Als Mutter eines gerade 2 jährigen Kindes beschäftigt mich momentan das Thema "teilen".
Mein Kind ist unser einziges, daher taucht die Frage im familiären Bereich eigentlich nur dann auf, wenn wir Besuch von anderen Kindern haben.
Wenn Besuch von Freunden aus Spielgruppe etc da ist, klappt es meist sehr gut, da keines der Kinder besonders dominant auftritt. Mal zieht der eine mit dem umkämpften Spielzeug ab, mal der andere.
Jetzt fällt mir aber auf, daß men Kind verständnislos, ja verschreckt reagiert, wenn ein anderes gleichaltriges Kind sehr dominat ist und z.B. ein Spielzeug mit Hauen, Schreien und Wut "verteidigt".
In dem Kontext frage ich mich:
In wie fern muß ein Kind lernen zu teilen, in einer Situation, in der andere Kinder bei ihm zu Besuch sind? Mein Kind tut mir schon leid, wenn es meiner Meinung nach von dem Besuchskind mehr oder weniger aus dem eigenen Kinderzimmer "gemobbt" wird.
Bekommen wir als Erwachsene Besuch, würden wir ja auch nicht unseren Gästen unser Eigentum überlassen und doch erwarten wir das im Prinzip von unseren Kindern.
Ich bin dann in einer Zwickmühle. Ich merke, daß mein Kind sich zurückzieht und unglücklich ist, weil es während das andere Kind da ist, permanent sein eigenes Spielzeug nicht haben "darf" , andererseits sollen Kinder teilen lernen.
Ich merke, daß ich einen Unterschied sehe zwischen (aus der Sicht des Kindes)
a) Etwas teilen, daß dem anderen Kind gehört
b) Etwas teilen, daß mir gehört
c) Etwas teilen, das keinem von beiden gehört (z.B. Spielzeug in der Spielgruppe oder im Kiga)
Ich habe das unbetimmte Gefühl, daß in jeder der 3 Situationen unterschiedliche "Regeln" gelten, komme aber noch nicht ganz dahinter, welche das sind.
Ich muß dazu sagen, daß ich selbst meinem Kind etwas mehr Zurückhaltung zu vermitteln versuche, wenn wir irgendwo zu Besuch sind. Ich erkläre dann, daß die Spielsachen dem anderen Kind gehören. Dahinter steckt der Versuch, ein Bewusstsein für das Eigentum anderer zu wecken. Was einem anderen gehört, muß ich vorsichtig behandeln, ich kann (darf!) damit spielen, kann es aber nicht absolut für mich in Anspruch nehmen.
Haben wir dann aber Besuch mit dominanten Kindern will ich meinem Kind schon mitgeben, daß es sich um seine Sachen handelt und die anderen damit nicht machen können, was sie wollen.
Habt ihr in eurer Erziehung damit Erfahrungen gemacht? Wie löst ihr so etwas? Wie seht ihr die Unterscheidung der 3 "Teilen"-Situationen?
Antworten
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21.05.2012, 07:38Inaktiver User
Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
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21.05.2012, 08:57
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
Und richtig spannend wird es, wenn man das damit vergleicht, wie wir Erwachsenen uns mit unserem Eigentum verhalten.
Man stelle sich vor, eine Mutter sitzt auf dem Spielplatz, eine andere kommt hinzu und kramt in der Tasche der ersteren, holt sich das Smartphone und surft ein bisschen im Internet. Während die Eigentümerin zu massivem Protest ausholt, wird ihr von Dritten gesagt: "Ach damit können doch auch andere spielen, guck mal, du hast doch hier noch deine Zeitung und dein Buch..."
Ich will damit nicht sagen, dass man Kinder nicht zum Teilen anhalten sollte, sondern nur in den Raum werfen, dass für Kinder ihr Lieblingsspielzeug so wertvoll sein kann, wie für Erwachsene ihr Smartphone oder gar Auto.
Ich beobachte noch ein interessantes Phänomen und komme damit zu Deiner Aufteilung a) und b). Gehört etwas dem anderen Kind, greifen Eltern schneller ein und beharren auf dem Eigentumsrecht des anderen Kindes. Gehört das Spielzeug dem eigenen Kind, wird weit weniger auf dem Eigentumsrecht beharrt und das Teilen eingefordert.
Ziemlich schizophren, oder?
Mein Kind ist ja noch jünger (14 Monate) und befindet sich im Idealzustand des Kommunismus - ihr ist egal, ob jemand mit ihrem Spielzeug spielt (solange sie nicht gerade selbst damit spielt). Genauso hat sie wenig Vorstellungen, dass Dinge jemand anderem gehören.
Ich habe das Gefühl, wenn ich eingreife, dann häufig eher für die Eltern - die Kinder arrangieren sich meist relativ gut, bzw. ich versuche nur dann einzugreifen, wenn ein Kind deutlich zeigt, dass ihm etwas nicht passt und gleichzeitig überfordert ist, die Situation allein zu lösen. Glücklicherweise sind die meisten Eltern hier relativ locker und sehen es als selbstverständlich an, dass die Kinder kreuz und quer durch die Gegend spielen.
Wenn Dein Kind zu Hause eher dominante Spielgäste erwartet, kann man vielleicht im Vorhinein die Situation deeskalieren, indem man besonders interessantes, bzw. Lieblingsspielzeug deiner Tochter aus dem Verkehr zieht? Aber ganz umgehen kann man in einem bestimmten Alter diese Konflikte sicher nicht. Andererseits - wenn ein Kind Deiner Tochter prinzipiell unsympathisch und sie sich zurückzieht - warum kommt das regelmäßig? Dann würde ich zumindest die Kinder bei den Erwachsenen im Wohnzimmer lassen - vielleicht fühlt sich Deine Tochter dadurch auch etwas gestärkt.
In Situation c) greife ich auch nur ein, wenn es massive Konflikte gibt. Eigentlich glaube ich, dass Kinder solche Freiräume brauchen, um selbst soziales Handeln zu lernen. Es gibt zwar immer das Vorurteil, dass sich dann die größeren/stärkeren immer durchsetzen, aber das habe ich bisher sehr, sehr selten beobachtet. Dann versuche ich, abzulenken, die Situation zu verlassen oder, wenn ein fremdes Kind meines physisch angeht, greife ich natürlich konkret ein. Das war bisher einmal der Fall und hatte zur Folge, dass die beiden danach friedlich weiterspielten, ohne dass ich mich nochmal einmischen musste.Geändert von Halina (21.05.2012 um 09:01 Uhr)
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21.05.2012, 09:13Inaktiver User
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
Nicht nur das - so junge Kinder sind nicht einmal imstande, eine klare Grenze zwischen sich sich selber und ihrem Eigentum zu ziehen (das sie aber, im Gegensatz zu den noch Jüngeren, durchaus aber schon kennen).
Diese Vorschläge finde ich sehr gut! Ergänzend würde ich noch vorschlagen, dass man Dein Kind fragt. Das kannst Du ja auch selbst übernehmen, etwa so, zum anderen Kind: "Komm, wir fragen mal xy, ob sie/er Dir seinen/ihren Bagger gibt. Dann kannst Du damit spielen." damit sind die Grenzen gewahrt, und Dein Kind fühlt sich nicht überrollt. Im Gegenzug kann Dein Kind lernen, ebenfalls bei anderen zu fragen.
So haben wir es hier auch immer unter den Geschwistern gehalten (und bei Fremden). Das funktioniert auch mit kleinen Kindern gut. Ein "Nein" muss dann natürlich akzeptiert werden.
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21.05.2012, 09:49Inaktiver User
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
Ich würde auch bei Besuchen von eher übergriffigen Kindern erstmal vorher das eigene Kind fragen, ob es Spielzeug gibt, mit dem der Besuch auf keinen Fall spielen darf, und das aus dem Verkehr ziehen.
Ansonsten: vorsichtig beobachten, und bei Handgreiflichkeiten bzw. starker Dominanz eines Kindes eingreifen und vermitteln (fragen, ob evtl. ein anderes Auto auch okay wäre, so dass jedes Kind ein Auto hat, oder abwechseln - so wird's jedenfalls in Spielgruppen und im Kindergarten gemacht). Viel die Kinder regeln lassen, es sei denn, es droht sehr einseitig zu werden.
Außerdem den Kindern beibringen, dass sie fragen müssen, wenn sie ein Spielzeug von einem anderen Kind nehmen. Das kann man auch mit dem Besucherkind machen, es evtl. direkt ansprechen und sagen "Hast Du xxx gefragt, ob Du damit spielen darfst?"
Generell fand ich aber die Zeit von 1,5-2,5 Jahren echt schwierig, wenn wir Spielbesuch hatten, da die Kinder dann ihr eigenes Spielzeug sehr vehement verteidigt haben. Danach wurde es dann wieder besser.
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21.05.2012, 10:26
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
ja genau,das wird ganz von selbst besser ... im Kindergartenalter und Kindergarten lernen Kinder das Teilen ganz von selbst.
ich habe in ähnlicher Situation auch besprochen, daß dieses oder jense Lieblingsteil im Bettkasten bleibt und von anderen Kind gar nicht bespielt werden darf ...
Besucher müssen nicht alles bekommen und dürfen. Da kann man Grenzen setzen und das Spielzeug eben wegpacken udn Schrank einfach abschließen. Zu ist zu.
Damit es weniger eskaliert und gemeinsames Spiel gut funktioniert, große Spielzeugkisten in den Raum stellen ... die große LegoDuplokiste mit den 200 Teilen.. die Holzeisenbahn und Baulkötze... Stofftierparade hinsetzen, Arztkoffer, Garage mit 20 Autos ...
Zootiere für den kompletten Tiergarten ...
dann wird weniger um das Einzelteil gestritten und mehr gespielt ... manchmal machen größere Spielzeugmengen dann eben auch Sinn.
Gruß, B.Geändert von Blondine (23.05.2012 um 13:34 Uhr)
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21.05.2012, 21:28
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
halina, völlig offtopic: ich find dich toll!

so machen wirs auch - das, was ganz heissgeliebt wird, bleibt auch jetzt unter verschluss.
Ansonsten war teilen hier immer recht einfach. Bis auf ihr beliebtestes Spielzeug hat Mabö schön immer gut geteilt.
aber Deine Denkansätze, mrs_hall, dass teilen nicht gleich teilen ist, fand ich sehr interessant. ich muss zugeben, dass ich so weit gar nicht gedacht habe.
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23.05.2012, 21:14
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
Entchen

Mrs_Hall
Schade, ich fand dein Thema spannend.
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25.05.2012, 19:57
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
Hallo, mein Mini ist auch noch im "schwierigen" Alter: 2,5 jahre.
Bislang halten wir (und andere im Umfeld) es so: Wird vom "Eigentümerkind" immer genau das gefordert, dass das Besuchskind in der Hand hat (auch mehrmals direkt hintereinander - einfach nur nach dem Motto: ich will da zwar gerade auch nicht damit spielen, du aber erst recht nicht!) - dann greifen die Eltern ein und sagen dem "Eigentümerkind", dass es das andere Kind doch bitte mitspielen lassen soll. Hat bisher gut funktioniert. Bei ganz speziellen Sachen wird das "abwechselnd" auch ein bisschen gefördert - wenn ersichtlich ist, dass beide wollen aber einer nicht aufhören möchte.
Klappt aber vielleicht auch deshalb, weil die allermeisten der Kinder im Umfeld in diesem Alter schon seit dem 1. Geburtstag im Kindergarten sind.
Bei sehr dominanten Besuchskindern greife ich auch mal ein - wenn ich merke, dass mein Sohn gerade völlig überfordert ist. Das kann bei fortgesetztem Gezanke auch damit enden, dass ich das entsprechende Spielzeug komplett aus dem Verkehr ziehe.
Halina, deinen Vergleich finde ich Klasse!! (Wobei ich mit meinem Besuch tatsächlich vieles teile - da kann auch Laptop, Telefon, Auto und Handy genutzt werden. Nur bei meinem Motorrad bin ich da eher eigen ;))
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25.05.2012, 20:40
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
Mein Gefühl sagt mir, da gibt es keine unterschiedlichen Regeln. Und wenn sind sie "anerzogen".
Kinder spielen mit dem, was sie in die Hand bekommen. Wenn ihnen etwas gefällt was das andere hat, dann versucht es sich das zu holen. In der Situation ist es allen beteiligten Kindern egal wem es gehört.
Dann kommen die Erwachsenen hinzu und wollen schlichten. Und wehe ein Kind will oder hat etwas was "meinem Kind" gehört. ;)
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25.05.2012, 21:22
AW: Kinder und Teilen- Wie vermitteln ohne einseitig zu sein?
So ähnlich mache ich das auch. Mein Sohn (bisher völlig unproblematisch, hat alles abgegeben) fängt damit auch gerade an. Ich halte das auch für normal.
Im Prinzip bestätige ich ihm: Ja, das ist deins, aber es wäre doch prima, wenn die T. auch mal damit spielen darf. Ihr könnt euch abwechseln.
Das klappt oft und er gibt es ab. Bei Sachen, die ihm dann sehr wichtig sind, verweigert er das gelegentlich. Dann wende ich mich an das Besucherkind und sage: Sieh mal dann kannst du das jetzt nicht haben, dann nimm dir doch das grüne Bobbycar (statt das Rote).
Ich find, Eigentum bleibt Eigentum und man muss nicht dämlich daneben stehen, während andere einen bei den eigenen Sachen mobben.
Umgekehrt agiere ich, wenn er das Eigentum von anderen nimmt.In allen Dingen ist hoffen besser als verzweifeln
Johann Wolfgang von Goethe



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