Das Buch von Tania Aebi habe ich gerade gelesen und ich finde sie beschreibt die Zeit auf See sehr schön. Auch die Ängste, die mit dem Alleinsein verbunden sind. Sie hatte große Ängste, dass sie nach 2,5 Jahren nach Hause kommt und einfach anders ist, anders als die Mädchen in ihrem Alter.
Sie erlebt wirklich schwierige und auch heikle Situationen und ist mehrmals an dem Punkt, dass sie einfach den Törn abbrechen will. Aber am Ende bereut sie es auch nicht, diesen Schritt gegangen zu sein.
Mich hat das Buch sehr berührt. Wer sich für diese Thematik interessiert, dem sei es ans Herz gelegt.
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Thema: 13 und allein auf see?
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05.09.2009, 21:33
AW: 13 und allein auf see?
Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.
(von John Lennon)
Ich will selbst den Herren machen,
Mag nicht länger Diener sein.
(Mozart - Don Giovanni)
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06.09.2009, 17:32
AW: 13 und allein auf see?
Seglerin gibt nicht auf - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben - Panorama - sueddeutsche.de
Auf der einen Seite wäre ich besorgt um meine 13jährigeTochter
wie die Mutter von Laura Bekker. Trotzdem könnte ich es mir
vorstellen, wenn ein Filmteam die junge Seglerin begleiten würde.
....."Die längste Zeit, die ich an einem Stück allein auf dem Wasser unterwegs bin, beträgt drei Wochen."
"Laura will über das Internet Kontakt mit ihren Lehrern halten. Das niederländische Bildungsministerium hatte es abgelehnt, sie für zwei Jahre vom Schulbesuch freizustellen."....
Vielleicht gibt es einen Kompromiss, dass sie mit 14 oder 15 Jahren
segeln darf mit einem Filmteam und das Bildungsministerium eine
Sondererlaubnis erteilt.
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Es gibt einige Gründe, warum ich es mir vorstellen könnte, die
ich nicht alle nennen will.
Bis vor kurzem hatte ich wenig Ahnung vom Segeln, außer was
mir Segelexperten jahrelang so berichtet haben oder von kurzen
Besuchen auf Segelbooten.
Kürzlich aber hatte ich die Gelegenheit in USA mit einem Querschnittgelähmten zu segeln, der 1991 einen Segelclub an der Westküste für Behinderte gegründet hatte. Ich bin aus dem Staunen
nicht herausgekommen, abgesehen von der wunderbaren Gegend
und sonstigen Eindrücken. Wir waren aber jeweils zu viert oder
fünft an Bord des 22 foot (ca. 8 m) langen Segelbootes. Er war
der Skipper.
Kurz vor der letzten Segeltour kam ich mit einer seaplane aus
Kanada in Seattle auf dem Wasser an und wurde von zwei Seglern abgeholt.
Der eine war querschnittsgelähmt und konnte auch mit beiden
Hände nicht richtig zupacken, der andere war blind.
Von diesem blinden jungen Mann hörte ich schon zuvor.
Er war vor nicht allzu langer Zeit als Blinder alleine von Seattle
nach Hawaii und zurück gesegelt.
The distance from Seattle, Washington to Honolulu Hawaii is 2677 miles (4308 km) -> also 8.616 km.
Wir haben ihn natürlich während der Segeltour danach gefragt und er fand es nicht ungewöhnlich. Er wollte es für sich tun, nicht für Medien, so war es auch. Der gelähmte Segler wollte nochmals im Detail wissen, wie man es als Blinder schafft (obwohl es
einige Blinde im Segelclub gibt), in einem völlig fremden Yachthafen zu segeln und an der richtigen Stelle festzumachen. Auch das wäre problemlos möglich gewesen. Das war keine Weltumseglung, aber trotzdem erstaunlich für uns alle. Es gab bei ihm keine besonderen Vorkommnisse.
Er wird es nochmals machen, vielleicht noch weiter alleine
segeln. Gut, er ist erwachsen.
Da zwei meiner Töchter recht abenteuerfreudig sind, gibt es
fast nichts mehr, was ich mir nicht vorstellen könnte, trotzdem
hätte ich schlaflose Nächte und bin/ war oft besorgt. Ich kenne
das holländische Mädchen nicht, nur die Berichte. Ob der
Vater mediengeil ist, kann ich nicht einschätzen. Ich denke,
das Mädchen könnte es packen.
Manche Eltern aus meinem Umfeld trauen ihren 13/14jährigen
Töchtern nicht mal zu, alleine 200 km mit dem Zug nach Frankfurt
und zurück zu fahren.
Der gelähmte Segler und seine nichtbehinderten Freunde
erzählten mir, dass sie in Mexico zusammen unterwegs waren.
Sie entdeckten einen größeren Yachthafen und Angebote zum Mitsegeln
und freuten sich sehr darauf.
Die Skipper (oder wie sich die Bootsführer so nennen) lehnten
es ab, den gelähmten sehr erfahrenen Segler mitzunehmen. Es wäre zu gefährlich. Als er und seine Begleiter ihm sagten, dass er einen
Segelclub gegründet hätte und seit Jahrzehnten segelt, lehnte er es
trotzdem ab. Er konnte es sich nicht vorstellen, dass sowas
möglich ist, es wäre einfach viel zu gefährlich (trotz seiner
zwei Begleiter) und so wurde nichts aus der Segeltour. Noch heute
ärgern sich die Segler darüber.
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07.09.2009, 02:25
AW: 13 und allein auf see?
Hallo Feinsinn,
Du erzählst schöne Geschichten, die eigentlich genau die Essenz von diesem Strang beschreiben: "Seemannschaft", das heißt, sich selber einschätzen, auch dann, wenn die anderen das vielleicht anders sehen möchten...Das 13-jährige Mädchen kann das noch nicht. Jeder Segler weiß das. Ich würde lieber mit einem blinden 70-jährigen segeln, als mit diesem Mädchen.
Kottan: "I rauch ned, i trink ned und i hob nix mit andere Frauen"
Elvira: "Gar koan Fehler?"
Kottan: "Doch, i liag manchmal"
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07.09.2009, 03:12Inaktiver User
AW: 13 und allein auf see?
Das ist dann aber auch irgentwie 'gemoggelt' oder wie seht ihr das?
Die anderen Rekordhalter wie der 16/ 17 jaehrige haben die Welt im Alleingang umsegelt, ohne Film crew (soweit ich das mitbekommen habe).
Warum sollte es fuer das Maedchen dann eine Ausnahme geben?
Das die dann als Alleinseglerin in das Buch der Rekorde kommen wuerde faende ich persoenlich nicht fair.
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07.09.2009, 06:33
AW: 13 und allein auf see?
@Kappuziner
@Tamsin
Etwas mit Fieber und Schüttelfrost und Rotz gebeutelt (zum Glück
nicht auf hoher See, aber trotzdem gleich zur Arbeit segelnd...) deshalb kurze Antwort.
Den Punkt "Rekord" ohne TV-Team habe ich glatt vergessen.
Hab nur an das Segeln schlechthin gedacht.
Kappuziner bei der ersten Segeltour waren bei uns der Gelähmte
als Boss dabei, der allen Anordnungen gab und ein 70jähriger,
meine Tochter und ihr Nicht-Segelfreund, die kräftig mit anpackten,
obwohl sie noch nie im Leben auf einem Segelboot waren.
Der 70jährige hatte früher auch Segelboote. Fährt jetzt mit dem
Rad bei Gluthitze öfters von Seattle nach Portland (durch die
Lavawüste) und täglich mal auf Mercer Island /SE auf den extrem
steilen Straßen wie in SF 50 km Rad. Er hatte echt viel Power und noch viel vor. Deshalb kann ich es mir natürlich auch gut vorstellen, dass ein 70jähriger Blinder einem auf hoher See auch ein gutes Gefühl geben könnte und sicher segelt.
Der blinde Segler war souverän. Hätte der Skipper mir nicht
zuvor einiges von ihm erzählt, hätte ich garnicht bemerkt, dass
er blind ist.
Ich bin z.B. mit der seaplane an diesem unbekannten Boothafen
(eingezäunt) angekommen. Normalerweise durfte der Skipper
dort nicht parken im Wasser. Ich wiederum musst zu ihm zum
Boot, da war aber der eingezäunte Bootshafen des Privatgeländes.
Ein bisschen unwirsch öffnete mir ausnahmsweise die Hafenchefin
per Pin Code die Türe, dass ich zum Segelboot durchlaufen konnte,
wo der gelähmte Segler auf mich wartete. Ich war verwundert,
er war alleine, sah ihn von der seaplane aus hochwinken zuvor kurz
vor der Landung. Der Blinde war nämlich auf der Suche nach mir
auf dem großen Hafengelände und der Pilot sagte ihm dann, dass ich
womöglich schon das Segelboot gefunden hätte. Auch er kam
nicht mehr durch die Sperre und die Hafendame war diesmal
echt sauer und öffnete ihm auch ausnahmsweise das Tor und
dann bekam der Skipper den Kopf gewaschen, was ihm einfällt,
dass er dort hält, obwohl es nicht sein Bootshafen wäre und
er kein Mitglied wäre. Beide Mitsegler sagten sorry...Ausnahmsweise... und sie entschwand wütend. Sie hat
nicht bemerkt, dass der eine gelähmt und der andere blind war.
Sie bestand zurecht auf die Hafenregeln und die beiden akzeptierten
das. Das war nur ein kleiner Auszug über Vorschriften, keine
Ahnung, was es weltweit noch alles für Regeln gibt. Schwierige
Aktionen.
Ich fühlte mich sehr sicher dann mit den beiden, es waren nur
5-6 Stunden, die wir gesegelt sind, aber Zeit für Beobachtungen,
gute Gespräche oder einfach gemeinsam schweigen. Zum ersten
Mal kapierte ich, wie wohltuend segeln für mich war. Wir hatten
viel Spass.
Meine Tochter hat auch souverän zum ersten Mal bei einer
Tour zugepackt, obwohl sie klein und zierlich ist. Vielleicht habe
ich mir bei dem holländischen Mädchen einfach nur vorgestellt,
dass es gut möglich ist, dass sie das schafft. Dass es wenig oder
nichts gilt, wenn Film-Teams dabei sein, hatte ich vergessen.
Habe es nur angedacht, dass die Bevölkerung, die Kritiker, die
Mutter, wer auch immer ein beruhigenderes Gefühl dann hat und
dass man überhaupt eine Möglichkeit findet, dass das Mädchen
irgendwann in den nächsten Jahren die Welt umsegeln darf, was
ja auch toll für sie wäre. Aus den Berichten des Blinden über seine
Segeltour nach Hawaii und zurück entnahm ich, dass es ihm viel
gab. Er wurde extrem von seiner Familie als Kind, Jugendlicher und
junger Erwachsener in Watte gepackt und man traute ihm wenig
zu. Er befreite sich von seiner Familie, hat selten Kontakt und lebt
alleine selbständig. Er ärgert sich darüber, dass man ihm immer
so wenig zugetraut hat. Auch andere Behinderte sagten mir das.
Der Rekord zählt dann natürlich nicht mehr für das
Mädchen wg. Film-Team und der allein ist doch auch ein Ansporn,
ein Erfolgserlebnis, obwohl es sowieso eine Leistung wäre mit
Filmteam gut ans Ziel zu kommen.
Die wahren Beweggründe weiß nur das Mädchen und ihr Vater.
Gemogelt hin oder her! Ich würde es anders sehen.
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08.09.2009, 12:53Inaktiver User
AW: 13 und allein auf see?
Ich finde es sehr schade, aber auch nicht erstaunlich, dass der niederländische Staat dem Mädchen das Vorhaben verboten hat.
Ich habe selbst ein paar rudimentäre Segelkenntnisse und würde mir nie und nimmer auch nur annäherungsweise eine Weltumsegelung zutrauen, von "allein" ganz zu schweigen. Daher habe ich schon Respekt vor der Abenteuerlust und dem Selbstvertrauen des Mädchens. Ich denke, dass sie und ihre Eltern ausreichend darüber nachgedacht und die Risiken abgewogen haben - sonst lassen Eltern ihr Kind sowas doch nicht tun.
Der niederländische Staat hat ja in erster Linie mit der Schulpflicht argumentiert - natürlich, er möchte ja die Oberhoheit darüber behalten, was der Nachwuchs lernt. Das wäre in Deutschland nicht anders. Schade, ich glaube, in zwei Jahren auf See kann man auch in dem Alter sicher mehr lernen als in zwei Schuljahren - jedenfalls "fürs Leben".
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08.09.2009, 13:05Inaktiver User
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08.09.2009, 13:23Inaktiver User
AW: 13 und allein auf see?
Ich sage es jetzt mal sehr direkt und unverblümt: Eine 13jährige gehört nicht mutterseelenallein für 2 Jahre auf ein Segelschiff, egal wie gut sie segeln kann, egal ob die Eltern meinen, dass sie das schafft. Neben der Schulpflicht des Mädchens (auch wenn die sich mit Unterricht per Computer evtl. umgehen ließe) besteht - bestimmt auch in den Niederlanden - auf Elternseite sowas wie eine Aufsichts- und Fürsorgepflicht ihrem Kind gegenüber, der sie hier nicht nachkommen. Eine 13jährige bedarf einer anderen Aufsicht und Fürsorge als ein Klein- oder Grundschulkind, ok. Aber ein Kind in diesem Alter 2 Jahre lang sowas allein machen zu lassen, ist für mich mehr als grob fahrlässig. Meiner Meinung nach haben die Eltern von Laura einen ordentlichen Hau weg.
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08.09.2009, 13:26
AW: 13 und allein auf see?
In meiner Tageszeitung stand heute, dass die (geschiedene) deutsche Mutter von Laura absolut gegen diese Reise ist. Sie sei von den niederländischen Behörden nicht gehört worden. Sie unterstellt ihrem Exmann Großmannssucht.
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08.09.2009, 14:17
AW: 13 und allein auf see?
ich stimme zuza in allen punkten zu. es geht ja auch nicht - am allerwenigsten - darum, ob sie schulisch auf dem Laufenden bleibt: das ließe sich noch am leichtesten nachholen. Nicht aber die sozialen Erfahrungen, die eine Heranwachsende in zwei Jahren Schritt für Schritt reifer und erwachsener werden lassen, im Zusammensein und in der Auseinandersetzung mit Anderen.


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