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    Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    Sex made in Germany, ARD/NDR

    Ich werf das einfach mal in die Runde, die Doku ist gut/neutral gemacht. Obwohl ich mir nicht sicher bin ob das das beste Unterforum dafür ist. "Politik" wäre meine zweite Wahl gewesen, da es ganz konkret um ein Gesetz geht.

    Noch ca. 7 Tage in der Mediathek zu finden. Hier eine Zusammenfassung des Inhalts, falls der link zum Film mal nicht funktioniert.

    Prostitution aus der Illegalität holen per Gesetz als Dienstleistung. Deutschland ist der Sexmarkeführer der Welt geworden aus der ganzen Welt kommen die Kunden. Den Frauen, so hat es das Gesetz gewollt, sollte ihre Würde zurückgegeben werden. Das hat am wenigsten funktioniert: In der entfesselten Marktwirtschaft der deutschen Sexindustrie sind sie nur austauschbare Ware und jederzeit ersetzbar. Kennebeck und ihr Kameramann Torsten Lapp sind auch nach Rumänien gefahren, wo viele dieser Frauen herkommen; und was sie dort erfahren haben, lässt das Gerede vom freien und freiwilligen Markt schnell als das erscheinen, was es ist: eine Lüge.

    Deutlich mehr als die Hälfte der Prostituierten eines Berliner Flatrate-Bordells stammen aus Rumänien und Bulgarien, und wenige von ihnen hatten gewusst, was sie dort in Deutschland erwartet. Der Besitzer, wieder ganz der Marketingmann, sagt in die Kamera: "Diese Frauen sind halt engagierter, weil sie neu in dem Gewerbe sind. Sie sind belastbarer, sag ich mal so."
    Was denkt ihr: Prostitution raus aus der Illegalität als Dienstleistung, was das Gesetz beabsichtigt hatte und auch viele Frauenhäuser befürworten oder dann doch: zweischneidiges Schwert?
    Geändert von _Farmelli (11.06.2013 um 02:30 Uhr)

  2. gesperrt
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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    Hier noch ein paar Hintergrundinfos:
    Seit 1964 wird steuerlich Sex als Dienstleistung betrachtet.

    Die Elite des Bundesfinanzhofs, die dirnenhalber zum erstenmal in diesem Jahr zusammentrat, dekretierte: Einkünfte aus gewerbsmäßiger Unzucht sind "sonstige Einkünfte" gemäß Paragraph 22 Ziffer 3 Einkommensteuergesetz.

    Zwar könnten die auf einem Liebesverhältnis beruhenden intimen Beziehungen bei keinem der Partner als "Leistung" im steuerlichen Sinn aufgefaßt werden, philosophierte der Große Senat. Wenn jedoch der Geschlechtsverkehr lediglich "wegen des zu erwartenden Entgelts angeboten und ausgeübt" werde, liege kein steuerlich unerhebliches Verhalten im Rahmen des persönlichen Lebensbereichs vor, sondern eine Leistung im Sinne des Gesetzes.
    (fand den Text von 1964 allein wegen der Benutzung des Wortes "Dirne" literarisch wertvoll und irritierend, wie noch vor 50 Jahren gesprochen wurde).

    2002 konnte erstmals eine Prostituierte ihr Gehalt einklagen, daraufhin folgte die Anerkennung als Beruf und damit die "Legalisierung". Was Frauenhäuser befürworten ist die daraus resultierende Selbständigkeit und damit auch die Weisungsungebundenheit an z.B. einen Freier und die Möglichkeit sich Sozial- und Krankenversichern zu lassen.

    2002: Prostitution wird als Beruf anerkannt
    Seit Mitte der 90er Jahre setzte ein Umdenken im Umgang mit der Prostitution ein. Im Jahr 1995 gelang es einer Prostituierten erstmals, das verabredete Honorar von einem Freier, der nicht zahlen wollte, gerichtlich einzuklagen. Mit dem Urteil pflichtete das Gericht der Prostituierten bei, dass Prostitution ein Rechtsgeschäft ist, bei dem man seinen Lohn notfalls auch einklagen kann. Prostitution war nach dessen Ansicht also nicht sittenwidrig. Hurenrechtler, wie sich die Anwälte der Prostituierten selber nannten, und Prostituiertenverbände sahen sich ihrem Ziel einen ersten Schritt näher: der Anerkennung von Sexarbeit als Beruf.

    Zum 1. Januar 2002 zog die Bundespolitik nach: Das "Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Prostituierten", kurz Prostitutionsgesetz, trat in Kraft. Rein theoretisch ist die Prostitution seitdem als legale Erwerbstätigkeit anerkannt: Prostituierte können sich nun zum Beispiel als Selbstständige bei den Behörden anmelden und sozialversichern. Eine Prostituierte untersteht darüber hinaus nicht dem Weisungsrecht ihres Arbeitgebers, das heißt, dass sie laut Gesetz selbst entscheiden darf, ob sie gewisse Kunden oder Sexualpraktiken ablehnt.
    Geändert von _Farmelli (11.06.2013 um 02:51 Uhr)

  3. Avatar von Kraaf
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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    Gleichfalls in der Dokumentation genannte Fakten:

    Es werden ca. 1,2 Millionen Freier täglich bedient.

    2/3 aller Prostituierten sind nichtdeutsche Frauen, viele aus Osteuropa. Armutsprostituion. Von dem verbleibenden Drittel dürfte die Hälfte gleichfalls darunter fallen.

    Deutschland ist europaweit längst das Sextourismusland Nummer 1. Gemeint sind damit nicht etwa deutsche Männer, die nach Thailand fliegen, sondern Männer, die aus ganz Europa, mitunter auch darüber hinaus, einen Sextripp nach Deutschland unternehmen. Hier geht ganz legal das, was in fast allen Nachbarländern illegal ist.

    Und es geht zu Dumpingpreisen. Ab 30,- ist Mann dabei.

    Die wenigsten Prostituierten sind sozial abgesichert. Sondern (schein-)selbstständig.

    Das Prostitutionsgleichstellungsgesetz war damals sicherlich richtig und wichtig. Heute fördert es die Prostitution und zwar so, wie sie auch real ist. Mit ihren ganzen hässlichen Schattenseiten.

    Heute profitieren von dem Gesetz vorrangig Bordellbetreiber. Was einst Zuhälterei war, ist nun das legale Füllhorn zum Geld scheffeln.

    Und wer noch profitiert, ist - der Staat über die Steuereinnahmen und zwischenzeitlich greifen auch viele Kommunen saftige "Vergnügungssteuern ab. Bei den Prostituierten, nicht bei den Freiern. Es ist Sache der Prostituierten, auch diese Zusatzkosten auf den Freier abzuwälzen. Real bedeutet das eben einen oder zwei Freier täglich mehr. Auch der Staat lässt anschaffen.

    Und noch das Zitat eines ehrlich und richtig nett wirkenden Freiers: "Flatrate-Bordelle finde ich gut, da habe ich nicht das Gefühl, über den Tisch gezogen und ausgebeutet zu werden."
    .
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    Geändert von Kraaf (11.06.2013 um 08:44 Uhr)


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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    Wirklich widerlich!

  5. Avatar von --martha--
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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    Im Spiegel war vor zwei oder drei Wochen eine Titelreportage zum Thema. Dort wurde - unter anderem - das schwedische Modell vorgestellt: volle Strafbarkeit für den Freier. Dem Bereicht zu Folge klappt dieses Konzept ziemlich gut und die Schweden gehen halt in Deutschland in den Puff.

    Mich erstauen die Zahlen über die Anzahl der Prosituierten, Bordelle und Kunden doch immer wieder sehr. Es geht doch kein Mann hin und für die Frauen, die ihre Männer dabei erwischen, brechen regelmäßig Welten zusammen. Das zeigt doch m. E., dass das Gesetzesziel der Legalisierung und damit Normalisierung vollkommen mißglückt ist. Die Situation der Prostituierten ist bis auf Ausnahmen wirtschaftlich extrem schlecht. Es ist kaum ein Herauskommen aus der Szene möglich. Weder die Person noch der Beruf haben das geringste Ansehen, noch nicht mal Respekt. Und der Gipfel ist der Handel mit den Frauen - von dem die Freier natürlich nichts wissen und ahnen.

    Ja, und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann, der Respekt vor Frauen hat, Sex kauft. Genau in dieser Allgemeinheit glaube ich das. Daher ist die Verbindung zum Frauenbild in der Gesellschaft und zum Thema Emanzipation für mich ganz deutlich gegeben.

    Da ist m. E. das schwedische Modell doch zu bevorzugen, weil des den Respekt vor den Frauen in den Vordergrund stellt. .

  6. Avatar von Kraaf
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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    In Frankreich steht es ja wohl auch an.

    Folge: die kommenden Edelgroßbordelle sind schon geplant bzw. stehen kurz vor ihrer Fertigstellung. Im Saarland für den Einzugsbereich Frankreich und Benelux. In Schleswig-Holstein für Skandinavien. Sextourismus nach Deutschland.
    .
    .
    .

  7. Avatar von VanDyck
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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    Zitat Zitat von --martha-- Beitrag anzeigen
    Im Spiegel war vor zwei oder drei Wochen eine Titelreportage zum Thema. Dort wurde - unter anderem - das schwedische Modell vorgestellt: volle Strafbarkeit für den Freier. Dem Bereicht zu Folge klappt dieses Konzept ziemlich gut und die Schweden gehen halt in Deutschland in den Puff.
    Ich glaube kaum, dass es eine relevante Anzahl von ehemals schwedischen Puffgängern nunmehr ein paar Mal im Jahr nach Deutschland zieht.
    Dafür sind die Entfernungen für die meisten Schweden von dort nach Deutschland viel zu groß, bzw. der zeitliche Aufwand ist einfach zu groß und/oder die (mehrmaligen) Reisen nach Deutschland würden zu viel Geld kosten in der Summe.

    Da ist m. E. das schwedische Modell doch zu bevorzugen, weil des den Respekt vor den Frauen in den Vordergrund stellt.
    Zustimmung!
    Voraussichtlich werden wir in Deutschland auf ein solches (ähnliches) Gesetz leider noch ne kleine Weile warten müssen.

    Vandyck
    Es gibt so viele schöne Momente im Leben; ich sollte mich entspannen,
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  8. Avatar von Kraaf
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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    Zitat Zitat von VanDyck Beitrag anzeigen
    Ich glaube kaum, dass es eine relevante Anzahl von ehemals schwedischen Puffgängern nunmehr ein paar Mal im Jahr nach Deutschland zieht.
    Dafür sind die Entfernungen für die meisten Schweden von dort nach Deutschland viel zu groß, bzw. der zeitliche Aufwand ist einfach zu groß und/oder die (mehrmaligen) Reisen nach Deutschland würden zu viel Geld kosten in der Summe.
    In Stuttgart und Berlin kannst du das heute schon beobachten. Männliche Sextouristen, die gezielt wegen der Bordelle einfliegen.
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  9. Avatar von VanDyck
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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    Zitat Zitat von Kraaf Beitrag anzeigen
    In Stuttgart und Berlin kannst du das heute schon beobachten. Männliche Sextouristen, die gezielt wegen der Bordelle einfliegen.
    Einigen wir uns doch auf folgendes:
    seit es das diesbzgl. Gesetz in Schweden gibt, ist die Anzahl männlicher schwedischer Puffgänger (deutlich) zurückgegangen.
    Oder anders rum: ein Grund mehr, solch ein Gesetz auch in Deutschland zu verabschieden.

    VanDyck
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  10. Avatar von Opelius
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    AW: Angebot und Nachfrage: Sex (made in Germany)

    In dem erwähnten Spiegelartikel wird ausgeführt, dass es nur einer Meldung an die Behörden bedarf, um ein neues Bordell auf dem Lande zu eröffnen. Nur in den großen Städten bedarf es der Genehmigung und der Prüfung, um ein ordentliches Bordell zu eröffnen. In den Großstädten werden alle Neugründungen als Privatclub etabliert und entgehen damit einer Überwachung.
    Bei der Neugründung eines Chalets auf dem Lande, weiß dann nur der Landrat, es gibt ein neues. Prüfungen finden nicht statt. Die Mädchen aus Osteuropa werden regelmäßig von einem Bordell ins andere gekarrt, sodass den Freiern Woche für Woche "Frischfleisch" zur Verfügung steht.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

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