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  1. Avatar von syrahnoir
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    Benoite Groult - vergessene Feministin?

    "Das Leben ist wie die Kultur: Das Wesentliche ist das, was bleibt, wenn man nicht mehr ist, wenn man gelebt hat. Und sie lebten zusammen, beide, und wußten sehr gut, was sie am anderen liebten, ohne es immer zu billigen, und was sie verabscheuen würden bis ans Ende ihrer Tage. Niemals aber war da Gleichgültigkeit. Niemals auch totale Übereinstimmung, die man auf die Dauer nicht mehr wahrnimmt, so vollkommen ist sie. Marion erkannte die Liebe an einer gewissen Gewalt, die ihrem Geschmack, ihren Vorlieben angetan worden war, an einer gewissen Aufweichung ihrer Persönlichkeitgegenüber dem anderen. Yves wiederum wußte nicht, was das war, Liebe. Er hatte es nie gewußt. Es drehte sich ihm den Magen um bei dem Gedanken, in die Enge getrieben zu werden, und sei es auch nur durch ein Gefühl - vor allem durch ein Gefühl. Die Windspiele, diese armen Geschöpfe, sind sich nicht im klaren, daß die Frau, mit der sie ein wenig länger zusammenleben, allmählich in ihren intimsten Lebensbereich eindringt, in ihre Fasern, in ihre Vergangenheit, und daß sie auf diese Weise untrennbar mit ihnen verbunden werden, ohne daß sie es merken. Nach einer ausreichenden Anzahl von Jahren sind sie organisch außerstande, sich von ihnen loszumachen, ohne sich selbst zu vernichten. Die Frau ist mit ihrem Leben verwoben wie andersfarbige Wolle, die man zusammen mit der ursprünglichen ein wenig achtlos mitgestrickt hat und die man nicht mehr entfernen kann ohne Gefahr, die ganze Arbeit auftrennen zu müssen."
    Die Dinge wie sie sind (1972)

  2. Inaktiver User

    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    Zitat Zitat von syrahnoir Beitrag anzeigen
    "Das Leben ist wie die Kultur:
    Meistens doch nur für die, die es sich leisten können! Ansonsten kulturen die einen und die anderen zahlen drauf.

    Die Frau ist mit ihrem Leben verwoben wie andersfarbige Wolle, die man zusammen mit der ursprünglichen ein wenig achtlos mitgestrickt hat und die man nicht mehr entfernen kann ohne Gefahr, die ganze Arbeit auftrennen zu müssen."
    Möglicherweise ist der Mann ebenso orientierungslos verwoben und demnach ursprünglich achtlos verstrickt und dadurch allen Gefahren ausgeliefert in all dieser Wolle wie die Frau?

    Die Dinge wie sie sind (1972)
    Nun, die 'Dinge' wollen oft nur so scheinen wie sie auch sein wollen.

    Und allein die wahre Lebenskunst zeigt uns immer wieder und jederzeit, wie wir das eine vom anderen unterscheiden wollen und können.

  3. Avatar von syrahnoir
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    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    kluge Antworten!

  4. Inaktiver User

    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    Wäre das klug?:

    "Wenn wir einen Menschen glücklicher und heiterer machen können, so sollten wir es in jedem Fall tun, mag er uns darum bitten oder nicht."

    "Gewiß, zwei Völker und zwei Sprachen werden einander nie sich so verständlich und so intim mitteilen können wie zwei einzelne, die derselben Nation und Sprache angehören. Aber das ist kein Grund, auf Verständigung und Mitteilung zu verzichten. Auch zwischen Volks- und Sprachgenossen stehen Schranken, die eine volle Mitteilung und ein volles gegenseitiges Vertrauen verhindern, Schranken der Bildung, der Erziehung, der Begabung, der Individualität. Man kann behaupten, jeder Mensch auf Erden könne grundsätzlich mit jedem andern sich aussprechen, und man kann behaupten, es gebe überhaupt keine zwei Menschen in der Welt, zwischen denen eine echte, lückenlose, intime Mitteilung und Verständigung möglich sei - eins ist so wahr wie das andre."

    Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel

  5. Avatar von syrahnoir
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    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    nicht nur klug, jetzt auch tiefgründig und dem Glasperlenspiel in jeder Hinsicht angemessen.

    Zufällig vor 10 Tagen in Maulbronn gewesen - durch das Fenster der Buchhandlung am Eingang das Foto des Klosterschülers Hesse gesehen; an Ferromonte gedacht, dieser geniale Lehrer aus dem Glasperlenspiel. Hesses Neffe - ich kannte ihn persönlich.

    Vor 20 Tagen gar nicht zufällig Hesses "Lektüre für Minuten" (suhrkamp) eine halbe Nacht lang gelesen.

    Wie wäre die Welt, wenn wir achtsamer gegenüber Groult, Hesse und Ferromonte wären?

    Vermutest du eine Antwort, picual?
    Geändert von syrahnoir (20.09.2013 um 22:03 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    „Finden Sie String-Tangas bequem?“


    Benoîte Groult sagt, was Frauen brauchen: eigenes Geld, flache Schuhe, Kinderkrippen – und mehr Liebe, als ein einziger Mann bieten kann.

    Eine kluge und weise Frau - mittlerweile 93 - aber unbedingt eine Feministin? Für mich eine Frau die mit beiden Beinen im Leben steht ... fortschrittlich und eigenständig ... ganz normal also ...

  7. Avatar von syrahnoir
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    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    Benoite Groult -

    möglicherweise keine Feministin nach deinen anspruchsvollen Maßstäben.

    Doch ob es dir gefällt oder nicht: selbst der harmlose und doch sehr anregende Tagesspiegel-Beitrag sollte Beleg dafür sein, dass sie es trotz oder gerade wegen ihres hohen Alters und ihrer großen Erfahrung in weit höhrerem Maße ist als mindestens 98 % der Frauen - schau dir nur mal an, was sonst so in diesem Forum losgelassen wird, du einsame Ruferin in der nahezu emanzipationsfreien Wüste.

    Schade - zum frustrierenden Davonlaufen

    meint syrahnoir

    (der leider keine Feministin sein kann und immer wieder total abgetörnt wird von diesen angepassten, unterdrückten, erniedrigten und bedauernswerten Geschöpfen)

  8. Inaktiver User

    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    Zitat Zitat von syrahnoir Beitrag anzeigen
    Doch ob es dir gefällt oder nicht: selbst der harmlose und doch sehr anregende Tagesspiegel-Beitrag sollte Beleg dafür sein, dass sie es trotz oder gerade wegen ihres hohen Alters und ihrer großen Erfahrung in weit höhrerem Maße ist als mindestens 98 % der Frauen ...
    Auch wenn Benoite bereits lange vor der Zeit ganz offensichtlich sehr viel fortschrittlicher dachte und handelte als viele Frauen heute um die 20 trotz Facebook und Co. an ihrer Seite, ist dies für mich noch lange kein Grund um frustrierend davon zu laufen sondern ... nun ja, es zeigt doch nur auch, dass all die Technik den Menschen, sprich im Besonderen hier die Frau nicht wirklich weiterbringt, oder?

  9. Avatar von Seven
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    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    „Finden Sie String-Tangas bequem?“


    Benoîte Groult sagt, was Frauen brauchen: eigenes Geld, flache Schuhe, Kinderkrippen – und mehr Liebe, als ein einziger Mann bieten kann.

    Eine kluge und weise Frau - mittlerweile 93 - aber unbedingt eine Feministin? Für mich eine Frau die mit beiden Beinen im Leben steht ... fortschrittlich und eigenständig ... ganz normal also ...
    Tolle Frau....so offen,so gerade heraus....
    Das Interview zeigt irgendwie ziemlich deutlich wo "wir"sind....
    Und dass wir scheinbar Nach wie Vor eine feministische Bewegung brauchen.

    Ja klar sie ist eine Feministin.Was viele viele Frauen heute nicht mehr sind.
    Sie beschreibt das ja sehr schön.So sehe ich das aus.
    Der Körperwahn ist immenser denn je...und das schlimme ist,viele scheinen
    zu glauben dass man beides zusammen sein kann;Feministin und aufgetakelte
    Tussi,die sich von irgendwelchen zweifelhaften Quellen leiten laesst...
    Sorry,das war vielleicht etwas hart...aber so sehe ich das.
    Ich bin ein Capulcu

  10. Avatar von syrahnoir
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    AW: Benoite Groult - vergessene Feministin?

    Hallo picual, Hallo seven,

    beruhigend zu wissen, dass hier noch einige fortschrittliche, selbstbewusste Frauen im Netz sind, welche spüren, dass die "Bewegung" noch immer ganz wichtig ist.

    Es braucht keine Mehrheit. Das Thema muss aber am Kochen bleiben.

    Seven, ein dezenter Hinweis: ich kenne Feministinnen, die ich zwar nicht als "aufgetakelt" bezeichnen würde, aber dennoch schätze, dass sie verdammt gut aussehen. Gleiches ist von den Amazonen überliefert, Feministinnen der besonderen, möglicherweise etwas altmodischen Art. Groult hätte sicherlich nichts dagegen einzuwenden, wenn ich ihre Literatur richtig begreife.

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