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  1. Avatar von Marta-Agata
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Bei den sozialen Berufen (Pflege, Erzieherin) denke ich öfter, das liegt daran, dass immernoch die Tradition mitschwingt, dass das "eigentlich" Nonnen "für Gotteslohn" bzw. "für die gute Sache und einen Appel und ein Ei" machen.

  2. Avatar von Opelius
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Naja, Gotteslohn! ?
    Diese unverheirateten Frauen mit keiner Chance auf dem Heiratsmarkt wegen fehlender Mitgift gewährte man zumindest trockene Unterkunft, Essen, Schutz, Ausbildung und lebenslange Versorgung. Das war für damalige Zeiten nicht gerade wenig.
    Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel

  3. Avatar von Marta-Agata
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Das mag ja sein, dass das vor langer Zeit mal ein stimmiges Konzept war.

    Aber das Umdenken hat doch langsam eingesetzt - wenn z.B. von Gemeindeschwestern noch vor 20 Jahren berichtet wird, die in einem Zimmerchen mit Ofenheizung wohnten und sich von ihrem Geld kaum ein Paar Strümpfe leisten konnten.

    Es ist noch nicht in unseren Köpfen angekommen, dass man von so einem Gehalt leben und ggf. auch andere ernähren können muss, wenn die (meist) Frauen arbeiten wie andere auch.

  4. Avatar von Opelius
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Zitat Zitat von Marta-Agata Beitrag anzeigen
    Das mag ja sein, dass das vor langer Zeit mal ein stimmiges Konzept war.

    Aber das Umdenken hat doch langsam eingesetzt - wenn z.B. von Gemeindeschwestern noch vor 20 Jahren berichtet wird, die in einem Zimmerchen mit Ofenheizung wohnten und sich von ihrem Geld kaum ein Paar Strümpfe leisten konnten.

    Es ist noch nicht in unseren Köpfen angekommen, dass man von so einem Gehalt leben und ggf. auch andere ernähren können muss, wenn die (meist) Frauen arbeiten wie andere auch.
    Ich dachte das von den Diakonissen auch immer, kein Geld, ärmliches Leben. Bis ich von der Leitung eines Diakonissenmutterhaus gezeigt bekam, was sie ihren Schwestern, die außerhalb der Anstalt wohnen, finanzieren: die Wohnung und Energiekosten, Essengeld, Bekleidung und ein Taschengeld, einen kompletten 14tägigen Urlaub in Deutschland oder angrenzendem Ausland. So mies war das auch nicht.

    Ich denke, eines der Hauptprobleme liegt daran, dass Frauen sich so gut wie nie organisieren. Selbst Krankenschwestern sind bestenfalls in ihrem Berufsverband, aber nie in einer Gewerkschaft. Die kostet Geld (nicht zu knapp) und engagieren muss frau sich da auch, sonst passiert gar nichts.
    Als ich mit 17 in die Lehre kam, eröffnete mir mein Steiger( mein Chef, der eigentlich Gewerkschaft als Gegner hat) dass Bergleute in Gewerkschaft zu gehen haben. Das tat ich auch. Meinen Freunden in anderen technischen Berufen erging es nicht anders.

    Ich habe noch nie gehört, dass angehende Krankenschwestern, Altenpflegerinnen oder Heilerziehungspflegerinnen von irgendwem dazu aufgefordert wurden. Sei brav und lächle freundlich, dann geht es Dir gut.
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  5. Registriert seit
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Ich war jahrelang in der Gewerkschaft tätig und das in einem "Frauenberuf" und kann leider nur bestätigen was Opelius schreibt.Es war schwierig genug sich zu engagieren weil man die dazu benötigte Zeit ja aus der Freizeit abzwacken mußte und oft nicht so agieren konnte wie man wollte.
    Die Blauäugigkeit der Kolleginnen war erstaunlich;sobald es um Dinge ging die Anstrengung und offenes Eintreten für gemeinsame Interessen benötigte war der überwiegene Teil der Kolleginnen sehr rasch weg.
    Ausserdem kam immer der Einwand dass man ja "für eine Frau" sehr gut verdienen würde.Was wenig bis gar nichts damit zu tun hatte dass die Ausbildung ja ein höheres Gehalt rechtfertigen würde.
    Ich sehe auch in der Jetztzeit immer wieder dass dieser Job ja wohl auch von Unausgebildeten ausgeführt werden könnte.Diese Einwände kommen fast ausschliesslich aus den Reihen der Frauen und gerade von jenen die sich wundern warum Frau so wenig verdient...Ich war Kindergartenpädagogin,Vollzeit(40Stunden)und hab den Beruf mal gewählt weil er ganz gut bezahlt war,jedenfalls wesentlich besser als die Kolleginnen jetzt besoldet werden.

  6. Avatar von Fourthhandaccount
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Naja, Gotteslohn! ?
    Diese unverheirateten Frauen mit keiner Chance auf dem Heiratsmarkt wegen fehlender Mitgift gewährte man zumindest trockene Unterkunft, Essen, Schutz, Ausbildung und lebenslange Versorgung. Das war für damalige Zeiten nicht gerade wenig.
    Trocken? Versorgung? Ausbildung (wie bitte?)? Da solltest Du aber noch einmal ein wenig forschen. Es waren übrigens häufig keine Mitgiftlosen, ihre Väter kauften sie ein, um sie loszuwerden. Und die Nonnen ließen sie spüren, wie sehr sie sie verachteten. Sie waren nichts als Dienstmädchen. Und so nett der Begriff heute klingen mag, Fußabtreter trifft es eher.
    Weiterhin wurden unliebsame Ehefrauen ins Kloster abgeschoben. Das galt nicht der Versorgung schutzbedürftiger Frauen, das war eine Erfindung der Männer, um Töchter, Schwestern und Ehefrauen loszuwerden.

    Du vermischst hier eine Zeit, in der die Mitgift noch von Belang war, mit der Gegenwart, in der die Zimmer der Nonnen vermutlich auch eher trocken und geheizt sind.
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    Kein Wunder, dass er in der Anstalt landete ...
    Geändert von Fourthhandaccount (28.05.2013 um 20:17 Uhr)

  7. Avatar von Opelius
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Fouthhandaccount;
    ich möchte hier in diesem Strang nicht die Not und Situation von Nonnen diskutieren. Es geht in diesem Strang um die Nichtachtung von typischen Frauenberufen.
    Nur eines habe ich aus der Literatur gelernt: Klöster waren jahrhundertelang die Bibliotheken des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Ohne die Arbeit der Mönche und Nonnen hätten wir wahrscheinlich nicht die geringste Kenntnis der griechischen Literaten und keine Geschichte der Medizin.
    Es gab bis in das 19. Jahrhundert so gut wie keine Frauenberufe, außer Wäscherin, Magd und ungelernte Industriearbeiterin.
    Theodor Fliedner gründete 1836 die Kaiserwerther Schwesternschaft. Diese jungen evangelischen Frauen wurden zu Krankenschwestern ausgebildet, ihre Tracht ähnelte der Mode einer verheirateten Frau. Es war der Beginn der professionellen Ausbildung für Frauen.
    Dies geschah genau zu dem Zeitpunkt, als die Tochter reicher Eltern, Florence Nightingale, die moderne westliche Krankenpflege und einflussreiche Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge in Großbritannien und Britisch-Indien begründete. Sie trug wesentlich dazu bei, dass sich die Krankenpflege zu einem gesellschaftlich geachteten und anerkannten Berufsweg für Frauen entwickelte und legte Ausbildungsstandards fest, die zuerst in der von ihr gegründeten Krankenpflegeschule umgesetzt wurden.
    Und die Vorläufer zu diesem modernen Beruf waren die Krankenpflegorden des Mittelalters.
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  8. Avatar von Brausepaul
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    Ranking: Das sind die angesehensten Berufe 2012

    Dass sich allerdings das Einkommensniveau nicht an dem Ranking wiederspiegelt, hat eine sehr lange Tradition. Auch Müllmänner genießen ein hohes Image, bekommen trotzdem kein gutes Gehalt. Aber seit den großen Streiks der Müllabfuhr in den 70er Jahren weiß jeder, dass man eher auch Banker und Rechtsanwälte verzichten kann als auf Müllmänner.
    Sehr richtig.
    Die Umfrage zeigt ja auch sehr deutlich, dass Tätigkeiten im sozialen Bereich (primär durch Frauen abgedeckt) mittlerweile ein deutlich höheres Ansehen haben, als hochdotierte Berufe.
    Ich denke das wird zukünftig eher noch zunehmen.
    Das dürfte unter anderem daran liegen, dass diese Raffke-Mentalität einiger Berufszweige in breiten Schichen der Bevölkerung keine Akzeptanz mehr findet.
    Ausserdem ist grade das Thema Pflege etwas, dass immer mehr Menschen betrifft.
    Ich glaube grade Menschen, die im sozialen Bereich tätig sind, neigen eher dazu ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Daher vielleicht auch die Ansicht, dass typische Frauenberufe so wenig angesehen sind.
    Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht.
    Du wirst auf jeden Fall recht behalten.

    - Henry Ford -

  9. Avatar von Fourthhandaccount
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Auch hier, die mitgiftbestimmten Klöster des Mittelalters und eine Florence Nightingale, die Jahrhunderte später ein Schule für Krankenschwestern eröffnet - zwei unterschiedliche Themen.

    Frauen waren im Mittelalter und sogar in der Antike sehr wohl erwerbstätig. Verwaltet wurde dies meist über den Mann, so dass sie in den Aufzeichnungen nicht bis selten vorkommen. Dennoch gibt es hierzu interessante Untersuchungen, die belegen, dass dies gerade in den Zunftstädten die Regel, und nicht die Ausnahme war. Dort war es Witwen auch "erlaubt", die Geschäfte fortzuführen. Weiterhin war es üblich, dies scheint sich nicht geändert zu haben, als Frau eines Selbstständigen automatisch in die Geschäftstätigkeit eingebunden zu werden. Natürlich ohne Bezahlung.
    Und bitte, nicht die Hebammen vergessen. Kräuterfrauen, es gab Baderinnen, Prostituierte. Aber auch in der Antike schon Ärztinnen. Kindermädchen, Gesellschaftsdamen, Hausmädchen.
    Die Arche wurde von Laien gebaut, die Titanic von Fachleuten | Unbekannt

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  10. Avatar von Opelius
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    AW: "Frauenberufe" - warum so wenig angesehen ?!

    Zitat Zitat von Fourthhandaccount Beitrag anzeigen
    Auch hier, die mitgiftbestimmten Klöster des Mittelalters und eine Florence Nightingale, die Jahrhunderte später ein Schule für Krankenschwestern eröffnet - zwei unterschiedliche Themen.

    Frauen waren im Mittelalter und sogar in der Antike sehr wohl erwerbstätig. Verwaltet wurde dies meist über den Mann, so dass sie in den Aufzeichnungen nicht bis selten vorkommen. Dennoch gibt es hierzu interessante Untersuchungen, die belegen, dass dies gerade in den Zunftstädten die Regel, und nicht die Ausnahme war. Dort war es Witwen auch "erlaubt", die Geschäfte fortzuführen. Weiterhin war es üblich, dies scheint sich nicht geändert zu haben, als Frau eines Selbstständigen automatisch in die Geschäftstätigkeit eingebunden zu werden. Natürlich ohne Bezahlung.
    Und bitte, nicht die Hebammen vergessen. Kräuterfrauen, es gab Baderinnen, Prostituierte. Aber auch in der Antike schon Ärztinnen. Kindermädchen, Gesellschaftsdamen, Hausmädchen.
    Okay, Du weißt mehr.
    Aber es auch keine Erklärung dafür, dass die Strangeröffnerin das Gefühl hat, dass Frauenberufe nicht geachtet seien.
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