch hier ist der Tip "Selbsthilfegruppe" schon gut, aber ich würde auch zu deinem Arzt deines Vertrauens gehen - oder dir einen suchen. - Und zwar vorbeugend und nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.
Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe selbst einen Mann, der an Depressionen leidet. Vor vielen Jahren hatten wir sehr schwere Zeiten, manchmal ist es auch wie ein Sog: Weil so vieles nicht machbar ist/scheint, staut sich nicht nur im Alltag so einiges an, auch im zwischenmenschlichen Bereich hapert es. Das ist für die Angehörigen eine enorme Belastung. Arbeit, Kind, kranker Mann zu Hause...meine Liebe, pass auf dich auf. Ich bin irgendwann dann selbst an Depressionen erkrankt. Mit Baby. Kein Spaß.
Du schaffst das nicht allein. Versuch es gar nicht erst - es ist zuviel Last, um sie allein auf deinen Schultern zu tragen.
Und: Zumindest im engeren Kreis solltest du deinen Mann nicht "schützen" mit der Bronchitis-Geschichte. Auch du brauchst "Schutz" (in Form von Unterstützung) und dafür ist Offenheit nötig und Voraussetzung.Herr, gib mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Verleihe mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann und schenke mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!
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Reife ist der Zustand kurz bevor die Verrottung einsetzt
(...geklaut...)
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07.08.2012, 23:57
AW: Depression und Kleinkind
Ein Partner ist krank und da braucht der andere Partner
für das Kind
- eine "Randstundenbetreuung"
- eine Haushaltshilfe
und für sich selber
- Schutz
- eine Selbsthilfegruppe
?????!!!!!
Verrückte Zeiten!
Wie machen das Alleinerziehende?
Licht ist erst am ENDE des Tunnels!
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08.08.2012, 06:47
AW: Depression und Kleinkind
Franco, die TE ist durch die Erkrankung ihres Partners momentan alleinerziehend plus zusätzlicher Belastung durch die Sorge um ihn.
"Komplett" Alleinerziehende haben eher keinen kranken Partner, um den sie sich zusätzlich zum Kind sorgen müssen, und der eine Krankheit hat, die das gesamte Umfeld belastet.
Hier an meinem Wohnort gibt es übrigens für vollzeit arbeitende Alleinerziehende grundsätzlich Randstundenbetreuung. Erkranken sie selbst, mit Sicherheit auch eine Haushaltshilfe.
Wenn die TE alleinerziehend wäre und hätte von einer Depressionserkrankung bei einem Verwandten berichtet, mit dem sie täglich zu tun hat und um den sie sich nun kümmert, hätte ich ihr dasselbe geraten.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was dir über die Leber gelaufen ist und warum du jetzt hier versuchst, ein Fass aufzumachen à la "Alleinerziehende gegen Mütter in Partnerschaft". Kann man nicht einfach ein beschriebenes Problem mitfühlend betrachten und versuchen zu helfen?Life's just a game I believe - the longer you play it, the harder it gets.
(Skyclad, Building a Ruin)
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08.08.2012, 07:36
AW: Depression und Kleinkind
Ich auch!
Der Zwang zur Geheimhaltung würde mich in der Situation sicher auch überlasten.
Wie soll man das sonst dem Kind überzeugend erklären können?
Wie soll man um Hilfe bitten können, wenn man nicht erklären kann, wozu man sie eigentlich braucht?
Kann man da noch zusätzliche Kraft aufbringen, um den Schein der heilen Welt zu wahren?
Puh, schwierig! Bleibt mir nur noch viel Kraft und viel Glück zu wünschen!
falbala
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08.08.2012, 08:15Inaktiver User
AW: Depression und Kleinkind
Leider wird in unserer Gesellschaft bei Erkrankungen immer noch strikt unterschieden: Ein Bänderriss, ein Blinddarm oder ein kaputter Zahn - darüber kann man reden und die Mitmenschen kennen immer einen guten Arzt. Wenn die Seele krank ist, redet keiner drüber - und die betroffenen sind für viele Mitmenschen ein Fall für die "Klapse".
Aber es scheint, als ob sich da allmählich und ganz langsam was ändert. Ich würde an deiner Stelle wirklich in die Offensive gehen - auch wenn das am Anfang schwerfällt. Aber die "Geheimhaltung" macht deinen Alltag noch schwerer.
Also: sprich das Problem offen an und bitte um Hilfe - an offizieller Stelle (Randstundenbetreuung, Haushaltshilfe), aber auch im Familien/Freundeskreis.
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08.08.2012, 08:24
AW: Depression und Kleinkind
Ich habe das so verstanden, dass der Erkrankte morgens nicht in der Lage ist, das Kind fertig zu machen und in die Kita zu bringen.
Sprich mit dem Arbeitgeber ob du eine Zeit (6 Wochen) morgens später die Arbeit beginnen kannst. Frage, kann zumindest am Nachmittag der Kranke das Kind abholen? Wenn nicht, frag die Nachbarin, ob sie für eine Zeit (6 Wochen) das Kind abholen kann. Sprich offen über den Gründe. Ich denke, dass das doch möglich sein könnte. Ist halt eine Ausnahmesituation.
Vielleicht kann doch auch mal für eine Woche eine Oma kommen? Wie ist da die Situation?


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