Eifersucht ist Verlustangst und die Angst davor, dass ein anderer genau das bekommt, das ich auch möchte, dass ich nicht voll wahrgenommen werde. Damit meine ich keine Dinge, sondern Aufmerksamkeiten. Ich wünsche mir, dass sich mein Partner auf mich konzentriert und nicht auf andere....
seufz - und genau damit übe ich Druck aus -![]()
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27.11.2007, 12:49Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
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27.11.2007, 16:30
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
Es gibt ja sogar recht häufig den Fall, dass nach der Trennung derjenige eifersüchtig wird, der sich getrennt hat. Also:Für meine Begriffe spielt da sehr viel Besitzdenken eine Rolle, auch in den Fällen, wo eine Beziehung eigentlich schon zu Ende ist. Da ist es sogar noch deutlicher zu sehen, dass es sich um Neid handelt: warum bekommt die, was er mir verweigert hat?
Warum bekommt die, was ich gar nicht haben will.
In diesem Fall ist es sicher keine neidische-Eifersucht, sondern der Verlust eines "besseren Ichs" (nämlich der Person, die rundum geliebt wurde), der so schmerzt.
Und das ist mangelndes Selbstwertgefühl und ausserdem ein Hinweis darauf, dass schon während der Beziehung "Ich-wie-ich-mich-sehe" mit "ich-wie-ich-in-seinen-Augen-bin" nicht deckungsgleich war und ich mich in seinen Augen lieber mochte/mag als mich selbst.Gefahr im Küchenschrank
Er steht im mittleren Regal,
ganz hinten in der Ecke.
Wann und wie ist ihm egal,
so hockt er im Verstecke.
Er kichert still in sich hinein,
gibt nicht den kleinsten Mucker.
Er ist so listig und gemein.
Der raffinierte Zucker.
Peter Sendtko
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28.11.2007, 09:05
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
ich denke auch, dass ein hauptgrund für die eifersucht verlustangst ist. das hat auch mit der position des jeweiligen in der partnerschaft zu tun, denn meistens ist der schwächere der eifersüchtige. außerdem denke ich dass erfahrungen eine große rolle spiele. wenn ich einen betrug erfahren musste, ist mein vertrauen nicht mehr vorhanden und aus diesem gefühl heraus entwickle ich unsicherheit und eifersucht.
"Geh in den Keller und reiß dich zusammen, traurige Blumen haben nichts zu bedeuten ..."
Lassie Singers
auch zickigeschlampenblume genannt 
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28.11.2007, 09:24Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
Für mich ist das keine Eifersucht sondern reine Verlustangst die ich auf meinen eigenen Partner projiziere und nicht auf eine andere Frau.
Zitat von Inaktiver User
Gruß loulou
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29.11.2007, 11:57
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
Soryi, das Folgende ist etwas lang.
Es ist, was Max Frisch über Eifersucht zu sagen hatte, und das ist mehr als die bekannte Verkürzung auf sein Zitat "Eifersucht als Angst vor dem Vergleich".
Mir hat der Text in jungen Jahren die Augen geöffnet, und mit jedem weiteren Lesen eröffnen sich mir auch heute noch tiefe Erkenntnisse.
Aus: Max Frisch: Tagebücher I 1946-1949
Eifersucht in der Liebe
Die Sprache schon meint es nicht gut, wenn sie vom Gehörnten redet oder vom Hahnrei, ein besseres Wort hat sie nicht, und es ist kein Zufall, daß die Eifersucht, wie bitter sie auch in Wahrheit schmeckt, so viele Possen füllt. Immer droht ihr das Lächerliche. Sogar Kleist, der Tragiker, muß es in eine Komödie wenden, wenn er den Amphitrion zeigt, der immerhin von einem Zeus betrogen wird. Offenbar ist die Eifersucht, obschon sie Entsetzliches anzurichten vermag, nicht eine eigentlich tragische Leidenschaft, da ihr irgendwo das Anrecht fehlt, das letzte, das ihr die Größe gäbe.
Othello?
Was uns an Othello erschüttert, ist nicht seine Eifersucht als solche, sondern sein Irrtum: er mordet ein Weib, das ihn über alles liebt, und wenn dieser Irrtum nicht wäre, wenn seine Eifersucht stimmte und seine Frau es wirklich mit dem venezianischen Offizier hätte, fiele seine ganze Raserei (ohne daß man ein Wort daran ändern müßte) unweigerlich ins Komische; er wäre ein Hahnrei, nichts weiter, lächerlich mitsamt seinem Mord.
Wenn es so weit ist: wenn der Blick zweier Augen, der Glanz eines vertrauten Gesichtes, den du jahrelang auf dich bezogen hast, plötzlich einem andern gilt; genau so. Ihre Hand, die dem andern in die Haare greift, du kennst sie. Es ist nur ein Scherz, ein Spiel, aber du kennst es. Gemeinsames und Vertrautes, jenseits des Sagbaren, sind an dieser Hand, und plötzlich siehst du es von außen, ihr Spiel, fühlend, daß es für ihre Hand wohl keinen Unterschied macht, wessen Haar sie verzaust, und daß alles, was du als euer Letzteigenes empfunden hast, auch ohne dich geht; genau so. Obschon du es aus Erfahrung weißt, wie auswechselbar der Liebespartner ist, bestürzt es dich. Nicht allein daß es nicht weitergeht, es bestürzt dich ein Verdacht, alles Gewesene betreffend, ein höhnisches Gefühl von Einsamkeit, so als wäre sie (du denkst sie auch schon ohne Namen) niemals bei dir gewesen, nur bei deinem Haar, bei deinem Geschlecht, das dich plötzlich ekelt, und als hätte sie dich, sooft sie deinen Namen nannte, jedesmal betrogen ...
Anderseits weißt du genau:
Auch sie ist nicht die einzigmögliche Partnerin deiner Liebe. Wäre sie nicht gewesen, hättest du deine Liebe an einer anderen erfahren. Im übrigen kennst du, was niemanden angeht, nur dich: deine Träume, die das Auswechselbare bis zum völlig Gesichtlosen treiben, und wenn du nicht ganz verlogen bist, kannst du dir nicht verhehlen, daß alles, was man gemeinsam erlebt und als ein Letztgemeinsames empfunden hat, auch ohne sie gegangen wäre; genau so. Nämlich so, wie es dir überhaupt möglich ist, und vielleicht, siehe da, ist es gar nicht jenes Auswechselbare, was im Augenblick, da ihre Hand in das andere Haar greift, einen so satanischen Stich gibt, im Gegenteil, es ist die Angst, daß es für ihre Hand vielleicht doch einen Unterschied macht. Keine Rede davon: Ihr seid nicht auswechselbar, du und er. Das Geschlecht, das allen gemeinsame, hat viele Provinzen, und du bist eine davon. Du kannst nicht über deine Grenzen hinaus, aber sie. Auch sie kann nicht über die ihren hinaus, gewiß, aber über deine; wie du über die ihren. Hast du nicht gewußt, daß wir alle begrenzt sind? Dieses Bewußtsein ist bitter schon im stillen, schon unter zwei Augen. Nun hast du das Gefühl wie jeder, dessen Grenzen überschritten wurde und dadurch sozusagen gezeigt, das Gefühl, daß sie dich an den Pranger stellt. Daher bleibt es nicht bei der Treue, hinzu kommt die Wut, die Wut der Scham, die den Eifersüchtigen oft gemein macht, rachsüchtig und dumm, die Angst, minderwertig zu sein. Plötzlich, in der Tat, kannst du es selber nicht mehr glauben, daß sie dich wirklich geliebt habe. Sie hat dich aber wirklich geliebt. Dich! aber du, wie gesagt, bist nicht alles, was in der Liebe möglich ist ... Auch er nicht! Auch sie nicht! Niemand! Daran müssen wir uns schon gewöhnen, denke ich, um nicht lächerlich zu werden, nicht verlogen zu werden, um nicht die Liebe schlechthin zu erwürgen.
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29.11.2007, 12:59
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
Ginge MIR genauso.
Zitat von Inaktiver User
Generell bin ich eher der etwas "sachliche, unterkühlte" Typ.
Also, bevor ICH eifersüchtig bzw. sauer auf meinen Partner würde, müsste sich DER schon mit herunter gelassener Hose in eindeutiger Position mit der anderen Dame befinden
EchtefuffzigWer die Welt verändern will, sollte bei sich selbst anfangen!
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29.11.2007, 17:42Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
Tja, ich gehöre auch zu den Menschen, die immer wieder mal eifersüchtig sind. Was bedeutet es für mich? Für mich ist es pure Verlustangst. Sie entsteht, wenn ich merke, dass Gefühle, Gedanken sich jemanden anderen zuwenden. Wenn ich merke, dass der Partner mehr Zeit mit jemanden anderen verbringt. Auch wenn es harmlos ist. Man will etwas festhalten, mit aller Gewalt, und doch entgleitet es.. Das sind zumindest meine Gefühle. Tja, mangelndes Selbstwertgefühl.. da tut man sich ja schwer, wenn man merkt, dass eine andere bevorzugt wird. Man vergleicht sich doch.. was ist an der besser, usw.
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30.11.2007, 12:41
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
Verlustangst kommt doch von einem geringen oder gar nicht vorhandenen Selbstwertgefühl, oder nicht? Man denkt "ich bin es eigentlich gar nicht wert, dass dieser wundervolle Mensch mit mir zusammen ist, also muss ich ständig kontrollieren dass er seine volle Aufmersamkeit auf mich gerichtet hält, sodass er nicht etwas besseres (überall vorhanden!) sieht und mich verlässt" ...
Ich habe den K(r)ampf mit den deutschen Artikel(n) aufgegeben!
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30.11.2007, 12:44Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
Für mich ist das die Angst vor der Konkurrenz und nicht die Verlustangst am eigenen Partner.
Zitat von Inaktiver User
Gruß loulou
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30.11.2007, 13:56Inaktiver User
AW: Was ist eigentlich Eifersucht?
Aber das Denken ist doch, WEIL der/die Andere "besser" ist, geht der/Partner(in) und ich verliere etwas.Für mich ist das die Angst vor der Konkurrenz und nicht die Verlustangst am eigenen Partner.
Gruß loulou
"Besser" heißt in diesem Fall "interessanter". Diese Sichtweise löst der Partner ganz einfach dadurch aus, dass er gedanklich, tatsächlich, gefühlsmäßig oder wie auch immer sich mehr mit der Neuen beschäftigt.
Und "Konkurrenz" hat man immer, aber es ist eine Konkurrenz gegen die man NICHT konkurieren kann. Die "Bewertung" der/des Neuen erfolgt nämlich NICHT anhand objektiver Kriterien, sondern erfolgt aus uns nicht einsehbaren und verständlichen Motiven und Beurteilungen. Das macht die Sache so belastend. Ich habe keine Möglichkeiten etwas zu ändern. Ich bin abhängig und hilflos.
In jeder anderen Konkurrenzsituation weiß ich, ich muss nur schneller laufen, besser Schach spielen, weiter werfen etc. dann kann ich gewinnen.
In einer Einfersuchtssituation geht das nicht. Vielleicht ist das der Grund, warum sie so schwer zu ertragen ist.
Ich hbae auf jeden Fall noch von keinem gehört, dass er seinen Tennispartner erschießt. In Eifersuchtsdramen schon.
LG, Undine


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