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  1. Inaktiver User

    Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Gleich vorab, nein ich bin nicht zurück, bzw eigentlich doch, aber nur ganz kurz weil ich ein paar “Angelegenheiten” hier zu klären hatte. Ich bin aber auch schon wieder so gut wie weg, und diesmal auf immer. Die Bri ist und wird nicht mehr Teil von meinem Leben sein.
    Dennoch möchte ich nicht einfach nur hier raushuschen, ohne ein Wort zu sagen. Es haben in den letzten Wochen/Monaten einige liebe Menschen nach uns gefragt und es tut mir echt leid, dass ich nicht geantwortet habe. Ich weiss, dass so einige an uns denken und uns lieb gesinnt sind, ich möchte aber nicht immer erzählen wo es nichts zu erzählen gibt und es oft einfach nur frustrierend ist. Daher jetzt einen kurzen (Abschieds)Gruss und Statusbericht.

    Wobei es eigentlich nicht viel zu sagen gibt. Das Wichtigste, mein (nicht mehr ganz so) kleiner Sohn ist gesund und fit. Ansonsten ist unser Leben seit März so ziemlich eingefroren. Wir sind immer noch in Isolation, dies seit dem 11. März .
    Ich möchte und werde mich hier nicht dafür rechtfertigen. Da ihr alle ja auch 5 Wochen mehr oder weniger intensive Isolation erleben durftet, könnt ihr ja sicher nachempfinden, dass das kein Spass ist. 5 Monate sind eine lange Zeit und ein Ende ist nicht in Sicht. Wir würden so gerne mal wieder unter Menschen gehen, uns in der Sonne auf eine Terrasse setzen und eine Cola trinken, Freunde treffen. Ganz kleine Freuden würden schon ausreichen.
    Aber all das ist nicht drin, mein Sohn ist und bleibt Hochrisikopatient und das auf mehreren Ebenen (Immunsystem, Lungen- und Nierenproblematik) und wir haben nicht jahrelang gekämpft um nun Lotto mit seinem Leben zu spielen. Immer wieder bekommen wir gutgemeinte (für mich blöde) Ratschläge und Meinungen zu hören, à la Corona ist doch gar nicht so schlimm und wir übertreiben nur. Mittlerweile lassen sie mich kalt, Menschen die mit so was kommen, haben noch nie um das Leben ihres Kindes gekämpft und gezittert, haben noch nie diese Angst vor dem Unvorstellbarem gekannt.

    Es geht uns mal mehr und mal weniger gut mit/in unserer Isolation, wir sind als Familie und auch einzeln durch alle Auf und Abs durch die man sich vorstellen kann. Dennoch kommt aus jedem Durchhänger etwas Konstruktives und Positives heraus und sind wir auch an dieser Situation nochmal gewachsen und auch zusammengewachsen.

    Unsere ganz extreme Anfangsisolation haben wir gelockert, wir gehen nun raus, spazieren, Roller und Rad fahren, in den Wald, fernab von Menschen, meine beiden älteren Kinder dürfen sich mit jeweils 2 Freunden treffen, mit Vorsichtsmassnahmen, alle Kinder dürfen so oft sie wollen zum Papa, wir treffen uns auch mit meinem Freund und seinen Kindern. Und wir waren eine Woche in Urlaub, auch dort abgekanzelt von anderen Leuten, aber dort konnten und haben wir so viel gemacht, auch ganz extreme Erfahrungen die alle Entbehrungen der letzten Monate etwas wett gemacht haben, und uns Kraft zum Weiterausharren Zuhause gegeben. Nach all den Monaten vorher war es einfach Aufatmen und Freiheit pur.
    Trotz diesen Lockerungen bleiben aber sehr viele und sehr extreme Restriktionen, meine Kinder waren seit März nicht mehr in der Schule und ich nicht mehr auf der Arbeit, und dies wird sich auch nun im Herbst noch nicht ändern, mein kleiner Sohn hat seit März nicht mehr mit anderen Kindern gespielt, ausser virtuell, ich war seit März nicht mehr einkaufen, nur online und im Urlaub wo online nicht ging, habe meinen Papa seit März nur 2 Mal gesehen und eben so lange keine Zweisamkeit mit meinem Freund gehabt, wir halten auch im Haus (am Tisch, auf dem Sofa) so gut wie möglich Abstand nach Tagen an denen wir Kontakt zur Aussenwelt hatten, alles was ins Haus kommt wird desinfiziert, im Haus desinfizieren wir regelmässig Türklinken, Klospülungen, Lichtschalter und lüften viel, und wir halten uns so viel wie möglich draussen im Freien auf.

    Klingt vielleicht paranoid, aber wir sind auch durchaus noch normal und meine Kinder sind trotz allem (mit den verständlichen Durchhängern) fröhlich und lebensfroh. Gsd gibt es ja noch die sozialen Medien, denen wird hier viel zu viel nachgehangen, aber verdenken kann ich es den Kindern nicht und bremsen tue ich sie auch nicht, es ist ihr einziger normaler und freier Kontakt zu ihren Altersgenossen. Mein Kleinster ist der absolute Ipad-Junkie geworden, aber Onlinespiele sind sein einziger Kontakt zu seinen Freunden. Ein bisschen läuft mir der ganze Medienkonsum aus dem Ruder, aber was soll man auch permanent zu Hause während 5 Monaten tun, irgendwann wird alles langweilig und fad. Ich weiss sehr wohl dass es für die Psyche meiner Kinder besser wäre wenn sie in die Schule gehen könnten und normalen Kontakt zu ihren Freunden haben dürften. Aber momentan ist halt alles verflixt kompliziert und es ist ein verdammter Drahtseilakt die seelische Gesundheit aller Beteiligten unter diesen Vorsichtsmassnahmen aufrechtzuerhalten. Und ich bin einfach nur verdammt nervös und ängstlich, der Spagat zwischen mehr Freiheiten einräumen und vorsichtig bleiben ist extrem schwer und überfordert mich teilweise sehr.

    Ich höre schon die enttrüsteten Aufschreie was ich meinen Kindern antue und wie sehr die Geschwisterkinder durch ihren Bruder in ihrem Leben gefangen sind. Aber ob ihr mir es glaubt oder nicht, sie sind frei zum Papa zu gehen und somit auch zur Schule, der Papa hat extra seine Wohnsituation verändert, so dass sie nun auch dort länger verbleiben könnten. Aber sie wissen nur zu gut, dass kein Ende in Sicht ist und es nicht mal auf eben kurz beim Papa leben wäre. Mittlerweile wären wir nun seit 5 Monaten getrennt. Manche nennen das Pflichtbewusstsein, für mich ist es eher so, dass sie um den Wert der Familie wissen. Wir halten zusammen, seit Jahren unter widerlichsten Bedingungen, und das hat sich auch durch coronabedingte Ausnahmezustände nicht geändert. Jeder von uns fällt mal, aber wir stehen auch wieder auf und im Grunde halten wir fest zusammen.

    Krankenhausbesuche sind leider momentan sehr schwierig und angstbesetzt aber Gsd sind wir am Punkt wo wir doch recht krankenhausunabhängig klar kommen.

    Momentan werden im Wochenrhythmus auf Corona getestet (also abwechselnd immer ein Familienmitglied die Woche, der Papa alle 2 Wochen da er arbeitet), so dass wir hoffentlich recht schnell bei einem positiv reagieren können.

    Das Schlimmste ist, dass keine Ende in Sicht ist und die Zukunft total ungewiss. Unser Zielpunkt ist der Impfstoff, bis dahin müssen wir durchhalten und das Beste aus der Situation machen. Aus Arztkreisen ist uns aber schon durch die Blume gesagt worden, dass es DEN Impfstoff gegen Corona nicht geben wird, weil das Virus viel zu schnell mutiert. Dennoch wird es ein Mehr an Sicherheit sein. Die totale Sicherheit wird es nicht mehr geben, aber mit hoffentlich sinkenden Zahlen und irgendwann mit einem Impfstoff, werden auch wir langsam immer mehr loslassen können und werden wir uns anpassen lernen und irgendwann, mit regelmässigen Tests und innerfamiliären Vorsichtsmassnahmen, auch zu einer gewissen Normalität zurückfinden. Daran möchte ich glauben und das hält uns aufrecht. Bis dahin geht der Kampf weiter, wir kämpfen (mit kurzer Ruhepause über das letzte Jahr) seit 9 Jahren und irgendwie ist es immer weitergegangen und sind immer wieder bessere Zeiten gekommen. Das wird auch jetzt so sein. Ich hoffe auf die nächsten Wochen und Monate, wenn der urlaubsbedingte Boom nachlässt, die kalte Jahreszeit kommt und die Leute sich weniger treffen. Januar ist mein momentan angepeiltes Ziel für Schule, Arbeit, Normalität. Mal sehen.

    Bitte unterlasst eure negativen Kommentare, sie helfen uns nicht und ich werde ab hier sowieso nicht mehr schreiben und mich auf keine Diskussion einlassen.

    Wir grüssen ganz lieb in die Runde. Machts gut.

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    AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Alles alles Liebe und Gute für dich und deine Familie..
    wer auch immer du bist.
    Dein Post hat mich sehr bewegt...

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    smile AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Liebe Lilou,

    gerade bin ich über deinen Namen und dein Posting gestolpert. Danke für's Lebenszeichen geben.

    Ihr und der kleine-große Drachenkämpfer seid immer noch in meinen Gedanken und ich wünsche euch aus tiefstem Herzen alles, alles Gute!
    Sommer 2021 - mehr als nur nasse Füße... reinklicken und mithelfen.

    Die neue Hilfsaktion der BuntenKuh für die Opfer des Hochwassers.



    So ist das Leben, sagte der Clown mit Tränen in den Augen und malte sich ein Lächeln ins Gesicht.

  4. Moderation

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    AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Gut dass ich das zufällig gerade gesehen habe!

    Denn ich möchte dir sagen, dass ich mich freue, dass du dich gemeldet hast!

    Und ich finde, es hört sich gut an, wie ihr mit der schwierigen Situation klar kommt (und es - Stichwort Urlaub - möglich macht, trotz allem hin und wieder schöne / außergewöhnliche Dinge zu erleben).

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und drücke (uns allen und euch ganz besonders) die Daumen, dass es in absehbarer Zeit einen brauchbaren Impfstoff geben wird.

    Alles Gute und liebe Grüße (auch an deine Kinder)!
    Moderation "Kinderwunsch und Babyjahre"
    und "Unterstützter Kinderwunsch"

  5. User Info Menu

    AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Liebe Lilou,

    du bist eine wunderbare und starke Frau.
    Vielleicht kommst du ja doch noch mal wieder.

    Wenn der Impfstoff da ist und wir hier gemeinsam virtuell eine kleine Party feiern können.

    Alles Gute für dich und deine Familie und ganz viele liebe Grüße.
    Geändert von fingernagel (22.08.2020 um 16:55 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Mein grosser Sohn ist seit gestern positiv getestet.

    Und nein, ich habe ihn nicht vorsätzlich infiziert (ich habe ihn gar nicht infiziert).

    Im Gegenteil, wir haben 7 Monate im kompletten Ausnahmezustand gelebt. Haben so strikte Isolation gelebt wie sonst wohl nicht viele. Haben gelitten und uns täglich abgekämpft um den Kopf oben zu halten. Und das wurde Tag für Tag schwieriger, vor allem mit den trostlosen Aussichten.

    Und aus einer unser absolut winzig kleinen Freiheiten hat Corona es geschafft sich einzuschleichen (ja, wir wissen woher).

    Einmal Pechvogel immer Pechvogel. Das Schicksal findet immer wieder einen Weg uns eins auszuwischen.

    Ich bin angewidert vom Leben. Die ganzen 7 Monate umsonst.

    Ja, er hätte sich auch vor 7 Monaten infizieren können. Meine Überlegung damals war doch gar nicht so schlecht. Das hätte uns 7 harte Monate erspart, 7 Monate ohne Sozialleben, ohne Schule, viele finanzielle Verluste, viele schwere Momente.

    Ich bin wütend, nur wütend, und masslos enttäuscht vom Leben, das nie das hält was es verspricht. Das Glück hatte uns versprochen wiederzukommen als es uns verlassen hat. Es hat gelogen.

    Ich sehe keinen Lichtblick mehr. Ich bin so müde von allem, müde vom Kämpfen, müde vom Leben.

    Und ich habe grosse Angst. Wieder Angst um mein Kind. Meine Kinder. Es hört nie auf...

  7. User Info Menu

    AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Liebe Lilou, ich bin eher eine von den stillen Mitleserinnen, aber ich habe Eure Geschichte über eine ganze Zeit verfolgt, Deine und Eure Stärke vielfach bewundert.
    Sicherlich können andere hier viel bessere Ratschläge in der konkreten Situation geben. Aber falls heute abend gar nicht mehr so viele hier reinschauen, möchte ich Dir auf jeden Fall liebe Gedanken und Wünsche schicken!!

  8. Moderation

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    AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Lilou, Scheiße. Anders kann man das echt nicht sagen. So eine verdammte Scheiße.

    Wie geht es ihm denn? Und wo ist er?

    Und wie werden er und der Kleine isoliert? Und seid ihr anderen alle schon getestet?

    Oh Mann. Ich drücke euch ganz fest alle Daumen, dass alles gut geht!!
    Moderation "Kinderwunsch und Babyjahre"
    und "Unterstützter Kinderwunsch"

  9. Inaktiver User

    AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Reiner Funktionnalismus ist das, nicht Stärke. Und zum heulen kehre ich dann wieder dorthin zurück wo ich mich jahrelang ausgeheult habe. Nicht wirklich ein Zeichen der Stärke
    Auch nicht genug Stärke um meine Kinder dann auch effektiv zu schützen

  10. User Info Menu

    AW: Drachenkämpfer in Coronazeiten

    Liebe Lilou,
    lachen u n d weinen gehören zum Mensch- Sein und zum Leben genauso wie Sonne und Regen, Tag und Nacht.
    Das Leben ist niemals so, wie wir es uns vorstellen und wünschen..

    Ich kenne Dich und Deine/Eure Geschichte nicht.
    Doch es hört sich wirklich sehr nach anstrengendem, verzweifeltem Kampf an.

    Mein Lieblingssatz ist: (auch ich bin extremst vom Schicksal gebeutelt)

    „Wenn wir bereit sind, die Vorstellungen aufzugeben, wie unser Leben sein sollte, und uns für das öffnen, was ist, entfaltet sich eine ganz neue Welt vor unseren Augen“ von Willigis Jäger

    Diese Erfahrung wünsche ich Dir von ganzem Herzen!
    Geändert von 1a2b (24.10.2020 um 07:08 Uhr)

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