lindenblatt,
wo steigerst Du Dich denn hinein?
Wenn Du von Deine Palme wieder unten bist und aufhörst, den anderen das Wort im Munde umzudrehen, können wir weiterdiskutieren, ok?
Aber da wir ja schon manches vordiskutiert haben, kopiere ich 'mal ein Posting von Edelberb hier hinein.
Wen es interessiert: hier
Ich will jetzt nicht die ganze Diskussion aus dem Treue-Forum wieder aufrollen, die dort ja zur Genüge geführt wurde. Aber ich habe ein Problem mit diesem Beziehungskonzept, völlig unabhängig davon, ob es nun um Porno geht oder etwas anderes. Es funktioniert nicht, "einfach" das sein zu lassen, was den Partner verletzt. Denn ich muss mir auch selbst treu bleiben. Und da kann es immer wieder zu einem Konflikt mit Bedürfnisssen des Partners kommen. Dann gibt es vier Möglichkeiten:In einer Partnerschaft muess man doch Einschränkungen in Kauf nehmen, Dinge die den anderen Partner verletzen, sollte man aus Rücksichtnahme seinlassen. Falls man das nicht fertigbringt, wäre das Single-Leben wohl angebrachter.
1. der eine Partner läßt es bleiben, ändert sein Verhalten, nimmt Rücksicht
2. der andere Partner schaut, warum es ihn verletzt, ob dort nicht etwas dran getan werden kann
3. der Konflikt kann nicht aufgelöst werden und die Partnerschaft bleibt bestehen (vielleicht helfen Vereinbarungen, die schlimmsten Auswirkungen abzumildern)
4. das Paar trennt sich
Von Anfang so zu tun, als ob es nur Möglichkeit 1 und 4 gäbe, finde ich ein sehr seltsames Konzept von Partnerschaft. Mir fehlt da Konfliktlösungspotential.
Grüße,
Edelherb
Und da es sich bei Locke um ein Stellvertreterproblem handelt, sollte die Betonung auf 2. liegen.
Mein Mann und ich schließen übrigens keine Kompromisse, da bleiben die Dinge doch ungeklärt und nagen. Wir suchen Lösungen. Und verlangen dabei nichts voneinander.
Und wenn das anders wäre, wäre er nicht mein Mann.
Und uns geht es beiden bestens dabei.
In diesen Zusammenhang gehört auch der Thread Beziehungskonzepte.
Gruß, Leonie
Antworten
Ergebnis 61 bis 70 von 159
-
13.01.2007, 21:30Inaktiver User
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
-
13.01.2007, 21:49
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Schön, Leonie. So sehe ich das auch.Mein Mann und ich schließen übrigens keine Kompromisse, da bleiben die Dinge doch ungeklärt und nagen. Wir suchen Lösungen. Und verlangen dabei nichts voneinander.
Und wenn das anders wäre, wäre er nicht mein Mann.
Und uns geht es beiden bestens dabei.
Schön, dass Du Edelherbs Posting noch hervorzaubern konntest, daran hatte ich mich auch ganz dunkel vorhin erinnert.
Viele Grüsse
MurkamiWenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können,
was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?
Pascal Mercier
-
13.01.2007, 22:36
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Jetzt will ich auch mal ein großartiges Posting zitieren, und zwar von Frau_Wau aus dem Thread "Den Anderen ernst nehmen":
Also, ein "nein" in Beziehungen ist immer stärker als ein "ja". Ein "nein" zum Streit ist also bestimmender als ein "ja". Die Frage ist, ob Dinge wirklich immer sofort und auf den Punkt analysiert und geklärt sein müssen.
Streitmuffel sind nicht per se schlechte Menschen, sondern oftmals besonders sensibel, haben vielleicht Angst im Eifer des Gefechts mehr Schaden als Gutes anzurichten, haben Angst sich eine endlos Litanei darüber anhören zu müssen, was sie alles nicht bringen, was sich ändern muss und wo sie an sich arbeiten müssen.
Da frontal voran zu schreiten ist nicht der geschickteste Weg. Ich bin Widder, also sehr direkt und ohne viel federlesen gehe ich ans Eingemachte und glaube mir, ich habe mir damit schon so manche Beule geholt. :-)
Was ich dann wiederum so gar nicht verstehen konnte: Eh, warum zieht der sich jetzt zurück? Eh, warum guckt der jetzt so betröbelt, mann, warum wird der jetzt grad so agressiv?
Mit der Zeit habe ich gelernt dass ich a) niemals das Recht habe meinen Partner ungefragt zu kritisieren. Ungefragte Kritik wird zu Recht als Grenzüberschreitung empfunden. Habe ich mit etwas ein Problem, so kann ich das wohl formulieren, allerdings klar signalisierend, dass ich mir darüber bewusst bin, dass es MEIN Problem ist, ich zwar auf Entgegenkommen hoffe, es allerdings weder voraussetze noch fordere. Soviel Freiheit muss schon sein.
Ich will meinen Partner ja als Verbündeten haben. Wie sollte das gehen, wenn ich fordere, dass ER sich erstmal gehörig verändern muss? Mittlerweile bin ich da auch mir selbst gegenüber sensibler geworden und ich mag es gar nicht mehr, wenn Menschen meinen mir sagen zu müssen, was an mir alles nicht ok ist ohne, dass ich danach gefragt hätte.
und b) zum Streiten gehört Vertrauen. Wenn ein Mann also bereits im Vorfeld die Ahnung hat, dass Du ihn kritisieren wirst, so ist das eben keine vertrauensfördernde Basis. Das Resultat erlebst Du grade. Totaler Rückzug. Er traut sich selber vielleicht gar nicht mehr zu, Dich glücklich zu machen. Du hast da ja auch ganz klare Vorstellung wie das zu laufen hätte. Für ihn bleibt da relativ wenig Gestaltungsspielraum und dass das so keinen Spaß macht, kenne ich aus eigener Erfahrung.
Und hier noch ein weiteres Posting aus jenem Thread, von Pusteblume:
gerade die diskussion, ob die ursache der auseinandersetzung dem verlauf angemessen ist oder nicht, führt doch zu unterschiedlichen bewertungen… wieso willst du sie aussen vor lassen? mein ansatz ist der, dass vieles zunächst relativ ist – und am nächsten tag ggfls noch nicht mal nen aufreger wert… wenn es da immernoch ist, kann ich immer noch *platzen* insofern spielt das eine grosse rolle, meine meinung…
erstmal solltest du trennen zwischen
- mein partner hat mich verletzt
- ich fühle, dass etwas anders ist
wenn ich glaube(!), ein problem zu haben, er mich verletzt hat, reflektiere ich:
ist es ein thema, welches ich ggfls durch erfahrungen besonders empfindlich/anders betrachte als er, habe ich es mir sozusagen draufgeschafft, meint vielleicht eine meiner freundinnen, so oder so hat das in einer beziehung zu sein und/oder ich steigere mich in etwas hinein oder setze ich ggfls unterschiedliche masstäbe an (siehe zB das Bsp eröffnung deines büros und dein erwarten vs sein erscheinen-wollen - wie schreibt leonie so treffend: wieso nimmst du seine empfindlichkeit nicht an?). hab ich grad meine tage, hat mich meine chefin geärgert und ist mein auto grad kaputt? dann noch: wie hat er das gemeint, hat er eine verletzung beabsichtigt, sie in kauf genommen, oder war es einfach vom bauch in den mund und raus damit?
Ja, ich mache viel mit mir selbst aus, weil ich es selsbt auch nicht mag, der blitzableiter zu sein, oder eine art tariergewicht seiner befindlichkeiten oder fantasie (denn manchmal waren seine interpretationen das)…
hab ich das überlegt, relativiert sich die heftigkeit. tritt dieses thema nun zum mehrfachen mal auf, spreche ich es an, dann auch emotional und deutlich, aber eben: ich fühle, weil das und das ist passiert und ich glaube daraus das und das zu verstehen… dann erwarte ich eine stellungnahme. im besten fall mündlich und dann am liebsten auch eine klarstellung. Und als sahnehäubchen eine veränderung dieses oder jenes verhaltens, ein versuch dessen… denn was ist ein versprechen ohne umsetzung?
hat man keine geduld oder ist man zu aufgeregt, erwartet man zuviel an reaktion, man sieht also kleine ergebnisse/reaktionen nicht, weil man grosse erwartet. jeder mensch hat seine art und auch eine dauer, zu reagieren. vielleicht auch er, vielleicht hätte er sein verhalten anzupassen versucht, wenn du nicht sofort eine stellungnahme erwartet hättest?
manche menschen mögen nicht reden, sind es nicht gewohnt, sie haben angst davor, können sich nicht ausdrücken, fühlen sich dem anderen unterlegen, aber sie verstehen trotzdem… es gibt halt nicht immer nur deinen weg… auch wenn DU die erfahrung gemacht hast, reden helfe, vielleicht hält er es anders, das muss doch ok sein...
ich hab das auch lernen müssen. vielleicht liegts am sternzeichen, ich bin auch widder und stosse vielen menschen vor den kopf und wundere mich über deren blockade oder rückzug.
mittlerweile atme ich auch mal durch, gerade wenn es um dinge geht, von denen ich weiss, dass ich a) dsbzgl nur schwer zugang zu meinem partner finde und b) dazu neige, zu direkt und verletzend weil bewertend zu sein.
Ob ich kommentarlos hinnehme? Manchmal ja, manchmal nein.
JA: es muss grenzen geben, mein partner hat eine meinung, genau wie ich und ich unterstelle, dass er eine motivation für sein handeln hat, die genauso berechtigt ist, wie meine. ich habe so viel vertrauen in ihn, das ich glaube, dass er mich nicht absichtlich verletzt und mir seine ureigene meinung präsentiert, die an sich immer äusserbar sein muss.
somit reicht es mir, wenn ich ihm sage, was mir weh tut, er das (wie man später sieht) versteht und er tuts dann nicht wieder. Ich brauche bei konsens weder gespräche noch entschuldigungen.
NEIN: Gespräche sind dann vonnöten, wenn wir uns über dinge, die für mich (ihn) essentiell für die zukunft sind, uneins sind und eine einigung brauchen, um zukünftigen ärger zu vermeiden. Dann bin ich allerdings lösungsorientiert und nicht frage nicht lang, wie es wozu kommen konnte… richte meinen focus nur auf zukunft.
Geht es um lappalien, in denen wir unterschiedlicher meinung sind, jeder aber auf seine beharrt, platziere ich zumindest ein „ich sehe es so, und mir würde das und das gefallen, aber ich akzeptiere deine sichtweise“
man muss ja nicht verstecken, das man anderer meinung, verletzt oder beleidigt ist etc. aber den anderen ständig fordern, fragen, überzeigen? Das ist mir zuviel, will ich auch nicht! und nein, es bleibt dann vielleicht für kurze zeit, aber nicht lang, ein schlechtes gefühl. täte es das, hätte ich wahrscheinlich den falschen partner...
-
13.01.2007, 23:57
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Leonie,
ich steigere mich in gar nichts hinein, vertrete nur leidenschaftlich meinen Standpunkt.
Allerdings verwahre ich mich gegen die Anschuldigung, jemandem das Wort im Munde herumzudrehen!
Ich habe Aussagen interpretiert - so wie sie aus meiner Sicht zu verstehen waren - und Fragen dazu gestellt. Wobei ich jedoch gänzlich anderer Meinung war als du...
Du schreibst über Konfliktbewältigung in deiner Beziehung:
"Wir suchen Lösungen" (Zitat) --> und das ganz und gar ohne Kompromiss?? Wie geht das, wenn beide mit der Lösung einverstanden sein sollen??
Meiner Beobachtung nach kommen kompromissfreie Lösungen in der Regel dann zustande, wenn eine/r der beiden Partner generell deutlich nachgiebiger ist als die/der andere und sich mit dieser Position in der Beziehung zufrieden gibt bzw. abgefunden hat.
Edelherbs Auflistung der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten des Umgangs mit Beziehungsproblemen kann ich nur zustimmen, sie sind aber im Verlauf dieses Strangs im Zusammenhang mit Lockes Anliegen alle schon behandelt worden - je nachdem, welche von der Schreiberin/dem Schreiber bevorzugt wird.
Und nun will ich mich aus diesem Strang verabschieden.
Vorher noch ein schnelles Wort an Murkami...:
Ich verstehe deine Postings vollkommen, Murkami. Provozieren wollte ich nicht. Nur ein wenig zuspitzen, damit auch du mich verstehst.
...und ein Abschiedsgruß an Locke:
Liebe Locke,
mehr oder Anderes als das Geschriebene kann ich dir zu deiner Situation nun nicht mehr sagen. Vielleicht war die eine oder andere Anregung für dich dabei.
Aber wie dem auch sei - ich wünsche dir von Herzen eine gute, dir gemäße Lösung deines Problems, alles Liebe und viel Glück !!!
lindenblatt****"Leben allein genügt nicht", sagte der Schmetterling, "Sonnenschein, Freiheit
und eine kleine Blume muss man haben." (H. Chr.Andersen)
-
14.01.2007, 12:58
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Lindenblatt, schade. Ich lese Deine Postings sehr gerne und finde die Diskussion in diesem Strang sehr interessant.
Was die kompromissfreien Lösungen angeht - siehe Edelherbs Auflistung, Punkt 3: der Konflikt wird nicht gelöst, und beide leben damit. In diesem Fall muss keiner nachgeben. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Paare gibt, die das tatsächlich aushalten.
Ich selber könnte es wahrscheinlich nicht.
-
14.01.2007, 13:08Inaktiver User
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Nein, Landerun,
es geht doch gerade um Lösungen. Und Kompromisse, wie es oft verstanden wird so als "jeder gibt ein bisschen nach und beide treffen sich in der Mitte", lösen die Dinge eben nicht.
"Kein Kompromiss" heißt ja nicht "keine Bewegung" !
Sondern dass ein gemeinsamer Weg gefunden wird, bei dem sich beide wirklich wohlfühlen. Und wenn man sich gegenseitig Ernst nimmt und liebt und sich einig ist, dass man sich keine Vorschriften macht, geht das.
Und dann kann ein 3. oder die Erkenntnis, dass das eigentlich nicht meine Sache ist, 'mal vorkommen, aber nicht als Regel.
lindenblatts Interpretation von "kein Kompromiss, sondern Lösungen" ist völlig abwegig. Das sind ja gerade keine Lösungen, was sie da beschreibt.
Gruß, LeonieGeändert von Inaktiver User (14.01.2007 um 13:20 Uhr)
-
14.01.2007, 23:36
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Hallo Landerun!
Na gut, dann will ich mal nicht so sein...
Zitat von Landerun
Aber Spaß beiseite: Wollte eigentlich nur mal gucken, wie die tatsächlich interessante Diskussion weitergegangen ist, und hab auf einmal Lust gekriegt, mich wieder zu beteiligen. Zu Lockes konkretem Problem hab ich zwar wirklich alles beigesteuert, was ich dazu sagen konnte, aber mittlerweile geht es ja um Beziehungsgestaltung im Allgemeinen. Da bin ich gerne noch ein wenig mit dabei (auch wegen deiner Ermunterung, Landerun).
Vielleicht erkläre ich jetzt erst einmal, was ich unter dem Komromiss in einer Beziehung mit seinen Voraussetzungen und Bedingungen überhaupt verstehe; hier ein paar Thesen dazu:
Ein Kompromiss scheint mir dann angezeigt, wenn sich zwei bestenfalls sehr unterschiedliche, ungünstigstenfalls gegensätzliche Auffassungen zu einem konkreten Problem gegenüberstehen und beide Partner sich daran interessiert zeigen, die Beziehung fortsetzen, aber doch zu einer Lösung kommen zu wollen, mit der beide leben können. (Oder: ...eine solche Lösung finden zu wollen, um die Beziehung fortsetzen zu können.) Die dann auch für beide "verbindlich" sein sollte. Wesen und zugleich Anspruch eines Kompromisses sind dann aus meiner Sicht, dass um den Abbau des "Zündstoffs" so lange "verhandelt" wird, bis beide sagen: Nicht das, was ich mir vorgestellt hatte, aber davon auch nicht so weit entfernt, dass ich nicht zustimmen könnte, ohne mich zu verbiegen. (Sollte sich dieses Ergebnis als unerreichbar erweisen, kann der Konflikt auf diesem Wege nicht gelöst werden und es müssen neue Möglichkeiten ge- und versucht werden.)
Dabei ist mir klar, dass ein Kompromiss in aller Regel nicht die optimale Lösung sein kann, die darin bestehen würde, dass die Bedürfnisse beider Partner trotz (stark) voneinander abweichender Standpunkte abstrichlos erfüllt werden können. Gleichzeitig frage ich mich, ob und wie es in einem ernsthaften Konfliktfall möglich sein sollte, eine solche optimale Lösung zu erzielen, ohne dass nicht auch dabei zumindest eine/r von beiden ein gehöriges Stück von seiner Position aufgeben muss.
Klar ist mir auch, dass Kompromisse nicht zum alleinigen Mittel der Problemlösung werden dürfen. Denn das hieße: Der ernsthafte Konfliktfall ist die Regel. In diesem Falle helfen Kompromisse nicht mehr, dann sind sie auch gar nicht mehr möglich. Und da dürfte es dann eher um die Frage gehen, mühselig zusammenzubleiben oder sich vernünftig zu trennen.
Grundlegende Voraussetzung für das Gelingen von Kompromissen kann nur sein, dass die Beziehung auch sonst, also generell, auf gleicher Augenhöhe stattfindet. Ein Paar, dessen einer Partner von vornherein den dominanten und dessen anderer Partner den sich stets unterordnenden Part über- und alternativlos auch angenommen hat, dürfte per se nicht kompromissfähig sein, das wäre ein unlösbarer Widerspruch in sich.
Und die Bedingung für das Zustandekommen fairer Kompromisse ist, dass beide Partner wissen: Unsere Verhandlungen um eine für beide tragfähige Konfliktlösung ist dadurch gekennzeichnet, dass keiner der Partner den jeweils anderen gezielt benachteiligen will, sondern aufrichtig um Fairness bemüht ist.
Landerun, du schreibst:
Dazu denke ich, dass es in einer guten und stabilen Beziehung (grundsätzlich auf gleicher Augenhöhe) möglich sein kann und sollte, auch den einen oder anderen ungelösten Konflikt wegzustecken und auszuhalten. (Wobei die Betonung auf "den einen oder anderen" liegt!) Wenn also beide Partner die Gewissheit haben können, dass ein (eher seltenes) einseitiges Einlenken ihre/seine Position in der Beziehung nicht untergraben und in einem etwaigen Wiederholungsfall der/die andere Partner/in dasselbe tun wird, nämlich einseitig nachgeben.Was die kompromissfreien Lösungen angeht - siehe Edelherbs Auflistung, Punkt 3: der Konflikt wird nicht gelöst, und beide leben damit. In diesem Fall muss keiner nachgeben. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Paare gibt, die das tatsächlich aushalten.
Ich selber könnte es wahrscheinlich nicht.
Während ich völlig ungelöste Konflikte, bei denen keine/r von beiden die Chance hat, wenigstens einen Teil seiner Vorstellungen umsetzen zu können, in der Tat für gefährlich halte. Wobei ich das noch von der Bedeutsamkeit des konkreten Problems für die Beziehung abhängig machen würde. Zu dulden, dass der eine Partner partout das Essen nicht mag, das der andere am besten kochen kann und am liebsten isst, sollte keine Katastrophe sein. Aber ständiges (vielleicht sogar auch nur einmaliges) Lügen und Betrügen hinzunehmen, ohne dass das zum Gegenstand ernsthafter Auseinandersetzung gemacht wird, ist da schon etwas weitaus Anderes. Diese Beispiele beschreiben zwei Extreme - der Verständlichkeit halber.
So, das wär´s erst einmal von mir anlässlich meines Wiedereinstiegs in die Diskussion.
Bitte entschuldigt die Textlänge!

Gruß, lindenblattGeändert von lindenblatt (14.01.2007 um 23:55 Uhr)
****"Leben allein genügt nicht", sagte der Schmetterling, "Sonnenschein, Freiheit
und eine kleine Blume muss man haben." (H. Chr.Andersen)
-
15.01.2007, 00:05
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Hallo, Leonie!
Hierzu bin ich wirklich interessiert, von dir an einem Beispiel erklärt zu bekommen, wie das in der Praxis aussehen kann. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, was "...ein gemeinsamer Weg..., bei dem sich beide wirklich wohlfühlen" Anderes sein soll und kann als das Ergebnis eines Kompromisses.
Zitat von Inaktiver User
Gib mir doch bitte mal ein Beispiel!
Gruß,
lindenblatt****"Leben allein genügt nicht", sagte der Schmetterling, "Sonnenschein, Freiheit
und eine kleine Blume muss man haben." (H. Chr.Andersen)
-
15.01.2007, 00:56Inaktiver User
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Nach mehr Beispielen wollte ich Dich auch gerade fragen ...
So wie Du "Kompromiss" beschrieben hast, ist der Unterschied tatsächlich nicht groß.
Bei Kompromiss schwingen bei mir zwei Sachen mit, die mir daran nicht gefallen.
1. Die Vorstellung, ich müsste etwas Wesentliches aufgeben. Wenn ich das nämlich tue und so empfinde, heißt das ja, dass ich eigentlich gerne das wieder ändern würde - und das jeden Tag "dem anderen zuliebe" tue. Und so etwas nagt. an mir und an der Beziehung.
2. klingt Kompromiss zu eindimensional. Ich will das, Du willst das, wer bewegt sich mehr?
Die Lösung könnte aber ganz woanders liegen.
Wenn er ans Meer in Urlaub will und sie in die Berge - dann wäre ein typischer Kompromiss jedes Jahr abwechselnd.
Aber es kann sein, dass zumindest einer sich dabei nicht wohlfühlt.
Lösungen könnten auch sein, dass man getrennt fährt, eine Radtour macht, immer zusammen ans Meer fährt und der Bergfreund gelegentlich mit anderen eine Bergtour macht ...
Würdest Du offensichtlich noch als Kompromiss bezeichnen - ist ok. Aber hier in der BriCom lese ich oft: Da muss er doch kompromissbereit sein. Und das heißt dann: Da muss er doch auf mich zukommen. Nein, muss er nicht, wenn er sich dann nicht wohlfühlt. Dann muss man eben etwas anderes finden.
Und noch etwas unterscheidet die Lösung vom Kompromiss:
Erst einmal wird analysiert, worum es eigentlich geht. Jeder schaut auch: Warum ist mir das so wichtig?
Und oft kommt dann eben heraus, dass auf das Problem sehr viel aufgeladen ist. Zum Beispiel, dass ich mich vernachlässigt fühle und das daran festmache. Womit wir wieder bei Locke wären.
Was hätten wir denn noch für Beispiele:
Sie muss ins Krankenhaus - etwas Blödes, aber nichts wirklich Schlimmes, er muss auf Dienstreise. Sie möchte, dass er zu Hause bleibt, er möchte nicht absagen.
Sie will drei Monate ins Ausland, ihm stinkt das.
Er will täglich Sex, sie 1-2mal in der Woche. Fühlt sich aber schon so bedrängt, dass sie gar keine Lust hat.
Was wären da Kompromisse im herkömmlichen Sinne?
Er will kein Kind, sie will 4. Ist der Kompromiss dann zwei?
vielleicht noch ein Kommentar dazu:Nicht das, was ich mir vorgestellt hatte, aber davon auch nicht so weit entfernt, dass ich nicht zustimmen könnte, ohne mich zu verbiegen. (Sollte sich dieses Ergebnis als unerreichbar erweisen, kann der Konflikt auf diesem Wege nicht gelöst werden und es müssen neue Möglichkeiten ge- und versucht werden.)
Vielleicht ist die Lösung weit weg von dem, was beide sich vorgestellt haben. Die Suche nach "Kompromissen" kann den Blick dafür verstellen, da zu suchen.
Und wie könnten denn "neue Möglichkeiten" aussehen? Wenn wir von Trennung einmal absehen?
Wiegesagt - das was Du eben geschrieben hast, ist ziemlich nah an meinem Konzept.
Aber auf Locke angewandt habe ich Deine Argumentation als "faul" empfunden.
Gruß, LeonieGeändert von Inaktiver User (15.01.2007 um 02:21 Uhr)
-
15.01.2007, 06:27
AW: Sie treibt mich in den Wahnsinn
Diesmal gleich zu Beginn: Sorry für die Textlänge!!!
(Ich räume ein: Die ist mittlerweile wahrscheinlich schon nicht mehr kompromissfähig...
)
"Etwas Wesentliches"... - Das, was jeder als wesentlich für sein Sich-Wohlfühlen in der Beziehung ansieht, dürfte sehr unterscheidlich sein. Aber gut, es gibt da sicher einige allgemeingültige Prämissen. Ich würde dein Beispiel mit der unterschiedlich gewünschten Kinderzahl dazu zählen. Bleiben die Auffassungen da bei a) 0 und b) 4 Kindern felsenfest bestehen, ist ein Kompromiss nicht möglich. Und auch keine dritte Lösung. Wahrscheinlich nicht mal die Beziehung selbst. Wobei das Ergebnis "Unlösbar" genauso auch bei vergleichsweise unwichtigeren Konfliktthemen möglich ist, dann aber sicher nicht mit denselben gravierenden Konsequenzen für die Beziehung.
Zitat von Inaktiver User
"...heißt das ja, dass ich eigentlich gerne das wieder ändern würde - und das jeden Tag "dem anderen zuliebe" tue. Und so etwas nagt. an mir und an der Beziehung."Etwas für die Beziehung Existenzielles (z. B. wieder: Kinder ja oder nein, wie viele) kann ich tatsächlich nicht dem anderen zuliebe tun. Was dein Beispiel mit den untrschiedlichen Urlaubswünschen angeht, würde ich den Wechsel des Reiseziels bevorzugen. Denn ein Abrücken von beiden Wunschvarianten könnte bei beiden Partnern zu größerem Frust führen als der Wechsel. Und genau das ist m. E. für die meisten Drittlösungen zu befürchten. Und: Wer entscheidet, welche Lösung (die "ganz woanders liegen" könnte) das konkret sein soll? Muss das nicht auch "verhandelt" werden? Wie sieht der dafür notwendige Entscheidungsprozess aus?Die Lösung könnte aber ganz woanders liegen.
Ansonsten und grundsätzlich verbinde ich die Realisierbarkeit von Kompromissen mit der Überlegung, dass es in (jedenfalls einigen, vielleicht auch nur wenigen und vor allem nicht beziehungsexistenziellen) Einzelfragen möglich sein sollte, dass man seinem Partner zuliebe auch mal ganz oder teilweise auf etwas verzichten kann, was man gern tun würde. Das wäre dann eine Beziehung, in der die Freude darüber, dem Partner durch gelegentlichen eigenen Verzicht zu mehr Zufriedenheit verholfen zu haben, den Verlust aufwiegt. Großzügigkeit und Güte (immer auf beiden Seiten und nicht etwa in Form ständiger ungetrübter Harmonie!) im Umgang mit den Bedürfnissen des Partners, auch wenn damit hier und da das eigene Zurückstecken verbunden ist, halte ich für zwei der wichtigsten Eigenschaften einer guten Beziehung.
Das klingt für mich ein wenig nach Wettkampf und Rivalität in der "Sportart": "Wer setzt am effektivsten seinen Willen durch?"2. klingt Kompromiss zu eindimensional. Ich will das, Du willst das, wer bewegt sich mehr?
Richtig: Muss er nicht, muss sie nicht. Nicht einseitig! Nicht immer nur er oder immer nur sie! Bei meinem Mann und mir ist es so, dass jeder mal zurücksteckt. In der sicheren Gewissheit, dass man sich damit nicht zum Deppen macht, indem man der einzige Nur-Gebende ist. Beide! Und manchmal! Und da nagt dann in der Folge auch nichts mehr. Ich kann zum Glück sagen, dass wir nicht allzu viele Kompromisse (oder auch Drittlösungen) brauchen, weil wir in vielen Vorstellungen entweder übereinstimmen oder nah beieinander sind. Und ob zum Beispiel mein Mann nicht mit mir ins Kino gehen möchte, wie ich es mir so schön vorgestellt hatte, weil zur selben Zeit ein gaaaanz wichtiges Fußballspiel im Fernsehen läuft - das ist kein Problem für mich. Dann gehe ich halt ohne jeden Groll mit meiner Freundin und mach mir mit ihr einen richtig schönen Weiberabend.Aber hier in der BriCom lese ich oft: Da muss er doch kompromissbereit sein. Und das heißt dann: Da muss er doch auf mich zukommen. Nein, muss er nicht, wenn er sich dann nicht wohlfühlt. Dann muss man eben etwas anderes finden.
Erst einmal analysieren - nichts dagegen, das schadet auch in Kompromissverhandlungen nicht, solange das nicht auf einen Analysezwang hinausläuft. Es wäre mir eindeutig zu anstrengend, der Einigung über jede strittige Frage eine Beziehungsanalyse voranzustellen. Wenn beide Partner Sensibilität füreinander und für das Beziehungsklima entwickelt haben, wenn Unzufriedenheit nicht bis zu dem Moment unter dem Teppich liegt, bis Strittiges zu klären ist, muss nicht vor jeder Problemlösung analysiert werden. Ich habe durchaus ein Faible für Analysen und denke gern analytisch, aber ich würde eine grundsätzlich gut funktionierende Beziehung nicht "zeranalysieren" wollen.Und noch etwas unterscheidet die Lösung vom Kompromiss:
Erst einmal wird analysiert, worum es eigentlich geht. Jeder schaut auch: Warum ist mir das so wichtig?
Und oft kommt dann eben heraus, dass auf das Problem sehr viel aufgeladen ist. Zum Beispiel, dass ich mich vernachlässigt fühle und das daran festmache.
Leonie, dazu nur das Folgende noch von mir: Ich halte Lockes Problem nach wie vor für kompromissfähig und nach wie vor für keine Projektion. Du siehst das anders - ich weiß. Und das ist okay. Da kommen wir, wie du schon mal geschrieben hast, wirklich nicht zusammen.Womit wir wieder bei Locke wären.
Gruß,
lindenblatt****"Leben allein genügt nicht", sagte der Schmetterling, "Sonnenschein, Freiheit
und eine kleine Blume muss man haben." (H. Chr.Andersen)


Zitieren