Hallo!
Wir sind im "Vermieter verbietet Fußball..."-Thread so weit vom Thema abgekommen, dass ich mir erlaube, hier einen extra Strang zum Thema: "Kinder zu Schule fahren oder fahren lassen" zu eröffnen und ich diskutiere einfach mal nahtlos weiter.
Ich halte es nicht für ignorant zu sagen, die Schüler sollen laufen - es sollten dann aber auch die Bedingungen stimmen.
Um Kinder heutzutage fit fürs Leben zu machen sollten sie von Anfang an lernen, dass ihre Eltern kein Taxidienst sind.
Dazu brauche ich aber eine ausreichend gute/passende öffentliche Verkehrslage und dafür kämpfen hier bei mir die Eltern.
Die fordern weder mehr Parkplätze noch einen Wendehammer an der Schule sondern Zebrastreifen/Schülerlotsen, um von der Bushaltestelle aus, die Straße sicher überqueren zu können, sie fordern eine vernünftige Bus-Taktung, um Anschlüsse gut erreichen zu können - und sie fordern von den Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen, weil sie nicht wollen, dass ihr Kind um halb 6 aufsteht, dass diese nicht gerade an der Bushaltestelle parken.
Ein Schulweg kann für Kinder bereichernd sein.
Der Austausch mit begleitenden Mitschülern, die Wahrnehmung einer ungefilterten Umwelt (kein organisierter Freizeittreff, zum dem gefahren und abgeholt wird), die Möglichkeit, auf dem Nachhauseweg in seiner Zeit anzukommen, auch mal zu spät (gottseidank gibt es das Handy, mit dem ich als besorgte Mutter nachfragen kann), die Möglichkeit - je älter das Kind wird - nach der Schule spontan einen Freund zu besuchen oder einen Abstecher in die Stadt zu machen (auch hier: yippie, meine lange Leine das Handy!).
Das klappt am besten, wenn man dem Kind von Anfang an den Freiraum schenkt, seinen Weg zur Schule alleine zu bewältigen - wenn dies öffentliche Verkehrmittel im vernünftigen Rahmen zulassen.
Dann können die Kinder mit zunehmendem Alter auch ihre Freizeit besser ohne das Elterntaxi organisieren, öffentliche Verkehrsmitel zu benutzen wird selbstverständlich und einfach.
Ich muss als Mutter entscheiden, wie ich mein Kind in dieser neuen Schulwegssituation begleite und es sollte nicht so sein, dass nur gut ist, was schon immer so war ... dass ich mit dem Auto fahre.
Ich muss mit Älterwerden des Kindes mein Verhalten immer wieder überprüfen, es dem Reifegrad des Kindes und den Umständen anpassen.
Und ich weiß, dass es manchmal einfacher ist, meine Einstellung mein Verhalten an die Umstände anzupassen, als zu verlangen, dass sich die Umstände mir anpassen.
HexeVersteckse
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 61
Thema: Kinder zur Schule fahren ...
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01.04.2011, 10:22
Kinder zur Schule fahren ...
"Ich würde mich gern geistig mit dir duellieren, aber ich sehe, du bist unbewaffnet."
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01.04.2011, 10:44Inaktiver User
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01.04.2011, 11:03
AW: Kinder zur Schule fahren ...
HecksteVersteckes, dass kann ich alles so unterschreiben

Meine Mädels mussen auch laufen ca. 25 Minuten bis zur Grundschule. Die frische Luft hat abgehärtet und das soziale Netzwerk wurde auf dem Nachhauseweg genknüpft - klar gab's auch mal Zoff und die eine oder andere Träne floss, aber auch das härtet wie gesagt ab.
Aus der Sicht meiner Töchter wurden eh nur die Doofen gefahren!
Viele Grüße
Schneeflocke
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01.04.2011, 11:06
AW: Kinder zur Schule fahren ...
Natürlich kann man versuchen, bestimmte Bedingungen zu verändern. Man kann einen Zebrastreifen fordern. Schülerlotsen - ein heikles Thema. Ich kann mich erinnern, dass es immer das Problem war, dass sich keiner gemeldet hat ...
Grundsätzlich meine ich aber, dass sich Kinder mit dem, so wie es ist, zurechtfinden müssen. Wir können uns unsere Welt nicht backen, sie ist wie sie ist. Und fast jeder gefährlichere Schulweg ist durch einen kleinen Umweg nicht mehr so gefährlich. Grundschulen sind in der Regel in einem Umkreis von 2 Kilometer, Hauptschulen 3 Kilometer. Wenn es keine öffentliche Verkehrsmittel zu weiterführenden Schulen gibt, fahren sehr häufig Schulbusse. So kenne ich die Verhältnisse in Bayern (in der Großstadt und auf dem flachen Land).
Ich habe meine Kinder nicht gefahren. Ich habe mit ihnen den Weg geübt, habe sie auf gefährliche Stellen aufmerksam gemacht, die ersten Wochen bzw. Tage begleitet und dann mussten sie alleine gehen, sowohl in die Grundschule als auch in die weiterführenden Schulen, da dann auch gerne mit dem Fahrrad. Ich bin mehrfach ungläubig angesprochen worden, wie ich das verantworten könne, es sei doch viel zu gefährlich ...Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare.
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01.04.2011, 11:08
AW: Kinder zur Schule fahren ...
Ooooh, absolutes Aufregerthema für mich
!
Folgende Situation an einer Schule (weiterführend, also sind da nicht mehr die ganz Lütten, und verkehrstechnisch gut zu erreichen):
Es gibt zwei Zufahrten, eine mit Park- und Haltemöglichkeiten an einer Wohnstraße und eine, die über einen schmalen Weg und den als solchen deutlich gekennzeichneten Lehrerparkplatz führt. An beiden ist Morgens und bei Schulschluss die Hölle los.
Auf der besagten Straße parken kreuz und quer die Autos der Eltern, beim Wegfahren werden teilweise die ankommenden oder fortgehenden Schüler nicht beachtet, man hat es ja immer soo eilig - teilweise eine absolut gefährliche Situation. An der anderen Stelle fahren die Eltern die Kids bis vor die Schultür, dann müssen sie über die schmale Zufahrt wieder zur Straße. Auf ihr laufen jede Menge Schüler - auch hier echt gefährlich für die Kinder.
Appelle an die Eltern bringen keinerlei Wirkung. Lehrer, auch die Schulleitung, die Eltern freundlich ansprechen, werden teilweise rüde angepflaumt.
Sicher gibt es an den weiterführenden Schulen Kinder, die von weit her kommen, und daher gern gebracht werden, um ihnen lange Schulwege zu ersparen. Aber müssen sie bis direkt zur Schule gebracht werden? In der Nähe gibt es genug Parkplätze, von denen aus die Kinder in maximal 2 Minuten in der Schule wären.
Hexe:
Ganz wichtig, dass die Kinder mit dem Bewältigen des Schulwegs ein Stück Autonomie lernen! Ich habe mir erzählen lassen, dass es an der besagten Schule 7.-Klässler gibt, die nicht wissen, wie man mit der Straßenbahn oder mit dem Bus fährt, weil sie immer nur mit dem "MamaTaxi" fahren...
Lieben Gruß, Kürbiskern
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01.04.2011, 11:13Inaktiver User
AW: Kinder zur Schule fahren ...
Ich glaube nicht, dass es viele Eltern gibt, die ihre Kinder ohne Grund in die Schule fahren. Die Zeit haben die meisten doch gar nicht.
Den meisten Eltern ist es doch am liebsten, sie könnten ihre Kinder alleine in die Schule schicken, ohne Angst haben zu müssen, dass ihnen was passiert.
Unsere Kinder hatten auch das Glück, jeden Morgen zu Fuß zur Schule gehen zu können. Es gibt aber auch einige, die haben nicht das Glück - sie wohnen weit draußen "auf dem Land" und ein Schulbus fährt dort nicht.
Wiederum andere haben nicht das Glück, einen durchdachten, kindersicheren Schulweg vorzufinden. Es fehlen Zebrastreifen, Ampeln, Schülerlotsen, Schulbusse - und das oft mitten in der Stadt, wo hohes Verkehrsaufkommen herrscht. Wer mag sein Kind bei solche gefährlichen Schulwegen alleine losschicken - ich hätte das auch nicht gemacht.
Sinnvoll fand ich das, was wir in den Anfangszeiten unserer Erstklässler gemacht haben: es liefen nicht alle Mütter/Väter mit, sondern wir haben uns abgewechselt.
Kürzlich habe ich dann auch einen Film gesehen, in welchem genau das die Eltern von Kindern machen, die einen gefährlichen Schulweg haben: die Eltern haben sich abgewechselt und jeweils die Gruppe Erst/Zweitklässler zur Schule gebracht.
Zum Thema Parkplätze/Halteplätze: wenn eine Stadt ein Schulzentrum baut, in welchem Grund-Haupt-Realschule und Gymnasium untergebracht sind und sich dort mehrere Tausend Schüler tummeln - bei uns gibt es so ein Zentrum, dann müssen entsprechende Parkplätze mitgeplant werden. Ich habe auch sehr gestaunt, wie viele von den Gymnasiasten Autos hatten und mit denen auch zur Schule kamen - mag man toll finden oder nicht, verbieten kann man es offenbar nicht. Und das dort reger Verkehr herrscht, kann man sich auch vorher denken.
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01.04.2011, 11:20Inaktiver User
AW: Kinder zur Schule fahren ...
hexeversteckse, was macht Dich nun an dem Thema so fassungslos? Allem was Du geschrieben hast, kann ich nur zustimmen und bei uns wurde das genau so gelebt. Grundschule ca 2km entfernt, zu Beginn von den Eltern organisierte und begleitete Laufgruppen, die Kinder gruppierten sich später nach Freundschaften neu und de facto lief beinahe die gesamte Klasse geschlossen zu uns ins Dorf. Ab der 4. Klasse fuhren alle mit dem Rad, auch hier als Großgruppe und dich denke, es gab so manche schwierige Situation, von der ich froh bin, nicht dabei gewesen zu sein. Passiert ist nie etwas.
Jetzt in der weiterführenden Schule nutzt mein Sohn ganz selbstverständlich öffentliche Verkehrsmittel (ich sponsere ihm eine Monatskarte, damit er am nachmittag auch Freunde besuchen kann und am Abend zur Sporthalle kommt) - geht nicht anders, denn ich habe mein Auto abgeschafft und in eine Jahreskarte investiert. Wenn er, was hin uns wieder vorkommt, zu spät das Haus verlässt, muss er entweder Vater als Chauffeur engagieren (peinlich, da steigt er eine Seitenstrasse vorher aus, damit ihn niemand sieht) oder eben zu spät kommen.
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01.04.2011, 11:25
AW: Kinder zur Schule fahren ...
Autonomie und eigenständige Lebenserfahrungen ist doch offensichtlich vielfach einfach nicht erwünscht!
-da ist DAS Ideal die Sozialädagogisch betreute Kindergrippe, Kindergarten und Schule - selbstverständlich ganztags, Wochenend und Ferienangebote werden ebenfalls Pädagogisch strukturiert und in unserer Stadt gibt es sogar eine "Spielplatzbetreuung" durch Sozialarbeiter - die Kinder könnten sich ja langweilen oder pädagogisch unkorrekt Spielen
-da werden in unserem Fussballverein bei den Kleinen die Tore nicht mehr gezählt - das Trauma eines verlorenen Spiels will man den armen Kindern nicht zumuten
-da dürfen Kinder nicht mehr auf Bäume klettern, jedes Raufen wird streng verboten, Mithilfe im Haushalt/Garten etc. wird nicht verlangt und jede doch ausgeführte Tätigkeit überschwänglich gelobt - alles aus Sorge um das Kindeswohl - und gleichzeitig steigen die Zahlen von Kindern die sich in Therapien jedweder Art befinden
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01.04.2011, 11:25Inaktiver User
AW: Kinder zur Schule fahren ...
Ob es die Kinder sind, die bis vor die Schultür gefahren werden oder die Erwachsenen, die für die kürzesten Strecken ein Auto brauchen:
es täte vielen Leuten gut, sich im Alltag mehr zu bewegen, man schaue sich nur einmal die Gewichtsentwicklung der Bevölkerung an.
Ich kann beruflich beobachten, wie fit bzw. nicht-fit viele Leute sind.
Ihr glaubt nicht, für wie viele Kinder und auch schon 30 bis 40-Jährige es eine Herausforderung ist, 130 Treppenstufen zu gehen. Ich staune täglich.
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01.04.2011, 11:29
AW: Kinder zur Schule fahren ...
Aber das ist doch genau das Problem. Die Welt ist nicht durchdacht und kindersicher, jedenfalls nicht immer und überall. Und Kinder müssen trotzdem lernen, früher oder später mit dieser Welt zurecht zu kommen.
Das:
finde ich einen sehr guten Ansatz. Und ich glaube, dass Kinder im Grundschulalter sehr wohl verstehen, was gefährliche Stellen sind und dass sie aufpassen müssten. Ich hatte großen Respekt vor der vielbefahrenden Straße, die ich überqueren musste und wäre nicht bei Rot über die Ampel gelaufen. Aber ich glaube auch, dass man Kindern etwas zutrauen darf, wenn nicht sogar muss.Ich habe meine Kinder nicht gefahren. Ich habe mit ihnen den Weg geübt, habe sie auf gefährliche Stellen aufmerksam gemacht, die ersten Wochen bzw. Tage begleitet und dann mussten sie alleine gehen, sowohl in die Grundschule als auch in die weiterführenden Schulen, da dann auch gerne mit dem Fahrrad. Ich bin mehrfach ungläubig angesprochen worden, wie ich das verantworten könne, es sei doch viel zu gefährlich ...
Manchmal finde ich es paradox, dass unsere Welt objektiv immer sicherer wird ( verglichen mit anderen Zeiten und anderen Weltgegenden) und die Ängste zugleich immer mehr zunehmen. Ich kann mich nicht erinnern, dass in meiner Kindheit Angst der Eltern um ihre Kinder so ein Thema war. Und ich glaube nicht, dass das Leben damals sicherer war.
Ich kann schon irgendwie verstehen, dass diese Ängste existieren und auch durch das Umfeld noch genährt werden (man steckt sich ja auch schnell gegenseitig an). Aber ich glaube auch, dass Ängste schnell eine nicht ungefährliche Eigendynamik entwickeln: je ängstlicher man ist, desto weniger lässt man das Kind alleine machen, desto weniger kann es letztlich, desto gefährdeter ist es.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)


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