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Thema: Mütter Weh

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    Mütter Weh

    Mein 16-jähriger Sohn ist seit etwa einer Woche auf einem Internat im Ausland. Es war eine sehr schnell getroffene Entscheidung und es gab sehr, sehr viel zu organisieren und zu erledigen.

    So wie es aussieht, gefällt es ihm extrem gut (es ist eine wirklich sehr, sehr schöne Schule) und so langsam komme ich auch wieder „im Alltag“ an.

    Der Plan ist, dass er dort seinen Schulabschluss macht und die Wahrscheinlichkeit, dass er danach dort oder in einem anderen Land studiert ist extrem hoch. Das heißt eigentlich, dass er mit seinen jungen 16 Jahren „das Nest“ schon verlassen hat.

    Wir haben unsere Kinder immer sehr zu Selbständigkeit erzogen, obwohl sie auf der anderen Seite auch sehr behütet sind und wir ein wirklich gutes und liebevolles Verhältnis zueinander haben. Pubertäre Ausraster ja – aber keine Extreme.

    So … und nun fühle ich mich plötzlich von 0 auf Gleich in einer Situation, in der ich loslassen muss. Und ich gebe zu, es fällt mir nicht leicht. Und die Aussicht darauf, dass „es das jetzt war“ setzt mir gerade sehr zu. Ich fühle mich so "entwurzelt".

    Ich würde mich sehr über einen Austausch mit anderen freuen, die vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ich klammere auch gerade etwas an unserem Jüngsten (der das aber ganz schön findet). Mein Mann hat leider nur sehr wenig Verständnis (eigentlich keins) für mein „Mütter Weh“ und sieht ausschließlich die Vorteile, die sich unserem Sohn ergeben. Die sehe ich auch. Aber ich weiß auch, dass er mir zwar noch nicht wirklich heftig fehlt - ist ja erst eine Woche (und es gab immer einmal wieder Klassenfahrten etc. in dieser Länge). Aber so langfristig ..... da wird mir doch das Herz sehr schwer

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    AW: Mütter Weh

    ..eine Mutter von 5 Kindern hat mir erklärt:

    Mütter haben ihre Kinder immer im Herzen, aber die Hände müssen sie loslassen

    Für mich beschreibt dieser Satz meinen Mütterstatus sehr gut.

    Ich kann mich gut erinnern, dass ich meiner Mutter/Familie auch keine Träne nachgeweint habe, als ich in dem Alter unterwegs war. Was nicht ausschließt sich über Besuche und Telefonate zu freuen.

    Mein Sohn ist 17 Jahre alt und auch schon seit längerem immer mal allein unterwegs. Bei jedem Abschied grinse ich ihn freudig an und verrate nichts von meiner Angst, meinen Bedenken oder Befürchtungen. Bei seiner Rückkehr grinse ich genauso und versuche ihn nicht zu erdrücken

    Meine Aufgabe als Mutter habe ich erfüllt, ich habe einen seeehr selbständigen, verantwortungsvollen, freundlichen und offenen Menschen auf den Weg gebracht. Meine eigenen Verlustängste und Probleme muss ich schon selber regeln, aber ich freue mich schon heute auf ein entspanntes Verhältnis auf Augenhöhe--das dauert aber noch.

    Ich liebe meinen Sohn und deshalb lasse ich ihn los

    jackpot

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    AW: Mütter Weh

    Ach Jackpot, das hast du schön beschrieben

    Meine Aufgabe als Mutter habe ich erfüllt, ich habe einen seeehr selbständigen, verantwortungsvollen, freundlichen und offenen Menschen auf den Weg gebracht. Meine eigenen Verlustängste und Probleme muss ich schon selber regeln, aber ich freue mich schon heute auf ein entspanntes Verhältnis auf Augenhöhe--das dauert aber noch.

    Ich liebe meinen Sohn und deshalb lasse ich ihn los
    Ich sehe das genauso. Das beschreibt auch in etwa meinen Sohn. Er hat jetzt schon nach einer Woche viele neue Freunde gefunden und ich denke, dass dieser Weg der Richtige für ihn ist.

    Ich denke es geht darum, neue Lebensperspektiven zu finden, wo die Fokussierung in den vergangenen Jahren doch sehr auf dem Nachwuchs lag.

    Ich hab eine anspruchsvolle Arbeit, die ich sehr liebe und auch viel Zeit in Anspruch nimmt und immer nahm. Jetzt aber trauere ich so ein Bisschen der Vertrautheit nach, die zwischen uns immer herrschte - was sie ja auch noch zum Teil tut dank Skype und Facebook -ja und dem belanglosen Alltag.

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    AW: Mütter Weh

    Hallo Sauvignon,

    es freut mich, dass ich Dich verstanden habe.

    Es ist richtig, wir müssen jetzt eine Rolle rückwärts machen!! Als wir die Kinder bekommen haben, da haben wir uns darauf vorbereitet-Eltern Hefte-Kleidung kaufen-Schule aussuchen-Ferien planen-Nachmittage organisieren-Gästekinder erleben und-und -und

    Es gibt bis heute nur immer noch kein reguläres Vorbild für das Loslassen--wäre noch eine Marktlücke--und daher muss Jede von uns ihren eigenen Weg suchen.
    Männer haben nach meiner Beobachtung weniger Probleme damit, da sie in der Regel nicht so nah dran sind und die Kinder in den seltensten Fällen, für zumindest einen bestimmten Zeitraum, als Lebensmittelpunkt gesehen haben (bitte Nachsicht wie bei allen Pauschalierungen----es gibt wie immer Ausnahmen).

    Versuche doch mal die Vorteile von einem auswärtigen Kind zu sehen-nicht für ihn, sondern für Dich!!! Die gesparte Zeit investier doch mal nur für Dich-auch als Vorsichtsmaßnahme um Deinen Jüngsten jetzt nicht zu erdrücken- und mach mal etwas Verrücktes, oder nur für Dein Wohlgefühl, oder, oder.....

    Es gibt für Kinder nichts Besseres als eine entspannte Mutter

    also los jetzt

    jackpot

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    AW: Mütter Weh

    Versuche doch mal die Vorteile von einem auswärtigen Kind zu sehen-nicht für ihn, sondern für Dich!!! Die gesparte Zeit investier doch mal nur für Dich-auch als Vorsichtsmaßnahme um Deinen Jüngsten jetzt nicht zu erdrücken- und mach mal etwas Verrücktes, oder nur für Dein Wohlgefühl, oder, oder.....

    Es gibt für Kinder nichts Besseres als eine entspannte Mutter
    Da hast du sicherlich recht. Wenn es mir auch momentan noch recht schwer fällt zu akzeptieren, dass er tatsächlich weg ist.

    Was mir zusätzlich zu schaffen macht ist sicherlich auch der Umstand, dass wir uns immer sehr nah waren. Er ist ein klassisches "Mama-Kind". Der Kleine ist ein Papa-Kind und steht meinem Mann sehr nah. Und ich - ich fühle mich jetzt wohl irgendwie so überflüssig - familientechnisch gesehen.

    Wir haben auch die Kompetenzen (was Schule, Arztbesuche und sonstige Termine etc.) angeht sehr klar aufgeteilt. Ich kümmere mich um die Belange des Großen, mein Mann um die Belange des Kleinen.

    Ich bin jetzt faktisch arbeitslos

    Heute habe ich ein Care-Paket gepackt mit Sachen, die er noch braucht. Und vor lauter Wehmut das halbe Paket mit seinen Lieblings-Fressalien bestückt.

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    AW: Mütter Weh

    Hallo Sauvignon,

    ich hoffe Du hast auch einen vernünftigen Sohn, sonst leidet er jetzt erstmal an Bauchweh

    Ich bleibe aber dabei, suche Dir etwas als Ausgleich für Deine Arbeitslosigkeit. Es gibt doch sicher auch in Deinem Leben irgend einen Traum, eine Idee, die Du aus vernünftigen Gründen nie angegangen bist. Jetzt hast Du die Gelegenheit etwas mehr für Dich zu tun und mit Deinem Mann

    Die enge Verindung mit Deinem Sohn hört auch nicht auf. Du bekommst weniger Informationen über sein tägliches Leben, aber die Beziehung zu ihm hast Du schon vor vielen Jahren auf den Weg gebracht und hält in der Regel ein Leben lang

    Fang jetzt aber bloss nicht an, die Familienstellung zu verändern, das gibt nur (berechtigten Ärger) mit Deinen anderen Männern.

    Ich kann inzwischen richtig gut Tschembe trommeln, hätte ich vorher auch nicht gedacht, macht aber richtig Spaß und war ursprünglich auch nur eine Schnapsidee-richtig eine Wette-habe Deutschkenntnisse gegen Trommeln gesetzt-und alle haben dabei gewonnen

    Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag

    jackpot

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    AW: Mütter Weh

    Hallo Savignon,

    mir geht es ähnlich wie dir! Und ich hatte schon überlegt, hier dazu zu schreiben, da stoße ich auf deinen Strang.

    Mein Sohn (schon 21 Jahre!) ist auch im Ausland, sehr weit weg, und obendrein nicht immer zu erreichen. Seit mehr als zwei Monaten und er wird wohl erst im Sommer zurück sein. Meine Situation unterscheidet sich von deiner insofern, als ich mit ihm allein lebe - gelebt habe - und sich daher wohl eine besonders feste Bindung ergeben hat.

    Ich vermisse ihn sehr! Rational sage ich mir natürlich: Er muss ja mal aus dem Haus, ich will ja auch nicht, dass er auf immer und ewig im "Hotel Mama" bleibt, er wird sowieso wahrscheinlich zum Studium in eine andere Stadt ziehen, ich habe oft gedacht (bevor er weg ist), ist ja auch klasse, die Wohnung für mich allein zu haben - alle diese Gedanken haben auch eine große Gültigkeit. Ich kann auch nicht über Langeweile klagen, ich habe einen sehr lieben Lebensgefährten, meinen Beruf, Freunde, Hobbys. Ich muss also mein Leben nicht neu ausrichten, weil mir eine Beschäftigung fehlt.

    So in mir drin fehlt er mir eben einfach, die Gespräche, das gemeinsame Kochen und Essen am Sonntagabend, aber es wird langsam besser. Das würde ich ihm nie so mitteilen, das ist klar, und klammern kommt nicht in Frage. Nur mir selbst und mir sehr nahe stehenden Menschen gegenüber lasse ich das schon mal raus. Und jetzt eben hier.

    Liebe Grüße, Kürbiskern

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    AW: Mütter Weh

    Zitat Zitat von Kuerbiskern Beitrag anzeigen
    So in mir drin fehlt er mir eben einfach, die Gespräche, das gemeinsame Kochen und Essen am Sonntagabend, aber es wird langsam besser. Das würde ich ihm nie so mitteilen, das ist klar, und klammern kommt nicht in Frage. Nur mir selbst und mir sehr nahe stehenden Menschen gegenüber lasse ich das schon mal raus. Und jetzt eben hier.

    Liebe Grüße, Kürbiskern
    Ja, liebe Kürbiskern, das kann ich sehr gut verstehen, was du schreibst. Und ich denke, ich werde mich im Laufe der Zeit auch daran gewöhnen, dass er weg ist.

    Auf der anderen Seite habe ich es aber noch gar nicht so richtig realisiert - es ist ja jetzt erst etwas über eine Woche her. Und trotzdem ist da so ein unbestimmtes "Verlust"-Gefühl, das ich noch gar nicht so richtig in Worte fassen kann.

    Es ging dann letztlich auch alles sehr, sehr schnell .... also keine wochen- oder monatelangen Vorbereitungen. Er hatte die Zusage an einem Freitag und am nächsten Dienstag waren wir schon unterwegs.

    Nun ist er ja noch sehr jung und wird natürlich in den Ferien bzw. an Weihnachten bei uns sein. Aber so richtig zusammen leben werden wir nicht mehr. Die Dinge, die mich also so genervt haben (morgens wecken ... nun steh doch bitte auf .... hast du deine Hausaufgaben erledigt ... kannst du bitte endlich die Spülmaschine einräumen) fehlen mir nun plötzlich. Ach Menno .....

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    AW: Mütter Weh

    Zitat Zitat von savignon Beitrag anzeigen
    Die Dinge, die mich also so genervt haben (morgens wecken ... nun steh doch bitte auf .... hast du deine Hausaufgaben erledigt ... kannst du bitte endlich die Spülmaschine einräumen) fehlen mir nun plötzlich. Ach Menno .....
    *lach* JA!

    Und ich bin gleichzeitig sicher, dass mich solche Dinge, wenn er wieder da ist, genauso nerven werden. Obwohl meiner ja mit seinen 21 Jahren schon aus dem Hausaufgaben-machen- und soweiter- Alter längst raus ist und sein Aufgaben im Haushalt mehr oder weniger selbständig erledigen musste.

    16 Jahre ist ja auch noch sehr jung, das ist schon etwas anderes als bei mir. Wenn ich an meine Söhne in dem Alter denke (ich hab noch einen Großen), das hätte ich sicher noch schwerer gefunden. Obwohl ich sie, wenn sie denn den Wunsch geäußert hätten, ins Ausland zu gehen, immer unterstützt hätte! Aber Rationalität ist eben immer etwas anderes als die Gefühle, die man dann hat.

    Und: wär doch auch nicht toll, wenn wir nur mit den Achseln zucken und sagen würden: hau man ab, je eher desto besser! Dass man sein Kind lieb hat, das ist doch in Ordnung. Dazu gehört natürlich auch Loslassen *zu jackpot rüberwinke*. Dass wir sie vermissen, gehört einfach in eine andere Schublade.

    Liebe Grüße, Kürbiskern

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    AW: Mütter Weh

    Savignon, wenn Du Lust hast, lies mal In der Mitte des Lebens von Margot Kässmann. Sie beschreibt darin unter anderem ganz vortrefflich die Gedanken, die sie beim Auszug ihrer Töchter hat(te).
    Bis auf Weiteres a.D.

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