Hallo liebe Mitschreiberinnen,
mein Mann und ich leben schon seit 8 Jahren in einer Fernbeziehung, ich in D, er im Ausland. Unser Kind ist inzwischen 2 und ich wollte meinem Mann schon längst in die Türkei hinterher gezogen sein. Allerdings ist er immer in Projekten beschäftigt, die ihn öfter auch mal in ein drittes Land bringen, für mehrere Jahre. Die Frage ist also, wohin ich ziehen soll.
Eingentlich hatte er versprochen fest in der Türkei zu bleiben, solange das Kind klein ist, damit ich hinterherziehen kann und unser Junge hier (in der Türkei, wo ich gerade bin) eingeschult wird. Nun kann er das Versprechen scheinbar nicht halten und wird wohl wieder in ein drittes Land gehen.
D.h. ein Familienleben wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Denn ich möchte nicht ständig das Land wechseln.
Mir bricht es für unseren Sohn das Herz, dass er diese Trennungen vom Vater immer erleben muss. Nun mit über 2 kriegt er ja auch schon viel mehr mit.
Hat jemand Erfahrungen mit so einer Situation? Ist es wirklich so schlimm fürs Kind, wie ich denke? Welche Lösungen habt ihr gefunden oder erwogen, was hat funktioniert. Ist vielleicht jemand in so einer Situation aufgewachsen und fühlt sich heute total super?
Ich bin für jeden Denkanstoß dankbar
Afra
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10.05.2011, 11:10
Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
Geändert von afra3000 (10.05.2011 um 14:21 Uhr) Grund: wichtige Info ergänzt
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10.05.2011, 11:14
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
Wie sieht euer Familienleben denn aus? Wie oft im Jahr, für wie lange könnt ihr euch sehen? Und wie wird das dann in Zukunft sein?
Und wie geht es dir damit?
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10.05.2011, 11:41
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
Ahja, wusst ich doch, dass ich bestimmt was vergessen habe.
Hallo Even Madder,
gäbe es unseren Kleinen nicht, ginge es mir ganz prima mit der Fernbeziehung. Ich bin gern mal streckenweise allein und auch das "best of both worlds", das man sich bei dem Pendeln raussuchen kann, find ich ganz prima.
Ich denke eben nur, dass so ein kleines Kind mehr Beständigkeit bräuchte. Und wenn er am Flughafen weint (Sohnemann), dann wird mir ganz schlecht.
Wenn mein Mann in der Türkei ist, wie jetzt, sehen wir uns häufig, etwa alle 2 Monate für 2 Monate. Als Freiberuflerin kann ich meine Arbeit einfach mitnehmen. Geht er aber in ein Drittland sehen wir uns weniger. Er geht dann nämlich leider immer in ziemlich unwirtliche Regionen und außerdem muss ich dann meine Arbeit während der Besuche unterbrechen, weil ich Sohnemann auch nicht wahllos von irgendwem betreuen lassen will, d.h. Verdienstausfall, enttäuschte Kunden.
Und die Perspektive ist auch so mein Problem: Was machen wir, wenn die Schule losgeht? Klar, kann er in Deutschland zur Schule gehen, aber ich will ihn dann auch bis zum Ende der Grundschule dort lassen. D.h. dann sieht er Papa nur noch in den Schulferien, was ich dann wieder überhaupt nicht okay finde.
Ächz.
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10.05.2011, 13:38
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
Meine Freundin ist Frau eines Soldaten der Nato. Sie ziehen so alle 2-4 Jahre um. Das heißt schon auch mal dass Sie in ein anderes Land ziehen. Sie haben Kinder, die sind natürlich mit dabei. Wieso beleitest Du denn deinen Mann nicht.
Meine Freundin ist nicht immer berufstätig, je nach dem wo Sie eben grade ist und ob Sie Lust hat zu arbeiten.
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10.05.2011, 14:19
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
Hallo Mutter,
danke für das Beispiel.
Ich frag mich das auch oft, warum ich nicht einfach von blödem Land zu blödem Land mitziehe ... aber ich kriegs nicht hin. Mein Mann ist Bauingenieur. D.h. ich hänge dann in mehr oder weniger schönen Big-Brother-Containern in Baustellennähe rum und tausche Kochrezepte mit den anderen Müttern aus. Klar, kann man auch in der Stadt (sollte die Baustelle nicht komplett in der Pampa sein) in einer Wohnung wohnen, aber da gibt es je nach Land auch Sicherheitsprobleme. Und außerdem kann man dann nicht mal Kochrezepte austauschen.
Oh nee, ist nicht meins. Und arbeiten will ich unbedingt. Ich bin ganz gut in meinem Job und hab jetzt schon durch die freiberufliche Arbeit maximale Flexibilität. Mehr kann ich meinem Mann nicht entgegenkommen.
Vor allem aber möchte ich meinem Kind nicht (bei uns wären es) alle 1-2 Jahre einen kompletten Umgebungswechsel zumuten. Das hätte mich als Kind nicht begeistert. Wie alt sind denn die Kinder deiner Freundin und wie geht's denen mit den ständigen Wechseln?
Möglicherweise bin ich aber in dem Punkt (häufiger Ortswechsel fürs Kind) zu besorgt?!
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10.05.2011, 15:32
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
eine ehemalige klassenkameradin ist tochter eines bundeswehroberst. sie ist, bis sie ausgezogen ist, alle zwei jahre umgezogen. toll fand sie das nicht. insbesondere, da die bundesländer wechselten und die schulen sehr unterschiedlich waren und sie manchmal eine menge stoff nachzuholen hatte, um dann in der nächsten schule der klasse voraus zu sein.
us-armee angehörige haben es da (etwas) leichter, hier gleicht ein village dem anderen und schulisch ist das nicht so problematisch wie in deutschland. so zumindest die rückmeldungen der us-soldaten, die ich kenne.
eine ehemalige kollegin hat lange im oman gelebt. im internationalen dorf ohne kontakt zu den einheimischen. ihr mann, ebenfalls bauingenieur, flog von dort aus zu seinen einsatzstellen. als die kinder auf die weiterführenden schulen gingen, wurden sie in deutschland sesshaft. sie beschrieb die zeit dort für sich als todlangweilig. sie konnte dort nicht arbeiten. das gute war, dass die kinder früh englisch und französisch lernten.
freunde von uns sind von einem europäischen land ins nächste gezogen. die kinder mitten im schulalter. die kinder leiden sehr a) neue sprache und b) völlig anderes schulsystem. die ausbildung der mutter wird nicht anerkannt.
ich denke früher oder später müsst ihr euch eine basis schaffen. wo die ist, müsst ihr entscheiden und das bis zum schuleintritt.
wenn ihr beide für dieses 'vagabundenleben' wärt und du mehr die möglichkeit hättest mit zu ziehen, dann wäre das, zumindest bis schuleintritt, die chance euch und eurem kind vielfältige erfahrungen zu bieten.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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10.05.2011, 15:58
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
Das seh ich eigentlich auch so.
Hallo Xanidae,
schade, also keine "Entwarnung", was den Wohlfühlfaktor fürs Kind angeht, ich ahnte es ja fast schon.
Ich glaub, ich kling ein bisschen wie jemand, der überhaupt nicht gern reist, das ist eigentlich nicht der Fall. Allerdings hab ich schon einige Baustellen von meinem Mann erlebt, als ich ihn (damals noch ohne Kind) besucht habe. Und so vielfältig sind die Eindrücke leider nicht
Die Camps gleichen sich und an den Wochenenden (meist nur 1 Tag lang, weil sonst Arbeit) spaziert man so halb interessiert durchs fremde Land.
Ich würd echt gern in die Türkei ziehen, wenn es meinem Mann endlich mal gelingen würde, hier einen "Bürojob" zu ergattern. Deutschland lehnt er auch ab.
Mein Plan B ist eigentlich, die feste Basis in Deutschland zu schaffen, mit kurzen Besuchen beim Papa. Damit würde ich dann Stabilität (kein Schulwechsel, kein Umgebungswechsel) stärker gewichten als das ständige Zusammenleben mit dem Papa. Ist das fies? Wem auch immer gegenüber?
Mir kommt es irgendwie so vor als sei die Stabilität wichtiger als der Papa ... Hier wird's schräg, oder?
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10.05.2011, 16:08Inaktiver User
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
>>Mein Plan B ist eigentlich, die feste Basis in Deutschland zu schaffen, mit kurzen Besuchen beim Papa. Damit würde ich dann Stabilität (kein Schulwechsel, kein Umgebungswechsel) stärker gewichten als das ständige Zusammenleben mit dem Papa. Ist das fies? Wem auch immer gegenüber?
Genau DAS und fies ist es überhaupt nicht endlich verlässliche Verhältnisse zu schaffen nachem dein Mann das wohl nicht hinbekommt, allzu wichtig wird ihm sein Kind eh nicht sein, aber reine Vermutung.
Mach das damit der Kleine keinen Schaden nimmt.
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10.05.2011, 16:17
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
Hallo Afra,
ich denke, für die Vater-Sohn-Beziehung ist der Vater verantwortlich. Wenn er eine Beziehung zum Kind aufbauen WILL, wird er das auch tun, selbst wenn er wenig zu Hause ist.
Gib du dem Kind die äußere Sicherheit.
Fies ist das ganz und gar nicht.
Dein Mann kann regelmäßig mit dem Kleinen skypen, Briefe schicken und auch aus der Ferne an seinem Leben und Wachsen teilnehmen. Sofern er echtes Interesse daran hat, wird er das auch tun.
Ich wünsche euch alles Gute für euer Leben. Bei uns hat es nicht geklappt, was aber am Desinteresse des Vaters lag, daher meine Meinung wie oben beschrieben.Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.(Franz Kafka)
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10.05.2011, 16:49
AW: Fernbeziehung und Kleinkind - was sind eure Erfahrungen?
Schön, dass ihr das so klar sagen könnt. So deutlich erkannt hatte ich das nämlich noch nicht, dass die Beziehung zu seinem Sohn quasi eine Holschuld meines Mannes ist.
Ich lass das mal in mir arbeiten


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