"schwierig" - das betreffende Kind, ein Junge ist 5,5 Jahre alt und im gleichen Kindergarten wie meine Tochter. Sie sind lose befreundet, da er und seine gleichaltrige Schwester ein paar Häuser weiter wohnen. Er ist ein liebenswertes Kind, sehr intelligent, sprach-gewandt, aber völlig distanzlos, kann seine Kraft nicht kontrollieren, ist aggressiv und sehr unruhig.
Im Kindergarten hat er täglich Probleme, es geht inzwischen soweit, dass ihn die anderen Kinder ausgrenzen. Meine Tochter mag seine Schwester gerne und läd sie gelegentlich zum spielen ein, allerdings nur unter der Voraussetzung, ohne den Bruder. Dabei mag der Junge meine Tochter sehr gerne.
Die Distanzlosigkeit äußert sich u.a. dadurch, dass er mich, wenn ich meine Tochter abhole halb umwirft. Er rennt mir entgegen, schubst meine Tochter aus dem Weg und umarmt mich. Ich habe ihm bereits mehrmals gesagt, dass ich das nicht will. Erzieher und wenn die Eltern zugegen sind greifen ein, aber ohne weiterführenden Erfolg, sprich, das gleiche Verhalten am nächsten Tag.
Meine Tochter ist jeden Tag am weinen, denn sie möchte mich als Erste begrüßen, was ich völlig verstehen kann. Dazu kommt, dass sie in einen Waldkindergarten geht, entsprechend schmutzig ist die Kleidung der Kinder. Ich hab auch keine Lust mir täglich die Jacke von diesem Kind einsauen zu lassen, nur weil es mich von hinten "anspringen" muss, oder mich halb umrennen, umarmen usw.muss.
Ich bin diesem Kind gegenüber sehr eindeutig und klar in meinen Ansagen. Gehe zu ihm runter, halte ihn an den Händen, sage ihm "Ich will das nicht. Bitte lass es, ich will nicht zu heftig umarmt werden von dir, wir können uns gerne freundlich begrüßen, aber bitte wirf dich nicht so an mich.". Er sagt darauf "Aber ich hab dich lieb!" "Das ist schön und ich freue mich, dass du mich magst. Aber wir können uns freundlich begrüßen ohne dass du dich in meine Arme wirfst.".
Das geht nun schon seit 5 Wochen so und es nervt mich langsam ungemein. Erzieher und Eltern (sofern in dem Moment anwesend) greifen ein, nur manchmal ist es dann schon zu spät. Meine Tochter weint und der Abschied vom Kiga ist unruhig bis chaotisch, denn häufig mischen sich andere Kinder ein, "beschimpfen" den Jungen, "verteidigen" meine Tochter, sie überfordert das völlig und will nach Hause und sich sich bei niemandem verabschieden. Ich finde das einen sehr unschönen Tagesabschluss im Kindergarten.
Habt ihr Anregungen wie ich adäquater reagieren könnte? Von den Eltern kommt wenig Hilfe, bzw, hört er auf sie nicht. Manchmal frage ich mich auch, ob sie sein Verhalten etwas harmloser sehen als ich. Für sie ist er einfach ein wilder Junge. Wenn die Erzieher eingreifen, dann wird er "aus der Situation" genommen, sprich muss sich setzten, oft ist es nötig, dass ein Erzieher dann neben ihm sitzt und ihn daran hindert davon zu laufen. Aber manchmal ist es einfach zu spät, denn so bald ich um die Ecke komme sprintet er los.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 194
-
10.10.2011, 17:00
Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
Geändert von EvenMadderAuntMaud (10.10.2011 um 22:04 Uhr)
-
10.10.2011, 17:16
AW: Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
Hallo Aunt Maud
Ich habe gerade leider gar keine Erfahrung mit Kindergartenkindern, aber eine Idee kam mir spontan, da Du den Jungen als "intelligent" und "liebenswert" beschreibst, gleichzeitig aber immer wieder widerholte Erklaerungen Deinerseits nicht fruchten:
Kann es sein, dass das ein Spiel fuer ihn ist, sprich er den Ernst Deines Nicht-Wollens einfach nicht wahrnimmt? Denn er scheint nicht so dumm oder klein zu sein, dass er Dich grundsaetzlich nicht verstehen wollte. Vielleicht ist der ganze Ablauf ein Ritual fuer ihn:
Lustiges Anspringen, dann eine (immer noch ruhige, liebevolle) Ermahnung durch Dich (auch mit Koerperkontakt, den er ja zu moegen scheint), und dann guetlicher Abschied. Koennte es sein, dass er das ganze gar nicht als unangenehm und "getadelt werden" empfindet?
Mich erinnerte Deine Beschreibung spontan an das kindliche Gefuehl, dass jemand zwar "Nein" sagt, und man (als Kind) das auch durchaus verstanden hat, aber bei sich denkt: "Das ist doch so lustig, was wir hier machen, so ernst werden die das 'Nein' schon nicht meinen."
(Ich hoffe jetzt mal, dass nicht nur ich als Kind gelegentlich so hartnaeckig war
).
Vielleicht musst Du ihm irgendwie deutlich machen, dass dieses Umwerfen unangenehm fuer Dich ist? Sowas wie Schmutz z.B. nehmen ja viele Kinder nicht so ernst, und wenn sie dann noch in einen Waldkindergarten gehen, wo Schmutz normalerweise kein Thema ist...
Vielleicht kannst Du ihm sagen, dass es Dir weh tut, wenn er Dich so anspringt, oder dass es Deiner Tochter weh tut, wenn er sie schubst.
Natuerlich meine ich nicht, dass Du dem kleinen Kerl ein fuerchterlich schlechtes Gewissen machen sollst, aber halt einen Grund nennen, der fuer ihn selber relevant ist, bei dem er ganz nachvollziehen kann, dass seine Sturmhaftigkeit unangenehm fuer Euch ist.
Das war jetzt mehr aus der "Kindperspektive", aber vielleicht ist es ja eine Moeglichkeit?
-
10.10.2011, 17:17Inaktiver User
AW: Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
er kommt auf dich zugerannt-
dann gehe zur seite und sage laut und deutlich: nein.
deine erklärungen nimmt er nicht für ernst.
-
10.10.2011, 17:28
AW: Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
Ich versuche mir, das bildlich vorzustellen...
Ein kleiner Junge und gefühlte 5 Erwachsene (Du, Erzieher, Eltern des Jungen) und eine Horde Kinder reagieren, wenn er dich anfällt...
Ich glaube, ich würde ihn nicht so zutexten. Du bist gewarnt, dass er kommt - Du kannst ihn rechtzeitig mit einem Arm auf Abstand halten, "Nein" sagen oder "Hör auf" und Dich Deiner Tochter zuwenden. Hast Du das mal 5 Tage hintereinander versucht? Einfach ignorieren und nur körperlichen Abstand wahren? Ich meine, den pädagogisch wertvollen Ansatz mit Erklären hast Du ja nun wochenlang versucht - scheint ja nichts zu helfen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass man nicht seine eigene, körperliche Grenze vor einem Kindergartenkind verteidigen kann.
-
10.10.2011, 17:36
AW: Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
Ist das aber nicht auch eine Frage von Mimik, Gestik und Tonfall? Wenn ich sehe, wie manche Erwachsenen "Nein" sagen, wundert es mich nicht, dass die Kinder so tun, als hätten sie "Ja, toll" gehört.
Ich zucke jetzt schon zusammen, wenn meine Mutter von meiner Tochter (7 Monate) gekniffen wird und dann in Säuselton "Neinneinnein" oder "Auaaua" sagt. Das geht nicht. "Nein" und "Aua" müssen einfach absolut überzeugend sein - das ist für mich kein Spiel. Sonst muss man sich nicht wundern, wenn ständig die eigenen Grenzen nicht respektiert werden.
Wenn meine Mutter Nein sagt, lacht meine Tochter und macht weiter. Wenn ich nein sage, schaut sie mich aufmerksam an und hält inne. Ich glaube nicht, dass das Wort entscheidend ist. Aber eben Mimik und Tonfall, evt. (später) Gestik - bzw. eben die Handlung abzubrechen oder das Kind daran zu hindern, einen weiter zu traktieren.
-
10.10.2011, 17:42
AW: Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
Ja, natuerlich! Aber ich denke mal, es gibt auch noch so ein Zwischending, wo das Nein des Erwachsenen nicht voellig gesaeuselt oder sonstwie absolut unueberzeugend ist, aber als Kind ist man gerade so "im Schwung", dass es halt eine Schippe mehr braucht.
Falls es hier so sein sollte, dass das Nein einfach nicht deutlich genug ankommt, waere der naechste Schritt natuerlich ein schaerferer Tonfall, abwehrende Koerperhaltung usw. Ich finde Deinen Vorschlag, auch koerperlich zu reagieren, also sich wegzubewegen, den Jungen wirklich wegzuhalten, gut.
Aber ich kann auch verstehen, dass AuntMaud das eine ganze Zeitlang nicht in Erwaegung gezogen hat, sie fragt ja auch jetzt, wie sie "angemessener" reagieren kann, und man ist anscheinend ja sehr getrimmt darauf, gerade "fremde" Kinder nur ja nie nicht hard anzufassen - im woertlichen wie uebertragenen Sinne.
Das:
meine ich allerdings auch.
-
10.10.2011, 17:55
AW: Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
Ich kann's nicht verstehen - aber vielleicht habe ich als kleine Schwester einfach sehr früh gelernt, mich zu verteidigen. Meine - gerade körperlichen - Grenzen sind mir heilig.
Ich halte nichts von dem Spruch, man müsse Kindern Grenzen setzen. Ich halte das sogar für Quatsch. Aber die eigenen Grenzen, die muss man doch bitteschön verteidigen. Und wenn das ein oder zweimal verbal nicht funktioniert, darf man sich auch körperlich (im Sinne von Abwehren) wehren.
-
10.10.2011, 17:59Inaktiver User
-
10.10.2011, 18:06
AW: Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
Ich gebe Dir ja auch voellig Recht, dass AuntMaud ihre Grenzen verteidigen muss und darf. Aber ich kann - je nachdem welche Erfahrungen sie halt gemacht hat - schon auch verstehen, dass sie da zoegert. Du hast eben frueh die Erfahrung gemacht, dass es notwendig und ok ist; viele andere machen als Erwachsene/Eltern die Erfahrung, dass es ganz schlecht kommt, ein "fremdes" Kind zu "massregeln". Natuerlich ist das trotzdem manchmal angemessen und notwendig. Aber ich kann jeden verstehen, dem das nicht die allererste Option ist.
Ich vermute ja eher mal, da hat er "noch nicht ausgelernt".
Es ist ein 5jaehriges Kind - ich bezweifle sehr, dass er sich viele bewusste Gedanken darueber macht. Er hat EMAM lieb, also will er sie umarmen. Weiter geht's erstmal nicht. Jetzt muss er noch lernen, dass man erstens nicht auf diese wilde Art umarmen muss und zweitens auch Liebgehabte damit einverstanden sein muessen.
Jedenfalls wuerde ich das ohne naehere Infos erstmal relativ einfach sehen wollen.
-
10.10.2011, 18:26Inaktiver User
AW: Umgang im Kindergarten mit "schwierigem" Kind
Bist du denn bereit den Jungen in den Arm zu nehmen? Er hat ja seinen Wunsch klar geäußert und er setzt ihn um. Wenn das für dich o.k. ist dann komm ihm bei der Erfüllung seines Wunsches entgegen, aber zu deinen Bedingungen.
Kannst du mal in einer ruhigeren Situation mit ihm reden? Dann sagst du ihm deine Bedingungen. Also er hält sich zurück und wartet bis du deine Tochter begrüßt hast und du auf ihn zukommst um ihn in den Arm zu nehmen. Hält er sich nicht daran, dann bekommt er auch keine Umarmung sondern wird von dir oder den Erzieherinnen wie von Halina beschrieben auf Abstand gehalten und du gehst dann einfach mit deiner Tochter nach Hause. Wenn das gar nicht klappt bitte die Erzieherinnen mal ihn von Anfang an zu beschäftigen und ihn von der Abholsituation fern zu halten. So kann er dann gar nicht zu dir rennen aber er bekommt dann seinen Umarmung von dir, weil er sich ja an die Regel gehalten hat (wenn auch nicht ganz freiwillig). Er merkt dann, dass du dich an eure Abmachung hälst und er selbst beeinflussen kann ob er von dir nun Aufmerksamkeit bekommt oder du ihn ignorierst.


Zitieren

