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    AW: 13 und allein auf see?

    Das Buch von Tania Aebi habe ich gerade gelesen und ich finde sie beschreibt die Zeit auf See sehr schön. Auch die Ängste, die mit dem Alleinsein verbunden sind. Sie hatte große Ängste, dass sie nach 2,5 Jahren nach Hause kommt und einfach anders ist, anders als die Mädchen in ihrem Alter.

    Sie erlebt wirklich schwierige und auch heikle Situationen und ist mehrmals an dem Punkt, dass sie einfach den Törn abbrechen will. Aber am Ende bereut sie es auch nicht, diesen Schritt gegangen zu sein.

    Mich hat das Buch sehr berührt. Wer sich für diese Thematik interessiert, dem sei es ans Herz gelegt.
    Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.

    (von John Lennon)



    Ich will selbst den Herren machen,
    Mag nicht länger Diener sein.


    (Mozart - Don Giovanni)

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    AW: 13 und allein auf see?

    Seglerin gibt nicht auf - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - Panorama - sueddeutsche.de

    Auf der einen Seite wäre ich besorgt um meine 13jährigeTochter
    wie die Mutter von Laura Bekker. Trotzdem könnte ich es mir
    vorstellen, wenn ein Filmteam die junge Seglerin begleiten würde.

    ....."Die längste Zeit, die ich an einem Stück allein auf dem Wasser unterwegs bin, beträgt drei Wochen."
    "Laura will über das Internet Kontakt mit ihren Lehrern halten. Das niederländische Bildungsministerium hatte es abgelehnt, sie für zwei Jahre vom Schulbesuch freizustellen."....

    Vielleicht gibt es einen Kompromiss, dass sie mit 14 oder 15 Jahren
    segeln darf mit einem Filmteam und das Bildungsministerium eine
    Sondererlaubnis erteilt.

    ~~~~

    Es gibt einige Gründe, warum ich es mir vorstellen könnte, die
    ich nicht alle nennen will.

    Bis vor kurzem hatte ich wenig Ahnung vom Segeln, außer was
    mir Segelexperten jahrelang so berichtet haben oder von kurzen
    Besuchen auf Segelbooten.

    Kürzlich aber hatte ich die Gelegenheit in USA mit einem Querschnittgelähmten zu segeln, der 1991 einen Segelclub an der Westküste für Behinderte gegründet hatte. Ich bin aus dem Staunen
    nicht herausgekommen, abgesehen von der wunderbaren Gegend
    und sonstigen Eindrücken. Wir waren aber jeweils zu viert oder
    fünft an Bord des 22 foot (ca. 8 m) langen Segelbootes. Er war
    der Skipper.

    Kurz vor der letzten Segeltour kam ich mit einer seaplane aus
    Kanada in Seattle auf dem Wasser an und wurde von zwei Seglern abgeholt.
    Der eine war querschnittsgelähmt und konnte auch mit beiden
    Hände nicht richtig zupacken, der andere war blind.

    Von diesem blinden jungen Mann hörte ich schon zuvor.

    Er war vor nicht allzu langer Zeit als Blinder alleine von Seattle
    nach Hawaii und zurück gesegelt.

    The distance from Seattle, Washington to Honolulu Hawaii is 2677 miles (4308 km) -> also 8.616 km.

    Wir haben ihn natürlich während der Segeltour danach gefragt und er fand es nicht ungewöhnlich. Er wollte es für sich tun, nicht für Medien, so war es auch. Der gelähmte Segler wollte nochmals im Detail wissen, wie man es als Blinder schafft (obwohl es
    einige Blinde im Segelclub gibt), in einem völlig fremden Yachthafen zu segeln und an der richtigen Stelle festzumachen. Auch das wäre problemlos möglich gewesen. Das war keine Weltumseglung, aber trotzdem erstaunlich für uns alle. Es gab bei ihm keine besonderen Vorkommnisse.

    Er wird es nochmals machen, vielleicht noch weiter alleine
    segeln. Gut, er ist erwachsen.

    Da zwei meiner Töchter recht abenteuerfreudig sind, gibt es
    fast nichts mehr, was ich mir nicht vorstellen könnte, trotzdem
    hätte ich schlaflose Nächte und bin/ war oft besorgt. Ich kenne
    das holländische Mädchen nicht, nur die Berichte. Ob der
    Vater mediengeil ist, kann ich nicht einschätzen. Ich denke,
    das Mädchen könnte es packen.

    Manche Eltern aus meinem Umfeld trauen ihren 13/14jährigen
    Töchtern nicht mal zu, alleine 200 km mit dem Zug nach Frankfurt
    und zurück zu fahren.

    Der gelähmte Segler und seine nichtbehinderten Freunde
    erzählten mir, dass sie in Mexico zusammen unterwegs waren.
    Sie entdeckten einen größeren Yachthafen und Angebote zum Mitsegeln
    und freuten sich sehr darauf.

    Die Skipper (oder wie sich die Bootsführer so nennen) lehnten
    es ab, den gelähmten sehr erfahrenen Segler mitzunehmen. Es wäre zu gefährlich. Als er und seine Begleiter ihm sagten, dass er einen
    Segelclub gegründet hätte und seit Jahrzehnten segelt, lehnte er es
    trotzdem ab. Er konnte es sich nicht vorstellen, dass sowas
    möglich ist, es wäre einfach viel zu gefährlich (trotz seiner
    zwei Begleiter) und so wurde nichts aus der Segeltour. Noch heute
    ärgern sich die Segler darüber.

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    AW: 13 und allein auf see?

    Hallo Feinsinn,
    Du erzählst schöne Geschichten, die eigentlich genau die Essenz von diesem Strang beschreiben: "Seemannschaft", das heißt, sich selber einschätzen, auch dann, wenn die anderen das vielleicht anders sehen möchten...Das 13-jährige Mädchen kann das noch nicht. Jeder Segler weiß das. Ich würde lieber mit einem blinden 70-jährigen segeln, als mit diesem Mädchen.

    Kottan
    : "I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen"
    Elvira: "Gar koan Fehler?"
    Kottan: "Doch, i liag manchmal"
    ______________________________________

    Profilbild © Analuisa

  4. Inaktiver User

    AW: 13 und allein auf see?

    Zitat Zitat von Feinsinn Beitrag anzeigen
    Seglerin gibt nicht auf - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - Panorama - sueddeutsche.de

    Auf der einen Seite wäre ich besorgt um meine 13jährigeTochter
    wie die Mutter von Laura Bekker. Trotzdem könnte ich es mir
    vorstellen, wenn ein Filmteam die junge Seglerin begleiten würde.

    ....."Die längste Zeit, die ich an einem Stück allein auf dem Wasser unterwegs bin, beträgt drei Wochen."

    "Laura will über das Internet Kontakt mit ihren Lehrern halten. Das niederländische Bildungsministerium hatte es abgelehnt, sie für zwei Jahre vom Schulbesuch freizustellen."....

    Vielleicht gibt es einen Kompromiss, dass sie mit 14 oder 15 Jahren
    segeln darf mit einem Filmteam und das Bildungsministerium eine
    Sondererlaubnis erteilt.

    Das ist dann aber auch irgentwie 'gemoggelt' oder wie seht ihr das?
    Die anderen Rekordhalter wie der 16/ 17 jaehrige haben die Welt im Alleingang umsegelt, ohne Film crew (soweit ich das mitbekommen habe).
    Warum sollte es fuer das Maedchen dann eine Ausnahme geben?
    Das die dann als Alleinseglerin in das Buch der Rekorde kommen wuerde faende ich persoenlich nicht fair.

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    AW: 13 und allein auf see?

    @Kappuziner
    @Tamsin

    Etwas mit Fieber und Schüttelfrost und Rotz gebeutelt (zum Glück
    nicht auf hoher See, aber trotzdem gleich zur Arbeit segelnd...) deshalb kurze Antwort.

    Den Punkt "Rekord" ohne TV-Team habe ich glatt vergessen.
    Hab nur an das Segeln schlechthin gedacht.

    Kappuziner bei der ersten Segeltour waren bei uns der Gelähmte
    als Boss dabei, der allen Anordnungen gab und ein 70jähriger,
    meine Tochter und ihr Nicht-Segelfreund, die kräftig mit anpackten,
    obwohl sie noch nie im Leben auf einem Segelboot waren.
    Der 70jährige hatte früher auch Segelboote. Fährt jetzt mit dem
    Rad bei Gluthitze öfters von Seattle nach Portland (durch die
    Lavawüste) und täglich mal auf Mercer Island /SE auf den extrem
    steilen Straßen wie in SF 50 km Rad. Er hatte echt viel Power und noch viel vor. Deshalb kann ich es mir natürlich auch gut vorstellen, dass ein 70jähriger Blinder einem auf hoher See auch ein gutes Gefühl geben könnte und sicher segelt.
    Der blinde Segler war souverän. Hätte der Skipper mir nicht
    zuvor einiges von ihm erzählt, hätte ich garnicht bemerkt, dass
    er blind ist.

    Ich bin z.B. mit der seaplane an diesem unbekannten Boothafen
    (eingezäunt) angekommen. Normalerweise durfte der Skipper
    dort nicht parken im Wasser. Ich wiederum musst zu ihm zum
    Boot, da war aber der eingezäunte Bootshafen des Privatgeländes.
    Ein bisschen unwirsch öffnete mir ausnahmsweise die Hafenchefin
    per Pin Code die Türe, dass ich zum Segelboot durchlaufen konnte,
    wo der gelähmte Segler auf mich wartete. Ich war verwundert,
    er war alleine, sah ihn von der seaplane aus hochwinken zuvor kurz
    vor der Landung. Der Blinde war nämlich auf der Suche nach mir
    auf dem großen Hafengelände und der Pilot sagte ihm dann, dass ich
    womöglich schon das Segelboot gefunden hätte. Auch er kam
    nicht mehr durch die Sperre und die Hafendame war diesmal
    echt sauer und öffnete ihm auch ausnahmsweise das Tor und
    dann bekam der Skipper den Kopf gewaschen, was ihm einfällt,
    dass er dort hält, obwohl es nicht sein Bootshafen wäre und
    er kein Mitglied wäre. Beide Mitsegler sagten sorry...Ausnahmsweise... und sie entschwand wütend. Sie hat
    nicht bemerkt, dass der eine gelähmt und der andere blind war.
    Sie bestand zurecht auf die Hafenregeln und die beiden akzeptierten
    das. Das war nur ein kleiner Auszug über Vorschriften, keine
    Ahnung, was es weltweit noch alles für Regeln gibt. Schwierige
    Aktionen.

    Ich fühlte mich sehr sicher dann mit den beiden, es waren nur
    5-6 Stunden, die wir gesegelt sind, aber Zeit für Beobachtungen,
    gute Gespräche oder einfach gemeinsam schweigen. Zum ersten
    Mal kapierte ich, wie wohltuend segeln für mich war. Wir hatten
    viel Spass.

    Meine Tochter hat auch souverän zum ersten Mal bei einer
    Tour zugepackt, obwohl sie klein und zierlich ist. Vielleicht habe
    ich mir bei dem holländischen Mädchen einfach nur vorgestellt,
    dass es gut möglich ist, dass sie das schafft. Dass es wenig oder
    nichts gilt, wenn Film-Teams dabei sein, hatte ich vergessen.

    Habe es nur angedacht, dass die Bevölkerung, die Kritiker, die
    Mutter, wer auch immer ein beruhigenderes Gefühl dann hat und
    dass man überhaupt eine Möglichkeit findet, dass das Mädchen
    irgendwann in den nächsten Jahren die Welt umsegeln darf, was
    ja auch toll für sie wäre. Aus den Berichten des Blinden über seine
    Segeltour nach Hawaii und zurück entnahm ich, dass es ihm viel
    gab. Er wurde extrem von seiner Familie als Kind, Jugendlicher und
    junger Erwachsener in Watte gepackt und man traute ihm wenig
    zu. Er befreite sich von seiner Familie, hat selten Kontakt und lebt
    alleine selbständig. Er ärgert sich darüber, dass man ihm immer
    so wenig zugetraut hat. Auch andere Behinderte sagten mir das.

    Der Rekord zählt dann natürlich nicht mehr für das
    Mädchen wg. Film-Team und der allein ist doch auch ein Ansporn,
    ein Erfolgserlebnis, obwohl es sowieso eine Leistung wäre mit
    Filmteam gut ans Ziel zu kommen.

    Die wahren Beweggründe weiß nur das Mädchen und ihr Vater.

    Gemogelt hin oder her! Ich würde es anders sehen.

  6. Inaktiver User

    AW: 13 und allein auf see?

    Ich finde es sehr schade, aber auch nicht erstaunlich, dass der niederländische Staat dem Mädchen das Vorhaben verboten hat.

    Ich habe selbst ein paar rudimentäre Segelkenntnisse und würde mir nie und nimmer auch nur annäherungsweise eine Weltumsegelung zutrauen, von "allein" ganz zu schweigen. Daher habe ich schon Respekt vor der Abenteuerlust und dem Selbstvertrauen des Mädchens. Ich denke, dass sie und ihre Eltern ausreichend darüber nachgedacht und die Risiken abgewogen haben - sonst lassen Eltern ihr Kind sowas doch nicht tun.

    Der niederländische Staat hat ja in erster Linie mit der Schulpflicht argumentiert - natürlich, er möchte ja die Oberhoheit darüber behalten, was der Nachwuchs lernt. Das wäre in Deutschland nicht anders. Schade, ich glaube, in zwei Jahren auf See kann man auch in dem Alter sicher mehr lernen als in zwei Schuljahren - jedenfalls "fürs Leben".

  7. Inaktiver User

    AW: 13 und allein auf see?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Schade, ich glaube, in zwei Jahren auf See kann man auch in dem Alter sicher mehr lernen als in zwei Schuljahren - jedenfalls "fürs Leben".
    Wenn sie es überlebt, dann hat sie was fürs Leben gelernt!

  8. Inaktiver User

    AW: 13 und allein auf see?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich denke, dass sie und ihre Eltern ausreichend darüber nachgedacht und die Risiken abgewogen haben - sonst lassen Eltern ihr Kind sowas doch nicht tun.
    Ich sage es jetzt mal sehr direkt und unverblümt: Eine 13jährige gehört nicht mutterseelenallein für 2 Jahre auf ein Segelschiff, egal wie gut sie segeln kann, egal ob die Eltern meinen, dass sie das schafft. Neben der Schulpflicht des Mädchens (auch wenn die sich mit Unterricht per Computer evtl. umgehen ließe) besteht - bestimmt auch in den Niederlanden - auf Elternseite sowas wie eine Aufsichts- und Fürsorgepflicht ihrem Kind gegenüber, der sie hier nicht nachkommen. Eine 13jährige bedarf einer anderen Aufsicht und Fürsorge als ein Klein- oder Grundschulkind, ok. Aber ein Kind in diesem Alter 2 Jahre lang sowas allein machen zu lassen, ist für mich mehr als grob fahrlässig. Meiner Meinung nach haben die Eltern von Laura einen ordentlichen Hau weg.

  9. User Info Menu

    AW: 13 und allein auf see?

    In meiner Tageszeitung stand heute, dass die (geschiedene) deutsche Mutter von Laura absolut gegen diese Reise ist. Sie sei von den niederländischen Behörden nicht gehört worden. Sie unterstellt ihrem Exmann Großmannssucht.

  10. gesperrt

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    AW: 13 und allein auf see?

    ich stimme zuza in allen punkten zu. es geht ja auch nicht - am allerwenigsten - darum, ob sie schulisch auf dem Laufenden bleibt: das ließe sich noch am leichtesten nachholen. Nicht aber die sozialen Erfahrungen, die eine Heranwachsende in zwei Jahren Schritt für Schritt reifer und erwachsener werden lassen, im Zusammensein und in der Auseinandersetzung mit Anderen.

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