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  1. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Liebe Puggi,
    ich danke dir.
    Mein Mann hat, wie alle an Krebs Erkrankten, Angst zu sterben.
    Das Thema ist ja noch frisch und erst seit Anfang Juli in unserem Leben.

    Seitdem gehen wir durch den ganzen Gefühlsstrudel. Zu einem Gefühlsstrudel gehören auch Höhen meiner Meinung nach, die fehlen komplett.

    Heute fiel mir auf, dass mein Mann noch kein einziges Mal darauf bestand, es zu schaffen. Das macht mir Angst.

    Er zuckt nur die Schultern.

    Nicht, dass ich ihn dazu dränge.

    Ich neige ohnehin zum Bemuttern und versuche, mich zurückzunehmen. In diesem Fall ist es vielleicht wirklich eine gute Idee, erst alleine mit der Psychologin zu sprechen. Eine Stunde ist immer sehr kurz.

    Mein Mann lehnt eine psychologische Hilfe gar nicht ab, er hat im Gegenteil wenig Willen aber auch wenig Mut zur Zeit. Er geht halt mit.

    Ablenkung funktioniert bei ihm noch am besten.(Auto waschen, Geschirrspüler ausräumen, bräuchte er gar nicht.) Andererseits tut ihm jeder Zuspruch gut.

    Im Vorfeld der Erkrankung war die Depression. D.h., es gibt keine Hobbies mehr, nichts mehr, das ihn begeistern könnte. Weder ich noch andere wohlmeinende Menschen können ihn zu irgendetwas motivieren, was ihm früher wichtig war.

    Keine Ziele, keine Wünsche für die Zeit nach der Therapie, nach der OP, da ist einfach nichts mehr da.

    Das sollte ich wirklich vorher ansprechen, sonst wär die Stunde umsonst und die Chance vertan.

    Wir gehen auf jeden Fall hin.

    Danke
    LG Ivi


  2. Registriert seit
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Liebe Ivonne,

    Hm, verstehe mich nicht falsch jetzt... das Thema ist ja noch recht frisch, wie du selbst sagst.

    Vielleicht musst du deinem Mann erstmal die Chance geben, zur Besinnung zu kommen?? Weisst du, so schnell geht das oft nicht mit dem Kampfgeist. Der eine reagiert so, der andere anders. Du als Partnerin hast auch Angst, das ist aber eine andere Angst, wie die, die man als der unmittelbar Betroffene hat. Dein Mann ist innerlich zur Zeit vielleicht in einer Art Schockstarre und muss erstmal zur Besinnung kommen. Das dauert. Gib ihm Zeit. Möglicherweise fühlt er sich überfordert damit, dass jeder auf ihn einredet, wie er sich zu fühlen hat, wie er kämpfen müsste, verstehst du, wie ich meine? Das ist nur eine Anregung, die Sache auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

  3. VIP Avatar von katelbach
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Liebe Ivonne,

    unbedingt JA.

    Psychoonkologische Betreuung unterscheidet sich von der "üblichen" Psychtherapie. Sie dreht sich um den Krebskranken und seine Interaktion, sein Leben mit der Erkrankung. Es wird versucht, Ressourcen freizulegen, mithilfe der Erkrankte besser mit der existenziellen Besrohung umgehen kann, es werden vielleicht Strategien aufgezeigt, de das Coping verbessern, Trauer über Versäumtes oder gefühlt Vedrsäumtes im Leben wird thematisiert und zugelassen, ebenso Gespräche über Sterben und Tod - wenn der Erkrankte es will. Wenn nicht, dann nicht. Die Lebensqualität ist zentral.

    Verfahren zum Umgang mit der Therapie können aufgezeigt werden, Partner können miteinbezogen werden und erhalten auch Hilfe.

    Es gibt noch ne Menge mehr zu sagen zur Psychoonkologie. Ich schau mal, ob ich was finde, das dir da weiterhilft.

    Ich empfehle dir auch oder eher deinem Mann im Moment, den Termin wahrzunehmen.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
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    Geändert von katelbach (29.07.2019 um 00:09 Uhr)


  4. Registriert seit
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Zitat Zitat von Ivonne2017 Beitrag anzeigen
    Im Vorfeld der Erkrankung war die Depression. D.h., es gibt keine Hobbies mehr, nichts mehr, das ihn begeistern könnte. Weder ich noch andere wohlmeinende Menschen können ihn zu irgendetwas motivieren, was ihm früher wichtig war.
    oje das klingt nicht gut.

    und immer die schwierige Frage... was ist jetzt das Richtige? das Richtige - nicht das Bequeme, nicht das Gewünschte, oder Erhoffte, sondern das, was jetzt angemessen ist? - ist eine sehr schwere Frage.

    ich schliesse euch in meine Gebete ein.

    gruss, barbara
    It's easy.
    Manny Pacquiao

  5. Avatar von Sandra71
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Bist du selber an Krebs erkrankt, Yvonne?

    Weil du einerseits von "dem Erkrankten" schreibst und dann, dass du den Termin am liebsten wieder absagen würdest.

    BTW: Ich hatte ja schon zweimal Brustkrebs und habe nie einen Psychoonkologen in Anspruch genommen.

    Ich denke, dem einen tut es gut und dem anderen bringt es nichts. Da hilft im Zweifel nur ausprobieren.

    edit: Ich sehe gerade, dein Mann ist betroffen. Will er denn grundsätzlich psychoonkologische Betreuung?

  6. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Ganz lieben Dank.

    Ja, mein Mann wünscht sich - jetzt ganz neutral betrachtet - jemand, mit dem er über seine Ängste reden kann.

    In der Zeit, als seine Symptome wie Antriebslosigkeit bis zur Lethargie, Appetitlosigkeit sowie Panikattacken (völlig untypisch für ihn!) eher an eine Depression denken ließen vereinbarte er ja auch einen Termin für Psychotherapie, Beginn allerdings erst im Dezember.

    Er sieht an mir, wie gut Psychotherapie tut, sofern die Chemie stimmt. Auch für ihn scheint jemand Passendes gefunden.

    Im Augenblick kommt es darauf an, wie er mit seinen Befürchtungen wegen Chemotherapie umgehen kann. Er verträgt auch andere Medikamente nur sehr schlecht. Das scheint eine Veranlagungssache zu sein.

    Was macht die Bestrahlung, kann er hinterher noch essen, all diese Dinge erzeugen große Fragezeichen.

    Es redet niemand auf ihn ein, wie er sich zu fühlen hat. Es ergibt sich aus dem Augenblick, wenn z.B. ein Nachbar von einer geplanten Reise berichtet, da hake ich schon ein hinterher...toll, das machen wir auch. Hm. War dann doch keine so gute Idee von mir. Situationen dieser Art gibt es immer wieder.

    Ich selber kenne leider auch eine lebensbedrohliche Krankheit mit sehr ungewissem Ausgang, die eine längere Therapie erforderlich machte.

    Insofern denke und hoffe ich, genügend Verständnis aufbringen zu können.

    Für mich ist es wichtig zu erfahren, worin sich die auf Krebs spezialisierte Psychotherapie von der normalen Verhaltenstherapie unterscheidet.

    @katelbach, danke, lese ich noch.
    LG Ivi

  7. VIP Avatar von katelbach
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Es ist keine Psychotherapie im klassichen Sinne. Das sollte man nicht verwechseln.
    Es geht darum, mit der Erkrankung einen guten Weg zu finden.

    Wahrscheinlich wird eine Depression im Vorfeld schon auch Thema sein, aber die Kindheit wird eher nicht aufgearbeitet. Bei meinem Mann waren die Gespräch sehr krankheitsbezogen, sowoh bei seiner ambulanten Psychoonkologin als auch dann im Krankenhaus.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


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  8. Registriert seit
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Zitat Zitat von Ivonne2017 Beitrag anzeigen
    L

    Heute fiel mir auf, dass mein Mann noch kein einziges Mal darauf bestand, es zu schaffen. Das macht mir Angst.
    wie besteht man denn drauf, "es zu schaffen" ?
    bzw. bei wem?

    Das illustriert meiner Ansicht nach super, wofür ein Psycho-Onk gut ist.
    Dass der Patient einen Menschen hat, dem seine (des Patienten) Gefühle keine Angst machen.
    Dass ja jemand ist, den man nicht schonen muss - und trösten und die Angst nehmen.

    Sondern dass man mal 50min einfach total verzweifelt sein darf und weinen und schimpfen und fluchen. Oder Schockstarre haben.

    Das hält ein Profi aus - aber kein Angehöriger. Und das ist schwer für den Patienten.
    Es soll ja "gekämpft" werden und so - das ist p.c. und furchtbar schwer und überfordernd.

    Ich finde, es muss auch Raum geben für Panik, Verzweiflung, Wut und Schwäche. Beim PO wäre dafür Raum.

    Das Angebot deckt eh nur einen Bruchteil des Bedarfs. Wenn ihr die Chance habt, ergreifen.
    Und, @Ivonne, was der PO zu dir sagt, ist vielleicht was anderes, wie zum Patienten...

    Hast du jemanden? Wo du mal verzweifelt sein kannst? Ungefiltert?
    Oder bist du auch alleine und auf "durchhalten, kämpfen, nicht aufgeben" getrimmt? Das ist schwer

    Alles Gute Euch beiden

  9. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Danke, ich bin alleine am Durchhalten, Kämpfen und versuche, mit möglichst wenig Beruhigungsmittel durch den Tag zu kommen.

    Ja, mein Mann macht mir Angst mit seiner Haltung. Dass er mich schont habe ich eher nicht den Eindruck, es sei denn, es sieht in ihm noch viel düsterer aus als er zugibt.

    Aufgrund Eurer Posts konnte ich die Fragestellung für den PO überlegen (mein Mann macht das nicht, aber er ist einverstanden, wenn ich ihm von meinen Überlegungen für das PO Gespräch erzähle. Wie es tatsächlich abläuft werden wir ja sehen.).

    Was kommt auf ihn zu, wie mit den Nebenwirkungen umgehen?

    Und:

    Wie können wir das Leben aktuell lebenswert gestalten?
    Wir sind uns beide einig, dass Ablenkung am besten ist für die kommenden Tage.

    Sicher bräuchte jeder von uns eine Gelegenheit, auch ungefiltert reden zu können.
    Von meiner Seite: Mehr Angst geht schon nicht mehr, bei ihm vermutlich auch nicht.

    Dennoch bat ich ihn heute mir nicht zu erzählen, dass er jetzt erhöhte Temperatur hat, Nachtschweiß , all diese Dinge, die ich reflexhaft mit der Krankheit in Verbindung bringe und die mir jedes einzelne Mal den sehr dünnen Boden, auf dem ich versuche mich zu halten, wieder wegzieht.

    Ich kann nichts, aber rein gar nichts daran ändern.
    Mich hat die Diagnose "Krebs" kein bisschen überrascht, sehe ich doch schon seit Monaten das Unheil kommen.

    Auch ich brauche Kraft, um ihm zu helfen.


    Edit: Das Unheil sehe ich seit Monaten kommen. Der Hausarzt wollte im Dezember eine Krankenhauseinweisung. Wir redeten über alles, fast alles wurde von ihm abgelehnt und beschönigt. Nun fiel er aus allen Wolken bei der Diagnose "Krebs".

    Ich konnte doch nicht jeden Tag ankommen und sagen, ich denke, dass er Krebs hat?
    Es ist für mich fast so, als wäre ich jetzt schuld. Ich bat ihn fast täglich, etwas zu unternehmen. Nur eben ohne das Wort "Krebs" zu verwenden. Gedacht habe ich es insgeheim. Wer thematisiert das schon beim Frühstück? Bei JEDEM Frühstück.

    Sicher ein gutes Thema für den Psychologen. Das war auch hier schon Thema. Es bleibt dennoch...
    Wir sollten getrennte Termine ausmachen.
    Geändert von Ivonne2017 (29.07.2019 um 22:32 Uhr)

  10. Avatar von Ivonne2017
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    AW: Psychoonkologe ja oder nein

    Wie man selber als Erkrankter darauf besteht, es zu schaffen....gute Frage. Vielleicht nicht jeden Funken Optimismus von mir im Keim ersticken. Das wäre ein guter Anfang!

    Die Möglichkeit, jetzt ein E-Bike zu kaufen nicht als völlig absurd hinstellen.
    Mit weniger Kraft durch die Behandlung wäre das eine gute Sache. Fahrrad fahren ist/war eines seiner liebsten Hobbies.

    Wobei wir da schon einen Minischritt weiter sind. So ein Bike wiegt zuviel, um es in den Keller zu tragen. Er fühlt sich nicht stark genug.
    LG Ivi

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