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    Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Hallo,
    ich wende mich an alle, welche vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben und hoffe auf Ratschläge, da wir einfach nicht mehr weiter wissen. Die Geschichte ist lang, aber muss komplett erzählt werden, da sonst die Hintergründe nicht klar werden.

    Meine Tochter ist 14 Jahre alt und auf dem Gymnasium. Die ist sehr aufgeweckt, offen, selbstständig und selbstbewußt und alles andere als auf den Mund gefallen. Sie wurde von uns dazu erzogen immer ihre Meinung zu sagen und keine Angst vor nichts zu haben. Also nicht gerade das typische Mobbingopfer. Jetzt wurden vor einigen Wochen über sie Gerüchte in die Welt gesetzt und zwar durch eine Mitschülerin, welche vorher eigentlich ihre Freundin war. Den Inhalt dieser Gerüchte kennen wir bis heute nicht. Ab diesem Tag sprachen die anderen Kinder der Klasse nicht mehr mit ihr (und einer anderen Freundin). Man blockte jeden Kontakt ab und ein Teil der Klasse fing an die beiden Mädels auf das übelste zu beschimpfen, zu beleidigen und ihnen Streiche zu spielen. Zuerst haben die beiden Mädels versucht damit alleine klar zu kommen, aber dann kamen sie doch damit raus. Die Eltern des anderen betroffenen Mädchens haben dann ruckzuck eine neue Schule gesucht und sie abgemeldet. Auf einmal stand unsere Tochter alleine gegen 25 Schüler da. Sie reagierte mit Magenschmerzen, Kopfschmerzen, etc., also das typische Krankheitsbild bei Mobbing. Wir als Eltern haben Kontakt zu der Klassenlehrerin gesucht und wollten das Thema gerne bekämpfen, anstatt kampflos das Feld zu räumen. Die Schulpsychologin wurde informiert und es gab unzählige Gespräche. Ein Gespräch dieser Psychologin mit der Klasse ergab, dass es keine Bereitschaft in der Klasse gibt das Mobbing einzustellen. Nein, man fühlte sich sogar im Recht und niemand an der Schule hat Strafen verhängt oder auch nur mal klare Worte gefunden. Uns als Eltern hat das so aufgebracht, dass wir sowohl den Lehrern, als auch der Psychologin und der Schulleitung deutlich unsere Meinung dazu gesagt haben. Dadurch haben wir uns anscheinend den Unmut aller Beteiligten zugezogen, da man an der Schule keine klaren Worte gewohnt ist. Parallel zu den unzähligen Gesprächen haben wir eine neue Schule gesucht. Da hatten wir auch etwas passendes gefunden und es sah alles danach aus, als wenn ein Schulwechsel kurzfristig erfolgen kann. Unsere Tochter haben wir die ganze letzte Woche übrigens nicht zur Schule schicken können, da sie seelisch am Ende ist und wir sie doch nicht wieder in diese agressive Umgebung schicken können.

    Nach einem finalen, sehr unerfreulichen, Gespräch mit dem jetzigen Schulleiter hat dieser den Rektor der möglichen neuen Schule angerufen und aus heiterem Himmel haben wir jetzt eine Absage dieser Schule bekommen, weil unsere Tochter angeblich ein Problemkind sei und die Schule keinen Schulsozialarbeiter hätte, um sich um sie kümmern zu können. Man hätte schon Problemfälle genug. Jetzt stehen wir da. In die alte Schule können wir sie nicht schicken, eine neue Schule gibt es noch nicht (wir haben erst kommende Woche einen weiteren Termin bei einer weiteren Schule) und der bisherige Rektor hat uns mit erhobenen Zeigefinger nochmal darauf aufmerksam gemacht, dass es in Deutschland eine Schulpflicht gibt und wir dem nachkommen müssen. Mit anderen Worten: wir sollen unsere Tochter am Montag wieder den fortgesetzten Angriffe der Mitschüler aussetzen.

    Was können wir noch tun? Hat jemand damit Erfahrung? Hilft es, wenn wir z.B. das Schulamt oder Jugendamt einschalten und sogar einen Rechtsanwalt einschalten? Wir wissen einfach nicht mehr weiter. Bitte schreibt, wenn Ihr hilfreiche Tipps habt. Danke.

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    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Hallo rumtreiber,

    hört sich nach einem Fall für den Anwalt an.

    Nach meinen eigenen Erfahrungen können viele Lehrer Kritik überhaupt nicht einstecken und wenn Ihr Euch an das Schulamt wendet, dann trefft ihr da meist die Krähen, die den anderen keine Augen ausstechen wollen. Es gibt unzählige engagierte Lehrer, aber leider noch viel mehr Beamte.

    Es ist mir ein Rätsel, wie es sein kann, das Ihr den Inhalt des Gerüchtes immer noch nicht kennt.

    Viel Glück noch und laßt Euere Tochter bis auf weiteres krankschreiben, da kann der Zeigefinger noch so hoch stehen.

    jackpot

  3. Inaktiver User

    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Hallo,

    auch ich hatte mit Mobbing in der Schule zu tun und es tut mir sehr leid für eure Tochter. Bei solchen Sachen sollte man nicht annehmen, dass Lehrer in der Lage sind, vernünftige Entscheidungen zu treffen.

    Ich würde mich an eurer Stelle zunächst an das Schulamt wenden. Dieses ist die Aufsichtsbehörde für die Schule. Es ist nämlich so, dass die Lehrer eine Schutzpflicht gegenüber eurer Tochter haben, was auch die seelische Unversehrtheit erfasst. Sie sind also verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, die eure Tochter schützen.

    Wenn weiter nichts passiert, sollte die Sache tatsächlich vor Gericht gehen. Eure Tochter sollte meiner Meinung nach aber trotzdem zur Schule. Es wäre dann gut, wenn jemand sie abholt und hinbringt. Und vielleicht kann sie durch das Schulamt von besonders schlimmen Fächern befreit werden (zB vom Sportunterricht, wo das Mobbing ja meist am stärksten ausgeprägt ist). Ihr solltet nicht riskieren, dass eure Tochter die Klasse wiederholen muss.

  4. Inaktiver User

    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Wenn Ihr glaubt, innerhalt von 1-2 Wochen eine neue Schule finden zu können, und es Eurer Tochter wirklich so schlecht geht, würde ich am Montag einen Arzt aufsuchen und sie krank schreiben lassen. Wenn es ihr seelisch so schlecht geht, sollte das möglich sein.
    Lasst Euch nicht vom Direktor der alten Schule unter Druck setzen, da ist das Kind nun wirklich in den Brunnen gefallen.

    Ich wünsche Euch alles Gute! (Würde jetzt mehr schreiben, habe aber gerade keine Zeit.)

  5. Moderation

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    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Zitat Zitat von jackpot Beitrag anzeigen
    hört sich nach einem Fall für den Anwalt an. [...]

    Viel Glück noch und laßt Euere Tochter bis auf weiteres krankschreiben, da kann der Zeigefinger noch so hoch stehen.
    Das sehe ich auch so. Ich würde mich auch an die aufsichtführende Behörde wenden. Zunächst ist es entscheidend, ob es sich um eine kommunale oder staatliche Schule handelt. Bei uns in Bayern ist das Schulamt nicht für weiterführende Schulen zuständig. Bei staatlichen Schulen ist es die Regierung der jeweiligen Regierungsbezirke. Kommunale Schulen werden von der Stadt bzw. dem Landkreis von den Schulreferaten beaufsichtigt.

    Zweitens wäre es wichtig, den Elternbeirat mit ins Boot zu holen. Schildere, was deiner Tochter widerfährt. Elternvertreter können dich bei der Schulleitung unterstützen. Keine Mutter und kein Vater will, dass das seinem Kind widerfahren könnte und die Schulleitung legt abwartend die Hände in den Schoß bzw. macht das Opfer zum Störenfried und somit zum zweiten Mal zum Opfer. Elternbeiräte können der Schulleitung ganz schön zusetzen. Unterschätze das nicht.

    Drittens, wäre es wichtig, zu erfahren, worum es geht. Besteht noch Kontakt zu der Freundin, die jetzt nicht mehr an der Schule ist? Weiß die inzwischen, was kolportiert wird? Dass alle Schüler einer Jahrgangsstufe zusammenhalten, ist unwahrscheinlich. Du könntest dich auch an den/die Vertrauenslehrer wenden. Irgendjemand ist bestimmt, unter dem Siegel der Verschwiegenheit, bereit zu reden.

    Viertens, gibt es an euerer Schule einen Jugendkontaktbeamten der Polizei? Wende dich an die zuständige Polizeidienststelle und frage nach. Die Polizei kann dann in Gesprächen mit Schulleitung und evtl. Elternbeirat Wege aus der Misere finden. Mobbing unter Schulkindern ist gerade im gymnasialen Bereich leider weit verbreitet. Das Problem ist bekannt und wird von offizieller Seite auch bekämpft. In Bayern gibt es ein richtiges Programm dagegen (Zamgrauft). Gibt es das in eurem Bundesland auch?

    Fünftens, könntest du darauf bestehen, dass deine Tochter in eine Parallelklasse versetzt wird. Dein Arzt muss ein ärztliches Attest ausstellen, das bescheinigt, dass die Gesundheit deiner Tochter in dieser Klasse und in dieser Umgebung stark gefährdet ist. Besser wäre es natürlich, wenn der Arzt bestätigte, dass er einen Schulwechsel für unbedingt notwendig erachtet. Dann muss eine andere Schule deine Tochter nehmen.

    Es gibt natürlich Idioten bzw. Ignoranten als Schulleiter. Ein Lehrer (oder auch mehrere) können schlecht gegen ihren Chef agieren. Es sind aber nicht alle Schulleiter so. Und Schulleiter sind Herren im eigenen Haus (bei uns in Bayern). Wenn du einen Schulleiter überzeugen kannst, dass dein Kind dringend eine andere Umgebung braucht, weil es sonst buchstäblich wie eine Primel eingeht, wird er/sie dein Kind aufnehmen.

    Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen. Alles Gute für deine Tochter.
    Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
    Christian Morgenstern
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    - Ich habe meinen Sport gefunden.


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  6. VIP

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    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    meine erfahrung ist, dass spätestens bei einem klassengespräch viele schüler einlenken und sich nicht mehr am mobbing beteiligen. es irritiert mich, dass die ganze klasse sich weigert und keine maßnahmen von der schule ergriffen werden und ihr auch nicht wisst, warum eure tochter gemobbt wird. denn eigentlich sind schüler in dem alter sofort dabei zu begründen und aufzulisten, was der andere gemacht hat und weshalb man im recht ist.

    skirbifax hat einen prima 'fahrplan' aufgeschrieben, dem ich mich nur anschließen kann.
    Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
    Die Ärzte

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    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Ist es euch eventuell möglich, die ehemlige Freundin eurer Tochter ins Gebet zu nehmen? Nachdem die Gerüchte von ihr ausgingen, müßte man sie doch eigentlich fragen können, was sie den anderen erzählt hat. Es kann doch nicht sein dass alle den Grund fürs Mobbing kennen nur ihr und eure Tochter nicht.
    Auch den Direktor der Schule, der sie so plötzlich doch nicht haben wollte, würde ich fragen, warum er seine Meinung geändert hat. Warum glaubt er plötzlich, deine Tochter sei ein Problemfall, und bräuchte einen Sozialarbeiter?
    Und ich würde all diese Leute durchaus darauf hinweisen, dass ihr Schweigen nicht gerade zur Problemlösung (die ja in jedermanns Sinne sein sollte) beiträgt.

    Was ist mit der Schule, in die die Freundin deiner Tochter gewechselt hat? Könnte deine Tochter da nicht evtl auch hin?
    Im Notfall, sofern ihr nicht schnell eine neue Schule findet, würde ich die Tochter zwischenzeitlich daheim privat unterrichten lassen (so ihr es euch irgendwie leisten könnt), denn ein Schuljahr zu verlieren wäre ärgerlich und in die aktuelle Schule zurück ist definitiv keine Option.

  8. Inaktiver User

    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Hallo Rumtreiber,

    ich würde mich auch an die Schulaufsicht wenden und um Unterstützung bitten.
    Außerdem würde ich mich noch einmal mit dem Direktor der "Wunschschule" treffen und ihn sehr freundlich um einen Versuch bitten, dass das Kind doch erstmal kommen kann usw. Ich verstehe nicht, wieso ein einziges Telefonat die Entscheidung derart ändern kann. Oder habt ihr die Probleme verschwiegen?
    Ich würde mein Kind auf keinen Fall dort lassen. Gibt es bei Euch Ansprechstellen vom Kinderschutzbund o. ä.? Die können bestimmt auch helfen.

    Ich habe meinen Sohn vor einigen Jahren auch kurzfristig die Schule wechseln lassen und auch im Rückblick kann ich mich immer noch ärgern über die Reaktion in der dortigen Leitung.

    LG Birke

  9. Inaktiver User

    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Mich irritiert das Verhalten des Rektors dieser anderen Schule, vor allem, dass er keine Gründe nennt.
    Skirbifax hat es sehr schön aufgelistet, daran würde ich mich auch halten.

  10. Inaktiver User

    AW: Mobbing in der Schule - Wir sind hilflos...

    Zitat Zitat von Rumtreiber66 Beitrag anzeigen
    Meine Tochter ist 14 Jahre alt und auf dem Gymnasium. Die ist sehr aufgeweckt, offen, selbstständig und selbstbewußt und alles andere als auf den Mund gefallen. Sie wurde von uns dazu erzogen immer ihre Meinung zu sagen und keine Angst vor nichts zu haben. Also nicht gerade das typische Mobbingopfer. Jetzt wurden vor einigen Wochen über sie Gerüchte in die Welt gesetzt und zwar durch eine Mitschülerin, welche vorher eigentlich ihre Freundin war. Den Inhalt dieser Gerüchte kennen wir bis heute nicht. Ab diesem Tag sprachen die anderen Kinder der Klasse nicht mehr mit ihr (und einer anderen Freundin). Man blockte jeden Kontakt ab und ein Teil der Klasse fing an die beiden Mädels auf das übelste zu beschimpfen, zu beleidigen und ihnen Streiche zu spielen.
    [...]
    Ein Gespräch dieser Psychologin mit der Klasse ergab, dass es keine Bereitschaft in der Klasse gibt das Mobbing einzustellen. Nein, man fühlte sich sogar im Recht [...]
    Beim aller besten Willen: Das klingt doch extrem unwahrscheinlich.

    Die Tochter kann auf den Tag genau datieren, wann die Gerüchte entstanden sind.
    Sie kann problemlos zuordnen, wer die Gerüchte in die Welt gesetzt hat.
    Die Sache ist mit einer Psychologin besprochen worden und die Mitschüler haben sich dazu geäußert, was aus ihrer Sicht abgelaufen ist.

    Aber ihr habt bis heute keine Ahnung, welchen Inhalt die Gerüchte haben? Wie geht das?
    Und die Beschimpfungen gingen unmittelbar nach Bekanntwerden der Gerüchte los, haben aber keinerlei Bezug zum Inhalt der Gerüchte? *)

    Man kann davon ausgehen, dass die Tochter sehr genau weiß, was für Gerüchte da umlaufen und den Sachverhalt ihren Eltern gegenüber sehr selektiv wiedergibt. Das kann natürlich daran liegen, dass ihr die Angegenheit peinlich ist.

    Aber solange nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen, wird es schwierig sein, sich gegen das Mobbing zur Wehr zu setzen.


    *) Man weiß doch, wie die durchschnittlichen pubertierenden Mädchen eineander ankeifen: "Die Charlotte hat erzählt, dass Du ihr den Freund ausgespannt hast!!!! Du bist so fiiieeees!!! Ich rede nicht mehr mit Dir."
    Da kann in der Regel nicht verborgen bleiben, worum es eigentlich geht.

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