Antworten
Ergebnis 1 bis 7 von 7
  1. User Info Menu

    Onkologe - erwarte ich zuviel von meinem Arzt?

    Hallo zusammen,
    ich muss gerade mal Luft ablassen, vielleicht könnt ihr mir helfen.
    Ich bin 50 Jahre alt und bei mir wurde letzten Dezember ein bösartiger Tumor an der Ohrspeicheldrüse festgestellt. Leider bereits in LK und Leber gestreut.
    Behandlung erfolgte im Bundeswehr-KH in Ulm, erst 3x Chemo mit Carboplatin und Taxol. Abbruch, nachdem die Metas in der Leber größer statt kleiner wurden.
    Dann 3x Chemo mit Docetaxel und Herceptin als AK. Erfolg: es wurde alles schlagartig kleiner.

    Da die Kasse die Chemo nur ambulant bezahlt, Wechsel in eine onkol. Tagesklinik.

    Soweit so gut. Ich muss aber für alles, was von der reinen Chemogabe abweicht, nachfragen. Wäre ein CT nicht mal wieder fällig? Gut, wir machen einen Termin. Ähnlich bei der Frage nach kardiologischer ÜBerwachung der AK-Therapie.

    Im letzten PET-CT wurde dann Ende Juli eine verdächtige Stelle im Rachen gefunden, die nächste Woche biopsiert wird. Diesen Befund habe ich nur durch Zufall in der Kopie der Arztberichte gefunden. Gesprochen hat darüber keiner mit mir. Es hiess nur, Termin in der HNO machen. Auf Rückfrage beim Urlaubs-Vertretungsarzt kam die Antwort: ist nur zur Kontrolle. Gut, ich war zwischenzeitlich auch 3 Wochen im Urlaub. Aber hätte ich um die Dringlichkeit gewusst, auch aus dem Urlaub einen Termin im KH gemacht.

    Das Fass zum Überlaufen hat es heute gegeben: Anruf des Onkologen und er macht mich zur Sau, dass ich mich mehr um meine Termine und Berichte aus dem KH kümmern muss, weil er den neuen Antrag für AK stellen muss. O-Ton: Der Patient muss mitarbeiten, sonst gehts nicht.

    Ich als Krebspatient muss mich um Behandlungstermine kümmern und darum, dass Berichte zeitnah gestellt werden? Wäre das nichts eine Aufgabe als Facharzt? Ich habe dann nochmals angerufen und um ein persönliches Gespräch geben. Antwort der Sprechstundenhilfe: Nach Rückfrage mit Hr. Doktor hat er ihnen doch schon alles gesagt, kümmern sie sich im KH um die Berichte.
    Wir haben soviele Patienten, da können wir die Termine nicht für unsere Patienten machen. Nur wenn diese alt, gebrechlich oder der dt. Sprache nicht mächtig sind.

    Ist das normal, dass der Patient sich um alles kümmern muss und der Doc macht nur den Schreibkram?
    Ich bin momentan echt soweit, mir eine andere Praxis zu suchen. Auch wenn ich dafür doppelt so weit fahren muss.
    Sorry, aber ich bin gerade so auf 180, musste mal alles raus.

    Wie ist das bei euch mit ambulanten Behandlungen? Beschränkt sich das auch auf Chemo/AK rein und fertig?

    Danke vorab und viele Grüße aus dem Schwabenlande.
    Heike

  2. VIP

    User Info Menu

    AW: Onkologe - erwarte ich zuviel von meinem Arzt?

    Ich habe es im Umfeld anders erlebt.
    Termine aszumachen obliegt schon eher den Patienten, soweit ihn die behandelnden Onokolog:innen das zutrauen, aber es gab bei meinem Mann oder bei Freunden schon insgesamt mehr Kommunikation mit den Erkrankten und auch z. B. mit den Chirurg:innen im Krankenhaus.

    Mein Mann hatte seine präoperative Chemo in einer Uniklinik, die Abteilung arbeitete eng mit der onkologischen Chirugie zusammen.
    Mehrere Freundinnen und Freunde waren aber auch in den onkologischen Praxen/Versorgungszentren gut aufgehoben.

    Bei einer Freundin mit nacheinander mehreren Krebserkrankungen kommunizierten die Ärzt.innen des onkologischen MVZ mit ihr und mit der Hausärztin.
    Bei einem Freund hat sich seine Onkologin mit den Chirurg:innen kurzgeschlossen und sie haben auch gemeinsam über neue und zusätzliche Optionen verhandelt.

    Allerdings wollten auch in allen Fällen die Behandelnden in den Krankenhäusern von sich aus einen intensiven Kontakt mit den onkologischen Zentren.

    Und bei uns hier gibt es 2 medizinische Fakultäten mit 2 Uniklinika, eine relativ große Zahl an Krankenhäusern mit Spezialisierung, großem Behandlungsangebot und starker Vernetzung, das Tumorzentrum und eine Reihe onkologischer Versorgungszentren, deren Fachärzt:innen auch in den Arbeitsgruppen des Tumorzentrums engagiert sind - genauso wie teils die Ärzt:innen in den Krankenhäusern. Kurz: ein starkes Angebot und man kennt sich.
    Vielleicht macht das was aus.

    Für mich klingt es so, als hättest du Pech mit deiner onkologischen Praxis, wobei die einzelnen Behandlungen schon so ausgelegt sind: Ankommen Blutabnahme, Line in den Port ... Aber über das Fachpersonal war es in meinem Umfeld schon möglich, die Ärzt:innen zu erreichen und die waren auch gesprächsbereit.

    Kannst du vielleicht wechseln? In ein MVZ mit mehr als 2 oder 3 Onkolog:innen? Ich glaube, dass bei nur 2 Ärzt:innen oder so der Zeitdruck immens ist. Die müssen soviel Verwaltung nebenbei machen. Bei mehr Leuten verteilen sich die Lasten etwas besser.

    Ich wünsch dir alles Gute!

    PS: Hast du dich mal erkundigt, ob es vielleicht eine Studie gibt, in die du passen könntest? Da sind regelmäßige Kontrollen vorgegeben und du musst dich nicht drum kümmern.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  3. Moderation

    User Info Menu

    AW: Onkologe - erwarte ich zuviel von meinem Arzt?

    Muffin, große Kliniken sind große Gewirre von Expertise und Chaos, untrennbar miteinander verwoben. Ich habe mich immer an "das Haus, das Verrückte macht" aus "Asterix erobert Rom" erinnert gefühlt. In Arztbriefen hab ich Sachen gefunden, die mir angeblich gesagt worden waren, da hätte ich an meinem Verstand gezweifelt, wenn ich mir die Zeit dazu genommen hätte. (Zum Glück arbeite ich in einem großen Unternehmen und hab da auch schon viel gesehen.)

    Niemand hat so viel Interesse daran wie du, daß dein Kram in Ordnung ist, daß alle Papiere beisammen sind, daß jede Untersuchung stattfindet, daß jeder Spur gefolgt wird. Verwaltung ist nicht die Kernkompetenz von Ärzten, und nicht jeder kann gut kommunizieren.

    Und *weil* niemand so viel Interesse daran hat, daß dein Kram gemacht wird, wie du: Mach ihn. Lauf allen Papieren nach, les alles, nerve ganz höflich die Leute bis sie antworten. Mach bei der Qualitätssicherung der Klinik einen Vorschlag, daß ein Patientenlotse doch den fünf Leuten, die der Patient nerven muß ehe er eine Antwort kriegt, viel verschwendete Arbeitszeit ersparen würde. Eine Website wie "washabich" kann dir erklären, was in einem Arztbrief steht. Die 116117 oder die unabhängige Patientenberatung oder deine Krankenkasse können dir möglicherweise bei spezifischen Fragen von "wo geh ich hin, um..." helfen.

    Du kannst mal fragen (beim Onkologen, bei der Anmeldung, oder beim Pförtner), ob es so was wie einen Patientenlotsen gibt. Psychoonkologen können hilfreich sein, weil sie den Betrieb kennen. Vielleicht gibt es eine Selbsthilfegruppe, die dir hilft, den Überblick zu behalten und nichts zu übersehen. In Einzelfällen kann eine Privatsprechstunde mit dem Onkologen sinnvoll sein, wenn man mal in Ruhe Nachfragen und Erklärungen kriegen will, aber das ist ein teurer Spaß. Die blauen Ratgeber zu lesen ist fast immer die Mühe wert, und auch die Leitlinien -- wenn man es abkann, sie zu lesen -- sind gut darin, eine Idee zu kriegen, was abgeht.

    Ich hatte für jedes Arztgespräch meinen Vorbereitungsbogen, wo von "Mit wem spreche ich" über "Was brauchen Sie von mir", und "was ist der nächste Schritt" alles drinstand, was ich wissen wollte, und gleich auf einem Extrablatt das, was schon gelaufen war, falls der Arzt ein Handout brauchte. Und trotzdem denke ich "das hätte besser laufen können."

    Alles Gute!
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  4. User Info Menu

    AW: Onkologe - erwarte ich zuviel von meinem Arzt?

    Ich danke euch für die Antworten.
    Mein Problem liegt nicht bei der Klinik, die sind top. Ich denke seit gestern eher, das der ambulante onkologe völlig überlastet ist und alles auf den Patienten abwälzt, was geht.

    Neueste aussage: ich muss dafür sorgen, dass er nach der Biopsie nächste Woche schnellstens alle Unterlagen für die Beantragung des neuen ak bekommt. Ist doch gar nicht Gesagt, dass es was neues braucht.

    Ich werde jetzt einen Schritt nach dem anderen machen und wohl doch die Praxis wechseln.

    Studie zu meiner Erkrankung gibt's nicht. Die onko im bwk hat gerade mal 3 gleich gelagerte Fälle in der Fachliteratur in den letzten 6 Jahren gefunden. Also mega selten.

    Ich war noch nie krank und habe gedacht der Arzt kümmert sich um mich, nicht anders herum. War wohl ein Irrtum

  5. VIP

    User Info Menu

    AW: Onkologe - erwarte ich zuviel von meinem Arzt?

    Ich kenne natürlich die individuellen Gegebenheiten bei dir nicht, und auch nicht die Ein-/Ausschlusskriterien, aber: aktuell wurde oder wird eine Studie initiiert zu fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren, die an 10 Standorten durchgeführt werden soll.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  6. User Info Menu

    AW: Onkologe - erwarte ich zuviel von meinem Arzt?

    Wenn du unzufrieden bist, Arzt wechseln. Man sollte sich schon gut aufgehoben fühlen, als Krebspatient um so mehr. Allerdings erschließt sich mir nicht, warum du die Chemo nicht im Krankenhaus weitermachen konntest? Ich hatte Brustkrebs, die Chemo war ebenfalls ambulant und wurde im Krankenhaus durchgeführt.

    Dass der Patient sich um Termine und Berichte selber kümmert, finde ich aber normal und denke, da erwartest du zu viel.

  7. User Info Menu

    AW: Onkologe - erwarte ich zuviel von meinem Arzt?

    Zitat Zitat von Sandra71 Beitrag anzeigen
    Wenn du unzufrieden bist, Arzt wechseln. Man sollte sich schon gut aufgehoben fühlen, als Krebspatient um so mehr. Allerdings erschließt sich mir nicht, warum du die Chemo nicht im Krankenhaus weitermachen konntest? Ich hatte Brustkrebs, die Chemo war ebenfalls ambulant und wurde im Krankenhaus durchgeführt.

    Dass der Patient sich um Termine und Berichte selber kümmert, finde ich aber normal und denke, da erwartest du zu viel.
    Das Bundeswehrkrankenhaus darf wohl keine ambulante chemo machen. So deren Aussage.
    Ich hab ja auch kein Problem damit. Und ich mach auch meine Termine selbst, wenn ich weiss, das ich das tun soll. Wurde aber nicht kommuniziert.
    Ich hab heute einen Termin im kh und werde dort die Thematik ansprechen.
    Danke an alle fürs Feedback.

Antworten

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •