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  1. Inaktiver User

    Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    Vielleicht bin ich hier in der falschen Rubrik gelandet, denn es geht mir um ein Eltern-Kind-Problem, nicht um ein Partnerproblem. Und zwar um folgendes:

    Meine Mutter neigt dazu, meine Schwestern und mich zu vergleichen. Oft kränken mich diese Vergleiche – aber ich weiß nicht, wie ich mich am besten dagegen verwehre.

    Meine Schwestern sind dunkelhaarig und braunäugig, ich selbst bin ein heller Typ. Meine Schwestern gelten außerdem als patent, mutig, lebhaft und aktiv, ich als still, überängstlich und nach innen gekehrt. Diese Eigenschaften werden mir in dieser Form/Kombination nur in meiner Familie zugewiesen. Als Kind habe ich darunter gelitten und fast einen Zirkus veranstaltet, um wie meine Schwestern zu werden (bzw. um so werden, wie sie angeblich sind). So früh wie möglich habe ich angefangen, mich ihnen auch äußerlich anzugleichen, etwa meine Haare dunkel zu färben. Darüber bin ich hinaus, aber die Zurücksetzung tut mir immer noch ab und an weh.

    Wenn meine Mutter zum Beispiel wie kürzlich sagt, blonde Kinder seien oft etwas fad, denke ich innerlich: „Okay, damit willst du mir wohl wieder einmal sagen, dass ich als Kind fader war als meine Schwestern“. Das sage ich nicht, sondern bemühe das Beispiel „süßer, blonder“ Kinder. Und ärgere mich dann über mich selbst. Es wirkt vielleicht übertrieben, wenn mich eine solche Bemerkung angreift, aber heute wird mir die Überzeugung, dunkle Frauentypen seien erotischer und interessanter, nur in sanfterer Form präsentiert. Als Kind musste ich mir durchaus deutlicher vor allem von meinem Vater anhören: Die Männer werden deine Schwester später toll finden. Umkehrschluss für mich: dich, die du das Gegenteil deiner Schwester bist, also nicht.

    Anderes Beispiel: meine Mutter tituliert mich offiziell als „Angsthasen“ in einer Angelegenheit, in der sich andere über meine Nachlässigkeit gewundert haben und ich nach meinem eigenen Maßstab ebenfalls alles andere als überängstlich war. In diesem Fall habe ich mich gewehrt und meiner Mutter klar gemacht, dass ich als erwachsene Frau nicht mit abwertenden Begriffen wie „Angsthase“ belegt werden möchte und mich in dieser Hinsicht auch nicht abwiegeln lasse.

    Normalerweise handhabe ich es so, dass ich mir meinen verletzten Stolz nicht anmerken lasse. Innerlich versuche ich mich in mönchischem Gleichmut, aber das ist oft aufgesetzt. Im Grunde möchte ich gern auf den Tisch hauen und deutlich sagen: Schluss damit.

    Bloß wie? Typische Gegenreaktionen sind:

    - Das bildest du dir nur ein, ich habe doch lediglich xy behauptet
    - Du bist zu empfindlich
    - Du legst immer jedes Wort auf die Goldwaage (stimmt, das ist anderen wiederum auch schon aufgefallen, aber ich halte es eher für die Folge ständiger mehr oder weniger subtiler Wertvergleiche)
    - Du hast dafür doch andere Qualitäten (ja, aber nur die mir offiziell zugedachten)

    Wenn ich mich also zur Wehr setze, habe ich im Zweifelsfall nicht nur meine Mutter, sondern auch meine Schwestern gegen mich (obwohl die eine in mancher Hinsicht noch viel konsequenter gekränkt wird als ich). Ich stehe da wie jemand, der seine wahre, fade und zarte Natur nicht annehmen kann, denn in dieser Betrachtungsweise muss ich ja tatsächlich immerzu auf meine Schwestern neidisch sein.

    Wie sagt man so etwas am besten? Ist es überhaupt sinnvoll, als erwachsene Frau den Eltern gegenüber darauf zu bestehen, dass sie das eigene Selbstbild ernst nehmen?

    Ich befürchte, wenn es mir nicht gelingt, mich überzeugend zur Wehr zu setzen, stecke ich endgültig in der Ecke des armen, zarten Sensibelchens fest. Und da mich das stört, bliebe mir dann nur der innerliche Rückzug.

    Grüße, luv

  2. Inaktiver User

    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    Liebe luv,

    die Hinweise, die Du zu Deiner Kindheit gibst, lassen erahnen, dass es da durchaus Dinge gab, die ganz und gar nicht in Ordnung waren, und die Wunden hinterlassen haben.

    Du erlebst auch als Erwachsene weiterhin Zurückweisungen und Abwertungen. Reagierst Du auf diese Verletzungen, wird negiert, dass diese wie von Dir wahrgenommen stattfinden.

    Du merkst selbst, dass es höchste Zeit ist, dass sich etwas ändert. Deine Wut, die Du wahrnimmst, kann ein guter Motor für Veränderungen sein.

    Hast Du schon einmal daran gedacht, Dir Hilfe in Form therapeutischer Intervention zu holen, um zu beleuchten, wie sich die Dinge für Dich entwickelt haben, und um im geschützten Rahmen Strategien für Veränderungen erarbeiten zu können?

    Es ist legitim, dass Du Dich abgrenzen möchtest.

    Es ist nachvollziehbar und verständlich, dass Du Dir wünschst, von Deiner Familie so, wie Du bist, gesehen und anerkannt zu werden.

    Das bedeutet allerdings nicht, dass Deine Familie die Dinge genauso bewerten müsste, wie Du es tust.

    Ich fände es daher sehr wichtig, dass Du zunächst im geschützten Rahmen anschaust, was da eigentlich bei Euch passiert ist, und zunächst für Dich einen Weg des Umgangs findest, bevor Du mit klar formulierten Anliegen und Grenzen, die Dir selbst bewusst sind, an Deine Familie heran trittst.

    Konfrontationen innerhalb von Familien sind kein einfacher Weg, es hängt für alle Beteiligten eine Menge daran, ein eingespieltes System in der Waage zu halten. Bricht einer aus, werden die anderen zunächst einiges in die Waagschale werfen, diesen Ausbruch auszugleichen und so letztlich ins Leere laufen zu lassen. Dennoch IST Veränderung möglich. Sie fängt bei Dir an, bei Deiner Wut, Deiner Enttäuschung, die Du nutzen kannst, um für Dich neue Wege zu gehen.

    Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du Dich auf diesen Weg machst!

    Grüssle
    Seawasp

  3. Inaktiver User

    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    Hallo seawasp,

    ja, daran habe ich schon mal gedacht, meine eine Schwester, die unter anderen, aber vielleicht noch provokanteren Zurücksetzungen, leidet, ebenfalls.

    In unserer Familie gilt offiziell der Grundsatz „Nimm dich selbst nicht so ernst“ und natürlich – passt ja perfekt ins Bild – „Schwäche zählt nicht“. Daher sträuben wir uns beide innerlich noch dagegen, sie selbst wohl noch mehr als ich.

    Obwohl wir auch alle scheinbar miteinander sehr offen diskutieren, sind Gespräche über solche Themen unerwünscht. Die damit oft verbundenen Gefühlsäußerungen werden als peinlich empfunden, deswegen müssen wir uns danach erst einmal wochenlang mehr oder weniger aus dem Weg gehen oder uns in betonte Lockerheit flüchten.

    Ich denke, die Situation kann sich für uns alle trotzdem nur verbessern, wenn zumindest meine Schwestern und ich an einem Strang ziehen. Das wird jedoch schwierig, weil mir auch schon aufgefallen ist, dass wir letztlich alle an der ein oder anderen Ecke auch Nutznießer dieses Wertungssystems sind (für jeden springt auch immer eine tolle Qualität heraus, die die anderen angeblich überhaupt nicht haben). Oder wenn eine von uns offiziell den ersten Schritt macht und wider alle Familienerwartungen sagt: Beleidigungen akzeptiere ich nicht mehr, auch nicht die feinen, versteckten, auch die nicht die meiner Schwester.

    Bloß am Mut, mich zu einer Therapie durchzuringen, hapert es noch ein bisschen. Aber im Grunde genommen habe ich mich wohl schon dafür entschieden, nicht mehr stillzuhalten, muss mir nur noch den einen kleinen, letzten Tritt verpassen...

    Grüße, luv

  4. Inaktiver User

    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    liebe luv,

    hast du deine mutter schon einmal drauf angesprochen, wie sehr sie ihre kinde in schubladen steckt? (viele eltern neigen dazu, unter dem motto: das ist die gescheite, laute, das ist der schüchterne, mathematikbegabte und die musikalische, ängstliche...)

    vielleicht nervt deine schwestern das auch, un ihr könnt es ihr gemeinsam sagen?

    hast du überhaupt schon mal genauer mit deinen geschwistern drüber gesprochen, wie sie das ganze empfinden?
    - Das bildest du dir nur ein, ich habe doch lediglich xy behauptet
    - Du bist zu empfindlich
    - Du legst immer jedes Wort auf die Goldwaage (stimmt, das ist anderen wiederum auch schon aufgefallen, aber ich halte es eher für die Folge ständiger mehr oder weniger subtiler Wertvergleiche)
    - Du hast dafür doch andere Qualitäten (ja, aber nur die mir offiziell zugedachten)
    das sind alles nur abschmetter-antworten.
    wie wäre es, wenn du deiner mom sagtest:

    "ich bitte dich heute,mich weder zu analysieren, noch dich zu rechtfertigen oder igrendetwas zu begründen oder richtigzustellen. bitte hör mir heute nur zu und nimm wahr, was ich dir sagen will. es geht mir darum, dass du merkst, wie ich mich fühle." that's it: keine entgegnung, keine gegendarstellung, keine antwort.

    bis zum nächsten treffen kann sie ja drüber nachdenken und dir ihre blickweise schildern.

    s.

  5. Inaktiver User

    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    Liebe luvundlee,

    die Art und Weise wie du dich hier präsentierst, wie reflektiert du bist und wie intelligent du dich ausdrücken kannst--- allein dafür gebührt dir Respekt. Du bist mit Sicherheit eine tolle Frau und wenn es deine Familie nicht sehen will, der Rest der Welt kann es sehen.
    Diese Aussage von mir scheint unnütz zusein, aber sie sollte dir Kraft geben.

  6. Inaktiver User

    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    Mulford, danke

  7. Inaktiver User

    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    Liebe siggi,

    Ich weiß gar nicht mehr, wie oft meine Schwestern und ich versucht haben, mit meiner Mutter über dieses Problem zu sprechen. Meine Schwestern fühlen sich dadurch ebenfalls angegriffen, manchmal sogar heftig verletzt, aber weil sie offiziell eher als ich dem Familienfrauenideal entsprechen, haben sie wohl auch weniger Interesse als ich, sich grundsätzlich dagegen aufzulehnen.

    Meine Mutter beruft sich auch darauf, dass alle Eltern ihre Kinder in Schubladen stecken. Das ist bestimmt richtig, aber man kann zwei oder drei Schubladen haben, in die man die Menschen seiner Umgebung reinpropft, bis man ihre Glieder verrenkt, oder halbwegs flexibel sein in seinen Kategorisierungen. Mich stört auch nicht, dass sie ein Charakterbild von meinen Schwestern und mir entwirft, sondern dass sie uns – früher mit meinem Vater im Verbund - zu starren Gegenpolen konstruiert, uns damit wesentliche Qualitäten abspricht und jegliche Gegenbeweise konsequent ignoriert. Ich kann damit leben, als sensibel zu gelten, auch als empfindlich, aber nicht als Sensibelchen. Anderes Beispiel: als Kind wurde ich als „Trottel“ tituliert und als linkisch abgetan, obwohl ich eine sehr gute Körperbeherrschung und eine ganz normal entwickelte Motorik habe. Es wird lächerlich und schmerzhaft, wenn man ein Instrument spielen kann, das Fingerfertigkeit erfordert, und sich dennoch wegen seiner linken Hände verspotten lassen muss. Außerdem beeinflussen diese Schubladen unser Verhalten auf individueller Ebene und untereinander.

    Allerdings versuchen wir in erster Linie, mit meiner Mutter rational darüber zu diskutieren. Wenn ich so an sie herantreten würde, wie du es beschreibst, würde ich Gefühle ins Spiel bringen, weil ich an ihre Empathie appellieren würde. Vielleicht wäre das der einzige Weg, weil betont rationale Gespräche immer am eigentlichen Problem vorbeiwandern. Ich kann mir das dennoch nicht vorstellen, denn wenn ich mich verletzlich und gefühlsbetont gebe und damit auch zu ihr durchkomme, bin ich wieder in der Sensibelchen-Ecke – unterstelle ich zumindest . Außerdem neigt sie dazu, die Situation dann wiederum völlig überzudramatisieren, sie kann dann ihre ganze Besorgtheit auf einen richten, was sowohl in mir als auch in meinen Schwestern sämtliche Alarmglocken klingeln lässt.

    So richtig der Vorschlag also sein mag – das geht für mich nicht, fürchte ich. Aber es hilft mir schon, wenn ich mir selbst gerade klarer darüber werde, wo ich selbst vielleicht blocke .

    Grüße, luv

  8. Inaktiver User

    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    liebe luv,

    ich verstehe.

    dennoch ist das, was du sagst, etwas widersprüchlich.

    du willst einerseits so gesehen werden, wie du bist, ohne schubladendenken und polaritäten.

    andererseits begenzt du dich selbst mit ebenjenen. wenn du, weil deine mom dich als sensibelchen einstuft(e), ihr gegenüber lieber rational auftrittst, machst du genau das geiche, was du ihr vorwirfst, mit dir selbst, nur umgekehrt: du beschränkst deine persönlichkeit mit dem gegenteil. mami sieht dich als sensibelchen. du trittst verstandesgesteuert auf. diagnose für beides: am thema vorbei. ;-)

    du lässt deiner vielseitigkeit keinen raum - und das ist ja das, was deine mom kapieren sollte: du bist sensibel UND etwas anderes, also nicht entweder-oder, sondern sowohl-als auch.

    ich habe das gefühl, dass du die "familienideale" sehr verinnerlicht hast. womöglich ist das die eigentliche baustelle, nämlich deine abnabelung, bzw das innere unabhängigsein von diesen gesetze und ansichten.
    Ist es überhaupt sinnvoll, als erwachsene Frau den Eltern gegenüber darauf zu bestehen, dass sie das eigene Selbstbild ernst nehmen?
    ich denke, das kann garnicht gelingen, und je mehr du es wilst, desto weniger: in dem moment, wo du von deinen eltern ein feedback brauchst bzw dir eine sichtweise wünschst, bist du ihnen gegenüber kindlicher denn je - erst wenn du unabhängig bist, können sie dich as erwachsene sehen (und auch darauf gitbs keine garantie, denn manche eltern weigern sich.)

    Ich befürchte, wenn es mir nicht gelingt, mich überzeugend zur Wehr zu setzen, stecke ich endgültig in der Ecke des armen, zarten Sensibelchens fest.
    siehe oben: du agierst wirklich als "angsthase" und "zartelchen" (nicht böse sein ), wenn du dich nicht traust, dich zu zeigen, wiie du bist aus angst vor der reaktion.
    du versuchst, dich nach allem seiten abzusichern, berechnest reaktionen voraus, "denkst" für die anderen, schlüpfst in ihre haut und analysierst ihren möglichen standpunkt.

    du verhältst dich also überhaupt nicht selbstbewusst und authentisch, sondern schielst auf die anderen. das kommt als "vibes" rüber - und möglicherweise als "angsthasenvibes".

    wie stehst du denn zu deinem hellen typ? hast du komplexe gegenüber deinen schwestern?

    und: du sagst, deine umwelt gibt dir nicht das gleiche feedback wie die familie. welches feddback bekommst du denn sonst?

    liebe grüße
    sigi
    (auch blond, aber das gegenteil von langweilig, rrrrrrrrrrrrrrr ... )

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    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    liebe luv!

    wenn du wüsstest, wie gut ich dich verstehe!
    hier erstmal meine geschichte: ich war immer der "familiendepp" (nette formulierung eines freundes von mir), mein vater nannte mich "totalversagerin", meine mutter "mein sorgenkind", etc. im gegensatz dazu war meine schwester der superstar schlechthin, kritik an ihrem leben hat es überhaupt nie gegeben, ganz im gegenteil.

    die mir zugeschriebenen eigenschaften: schüchtern, unfreundlich, langsam, tolpatschig (stimmt leider wirklich, aber ich nehme es mit humor), langweilig, faul, unsensibel, lebensuntüchtig und "seltsam" - um nur einige zu nennen. die zwei positiven: intelligent (aber faul und unfähig, etwas aus sich zu machen) und attraktiv (sonst hätte meine mutter vielleicht an ihrer eigenen schönheit zweifeln müssen).

    das beste daran war, dass das alles nicht nur familienintern, sondern auch anderen gegenüber immer wieder thema war. am liebsten, so kam es mir vor, wurden peinliche geschichten über mich vor meinen freunden erzählt. wenn ich protestierte, war ich "überempfindlich". "war doch nur ein spaß, haha!" komisch, dass die spaßvögel über sich selbst keine witze machen oder vertragen... sehr beliebt bei meinen eltern war auch, mich vor anderen wie ein kleines kind zurechtzuweisen.

    ich habe meinen eltern die freude gemacht, ihre erwartungen zu erfüllen: abgebrochenes studium (trotz guter zeugnisse), gescheiterte ehe, null karriere,... was ich allerdings NICHT ihnen anlaste!!! denn ich hätte schon viel früher damit anfangen müssen, an mir selbst zu arbeiten...

    meine meinung: die familiensituation aufzuarbeiten ist sicher eine gute sache, aber das wird dir nicht wirklich weiterhelfen, solange du nicht ein wirklich starkes selbstvertrauen entwickelst! denn das ist das einzige, was deine stellung in der familie verändern kann. mir ist das nach 40 (!) jahren endlich gelungen.
    ich habe nach meiner scheidung ein völlig neues leben angefangen, meinen traumjob gefunden, einen super-süßen freund, gute freunde, eine sehr gute beziehung zu meinem ex-mann aufgebaut,... und ich bin stolz auf das, was ich geschafft habe. bei meinen beruflichen terminen lerne ich viele leute kennen (was ich sehr genieße, weil mich menschen einfach interessieren - von wegen "schüchtern" und "seltsam"...). und ich höre auf einmal: du bist offen, fröhlich, interessant, intelligent, lebhaft, charmant, herzlich, einfühlsam, eine starke frau... "wie du das alles machst", etc. was mir natürlich berge gibt. und was ich natürlich jedesmal meiner mutter unter die nase reibe ;-)

    ich lasse mich nicht mehr erschüttern und habe gelernt, alles mit humor zu nehmen. ich bin sehr schlagfertig und ziehe jetzt die vorurteile meiner eltern über mich ins lächerliche, oder ich lasse sie einfach an mir abprallen. bei bedarf stelle ich auch schon mal meine mutter bloß, allerdings nur als revanche, wenn sie etwas peinliches über mich erzählt. das scheint so eine art zwangshandlung von ihr zu sein, wenn sie weiß, dass jemand mich mag... worüber meine freunde oft den kopf schütteln.
    wenn ich in meiner familie etwas über mich erzähle, dann nur positives und erfolgs-storys.

    bei öffentlichen zurechtweisungen (z.b.: "hast du dich auch schon bedankt?") sage ich ganz klar, dass das völlig unangebracht ist. auch, wenn man versucht, mir in mein leben dreinzureden, und wenn es nur meinen haushalt betrifft. das nehme ich nicht hin. die "mönchsgeduld" gehört der vergangenheit an!

    ich weiß, dass sich viele dieser vorurteile nie ändern werden. ABER ICH WEIß, DASS MEINE ELTERN DIE EINZIGEN SIND, DIE SO ÜBER MICH DENKEN! nicht, weil sie mich besser kennen als andere, sondern weil sie mich falsch wahrnehmen.

    ich glaube, das wichtigste für dich ist, dass du dich selbst aus den gewissen schubladen befreist, dir deine WIRKLICHEN stärken bewusst machst und an dich glaubst. man muss zuerst die vorurteile aus dem eigenen kopf löschen, bevor man beginnen kann, sie aus den köpfen der eltern zu vertreiben.
    mein tipp: schmettere die vorurteile ab oder mach dich darüber lustig - und wenn dir etwas wirklich gegen den strich geht, dann bestehe darauf, dass es nicht wieder vorkommt!

    ich wünsche dir alles gute,
    gremlin

  10. Inaktiver User

    AW: Gegen verbale Bevorzugung zur Wehr setzen

    Siggi,
    ich bin ohne Zweifel meiner Familie gegenüber gehemmt und mir ist auch schon oft überdeutlich aufgefallen, wie ich selbst dazu beitrage, mich in der mir zugedachten Rolle zu zementieren. Ich schaffe es zum Beispiel ab und an, mich selbst als ängstlich darzustellen, wenn ich es definitiv nicht war – das ist eine Art Reflex, dem ich immer gehorche und den ich nur schwer aushebeln kann. Und dann staune ich über mich selbst . Aber das ist keineswegs immer der Fall: oft trete ich nicht nach meinem Rollenklischee auf, das wird dann jedoch gekonnt übersehen, und ich bin mir sicher, dass die Ablehnung gegen meine Selbstbehauptung nicht mit mir als erster Ursache zusammenhängt, sondern irgendein tiefes Bedürfnis in meiner Mutter befriedigt.

    in dem moment, wo du von deinen eltern ein feedback brauchst bzw dir eine sichtweise wünschst, bist du ihnen gegenüber kindlicher denn je - erst wenn du unabhängig bist, können sie dich as erwachsene sehen
    Damit tue ich mich schwer. Nicht damit, dass ich einräumen muss, immer noch vom Feedback meiner Eltern zu einem Teil abhängig zu sein. Ja, ganz klar, ihre Rückmeldung ist mir wichtig, weil es Menschen sind, mit denen ich immer noch ein Stück meines Lebens teile. Auch, weil ich teilweise durchaus noch wie ein Kind an ihrer Beurteilung hänge (die Alternative wäre aber für mich der Rückzug aus dem Familienleben: ich möchte nicht mit Menschen zusammen sein, für die ich im Grunde gar nicht da bin). Aber ich denke nicht, dass ich die Ursache der eingeschränkten Sicht meiner selbst bin –die Verantwortung habe ich nicht. Dass meine Mutter andere in Klischees verschnüren muss, ist ein Problem, das ich nicht gemacht habe. Ich meine, dass es Menschen gibt, die andere aus eigenen Motiven heraus nicht richtig wahrnehmen können. Deshalb würde auch ein erwachsenes Auftreten meinerseits (ich bin mir sicher, dass ich das überwiegend ganz normal an den Tag lege), nichts daran ändern. Ich könnte wahrscheinlich morgen sogar eine Bank ausrauben und man würde mir das so hindrehen, dass es zu mir als sanfter Seele passt .

    Was den hellen Typ anbetrifft – damit habe ich mich inzwischen angefreundet. Mit blondem Haar sehe ich einfach besser aus.

    Andere Menschen nehmen mich in der Regel als zurückhaltend war, als introvertiert. Aber zum Beispiel nicht als ängstlich. Im Gegenteil, ich bekomme oft Komplimente dafür, dass ich mich zur Wehr setzen kann, offen auftrete, und – witzigerweise – dafür, dass ich immer ich selbst bin. All die anderen Kategorien, die mich viel mehr schmerzen, Asexualität, Passivität, Schusseligkeit – hat zum Glück noch niemand sonst an mir diagnostiziert. Ein Hoch darauf, dass es noch andere Leute auf diesem Planeten gibt! Ich habe allerdings Jahre gebraucht, um ihr Urteil über mich überhaupt ernst nehmen zu können.

    Lg, luv

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