Hallo liebe Community,
mein Name ist Tusci und ich bin Mama einer 5,5-jährigen Tochter.
Eigentlich haben wir immer ein gutes Verhältnis gehabt, aber zur Zeit hab ich den Eindruck, wir entzweien uns. Und das verletzt mich sehr.
Ich muss erstmal ausholen. Da ich die Kleine allein erziehe, voll arbeite, noch eine kranke Mutter mit zu versorgen habe bin ich körperlich und psychisch schon etwas angeknackst. Vor anderthalb Jahren bekam ich schon die Diagnose Burnout. Ich bin medikamentös eingestellt, aber ich merke, wie auch das nicht mehr anschlägt.
Meine Tochter ist schon immer ein sehr mobiles Kind gewesen. Sie neigt aber dazu, wenn sie nicht intensiv bespielt wird in gnadenlose Langeweile zu verfallen. Ich oder der Opa setzen uns oft mit ihr zusammen und geben Anregungen. Sie besteht aber drauf, dass man bei ihr bleibt und mit ihr spielt. Da ich berufstätig bin, hab ich ja noch etwas Haushalt nebenbei und auch noch einen Teil bei meinen Eltern zu erledigen. Also geb ich meist einen Input - mal mal ein Bild mit Haus und Garten etc. oder spiel mit den Ponys ein Märchen nach.. das geht 5 Minuten, dann will sie Fernsehen. Ich habe nichts dagegen, wenn sie am Abend eine Stunde vor dem Schlafengehen KIKA schaut, aber nicht nachmittags die ganze Zeit. Das führt zu Grundsatzdebatten. Sie räumt nicht auf. Wenn sie sich bereit erklärt aufzuräumen, dann knüpft sie dies für mich an Bedingungen. "Ich räume nur auf, wenn Du mir hilfst oder mir dieses oder jenes (benennt die Dinge konkret) kaufst." Ich kann ihr sachlich erklären, dass ich ihr nicht permanent Spielzeug kaufen kann. Erstmal aus Prinzip und zweitens auch aus finanzieller Sicht.
Das nächste ist, wenn wir morgens aufstehen. Ich starte eine halbe Stunde vor ihr in den Tag, mach mich in Ruhe zurecht, dann weck ich sie. Sie bekommt einen Kuss und eines ihrer Kuscheltiere singt ihr ein Lied oder ich lass ein Kuscheltier sie wecken, das sie dann noch bissi kitzelt.. Manchmal klappt es, aber auch oft nicht.
Führt wiederum zu Diskussionen. Sie mag sich dann nicht allein anziehen. Ich reiche ihr schon die Sachen oder wenn nochwas am Frühstückstisch zu richten ist, dann sag ich ihr: zieh dich bitte aus, die Sachen liegen da.. Sie kann es. Aber sie macht es nicht. Teilweise vergisst sie, was ich gesagt habe und beshäftigt sich mit anderen Dingen.. Das gibt Zeitverzögerung. Frühstück klappt mal mehr mal weniger. Dann wenn es in den Kindergarten geht das nächste Theater. Wir haben 3-4 Kuscheltiere, die für den Kindergarten gedacht sind, darf sich abwechseln. Weil sie ihr Lieblingsschnuffeltuch gern verliert, hab ich ihr klar gemacht, dass es besser zu Hause bleibt, weil wenn es weg ist, gibt wieder Stress. Kein Weg. Dann 5 Minuten vorm Gehen nochmal Gemecker. Kann sein, dass sie sich irgendwann ein bekommt oder aber noch laut auf dem Weg in den Kindergarten meckert und motzt. Ich habe heute früh erst wieder gesagt, sie möchte bitte in einem anderen Ton mit mir sprechen. Als das nicht ging, bin ich schweigend neben ihr her gelaufen und hab ihre Wutausbrüche ignoriert. Innerlich spielte sich ein Feuerwerk der Gefühle ab.
Ich weiß nicht, was ich falsch mach. Ich versuch lange ruhig zu bleiben. Ich knüpfe an jedes NEIN eine Erklärung. Ich speise mein Kind nicht nur mit JA und NEIN ab. Damit sie den Hintergrund für meine Sichtweise erkennt. Sie beschimpft mich als hässlich. Ich habe sie nicht lieb. Ich sage ihr bei jedem Wutausbruch wie sehr lieb ich sie habe, aber sie rastet so aus.
Ich weiß nicht mehr weiter. Immer frage ich mich, sind andere auch so? Ist das eine Phase? Wie lang dauert sie? Was kann ich machen, damit es besser wird?
Ich sitze manchmal hier und könnt nur heulen, weil ich einfach fix und alle bin. Heute wieder 4 Maschinen Wäsche gewaschen, vorgestern 2.. Ich kümmer mich um 2 Haushalte, koche, putze und dann schau ich noch, dass meine Mutter wieder auf die Beine kommt und arbeite noch. Außer meinem Vater habe ich niemanden, der mir hilft. Freundschaften pflege ich schon nicht mehr wirklich, weil ich so down bin. Und mit meiner Laune will ich keinen vergraulen. Ich bin dann eher immer noch der Zuhörer für den Kummer anderer. Wenns denen schlecht geht, ruft man mich an, ich bin zur Stelle. Nach mir fragt aber keiner.
Ich habe auch schon ein Belohnungssystem gehabt. Sprich: Ein Kalender. Wenn sie keine Ausraster hatte bekam sie ne tolle Sonne. Wenns etwas Probleme gab, dann Sonne mit Wolken und wenn sie vollkommen abgedreht war ne Gewitterwolke. Das hatte gut geklappt. Nur irgendwann, wenn sie sah, dass der Mädchenwetterbericht eine Gewitterwolke aufzeigte, dann motzte sie nochmal so sehr. Ich ließ sie schon die Sonne und so selbst malen, nur das Gewitter wollte sie nicht...
Keine Ahnung, was ich noch tun soll. Ich hab sie unendlich lieb. Wenn sie dann wieder mit Wiesenblumen kommt und sagt, die bekomm ich weil es ihr leid tut.. Aber ich möchte versuchen einen Weg zu finden, dass es nicht mehr so ausartet. Ich gestehe ihr genauso schlechte Laune zu. Kein Problem, bei uns ist auch nicht ein Tag wie der andere. Aber diese Eskalationen will ich versuchen zu unterbinden. Nur wie?
Kann mir jemand helfen, bitte?
Viele Grüße, die Tusci
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Ergebnis 1 bis 10 von 54
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24.06.2011, 16:20
5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
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24.06.2011, 16:35Inaktiver User
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
Hallo Tusci,
Ich habe mal zitiert, was mir aufgefallen ist.
Vielleicht diskutierst du zuviel mit ihr? 5-jährigen Kidner fällt es schwer sich in die Beweggründe und Motive des Handelns Erwachsener hineinzudenken
Kinder mögen Eindeutigkeit. Und wenn sie an sie gewöhnt sind, akzeptieren sie auch ein klares "ja" oder "Nein".
Just my two cents...
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24.06.2011, 16:36Inaktiver User
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
Mmmmhhh, die Kämpfe, die Du mit ihr führen musst, klingen ziemlich normal. Insgesamt habe ich den Eindruck, Du brauchst eine seelisch moralische Unterstützung mit praktischer Hilfe in Form einer Patentante, die Dir die Kleine auch mal aus dem Kreuz nimmt, mit der Du die Erziehung auch besprechen kannst und die von aussen besser auf die Kleine einwirken kann. Aber woher nehmen?
Hast Du eine Idee? Irgendein Mensch in deiner Umgebung, die gerne Kontakt zu Kindern hat und das vielleicht gerne übernehmen würde?
Mit dem Bespielen habe ich nur den Ansatz, sie auch zum Teil in die alltäglichen Arbeiten zu integrieren. Wenn Du z.B. bügelst, bügelt sie auch. Wenn Du kehrst, kann sie helfen ... Das ist für Kinder auch spielen. Es muss nicht immer Malen oder Puppenspiel oder anderes sein. Einfach mitmachen lassen. Dadurch werden manche Dinge etwas länger dauern, aber es schont deine Nerven und sie wird zufriedener.
Und mit 5,5 Jahren kann sie auch schon verstehen, daß alles zusammen für dich sehr schwer ist. Erkläre ihr, daß ihr ein Team sein müsst. Deshalb soll sie ja ihre Kindheit nicht dreingeben, aber Rücksicht kann man in diesem Alter schon mal anfangen einzuklagen. Das Team ist sie, das Kind und Du, die Erwachsene ...
Und ich stimme meiner Vorschreiberin zu. Klare Ansagen. Nicht zu viel erklären. Das Wesentliche ja. Aber nix komplexes. Und Kinder mögen auch, wenn sie Richtung bekommen. Also durchaus mal "Weil ich die Mama bin" Punkt.
Meinem Patensohn habe ich mal erklärt, daß ich als Erwachsene viele Dinge mitbekomme, die er nicht mitbekommt. Und wenn ich etwas entscheide, kann er sich drauf verlassen, daß ich es in seinem Sinne tue, auch wenn er es noch nicht begreift.
Das hat prima funktioniert und wenn es Situationen gab, in denen ich gesagt habe: Mach es einfach! , hat es gut und ohne Diskussionen geklappt.Geändert von Inaktiver User (24.06.2011 um 16:41 Uhr)
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24.06.2011, 16:52
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
Schonmal ein liebes Danke an Euch.
An diese kurzen knappen Aussagen muss ich mich noch gewöhnen, aber es leuchtet mir ein, dass sowas manchmal besser ist. Vor allem bietet es keine Fläche für neu aufkeimende Diskussionen, die vielleicht durch eine Erklärung meinerseits entstehen könnten. Das probiere ich heute gleich aus. Nicht barsch, aber konsequent.
Patentante, das ist so eine Sache. Ich hatte eine Patentante zu ihrer Geburt favorisiert, meine beste Freundin damals. Nur sie wollte nicht, da sie das Amt einer Patentante mit Geldausgeben gleich setzte. Ich kann mich noch erinnern, als sie mein Baby hoch hielt und sagte: ich bin Deine Patentante, von mir bekommst Du Geld und Geschenke. Jaaaaa, Geld und Geschenke. Permanent. Ich hab versucht ihr zu erklären, dass das für mich nicht der Sinn einer Patenschaft ist, sondern dass es eine Bezugsperson und Vertrauensperson in ihrem Leben gibt. Wenn mir mal was passiert.. nicht zum Geschenke überhäufen. Sie hat das nicht gewollt, hat es mir auch gesagt, also hab ich niemanden.
Eine liebe Kollegin und Freundin hätte ich, aber sie wohnt 3 Fahrstunden entfernt und ich trau mich nicht zu fragen, aus Angst wieder eine Ablehnung zu erfahren.. kann man für ein 5,5-jähriges Kind noch ne Patenschaft vergeben?
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24.06.2011, 16:54
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
Erstmal

Das ist eine ganz schöne Belastung, die du tagtäglich hast. Und wenn das auf Dauer so geht, kann ich mir vorstellen, dass man dem Burnout immer näher kommt.
Ganz ehrlich - ich sehe aber das Hauptproblem nicht in den Trotzepisoden deiner Tochter. Vielmehr solltest du zu deinem eigenen Wohl, und auch,um mehr für deine Tochter da sein zu können, dich mehr von deinen Eltern abgrenzen. Das ist einfach zuviel, was du da tust, und es hört sich für mich nach einem Dauerzustand an. Es muss doch Möglichkeiten geben, z.B. dass deine Eltern sich anderweitig Hilfe organisieren - so kann es doch nicht weitergehen!
Deine Tochter leidet darunter, und das sollte sie eigentlich nicht. Konzentriere dich mehr auf dein Leben und das deiner Tochter und versuche nicht, jeden Tag Dinge zu tun, die einfach ein Mensch allein gar nicht schaffen kann und die - außerdem - auch gar nicht deine Baustelle sind!
Kopf hoch und hab den Mut, das deinen Eltern gegenüber anzusprechen!
Das Mini-Tigerchen ist da! 
*24.02.2011*
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24.06.2011, 16:59Inaktiver User
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
Ei, warum denn nicht? Natürlich gibt es Menschen, die das gerne machen. Nur müsstest Du halt solche im Freundeskreis auftun. Ideal wäre räumliche Nähe und auch eine ganz passende Übereinstimmung in Erziehungsfragen. Aber auch jemand, mit dem Du dich nur mal drüber austauschen kannst, wäre doch schon hilfreich. Erzähl ihr doch mal von deinen Sorgen. Sie kennt dich und deine Umstände ja persönlich. Vielleicht hat sie auch eine Idee.
Nur wer spricht, dem kann geholfen werden.
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24.06.2011, 17:02Inaktiver User
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
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24.06.2011, 17:48
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
Über die Hilfe müsste ich mal nachdenken. Ich hätte schon ne Idee, dass man evtl. auch über die Krankenkasse ne Haushaltshilfe für die beiden avisiert. Vielleicht kann meine Mutter ja dem zustimmen. Sie ist etwas engstirnig. Wenn sie was nicht will, dann will sie nicht. Wenn sie eben keine Thrombosetrümpfe tragen möchte nach 8 Wochen Bettlägerigkeit, dann will sie eben nicht. Kann man sich quasi den Mund fusselig reden. Am Ende ertönt das Lied: "Du hast ja keine Ahnung, wie es mir geht. Komm Du mal in mein Alter. Leiste mal das was ich geleistet habe."
Ich denke fast auch, dass meine Tochter mehr unter der Allgemeinsituation leidet. Sie hatte schonmal eine kleinere Krise, das fällt mir grad ein, als Opa im Krankenhaus war. Das bekam sie nur sehr sehr schwierig auf die Reihe. Ihr Leiden äußerte sich auch in massiven Trotzanfällen. Vielleicht hat sie einfach auch nur die Nase von Krankenhäusern voll. Verständlich.
Hmm, mit der Freundin muss ich überlegen. Sie hat selbst keine Kinder, wird auch keine bekommen können. Ich schau mal..
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24.06.2011, 17:52
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
Ehrlich gesagt:
Bevor ich darüber nachdenke, wie ich mein Kind am besten outsource, sollen doch wohl mal die Eltern, die übrigens erwachsen und für ihr eigenes Leben verantwortlich sind, sehen, dass sie es auf die Reihe bekommen und nicht alles auf ihrer Tochter abladen, bis die eines Tages zusammenbricht.
Das Mini-Tigerchen ist da! 
*24.02.2011*
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24.06.2011, 17:56
AW: 5,5 Jahre - komm an den Rand meiner Grenzen
Das fettmarkierte spricht für mich Bände!
Versuche bitte, dich gegen deine Eltern abzugrenzen und lerne, auch mal "Nein" zu sagen. Wenn das so weiter geht, gehst du vor die Hunde. Und deine Eltern schauen zu.
Entschuldige die harten Worte, aber ich denke, das ist das erste, was dir hilft, und dann hast du auch viel mehr Zeit und Energie, dich deiner Tochter zu widmen!
Das Mini-Tigerchen ist da! 
*24.02.2011*


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