Liebe Community,
ich möchte Euch gerne eine Geschichte erzählen. Vielleicht kann mir jemand helfen oder einfach nur zuhören?
die Vorgeschichte:
Vor einigen Wochen habe ich meinen Mann beim Ornanieren zu Pornofilmen (auf dem PC) ertappt. Ich habe versucht verständnisvoll zu reagieren, ihm keine Vorwürfe zu machen und ihm zu vermitteln, dass er sich nicht schämen müsse. Vielleicht war das ein Fehler – ich weiß es nicht. Kurz danach habe ich versucht mit ihm zu reden, denn das, was mich wirklich verletzt hat, war, dass ich auch zu Hause war. Ich habe nicht verstanden, warum er sozusagen "nicht zu mir kommt".
Die Wochen danach:
Einige Male hat sich das "Scenario" dann wiederholt. Ich war ratlos. Generell bin ich auch ein sehr sexueller Mensch und wollte mich sogar mit einbringen. Ich wünsche mir Sex mit meinem Mann und dachte, wenn ich sozusagen "mitmache", erregt ihn das vielleicht auch und er würde ins echte Leben zurückkommen und seine Sexualität mit mir gemeinsam ausleben. Das hat allerdings ganz und gar nicht funktioniert. Er fühlt sich dann nur von mir gestört und hat mir - als ich nackt vor ihm stand - gesagt, dass ich mich wieder anziehen solle. Das hat mir so wehgetan. Nach dem 4. oder 5. Mal "ertappen" konnte ich einfach nicht mehr, stand in der Küche, habe geweint und ihm gesagt, ich würde nicht verstehen, warum er das tut, während ich zu Hause bin. Ich weiß, dass er mich sehr attraktiv findet und wir haben auch Sex, allerdings nur selten. Seit dieser Zurückweisung hat sich meine Einstellung zu seinem Pornokonsum sehr geändert und ich habe ein großes Problem damit.
Ich wurde immer trauriger, weil mein Mann abends ständig nur noch einmal kurz "seine Emails checken" musste, während ich im Bett lag und er für seine Emails teilweise 1-2 Stunden benötigte. Ich wurde immer misstrauischer und fragte mich, ob er nicht gerade wieder dabei ist, seine Pornos anzusehen. Manchmal ist er so kühl und reagiert überhaupt nicht, wenn ich versuche mich ihm zu nähern. Er liegt im Bett, liest und beachtet mich nicht. Das tut so weh! Die Zurückweisungen konnte ich irgendwann einfach nicht mehr ertragen. Wir fuhren dann ein paar Tage weg und ich dachte, die einzige Möglichkeit wäre vielleicht erst einmal ein wenig ablehnend zu sein und mich ihm nicht "anzubiedern". Das funktionierte auch und er war dann ganz lieb und hat sehr meine Nähe gesucht. Ich dachte, wenn wir uns jetzt langsam wieder annähern, haben wir bald wieder ein normales Sexleben. Aber direkt nachdem wir wieder kamen, war er abends wieder an seinem Rechner... ich stand wieder mit Tränen vor ihm und konnte einfach nicht mehr.
Mein großer Fehler:
Vor ein paar Tagen habe ich einen großen Fehler gemacht: ich habe ihn ausspioniert. Ich schäme mich so dafür, aber irgendwie konnte ich nicht anders, weil ich ihm einfach nicht mehr glauben konnte. Er hat mich ein paar Mal belogen und mir erzählt, er würde nur arbeiten. Ich wollte Gewissheit, dass ich mir das nicht alles nur einbilde oder Paranoia habe. Ich habe in seiner Schreibtisch-Schublade CDs gefunden und habe sie mir angesehen. Ich hasse mich fasst dafür, weil ich Eifersucht und Misstrauen gar nicht mag und ich bin eigentlich auch gar nicht so. Das Schlimme ist, dass ich jetzt weiß, dass er es schon seit Jahren macht, sogar Geld dafür bezahlt und einige Filme extrem sind. Ich kann ihn nicht darauf ansprechen, weil er auf gar keinen Fall erfahren darf, dass ich ihm hinterher spioniert habe. Aber seitdem habe ich immer diese Bilder im Kopf und seit ich weiß, dass er die Filme auf CD hat, werde ich verrückt, wenn ich ihn abends vorm Rechner mit CDs rascheln höre.
Was soll ich nur tun? Kann mir jemand einen Rat geben? Ich schäme mich so für das, was ich getan habe. Alles, was ich möchte ist, dass er häufiger mit mir schläft und seine eigene, private Sexualität nur auslebt, wenn ich nicht nebenan im Schlafzimmer liege.
Vielen lieben Dank für Eure Hilfe und dass ich das hier einmal loswerden kann!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 38
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19.02.2007, 08:43
Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
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19.02.2007, 10:11
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
Liebe Helen,
es tut mir leid was du mitmachst, ich kann gut verstehen dass du dich in deiner situation schlecht fühlst.
Zum Thema kann ich gar nicht soviel sagen, ich wollte dir aber den Tip geben im Unterforum "Sex und Verhütung" den Strang von Kraaf "Männer und Pornos" (ganz oben festgepinnt) zu lesen.
Das Thema "wie gehe ich als Frau mit dem Pornokonsum des Partners um" wird da sensibel und vielschichtig besprochen.
Alles Gute
Brombeerkatze
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19.02.2007, 10:15Inaktiver User
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
Hallo, Helen,
ich kann verstehen, wie du dich fühlst. Was mir in deinem Bericht fehlt, sind die Antworten deines Mannes auf das, was du mit ihm geredet hast, wenn du schreibst:
oderKurz danach habe ich versucht mit ihm zu reden, denn das, was mich wirklich verletzt hat, war, dass ich auch zu Hause war. Ich habe nicht verstanden, warum er sozusagen "nicht zu mir kommt".
Im Übrigen würde ich (und damit meine ich jetzt wirklich mich, das muss nicht auf dich anwendbar sein) meinem Mann in dieser Situation klipp und klar sagen, dass er mir sexuell nicht mehr genügt und dass ich gezwungen sein könnte, mich anderweitig nach der Befriedigung meiner Bedürfnisse umzusehen.Nach dem 4. oder 5. Mal "ertappen" konnte ich einfach nicht mehr, stand in der Küche, habe geweint und ihm gesagt, ich würde nicht verstehen, warum er das tut, während ich zu Hause bin.
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19.02.2007, 10:18Inaktiver User
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
Ergänzung:
ich finde, Helen, du lässt dich zu sehr in die Rolle der passiv Erduldenden und der Schuldigen drängen, Porno-Konsum hin oder her.
Stelle Forderungen an deinen Mann, denn deine Unzufriedenheit hängt nicht primär mit seinem Porno-Konsum zusammen, sondern mit deiner Vernachlässigung.
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19.02.2007, 11:34
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
@Brombeerkatze1
Vielen lieben Dank! Ich werde dort gleich einmal nachsehen.
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19.02.2007, 11:44
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
Liebe Joanna,
vielen Dank für Deine Antwort! Du hast sicher Recht. Ich sollte ihm sagen, dass ich mich vernachlässigt fühle, aber das habe ich auch schon so oft getan. Ich habe es direkt versucht und angefangen ihn zu streicheln usw... Daraufhin sagt er oft, dass er zu müde sei, zu gestresst sei oder er sagt gar nichts, sondern gibt mir einfach nonverbal zu verstehen, dass er nicht möchte. (Reagiert einfach nicht, dreht sich weg...) Ich habe es auch indirekt versucht und ihm ein Buch geschenkt, ein paar Anspielungen gemacht... Das hat auch nichts geholfen. Sogar das, was Du geschrieben hattest ("Sag` ihm, Du müsstest Dich sonst andersweitig befriedigen"), habe ich schon einmal versucht. Allerdings vielleicht zu subtil. Ich habe es nur angedeutet. Vielleicht hast Du Recht und ich sollte es mal direkt laut und deutlich sagen. Ich habe nur Angst, dass es ihn unter Druck setzt (das ist nämlich das, was bisher geschah und das möchte ich natürlich auch nicht, weil es nur das Gegenteil meiner Absicht bewirkt). Zu Deiner Frage wie er geantwortet hat: er sagte, er brauche seinen Freiraum und das sei auch der Grund weshalb er oft keinen Sex will. Er fühlt sich unter Druck gesetzt und hat das Gefühl, er habe zu wenig Privatsphäre. Ich kann doch nur auch nicht abends wegfahren, spazieren gehen, Sport machen oder sonstiges, nur um nicht zu Hause zu sein, damit ER seinen Freiraum hat???? Ich möchte nicht aus meinem eigenem zu Hause flüchten und kommt er ohnehin erst frühestens gegen 20.00-22.00 Uhr aus der Firma. (Workoholic)
Vielen vielen Dank für Deine Antwort. Ich würde mich sehr freuen, wenn Du noch einmal schreibst!
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19.02.2007, 12:47Inaktiver User
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
Ok, er braucht seinen Freiraum, klar. Dagegen ist nichts zu sagen. Wenn er dann auch keinen Sex will: auch okay. Bis zu einem gewissen Grad ist sogar nachvollziehbar, dass ihm dann der "Sex mit sich selbst" unkomplizierter ist, als den Ansprüchen seiner Frau gerecht werden zu müssen.
Zitat von helen_26
Ich glaube, ich an deiner Stelle würde aber genau das tun, was du meinst nicht tun zu können: abends weggehen, nicht um IHM seinen Freiraum zu geben, sondern um DIR das zurückzuholen, was dir fehlt. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt fremdgehen, sondern dir selbst etwas Gutes tun, damit deine Bedürfnisse nicht mehr ausschließlich auf ihn gerichtet sind.
Aber ich finde auch, du solltest ihn direkt darauf ansprechen, dass eure Beziehung in Gefahr ist, wenn du dich weiterhin vernachlässigt fühlen musst, dass dir etwas Wesentliches fehlt, was du dir bis jetzt noch von ihm wünschst...
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19.02.2007, 13:04
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
Hi,
als glühender Verfechter von "Porno sind sein Sex, nicht Deiner!" möchte ich mich zu Deinem Fall doch mal differenzierter zu Wort melden.
So geht es meiner Meinung nach nämlich nicht.
Wenn er Sex mit sich selber haben will, halte ich das für OK und für normal. Auch, dass er sich visuell erregen lässt dabei, halte ich für OK und normal. Nicht jeder(mann) ist mit einer so regen Phantasie ausgestattet, dass er sich vor seinem geistigen Auge das vorstellen kann, was er vor dem körperlichen Auge wahrnehmen möchte.
Das ist also geklärt...
Aber das Verhalten, das hier an den Tag gelegt wird, geht schon über "Sex an und für sich selbst" hinaus - weil Du als Partnerin direkt betroffen bist.
Der Mann hat meiner Ansicht nach ein generelles Problem im sexuellen Bereich, scheint mir. Was das für eins ist... Darüber mag ich nicht spekulieren. Zu vielfältig sind die Möglichkeiten.
Wer sich aber so benimmt wie er, lässt den Respekt seinem Partner gegenüber vermissen. Und das kann nicht nur im Bereich Sexualität eine Rolle spielen. Du solltest die Beziehung an sich einmal hinterfragen, scheint mir.Frauen sind nicht kompliziert. Sie wollen einfach nur geliebt werden.
Und tolle Überraschungen. Und Schuhe. Und Schmuck.
Und andere Dinge, die man erraten muss.
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19.02.2007, 13:07Inaktiver User
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
Zitat von Inaktiver User
Klasse, Joanna, das ist wirklich eine geniale Idee! (Ich hab das Problem nicht, aber vielleicht auch nur deswegen, weil wir eine Fernbeziehung führen).
Ich glaube, da müßten wir Frauen echt mal aus der Opfer-Ecke rauskommen - ohne Iiihhh und Bäh. Nur pragmatisch.
Danke!
One
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19.02.2007, 13:18Inaktiver User
AW: Mein Mann, seine Pornos und mein größter Fehler
Hallo, One,
Zitat von Inaktiver User
ich weiß nicht so ganz, ob du das jetzt ironisch gemeint hast - mir war es jedenfalls ernst, und ich selbst habe es genauso auch schon praktiziert. Wichtig ist dabei allerdings, das auch wirklich zu kommunizieren und nicht ohne das Wissen des Partners zu veranstalten.
Ich finde, was Helens Mann ihr zumutet, ist auch eine Form des Fremdgehens, und ich kann Fender nur in allen Punkten zustimmen. Wenn Helen kein Interesse an Sex mit ihrem Mann hätte, wäre das was anderes, oder wenn der Mann sich nur "zusätzlich" etwas holen würde, aber das hier geht doch wesentlich weiter.


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